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Eigentlich klingt alles nach einem Erfolgsrezept: Ein Spiel im Halo Universum, die erfolgsträchtigen Entwickler von den Ensemble Studios im Boot und ein mit Sicherheit nicht geringes Microsoft-Games-Budget. Nun das große aber: Halo Wars ist ein reinrassiges Echtzeit-Strategiespiel. Und die vertragen sich bekanntlich weniger gut mit Konsolen. Taugt der Xbox-360-exklusive Titel trotzdem was?


Da sind ja mehrere Spartans?!

An der kantigen Halo-Story anzusetzen ist gar nicht so einfach: Schließlich ist der Master-Chief in den bisherigen Halo-Spielen der letzte seiner Art und auserkoren auf Warthog und Co. die Welt zu retten. Wie zum Teufel ist es also möglich, das auf den Halo-Wars-Schlachtfeldern mehrere Spartans rumwuseln? Ganz einfach: Halo Wars spielt 20 Jahre vor den Geschehnissen von Halo und bietet so viel Spielraum für mögliche Story-Hirngespinste der Ensemble-Entwickler.

Der Krieg zwischen Menschen und den Covenant steckt im Jahr 2531 noch in den Kinderschuhen und benötigt mehr als nur einen Helden. So hat man in der in drei Akte aufgeteilten Story die Kontrolle über drei verschiedene Charaktere, die auch immer wieder in den Zwischensequenzen auftauchen und auf dem Schlachtfeld gar keine schlechte Figur abgeben. Die eigentliche Arbeit erledigen aber trotzdem Panzer, Warthogs und Flugeinheiten, über die man als Spieler die Kontrolle hat.

In den fünfzehn Missionen lernt man im Prinzip die ganze Einheitenpalette der UNSC kennen und muss mal mit einer kleinen Auswahl zurecht kommen, mal hat man die ganze Palette der Kriegsmaschinerie zur Verfügung.

Dazu gehören Infanterie, drei verschiedene Fahrzeugarten und zwei verschiedene Flugeinheiten. Das ist ganz klar zu wenig: Mit rund zehn verschiedenen Einheiten auf jeder Seite ist die Auswahl leider arg beschränkt - das lässt auch die Anzahl möglicher Taktiken erschreckend gering wirken. Auf den zweiten Blick kann man der ganzen Sache auch etwas positives abgewinnen: Durch die recht wenigen Einheiten man sich schnell ins Spiel eingefunden und hat schon nach wenigen Minuten das gesamte Spielkonzept verstanden. Überhaupt ist das Spiel für ein Echtzeit-Strategiespiel sehr zugänglich - eben total auf Konsolenspieler zugeschnitten.

Die Steuerung geht mit nur wenigen Befehlen von der Hand, die Beschränkung auf eine gewisse Gebäudeanzahl pro Basis lässt auch Anfänger nicht am so wichtigen Aufbau verzweifeln. Und für Taktiker hat diese Beschränkung einen weiteren Reiz: Schließlich muss man sich genau überlegen, welchen Gebäude-Spot man wie vergibt, um am Ende möglichst effektiv gegen den Gegner vorgehen zu können.

Das ist je nach Schwierigkeitsgrad in den Story-Missionen enorm wichtig. Auch wenn man hier manchmal auch ohne den Aufbau einer Basis klarkommt und nur mit ein paar Warthogs über die Map heizt, um der Allianz den Gar aus zu machen, braucht man in den meisten Fällen schon ein gut ausgerüstetes Zuhause, das einen bei den Aufgaben mit Nachschub an Einheiten, Energie und Geld versorgt. Schließlich heißt es in den meisten Missionen: Besiegen Sie alles, was nicht Mensch ist. Ab und zu bietet einem die Kampagne aber auch Abwechslung: So muss man zum Beispiel in einer Mission einer mobilen Basis über eine ganze Map hinweg Geleitschutz geben oder in einer anderen dafür sorgen, dass eigene Transportschiffe überleben, um Zivilisten aus einer Stadt zu befreien. Im Prinzip läuft das aber natürlich immer darauf hinaus, dass man die Gegner einfach in die ewigen Jagdgründe schicken muss.

Kurzes Vergnügen...

Leider ist die Kampagne schon nach wenigen Stunden abgefrühstückt und dann bleiben einem nur noch der Gefechtsmodus, Multiplayer-Matches oder ein erneutes Durchspielen übrig - dank mehrerer Schwierigkeitsmodi macht man das sogar gerne. Und auch, wenn die UNSC-Kampagne sehr großen Spaß macht, wird sich der ein oder andere auf jeden Fall wünschen, auch eine Kampagne auf Seiten der Allianz spielen zu können. Übrigens taucht während der Kampagne auch die Flood das ein oder andere mal auf.

Wenn wir schonmal beim Meckern sind: Stellenweise bringt einen die miserable Einheiten-KI wirklich zum Haare raufen. Schickt man zwei Warthogs über einen schmalen Weg, kommt es ab und zu vor, dass sich keiner von beiden auch nur einen Stück vorwärts bewegt und sich die beiden gegenseitig blockieren. Anderes Beispiel: Möchte man eine Einheit aus einem Pulk befreien, muss man erst mühselig alle anderen Einheiten um diese herum weg bewegen.

Ansonsten ist das Gameplay aber großartig gelungen: DIe gesamte Bedienung geht super-fix von der Hand. Ein radiales Menü erlaubt zügigen Zugriff auf Gebäudefunktionen und Updates, mit den LB- und RB-Buttons wählt man jeweils alle oder lokale Einheiten aus und mit X schickt man diese über die Map. Schon hat man das Steuerungsprinzip von Halo Wars verstanden. Klar, man kann noch einzelne Einheiten zurückziehen, Zusatzfähigkeiten von bestimmten Einheiten mit Y abrufen oder mit dem Steuerkreuz bestimmte Sonderbefehle ausführen. Aber das grenzt dann schon an Perfektion.

Neben der Steuerung macht die Präsentation - insbesondere als Halo-Kenner (um nicht Fan zu sagen) - enorme Freude: Alles sieht aus wie bei Halo, fühlt sich an wie bei Halo, ja, spielt sich sogar ein bisschen wie Halo. Ghosts und Warthogs rutschen über die Map, Spartans schießen mit Sniper-Gewehren und Rocket-Launchern durch die Gegend und Pelicans liefern Nachschub aus der Luft. Hier kann man nur Lob aussprechen: So eine detailgetreue Portierung in ein anderes Genre gab es vermutlich noch nie.

Großes Vergnügen!

Quasi als Ausgleich zur kurzen Kampagne haben die Ensemble-Studios in ihrem letzten Werk jede Menge Multiplayer-Spaß auf die DVD gebannt: Neben den typischen Gegeneinander-Matches bietet Halo Wars über System Link und Xbox Live einen Coop-Modus, der sich gewaschen hat. So kann man die ganze Kampagne auch zu zweit durchspielen: Natürlich hat man hier nicht mehr Basen als sonst, aber das Budget steht beiden Spielern zur Verfügung und beide können jeweils eigene Einheiten steuern. Das funktioniert in der Praxis großartig und macht einfach Spaß.

Natürlich haben sowohl Gefechte, als auch "normale" Multiplayer-Matches, in denen man übrigens mit bis zu sechs Spielern spielen kann, ihren Reiz. Schließlich kann man nur online ausprobieren, ob seine mühsam ausgetüftelten Taktiken wirksam sind. Übrigens hat man hier auch die Möglichkeit, die Allianz zu spielen, die sich komplett anders spielt als die menschliche Seite. Auf den ersten Blick scheinen beide Seiten recht ausbalanciert, auf den zweiten gibt es einige Dinge, die schamlos ausgenutzt werden könnten, um sich einen enormen Vorteil zu erhaschen. So gibt es Möglichkeiten, schon kurz nach Spielbeginn die komplette gegnerische Basis zu zerlegen - ist der Gegner darauf nicht eingestellt, hat er schon so gut wie verloren. Spielt der Gegner aber fair, ist Halo Wars ein Garant für packende Online-Matches, die je nach Gegner auch mal eine Stunde dauern können. Außerdem ist die technische Basis vorzüglich: Keine Verzögerungen, ein gutes Matchmaking-System und das rasche Finden von Gegnern zeigen, wie Online-Modi auszusehen haben.

Apropos Aussehen: Technisch hat Halo Wars einiges auf dem Kasten. Die Einheiten-Modelle kommen ebenso detailliert daher, wie die Karten. Der Gesamteindruck ist einfach stimmig und auf durchweg hohem Niveau. Die Vertonung ist actionreich, die Musik ähnlich mystisch wie in den Shootern der Reihe. Leider können wir die deutsche Synchro noch nicht bewerten, da das Testmuster nur die englische Sprachversion beinhaltet. Die ist aber recht gut gelungen und fügt sich passend ins Gesamtbild ein.

Fazit

Das letzte Aufbäumen der Ensemble-Studios: Halo Wars ist ein großartiges Strategiespiel und spielt sich - dafür das man es mit dem Controller spielen muss - einfach großartig. Leider hat die KI einige Schwächen, die Einheitenauswahl könnte besser sein und die kurze Kampagne führt zu großem Punktabzug in der Singleplayer-Wertung. Dafür ist der Multiplayer-Modus super, der Coop-Modus und die verschiedenen Schwierigkeitsgrade fördern das DVD-auch-nach-Jahren-wieder-einleg-Potenzial. Das die Präsentation und die Atmosphäre einfach phänomenal sind, brauche ich wohl nicht noch mal zu erwähnen. Schließlich steht da ja ein Halo vor dem Wars...


Bewertung
Gameplay : 80% Sound : 85% Grafik : 85% Steuerung : 85% Multiplayer : 90%
Gesamt-Bewertung


Erstellt am : 08.03.2009      Autor : Ansgar Babucke          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
GAME-FACTS
Publisher : Microsoft
Entwickler : Ensemble
Release : 27.02.2009

Genre : Strategie
Player : 1
USK Einstufung

ab 12 Jahre
Homepage
Halo Wars
Titel : Halo Wars      Publisher : Microsoft      Release : 27.02.2009
Titel : Halo Wars      Publisher : Microsoft      Release : 27.02.2009
Titel : Halo Wars      Publisher : Microsoft      Release : 27.02.2009
Titel : Halo Wars      Publisher : Microsoft      Release : 27.02.2009
Titel : Halo Wars      Publisher : Microsoft      Release : 27.02.2009
Titel : Halo Wars      Publisher : Microsoft      Release : 27.02.2009
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