Die amerikanische Sony-Exklusiv-Schmiede Insomniac hat mit Resistance:
Fall of Man nicht ganz das erreichen können, was man erhofft hatte. Nun
startet man zwei Jahre später den zweiten Versuch. Einmal mehr schlüpft
ihr in die Rolle des Helden Nathan Hale. Diesmal wird aber nicht mehr
auf britischen Boden gekämpft, sondern die Schlacht findet in den USA
statt.
Resistance 2 sieht toll aus und bietet optisch jede Menge Abwechslung.
Bestand der Vorgänger größtenteils nur aus Grau- und Brauntönen, stößt
man nun auf ein breites Farbspektrum. Daraus resultiert, dass es
wesentlich lebendiger wirkt. Wenn man das erste Mal das stumpfe
Tageslicht erreicht, und man die Golden Gate Bridge im San Francisco
Bay erblickt, stockt einem der Atem: Am gegenüberliegenden Ufer steht
die komplette Sykline in Flammen und dutzende außerirdische
Kampfschiffe tummeln sich am Himmel, darunter sind viele kleinere
Jäger, welche ihre Kreise ziehen. Aber auch ein riesiges Mutterschiff
schwebt am Firmament und bedeckt einen nicht kleinen Teil des
Bildschirms. Man fühlt sich in diesem Augenblick wie eine Ameise: klein
und hilflos, da man regelrecht erschüttert ist, von dieser gewaltigen
Schönheit. Später gelangt man in die Wälder von Californien: sanfter
Nebel schwebt über dem Boden, gigantische Bäume ragen in die Höhe,
Lichtstrahlen schimmern durch das Laub, kleine Büsche komplettieren die
Optik.
Auf einmal erblickt man in der Ferne eine mechanische Drohne, welche
patrouliert. Man setzt das Scharfschützengewehr an, aktiviert die
Sekundärfunktion (die Bullettime) und drückt ab. Die Drohne zerfetzt es
in der Luft. Man bewegt sich langsam weiter, jedoch bemerkt man zu
spät, dass die Gefahr nicht vorüber ist, als kurz vor der Flinte eine
Bestie ihre Tarnung deaktiviert und euch entgegen springt. Im weiteren
Verlauf kämpft man in den Straßen und auf den Dächern von Chicago ums
Überleben. Auch muss man ein Raumschiff der Aliens infiltrieren, was
bei dem einen oder anderen Halo-Veteranen Déjà-vu-Erlebnisse auslösen
wird. Für genügend visuelle Vielfalt ist somit gesorgt. Leider können
nicht alle Abschnitte überzeugen, teilweise schwankt vor allem die
Texturenqualität. Von knusperigen Normalmaps bis hin zu
Wischiwaschi-Tapeten ist alles vertreten. Die intelligente Tiefen- und
Bewegungsunschärfe holen zum Glück einiges wieder raus. Auch nette
Bloom- und Gloweffekte sind mit von der Partie.
Ein besonderes technisches Highlight ist das Wasser. Wo in anderen
Spielen noch auf „simple“ H2O-Texturen zurückgegriffen wird, ist dieses
in R2 vollkommen 3D und bewegt sich meistens physikalisch völlig
korrekt. Es ist wirklich sehr beeindruckend, wenn sich durch Geschosse
oder hindurchwatschelnde Aliens Wellen bilden. Mehrmals im Spiel
erwischt man sich immer wieder dabei, wie man seine Munition am
feuchten Traum verschwendet. Nur leider wirkt dieses gerade bei großen
Flächen deplaziert, da sich die Umgebung nicht in Echtzeit darin
spiegelt. Zwar hat man versucht durch Faketexturen über dieses Manko
hinweg zu täuschen, Profis stößt das jedoch übel auf. Bei einem Endboss
hingegen hinterlässt die Oberflächenberechnung eher einen zähflüssigen
öligen Eindruck.
Ein Großer Pluspunkt ist dafür, dass R2 immer flüssig läuft, egal wie
viele Bestien gleichzeitig über den TV rennen. Insgesamt wird einem
eine gehoben solide Optik geboten, welche aber etwas Feinschliff
vertragen hätte.
Soundtechnsich gibt es kaum etwas zu auszusetzen. Das Geschehen wird
mit gelungenen Musikstücken untermalt und passt sich den Ereignissen
perfekt an. Die Umgebungsgeräusche und vor allem die Waffensounds
überzeugen sehr. Nur die Sprachausgabe schwächelt etwas: warum ein
Kamerad, welcher einen Meter vor einem steht, klingt, als wenn man sich
per Walky Talky unterhält, bleibt ein Rätsel.
Die Healthpakete aus dem ersten Teil hat man endlich auf Eis gelegt,
stattdessen regeneriert sich die Energie, wenn man geschützt ist. Dem
nächsten Trend folgt Insomniac, indem man nun nur noch zwei (anstatt
alle) Waffen gleichzeitig mitnehmen kann. Das stört aber nicht im
Geringsten, da sowieso genug Ballermänner in der Gegend herumliegen.
Richtig gelungen ist die Sekundärfunktion der Waffen, da dies
entscheidende taktische Möglichkeiten mit sich bringt. Der Bohrer
erzeugt z.B. einen Schutzschild, kann Gegner durch Wände erspähen und
sogar hindurch schießen. Auch ist von der kleinen, handlichen Magnum
mit explodierem Projektil, über die klassische Pumpgun, außerirdische
Phaserwaffen bis zum Raketenwerfer und zur beliebten Gatling, so gut
wie alles vorhanden, was man für einen virtuellen Krieg braucht.
Am roten Saft wurde zum Glück nicht gespart, dadurch erkennt man
wesentlich besser, ob man immer getroffen hat. Einige, größere Gegner
sprengen sich in die Luft (wenn man diese lang genug bearbeitet hat),
um noch möglichst viele menschliche Wesen mit in den Tod zu reissen.
Dadurch fliegen dann diverse Fleischbrocken durch die Luft. Auch kann
es vorkommen, dass die Innereien an die Wände klatschen und diese dann
nach unten rutschen. Das Ganze hat schon etwas Trashartiges und
Anhängern von Gore wird dabei das ein oder andere Lächeln ins Gesicht
gezaubert. Auch ist es möglich, die getöteten Aliens dank Ragdoll
dauerhaft zu beeinflussen. Dass es dabei zu einigen Clippingfehlern
kommt, ist nicht weiter tragisch.
Die Kampagne hat man nach ca. 12 Stunden hinter sich gebracht. Leider
kommt die Story erst zur Mitte des Spieles ins Rollen, trotzdem fehlt
unterm Strich der Tiefgang. Besonders die Charakterzeichnung kann nicht
überzeugen. Wo man bei Epic’s indiziertem Shooter ein Teamgefühl hat,
wirkt es bei R2 nebensächlich, fast unwichtig, wenn mal der ein oder
andere Mitstreiter drauf geht. Auch ist Nathan Hale nicht mehr so cool
und vor allem nicht mehr so mysteriös, wie in Teil 1. Hauptsache man
erreicht den nächsten Checkpoint und freut sich auf neues Futter für
die Flinte.
Aber es gibt auch noch einen Muliplayermodus, wo sich bis zu 60
Teilnehmer auf wirklich gut designten Maps auf die 12 geben. Das wirkt
anfangs etwas chaotisch, später erkennt man aber sogar ein gewisses
System. Besonders überzeugend ist dabei der Netzcode, da es selbst bei
einer schwachen Leitung so gut wie keine Lags gibt. Wem das Ganze dann
doch zu viel des Guten ist, kann sich noch im Coop Modus austoben,
dabei erledigt man verschiedene Missionsziele mit bis zu 7 Mitstreitern
auf den MP-Karten. Durch das Erfahrungssystem levelt man sich im Laufe
der Zeit immer weiter nach oben, schaltet Upgrades oder neue
Fähigkeiten frei. Das Ganze ist sehr durchdacht und motiviert dauerhaft
Matches auszutragen.
Zusammengefasst betrachtet ist Resistance 2 ein wirklich wuchtiges Egoshootererlebnis, welches sich vor allem dank der innovativen Waffen fantastisch spielt. Über die leicht schwankende Grafikpracht lässt sich hinwegsehen, da das Spielgeschehen großartig präsentiert wird. Vor allem der Muliplayerpart macht Resistance 2 zu einem Must-Have für jeden volljährigen PS3-Besitzer. Insomniac sind auf einem sehr guten Weg, jedoch hat man das Ziel knapp verfehlt, etwas absolut Einzigartiges zu schaffen.