Für Spieler mit einer gewissen Affinität zur griechischen Mythologie
bietet "Rise of the Argonauts" eine nette Geschichte, die den Weg des
Protagonisten Jason bestimmt. Dieser ist König von Iolkos und muss mit
ansehen, wie seine angehende Ehefrau Alkmene während der gemeinsamen
Hochzeit ermordet wird. Als Täter entpuppen sich dunkle Gestalten, die
dem teuflischen Kult der Schwarzzungen angehören und mit dem Tod der
angehenden Königin, ihrem Klan zu - wie hätte es anders sein können -
mehr Macht zu verhelfen. Doch Jason, der sich vehement weigert, sich
mit dem Tod seiner Geliebten abzufinden, findet heraus, dass das
goldene Vlies, die Macht besitzt Alkmene wieder zu beleben. Also macht
er sich mit Hilfe einiger Freunde, wie z,B. Achilles, Herkules und Pan,
auf die Suche nach dem seit Jahrhunderten verschollen geglaubten
Artefakt. Leider bemerkt man als Kenner der griechischen Mythologie
schnell, dass das Spiel bis auf den roten Faden nichts mit der
Argonautensage gemein hat. Zwar sind seine Argonauten(, benannt nach
der "Argo", dem Schiff, auf dem die Reise statt findet) allesamt aus
der griechischen Mythologie bekannt, aber bis auf die Tatsache, dass
Jason sich aufmacht, das goldene Vlies zu finden, ist das Spiel ein
Sammelsorium aus themenverwandten Blockbuster-Filmen, die in den
letzten Jahren liefen.
Im Hinblick auf das Gameplay kann man sich auf eine Mischung aus
Rollenspiel und Hack'n'Slay einstellen. Als Meister der Kriegskünste
metzelt sich der Held des Spiels durch die Gegnerhorden, um neben den
eigentlichen Missionen, mit Passanten in Form von
Antwortwahlmöglichkeiten zu interagieren und dabei viel zu lange Wege
zurückzulegen. Besonders anfangs hat man das Gefühl, mehr durch die
Gegend zu laufen und belanglose, sowie weniger belanglose Diskussionen
zu führen, als zu kämpfen.
Als Hintergedanke dient dem ganzen Treiben, dass all euer Handeln
Auswirkungen auf die Gunst der Götter hat, denen man im antiken
Griechenland seine Taten gewidmet hat. Denn Jason hat neben seinen
Argonauten, die glücklicherweise mit einer soliden KI ausgesttattet
wurden, noch vier Götter auf seiner Seite - Ares, Hermes, Apollo und
Athene, denen er huldigt, indem er ihnen Heldentaten widmet oder in
ihrem Sinne Konversationen führt. In der Praxis sieht das so aus, dass
beispielsweise aggressive Antworten Ares, und eher tückische oder
listige Antworten Hermes zugerechnet werden. Ein Levelsystem gibt es
nicht, aber ähnlich wie in "Mass Effect" oder "Too Human" gibt es einen
Entwicklungsbaum, mit dem ihr euren Helden aufleveln und mit neuen
Fertigkeiten versehen könnt. Allerdings scheinen diese "gottgegebenen"
Fähigkeiten keinen großen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg zu haben.
Auch die neuen Waffen und Rüstungen verhelfen dem Spiel nicht gerade zu
mehr Spieltiefe, da ihr zwar im Verlaufe des Spiels neue
Ausrüstungsgegenstände bekommt, aber kein wirkliches Item-Management
erforderlich ist, wie man es von genreverwandten Spielen kennt.
Einerseits, weil das neueste Item auch immer das stärkste ist und
andererseits, weil die Actionsequenzen, in denen ihr wirklich kämpfen
müsst, leider zu selten sind. So kommt beizeiten schon mal Langeweile
auf, da neben der stellenweise vorkommenden Interaktionsarmut des
Titels leider auch Story und Atmosphäre nicht wirklich fesseln können.
Darüber können auch die zahlreichen 0815-Sidequests nicht hinweg
täuschen. Ganz nett ist die Tatsache, dass "Rise of the Argonauts"
komplett auf ein Inventar verzichtet. Ihr könnt nur das mitnehmen, was
Jason auch tragen kann und das bedeutet, dass ihr neben dem Schild noch
eine Variante von Speer, Streithammer und Schwert bei euch führen
könnt. Die Kampfsteuerung geht ganz gut von der Hand, fühlt sich sehr
realistisch an und ist so konzipiert, dass blindes Button-Mashing nicht
belohnt wird und meist ein Schwert im Rücken als Konsequenz nach sich
zieht. Erfolgreiche Combos werden dagegen mit abgetrennten Gliedmaßen
und Blutfontänen belohnt.
Die Charakteranimationen des Königs von Iolkos sind dabei sehr nett
anzusehen und besonders die bei Wirkungstreffern einsetzenden
Slow-Motion-Sequenzen lassen neben dem generellen Look Jasons
unweigerlich an den Spartaner-Film "300" denken. Besonders die Combos,
in denen der Krieger die Waffen wechselt, sind zum Teil sehr
ansehnlich. Leider kann man das von der Grafik der Areale nicht
behaupten. Zwar gibt es kaum Ladezeiten, aber Detailverliebtheit sucht
man, auch wenn einige der Gebiete ganz okay sind, vergeblich. Pflanzen
bestehen teilweise nur aus platten Texturen, die je nach Kameradrehung
verschwinden, die Leveldesigns wirken einfallslos und man läuft oft
gegen unsichtbare Wände, die als Levelbegrenzung dienen. Dadurch
vermittelt das Spiel einen unfertigen und einfach nicht mehr
zeitgemäßen Eindruck.
Auch beim Sound gibt es Licht und Schatten zu bemerken. In punkto
musikalischer Untermalung wird der Spieler mit passender
Hintergrundmusik beschallt. Ferner hat man jede Unterhaltung im Spiel,
jeden Kommentar eurer Mitstreiter mit Lippenbewegungen und
Gesichtsanimationen ausgestattet. Generell gibt es Unmengen
Sprachausgabe im Spiel. Doch leider schwankt die Qualität der
Synchronisierung und die Tonqualität des Gesprochenen stark. Wo im
einen Moment noch glasklare Audio-Ausgabe zu vernehmen war, krächzt der
neben euch sprechende Argonaut im nächsten Moment ohne Grund, als würde
er aus einem Funkloch mit dem Handy anrufen. Außerdem kommt es des
öfteren vor, dass die Charaktere noch die Lippen bewegen, obwohl sie
eigentlich schon seit ein paar Sekunden nichts mehr gesagt haben.
FAZIT: Eigentlich hätte "Rise of the Argonauts" das Zeug gehabt, ein
tolles Spiel zu werden. Und auch, wenn der Titel einige nette Ansätze
bietet, bleibt dennoch ein fader Beigeschmack übrig. Denn auch eine
Ansammlung des "Who is Who" der griechischen Mythologie kann nicht über
fehlende Liebe zum Detail beim Entwicklerteam hinweg täuschen. Darüber
hinaus gibt es einfach zu wenig Actionszenen, in denen man seine
Kampftüchtigkeit erproben kann. Übrig bleibt ein Spiel, dem man mit ein
bisschen Affinität den griechischen Sagen gegenüber, durchaus einige
Stunden Spaß entlocken kann. Ob man dafür allerdings guten Gewissens
den Vollpreis bezahlen kann, ist eine andere Frage.
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