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Man nehme muskelbepackte Kämpfer, ein Setting angesiedelt in der Welt der griechischen Mythologie und eine ordentliche Portion bluttriefender Schwertkampf-Action und schon hat man einen Hit, da man mit der Unreal 3 Engine sowieso grundsätzlich nichts falsch machen kann. So oder so ähnlich hatte man sich bei Liquid Entertainment wohl das Konzept zu "Rise of the Argonauts" vorgestellt. Dass aber in der Realität Theorie und Praxis oftmals ein wenig auseinander liegen, beweist auch der Test des bereits im Dezember erschienenen Hack'n'Slays/Rollenspiels.



Für Spieler mit einer gewissen Affinität zur griechischen Mythologie bietet "Rise of the Argonauts" eine nette Geschichte, die den Weg des Protagonisten Jason bestimmt. Dieser ist König von Iolkos und muss mit ansehen, wie seine angehende Ehefrau Alkmene während der gemeinsamen Hochzeit ermordet wird. Als Täter entpuppen sich dunkle Gestalten, die dem teuflischen Kult der Schwarzzungen angehören und mit dem Tod der angehenden Königin, ihrem Klan zu - wie hätte es anders sein können - mehr Macht zu verhelfen. Doch Jason, der sich vehement weigert, sich mit dem Tod seiner Geliebten abzufinden, findet heraus, dass das goldene Vlies, die Macht besitzt Alkmene wieder zu beleben. Also macht er sich mit Hilfe einiger Freunde, wie z,B. Achilles, Herkules und Pan, auf die Suche nach dem seit Jahrhunderten verschollen geglaubten Artefakt. Leider bemerkt man als Kenner der griechischen Mythologie schnell, dass das Spiel bis auf den roten Faden nichts mit der Argonautensage gemein hat. Zwar sind seine Argonauten(, benannt nach der "Argo", dem Schiff, auf dem die Reise statt findet) allesamt aus der griechischen Mythologie bekannt, aber bis auf die Tatsache, dass Jason sich aufmacht, das goldene Vlies zu finden, ist das Spiel ein Sammelsorium aus themenverwandten Blockbuster-Filmen, die in den letzten Jahren liefen.

Im Hinblick auf das Gameplay kann man sich auf eine Mischung aus Rollenspiel und Hack'n'Slay einstellen. Als Meister der Kriegskünste metzelt sich der Held des Spiels durch die Gegnerhorden, um neben den eigentlichen Missionen, mit Passanten in Form von Antwortwahlmöglichkeiten zu interagieren und dabei viel zu lange Wege zurückzulegen. Besonders anfangs hat man das Gefühl, mehr durch die Gegend zu laufen und belanglose, sowie weniger belanglose Diskussionen zu führen, als zu kämpfen.

Als Hintergedanke dient dem ganzen Treiben, dass all euer Handeln Auswirkungen auf die Gunst der Götter hat, denen man im antiken Griechenland seine Taten gewidmet hat. Denn Jason hat neben seinen Argonauten, die glücklicherweise mit einer soliden KI ausgesttattet wurden, noch vier Götter auf seiner Seite - Ares, Hermes, Apollo und Athene, denen er huldigt, indem er ihnen Heldentaten widmet oder in ihrem Sinne Konversationen führt. In der Praxis sieht das so aus, dass beispielsweise aggressive Antworten Ares, und eher tückische oder listige Antworten Hermes zugerechnet werden. Ein Levelsystem gibt es nicht, aber ähnlich wie in "Mass Effect" oder "Too Human" gibt es einen Entwicklungsbaum, mit dem ihr euren Helden aufleveln und mit neuen Fertigkeiten versehen könnt. Allerdings scheinen diese "gottgegebenen" Fähigkeiten keinen großen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg zu haben.

Auch die neuen Waffen und Rüstungen verhelfen dem Spiel nicht gerade zu mehr Spieltiefe, da ihr zwar im Verlaufe des Spiels neue Ausrüstungsgegenstände bekommt, aber kein wirkliches Item-Management erforderlich ist, wie man es von genreverwandten Spielen kennt. Einerseits, weil das neueste Item auch immer das stärkste ist und andererseits, weil die Actionsequenzen, in denen ihr wirklich kämpfen müsst, leider zu selten sind. So kommt beizeiten schon mal Langeweile auf, da neben der stellenweise vorkommenden Interaktionsarmut des Titels leider auch Story und Atmosphäre nicht wirklich fesseln können. Darüber können auch die zahlreichen 0815-Sidequests nicht hinweg täuschen. Ganz nett ist die Tatsache, dass "Rise of the Argonauts" komplett auf ein Inventar verzichtet. Ihr könnt nur das mitnehmen, was Jason auch tragen kann und das bedeutet, dass ihr neben dem Schild noch eine Variante von Speer, Streithammer und Schwert bei euch führen könnt. Die Kampfsteuerung geht ganz gut von der Hand, fühlt sich sehr realistisch an und ist so konzipiert, dass blindes Button-Mashing nicht belohnt wird und meist ein Schwert im Rücken als Konsequenz nach sich zieht. Erfolgreiche Combos werden dagegen mit abgetrennten Gliedmaßen und Blutfontänen belohnt.

Die Charakteranimationen des Königs von Iolkos sind dabei sehr nett anzusehen und besonders die bei Wirkungstreffern einsetzenden Slow-Motion-Sequenzen lassen neben dem generellen Look Jasons unweigerlich an den Spartaner-Film "300" denken. Besonders die Combos, in denen der Krieger die Waffen wechselt, sind zum Teil sehr ansehnlich. Leider kann man das von der Grafik der Areale nicht behaupten. Zwar gibt es kaum Ladezeiten, aber Detailverliebtheit sucht man, auch wenn einige der Gebiete ganz okay sind, vergeblich. Pflanzen bestehen teilweise nur aus platten Texturen, die je nach Kameradrehung verschwinden, die Leveldesigns wirken einfallslos und man läuft oft gegen unsichtbare Wände, die als Levelbegrenzung dienen. Dadurch vermittelt das Spiel einen unfertigen und einfach nicht mehr zeitgemäßen Eindruck.

Auch beim Sound gibt es Licht und Schatten zu bemerken. In punkto musikalischer Untermalung wird der Spieler mit passender Hintergrundmusik beschallt. Ferner hat man jede Unterhaltung im Spiel, jeden Kommentar eurer Mitstreiter mit Lippenbewegungen und Gesichtsanimationen ausgestattet. Generell gibt es Unmengen Sprachausgabe im Spiel. Doch leider schwankt die Qualität der Synchronisierung und die Tonqualität des Gesprochenen stark. Wo im einen Moment noch glasklare Audio-Ausgabe zu vernehmen war, krächzt der neben euch sprechende Argonaut im nächsten Moment ohne Grund, als würde er aus einem Funkloch mit dem Handy anrufen. Außerdem kommt es des öfteren vor, dass die Charaktere noch die Lippen bewegen, obwohl sie eigentlich schon seit ein paar Sekunden nichts mehr gesagt haben.



FAZIT: Eigentlich hätte "Rise of the Argonauts" das Zeug gehabt, ein tolles Spiel zu werden. Und auch, wenn der Titel einige nette Ansätze bietet, bleibt dennoch ein fader Beigeschmack übrig. Denn auch eine Ansammlung des "Who is Who" der griechischen Mythologie kann nicht über fehlende Liebe zum Detail beim Entwicklerteam hinweg täuschen. Darüber hinaus gibt es einfach zu wenig Actionszenen, in denen man seine Kampftüchtigkeit erproben kann. Übrig bleibt ein Spiel, dem man mit ein bisschen Affinität den griechischen Sagen gegenüber, durchaus einige Stunden Spaß entlocken kann. Ob man dafür allerdings guten Gewissens den Vollpreis bezahlen kann, ist eine andere Frage.


Bewertung
Gameplay : 65% Sound : 60% Grafik : 65% Steuerung : 70% Multiplayer : -%
Gesamt-Bewertung


Erstellt am : 04.02.2009      Autor : Marc Gillessen          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
GAME-FACTS
Publisher : Codemasters
Entwickler : Liquid Entertainment
Release : 12.12.2008

Genre : Action
Player : 1
USK Einstufung

keine Jugendfreigabe
Homepage
rise-of-the-argonauts.com
Titel : Rise of the Argonauts      Publisher : Codemasters      Release : 12.12.2008
Titel : Rise of the Argonauts      Publisher : Codemasters      Release : 12.12.2008
Titel : Rise of the Argonauts      Publisher : Codemasters      Release : 12.12.2008
Titel : Rise of the Argonauts      Publisher : Codemasters      Release : 12.12.2008
Titel : Rise of the Argonauts      Publisher : Codemasters      Release : 12.12.2008
Titel : Rise of the Argonauts      Publisher : Codemasters      Release : 12.12.2008
Titel : Rise of the Argonauts      Publisher : Codemasters      Release : 12.12.2008
Titel : Rise of the Argonauts      Publisher : Codemasters      Release : 12.12.2008
Titel : Rise of the Argonauts      Publisher : Codemasters      Release : 12.12.2008
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