Bis Mitte der 90er Jahre, bevor die Dreidimensionalität Überhand nahm,
gab es das Jump&Shoot Genre. Klassische Beispiele hierfür sind
Turrican, Contra, Megaman und auch die Geschichten von Samus, welche
einen gewissen Adventureanteil aufweisen. Shadow Complex klaut sich nun
dieses 15 Jahre alte Spielgefühl von Super Metroid (SNES) und bringt es
mit zeitgemäßer Technik wieder auf die heimischen Flimmerkisten.
Doch beginnen wir am Anfang. Nach einem kurzen actionreichen
Einleitungsabschnitt startet das eigentliche Spiel auf einer düsteren
Berglandschaft. Hauptdarsteller ist Jason Fleming, der eigentlich einen
netten Ausflug mit seiner Freundin genießen wollte. Kurz nicht
aufgepasst ist die bessere Hälfte wie vom Boden verschluckt und man
begibt sich nur mit der Taschenlampe bewaffnet auf die Suche nach ihr.
Vorsichtig steigt man abwärts in eine Höhle mit rauschendem Wasserfall
und findet den verlorenen Rucksack wieder, mit dessen Inhalt man von
nun an auch klettern kann. So ausgerüstet begibt man sich wieder etwas
zurück und kann einen anderen Wegabschnitt erreichen, da es nun möglich ist, sich an Felsvorsprüngen festzuhalten. Man erreicht einen
Gebäudekomplex und sichtet, wie die Freundin von mysteriösem
Cybersoldaten in Gewahrsam genommen wird. Jason bleibt nun nichts
anderes übrig, als seine Geliebte auf eigene Faust zu retten, womit die
Geschichte ihren Lauf nimmt. Man schleicht sich an Überwachungskameras
vorbei, bis in einen Kontrollraum, wo man sich mit einer herumliegenden
Pistole ausrüstet.
Trifft man auf die ersten Gegner, visiert man diesen mit dem rechten
Analogstick an. Dank des zusätzlichen Ziellasers sind Headshots
möglich. Wenn ein Feind zu nahe kommt, kann man diesen zur Not mit
einem Nahkampfangriff ausschalten. Auch ist es kein Problem Gegner in
der Tiefe zu treffen, da Jason automatisch in deren Richtung zielt.
Lästiges Muntionsaufsammeln bleibt dem Spieler erspart, da man über
unbegrenzte Kugeln verfügt. Ganz nach Metroideigenart gibt es nur eine
Primärwaffe. Wird ein besseres Modell gefunden, so ersetzt dieses den
alten Ballermann. Zusätzlich findet man im Laufe des Spieles
munitionsbegrenzte Sekundärwaffen, welche mit dem Steuerkreuz
durchgeschaltet werden. Man steht hin und wieder vor verschlossenen
Türen, Geröll oder sonstigen Hindernissen, an denen man zunächst nicht
vorbei gelangt. Hier kommt die Taschenlampe wieder ins Spiel, welche
neben der Aufhellung des Raumes, auch dazu dient, Objekte zu scannen.
Die abgetasteten Gegenstände leuchten in einer entsprechenden Farbe,
wodurch man weiß, mit welcher Sekundärfunktion sich diese aus dem Weg
räumen lassen (z.B grün für Granaten). Wie schon erwähnt, bleibt einem
sehr oft zunächst der Weg verwehrt, da man noch nicht über die
entsprechende Ausrüstung verfügt. So kann man später an alte (geheime)
Orte zurück kehren, wo man z.B. Upgrades für die eigene Gesundheit oder
Muntionsaufstockung für Sekundärwaffen erhält. In Fachkreisen nennt man
dieses Gameplayelement Backtracking. Zum Glück wird auf der sehr
detaillierten Rasterkarte aufgezeichnet, wo sich noch ein Geheimnis
verbirgt. Zusätzlich verrät einem die Karte immer, welchen Ort man als
nächstes aufsuchen sollte, um die Mainstory voranzutreiben. Der
Spielfortschritt wird in Speicherräumen gesichert, die über die ganze
Karte fair verteilt sind. Der Gesundheitsstatus und der Munitionsvorrat
werden dabei größtenteils aufgefrischt. Man kriecht durch enge
Luftschächte, springt und hangelt sich über Abgründe und taucht im
feuchten Nass. Bei Schlüsselstellen gibt es sogar stationäre
Geschütztürme, mit denen man Gegnermassen im dreidimensionalen Raum
bekämpfen muss. An manchen Locations trifft man auf imposante
Mechbosse, welche häufig ihre Vorbilder aus dem Tierreich haben. Diese
lassen sich entweder mit sinnlos roher Gewalt besiegen oder man wendet
etwas Köpfchen an. Manchmal ist es auch möglich, die Umgebung zu
manipulieren, um einen Boss zu bezwingen.
Angetrieben von der hauseigenen Unreal Engine 3 gehört Shadow Complex
zu den beeindruckendsten Arcadegames. Der gelungene Mix aus Natur und
SciFi bietet jede Menge optische Abwechslung. Besonders überzeugen
einige Shader-, Partikel, und Wassereffekte. Mitunter vergisst man bei
all dieser grafischen Pracht, dass es sich „nur“ um einen Arcadetitel
handelt. Ebenfalls begeistert die integrierte Physikengine:
Ragdollleichen gibt es massenhaft, Kisten zerbrechen und teilweise kann
die Umgebung zerstört werden. Die musikalische Untermalung passt sich
den Situationen an, hält sich allerdings eher im Hintergrund. Die
Soundeffekte, wie das Waffenfeuer, der Explosionen und sonstige
Umgebungsgeräusche können hingegen voll und ganz überzeugen. Die
deutsche Sprachausgabe ist im Großen und Ganzen recht passabel, mit
Luft nach oben.
Nach ca. acht Stunden ist auch dieses wundervolle Meisterwerk zu Ende,
mit allen gefundenen Geheimnissen kann die Spielzeit auf ca. 12 Stunden
anwachsen. Zusätzlich bietet das Game einen sehr großen Wiederspielwert
(auch aufgrund der vier Schwierigkeitsgrade), da es neben dem
klassischen Achievements auch ein Ingame-Belohnungssystem gibt. Als
Bonus haben die Entwickler kleine Herausforderungsräume eingebaut, in
denen man alle errungenen Fähigkeiten und Waffen noch einmal ausgiebig
austesten kann.
Insgesamt betrachtet wird Shadow Complex seinem Hype gerecht. Man tritt
in die Fußstapfen von Samus, baut aber auch neue Ideen ein und
transferiert alles ins Next-Gen-Zeitalter. Es wird schwierig für Team
Ninja mit Metroid: Other M das Level von Shadow Complex in der heutigen
Zeit zu erreichen. Epic Games und Chair haben jedenfalls ihre
Hausaufgaben erledigt und präsentieren das wohl beste ArcadeGame,
welches auch gegen so manch großes Retailgame locker bestehen kann.
Pflichtkauf!
Als kleines Extra hier noch ein Vergleich zwischen Super Metroid und Shadow Complex!




