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Was wäre, wenn?
In einem Punkt war die Command & Conquer Reihe seit dem ersten Spiel, welches bereits 1995 erschien, absolute Spitzenklasse: Die cinematischen Zwischensequenzen haben Kinoniveau. Und so läutet auch Alarmstufe Rot 3 die etwas hanebüchene Story mit einem High-Definition-Intro ein, in dem großartige Schauspieler über den Bildschirm wuseln: Die UdSSR ist am Ende, der Krieg scheint verloren. Wenn da nicht ein Wissenschaftler wäre, der kurzerhand eine Zeitmaschine gebaut hat. So reisen die Russen auf die Schnelle in die Vergangenheit, töten Albert Einstein bevor er die amerikanische Kriegsmaschinerie mit seinen Erfindungen in Gang bringen kann und können sich zurück in der Zukunft als großer Sieger feiern. Leider ist die russische Freude hier nur von kurzer Dauer: Durch die Veränderung in der Vergangenheit kommt das Raum-Zeit-Kontinuum ins Schwanken und es haben sich viele Dinge verändert: Nicht mehr die Amerikaner sind der Hauptgegner, vielmehr attackiert das "Reich der aufgehenden Sonne" die Welt und dessen Kaiser möchte asiatische Tugenden mit Waffengewalt in die Welt hinaus tragen.
Natürlich kann man alle drei Fraktionen in Alarmstufe Rot 3 spielen, insgesamt kommt man so auf rund 30 Kampagnen-Missionen. Glücklicherweise ist der Schwierigkeitsgrad anpassbar, so kommen auch die besten Strategen in späteren Missionen ins Grübeln.
Ein Freund, ein guter Freund...
Große Neuerung: Jegliche Missionen werden grundsätzlich zu zweit gespielt. Hat man keinen Freund, der gerade via Xbox Live zu einem stoßen kann, stellt das Spiel einen KI-Kumpanen zur Seite, der den Spieler im Kampf gegen das Böse unterstützen soll. Klingt zwar eigentlich gar nicht schlecht, klappt aber in späteren Missionen nur bedingt. Auch wenn man den Kollegen in gewisser Weise dirigieren kann, macht dieser meistens doch was er möchte und ist mit taktisch ziemlich miesen Fehlschlägen auf Dauer keine große Hilfe, sondern nimmt nur Ressourcen in Form von Erzraffinerien weg. Immerhin hilft der Genosse ab und zu, wenn es in der eigenen Basis ans Eingemachte geht.
Besser ist da mit Sicherheit die Alternative, die Kampagnen zusammen mit einem realen Freund durchzuspielen - da sich komplexe Manöver so mit Sicherheit besser realisieren lassen und jegliche Missionen für zwei Spieler ausgelegt sind. Die Missionen selbst laufen in den meisten Fällen sehr ähnlich und ohne Überraschungen: Man baut eine Basis, greift den Gegner an und nimmt ab und an noch das ein oder andere Gebäude ein. Command & Conquer eben. Für etwas Pepp sorgen etliche Superwaffen-Upgrades, die man nach belieben auswählen kann. So zum Beispiel "Orbital-Hagel", bei dem Weltraumpartikel auf den Gegner herabfallen oder ein Supermagnet, der eine beliebige feindliche Einheit aus dem Spiel saugt.
Neben der Co-Op Möglichkeit des Online-Spiels kann man sich übrigens auch mit bis zu vier Spielern Online-Schlachten liefern. Mann gegen Mann, Team gegen Team.
Give me the controls!
Die Steuerung ist dabei fast komplett aus Kane's Rache, dem letzten Ableger der Command & Conquer Serie übernommen worden. Über den rechten Trigger öffnet man ein Radialmenü, durch das man sich mit dem Ministick relativ flott bewegen kann. So lassen sich zum Beispiel Einheiten bauen, Updates erforschen oder die Superwaffen auswählen. Auch wenn diese Steuerung schon nach relativ kurzer Zeit sehr schnell von der Hand geht, ist die Konsolensteuerung eines aus der Vogelperspektive gespielten Echtzeitstrategiespiels bisher noch nicht so gut, wie die Maus-Tastatur-Kombination. An dieser Stelle also ein gut gemeinter Rat: Wer auf die Riesenglotze beim Spielen verzichten kann und einen halbwegs flotten PC hat, kauft sich Command & Conquer Alarmstufe Rot 3 besser für den Computer - ist billiger und lässt sich besser steuern.
Zu Land, zu Wasser und in der Luft
Im Prinzip ist alles beim alten: In den Alarmstufe-Rot-Spielen waren Wasserschlachten bisher immer ein großer Bestandteil, in Red Alert 3 wird dieses Konzept auf die Spitze getrieben. Man kann nicht nur über die Marinewerft Schiffe ins Wasser lassen, sondern es lassen sich sogar Teile der Basis auf dem Wasser an den Küsten errichten. So kann man zum Beispiel Kraftwerke oder Flak-Geschütze einfach auf dem Wasser positionieren - vorausgesetzt die gewünschte Wasserfläche ist im Bauradius der Basis. Das kommt in der Regel sehr oft vor, da es enorm viele Karten gibt. die zu großen Teilen aus Weltmeer bestehen.
Und so gesellen sich in Alarmstufe Rot 3 zu nahezu jeder Standardarmee neben Panzer, Infanterie und Flugzeugen auch Kriegsschiffe und U-Boote hinzu. Außerdem gibt es zwischen den teilweise recht ausgeflippten Einheiten auch Amphibien, die sich beispielsweise auf dem Wasser wie ein Boot fortbewegen und sich an Land plötzlich wie eine Spinne auf mehreren Beinen fortbewegen.
Apropos ausgeflippt: Außergewöhnlich ist auch der optische Stil, in dem das neue Command & Conquer daher kommt. Die Entwickler haben sich wegbewegt vom biederen Auftreten der Vorgängerspiele und setzen das Schlachtfeld nun in knallbunten Farben und spaßigen Animationen in Szene - man merkt, dass die Entwickler hier Freude am Entwickeln hatten.
Qualitativ ist die Grafik zwar nicht auf einem überragenden Niveau, dafür wirkt das Spiel sehr stimmig und wie aus einem Guss. Die fast Comic-artige Grafik passt zu der nicht ganz ernst zu nehmenden Story wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Lobenswert ist auch die deutsche Synchro, egal ob russische Akzente, amerikanische Arroganz oder chinesische Tugend. Durch die gut synchronisierten Zwischensequenzen - auch während des Spiels oben rechts im Bild bietet Alarmstufe Rot 3 eine großartige Atmosphäre.
Fazit
Alte Tugenden, wenig Innovationen: Wer Command & Conquer generell mag, wird auch Alarmstufe Rot 3 großartig finden. Typische Command & Conquer Action, bekannte und neue Einheiten, die grandiosen Zwischensequenzen - für die es sich schon lohnt, dass Spiel komplett durchzuspielen - und eine famose Atmosphäre zählen zu den Stärken von AR3. Die wahnwitzige Optik und die etwas hanebüchene Story passen gut zusammen, wehmutstropfen sind das etwas eintönige Missionsdesign, fehlende, große Innovationen und die Tatsache, dass der Co-Op Modus so integriert ist, dass man als Solist mit einem nicht gerade klugen KI-Kumpanen Vorlieb nehmen muss. Hinzu kommt, dass man die Gamepad-Steuerung zwar als gut, aber leider noch nicht als perfekt bezeichnen kann.
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