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Denkst du wirklich, du bist ein überdurchschnittlich guter Autofahrer? Denkst du wirklich, du könntest auf einer Rennstrecke auch nur eine Runde unbeschadet überstehen? Es gibt eine Methode, das herauszufinden: Mit Race Pro schickt Entwickler SimBin die erste waschechte Konsolen-Racing-Simulation ins Rennen...


Anschnallen, bitte!

Als langjähriger Evo-X-Rennspiel-Korrespondent sind schon so einige gute Rennspiele durch meine Fittiche gegangen. Falls ich aber je einem Rennspiel auf der Konsole zugesprochen habe, ein simulationsartiges Fahrverhalten zu haben, nehme ich das an dieser Stelle zurück.

Denn nichts, wirklich nichts fühlt sich dermaßen echt an, wie das Fahrverhalten von Race Pro - vorausgesetzt man hat den Schwierigkeitshebel vorher nicht in die Semi-Profi oder die Anfänger-Position verschoben, sondern auf Profi stehen lassen. Denn dann sollte man sich darauf einstellen, vor der Kurve zu bremsen - sonst landet man im Kiesbett. Man sollte sich darauf einstellen, dass man den im Spiel realisierten Rennwagen mindestens genau so gut kennen muss, wie den Golf vor der Haustür - sonst versagt man schon auf der Geraden. Und man sollte sich darauf einstellen, dass man jede Menge Übungsstunden investieren muss, um die Ideallinie immer gut zu finden.

Die Entwickler von SimBin zeigen mit Race Pro erneut, dass sie ihr Handwerk verstehen: Beschleunigung, Bremsen, Einlenkverhalten, Driftverhalten, Ausbrechen der Fahrzeuge, Übersteuern, Untersteuern. Es funktioniert im Spiel einfach alles genau so, wie man es sich vorstellt oder sogar aus der Realität gewohnt ist. Alle der 48 Rennwagen, egal ob Mini oder Formel-3000-Kutsche, haben ihre Eigenschaften und Tücken. Und jede der 13 Strecken ist auf jeden Kurvenwinkel genau nachmodelliert.

Nichts für Weicheier...

Genau da liegt aber der Hase im Pfeffer: Race Pro ist in extremster Weise auf absolute Simulations-Fetischisten zugeschnitten. Natürlich kann man den Schwierigkeitsgrad auf Anfänger oder Semi-Profi stellen, um elektronische Fahrhilfen zuzuschalten, um sich ins Lenkrad greifen zu lassen oder um sich eine bunte Ideallinie anzeigen zu lassen. Aber Fahrverhalten für Motorroller-Fahrer gibt's in anderen Rennspielen schon zu genüge - und meist auch besser verpackt.

Denn Optik und Präsentation des SimBin-Titels lassen stark zu wünschen übrig. Die schnöde Grafik kommt aus der Vergangenheit und von Spielermotivation haben die Entwickler vermutlich noch nie etwas gehört. Auch wenn die in acht Teile aufgeteilte Karriere eigentlich einen großen Umfang bietet, kann das Antreten in verschiedenen Rennserien mit nicht viel mehr locken als dem Freischalten von weiteren Rennserien und Fahrzeugen. Mit von der Partie sind hier recht bekannte Cups, wie zum Beispiel die Mini-Serie, die World Touring Car Championship oder die Formel 3000.

Immerhin kann man noch einige Zeit damit verbringen, das Fahrzeug richtig auf die Strecke abzustimmen und das beste Setup zu finden. Natürlich kann man sich auch einfach so auf die Rennstrecke stürzen und Gas geben. Hat man den Dreh einigermaßen raus, macht Race Pro einfach Laune. Versagt man aber auf ganzer Linie, spielt man schnell mit dem Gedanken das Spiel schleunigst wieder los zu werden oder stellt sich vor, wie die DVD beim Aufprall auf die Wand zerschellt.

Beta Pro

Leider ist Race Pro einer der Titel, an denen besser noch ein halbes Jahr weiterentwickelt worden wäre. Abgesehen vom Fahrverhalten wirkt nichts zu hundert Prozent ausgereift: Die KI verhält sich oftmals mehr als dämlich, bei Unfällen treten ab und zu nicht nachvollziehbare Defekte auf, technische Probleme werden komplett ausgeblendet und eine funktionierende Online-Partie kommt bei maximal einem von fünf Versuchen zu Stande.

Apropos online: Eigentlich soll das Online-Spielen sogar mit bis zu zwölf Spielern funktionieren, in der Praxis hat das aber nicht einmal geklappt. Manchmal kam es schon bei drei oder vier Spielern zu extremen Lags. Problematisch ist dann auch, dass sich die Kollisionen im Online-Modus nicht abstellen lassen. Immerhin hat man die Möglichkeit, die Wetterlage selbst zu bestimmen. Auch wenn das Fahren bei Regen ungleich schwieriger ist, hat der Niederschlag bei Race Pro einen besonderen Reiz. Und hat man erstmal eine vernünftig funktionierende Partie mit ebenbürtigen Gegnern gefunden, packt einen das Racing-Fieber sofort und die Kurvenhatz wird zum Spaßgarant. Vorausgesetzt man stürzt sich nicht sofort beim ersten Spielen ins Online-Getümmel, sondern ringt sich dazu durch, einige Offline-Trainingsrunden zu absolvieren.

Fazit

Eigentlich hätte Race Pro ganz großes Kino werden können, zumindest für bekennende Simulations-Fans. Jene sollten sich Race Pro auf jeden Fall mal anschauen, da kein Rennspiel bisher ein realistischeres Fahrverhalten auf die Konsolen zaubert. Zum Top-Titel reicht's aber nicht: Dafür ist die Optik zu schlicht, die Präsentation zu trocken und das Spiel zu fehlerhaft. Schade auch, dass der viel versprechende Online-Modus nicht so gut funktioniert, wie er eigentlich sollte. Echte Racing-Freaks stört das aber mit Sicherheit nicht, außerdem darf man ja auf etwaige Patches hoffen...


Bewertung
Gameplay : 75% Sound : 85% Grafik : 60% Steuerung : 85% Multiplayer : 70%
Gesamt-Bewertung


Erstellt am : 08.03.2009      Autor : Ansgar Babucke          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
GAME-FACTS
Publisher : Atari
Entwickler : Simbin
Release : 19.02.2009

Genre : Rennspiel
Player : 1-12
USK Einstufung

ohne Altersbeschränkung
Homepage
race pro
Titel : Race Pro      Publisher : Atari      Release : 19.02.2009
Titel : Race Pro      Publisher : Atari      Release : 19.02.2009
Titel : Race Pro      Publisher : Atari      Release : 19.02.2009
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