|
In "Tomb Raider: Underworld" führt euch die Handlung auf die Suche nach Thors Hammer unter anderem nach Mexiko und Thailand. Ihr müsst euch in nordischer Mythologie erproben, Ruinen erkunden, verschiedenen Gegenspielern trotzen und allerlei Rätsel lösen. Das Ganze ist auch noch in einer recht illustren Story miteinander verflochten und auch, wenn manche Storyelemente im Verlauf der Geschichte etwas weit her geholt scheinen, fügt sich alles zum Ende hin zu einem einigermaßen plausiblen Gesamtbild zusammen. Dabei verfügt Lara über ein Bewegungsrepertoire, welches zum größten Teil aus vorangegangenen Teilen bekannt ist. Doch obwohl der Titel an sich wenige Neuerungen zu bieten hat, ist das Abenteuer, durch das ihr die Heldin dieses Mal begleiten müsst, kurzweilig und abwechslungsreich. Im Wesentlichen besteht das Spiel aus Klettereinlagen, gepaart mit Rätseln und nur ab und zu müsst ihr euch eurer Haut erwehren, wenn euch Haie, Spinnen, Tiger, Panther oder menschliche Feinde ans Leder wollen.
Doch die eigentliche Herausforderung von "Tomb Raider Underworld" besteht darin, sich durch unwegbares Gelände dennoch irgendeinen Weg zu bahnen. Und dies gestaltet sich oft gar nicht mal so einfach, da man diesmal auf Hilfsfunktionen, wie leuchtende Kanten oder Kamerafahrten zu wichtigen Stellen im Level verzichtet hat und vollends auf den Entdeckergeist des Spielers vertraut. Zwar endet dies das ein ums andere Mal in einer langen Suche nach dem richtigen Weg. Zwar gibt es eine Sonarkarte zur Orientierung und Tipps, die man sich im Menü anschauen kann. Doch sowohl Tipps, als auch die Sonarkarte sind recht lieblos umgesetzt, so dass deren Nutzen sich in Grenzen hält. Die Levelarchitektur ist dem Entwicklerteam dagegen sehr gut gelungen. Die jeweiligen Abschnitte sind überaus umfangreich, kommen aber dennoch ohne Ladezeiten aus und sind mit teilweise recht komplexen Rätseln gespickt. Zum einen bestehen diese darin, die Level ausgiebig zu erkunden, zum anderen aus Schalter- oder Physikrätseln. Dabei bekommt man zwar vage Zielvorgaben, aber letztendlich auf sich selbst gestellt und wird weniger an der Hand geführt, wie bei anderen Spielen des Genres.
Aber das Konzept geht auf. Zumeist ergibt sich aus dem Levelaufbau, wo es weiter geht oder was zu tun ist. Natürlich gibt es auch diesmal wieder einiges abseits der Hauptstrecken im Spiel einzusammeln, um Sidequests zu erfüllen. Aber außer ein paar Grafiken und Artworks gibt es wenig Lohnswertes frei zu schalten. Auch die Menüs sind nicht nur hässlich, sondern auch noch schlecht zu bedienen. Im Kreis aufgebaut und mit dem linken Stick die einzelnen Menü-Punkte anwählbar wird schon das simple Anlegen eines Spielstandes zu einer Qual. Dies ist umso unverständlicher, weil das In-Game-Menü weitgehend auf HUD-Elemente verzichtet, und Munitions- oder Gesundheits-Anzeigen nur im Bedarfsfall einblendet. Da Lara diesmal während ihrer Missionen keinen Funkkontakt zur Außenwelt hat, beschränkt sich die gute Sprachausgabe auf die durchaus netten Zwischensequenzen. Ansonsten ist der Sound dezent und beschränkt sich auf Umgebungsgeräusche, wie Tropfen in Höhlen oder Tierlaute im Dschungel.
Die Steuerung der Schatzsucherin ist sehr ähnlich, wie schon bei den Vorgängern. Mit den Schultertasten setzt man die Waffen ein, von denen man neben den Pistolen vor jeder Mission eine auswählen kann. Aber obwohl es einige verschiedene Waffengattungen gibt, braucht man im Prinzip nur die Pistolen und die Shotgun, um sich seiner Feinde zu entledigen. Durch die Aktionstasten steuert ihr Laras Bewegungen und den Einsatz des Greifhakens, mit dem Steuerkreuz verwendet ihr Medipacks, die Taschenlampe und wählt eine Waffe. Einer der Hauptkritikpunkte des Spiels ist auch beim aktuellen Teil wieder einmal die suboptimale Kameraführung und so ist man an manchen Stellen dazu gezwungen einen Sprung ins Blaue zu riskieren.
Die Grafik des Titels versetzt einen stellenweise ins Staunen. Nie zuvor hat man in einem genreverwandten Spiel so detailreiche und zum Teil fast fotorealistische Tempelruinen gesehen wie hier. Regen läuft an den Wänden herunter und die Flora und Fauna vermitteln das Gefühl einer lebendigen Welt. Auch Lara Crofts Bewegungen sind sehr schön animiert und Klettereinlagen hinterlassen genauso Dreckspuren auf der Haut, wie Schwimmeinlagen, die Klamotten nass werden lassen, wenn Lara wieder aus dem Wasser steigt. Auch ihr Körperau wirkt realistischer und nicht mehr so aufgepumpt, wie in den Vorgängern. Dennoch wirken die Figuren wie in die extrem realistisch wirkende Kulisse hinein gezeichnet. In dieser Hinsicht scheint die überarbeitete Engine, die auch schon in "Tomb Raider Legend" zum Einsatz gekommen ist, nicht mehr her zu geben.
FAZIT: Auch wenn "Tomb Raider Underworld" kaum Neuerungen im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern auf der Xbox 360 zu bieten hat, bekommt man interessante Rätsel und bildschöne Areale geboten. Eine kleine Enttäuschung ist die Tatsache, dass die Kameraschwächen erneut nicht ausgebügelt wurden. Außerdem deutet die in der Umgebung etwas unpassend wirkende Lara daraufhin, dass die Engine ihre Grenze erreicht hat und man sich für die Zukunft vielleicht nicht mehr auf grafische Updates und marginale Verbesserungen beschränken sollte. Trotzdem kann jeder, der mit den beiden Vorgängern zufrieden war, bedenkenlos zugreifen und sich auf ein paar abwechslungreiche und kurzweilige Stunden mit der Videospielikone Lara Croft freuen.
|