Mr. White?!
Das Spiel setzt genau dort ein, wo Casino Royale aufgehört hat: An der Villa vom Schurken Mr. White, dem Bond nun per Scharfschützengewehr das Handwerk legen will. Erst als Mr. White von seinen Untergebenen nach einem Beinschuss weggeschafft wird, darf der Spieler übernehmen. Also beginnt die Hetzjagd durch das Anwesen. Nicht nur nach Mr. White, sondern auch nach den gestohlenen Millionen Dollar. Ganz in Bond-Manier geht's also mit dem Finger am Abzug der P99 in ein wenig mehr als zehn Missionen auf die Jagd nach international gesuchten Gangstern.
Action, Action und nochmal Action!
Das ist es eigentlich, was das Spiel am Besten kann. So gibt's in ein Quantum Trost außer ein paar zu hackenden Schlössern und ein Bisschen Kletterei in der Parcours-Szene aus Casino Royale nicht viel mehr zu tun, als Ballerei. Auch wenn sowohl das Dienstfahrzeug des britischen Agenten als auch zum Beispiel der Bagger aus der eben erwähnten Casino-Royale Szene in den optisch miserabel in Szene gesetzten Zwischensequenzen zu sehen sind und man sich jedes Mal darauf freut, jetzt vielleicht Hand an das Steuer eines Fahrzeugs legen zu dürfen.
Immerhin kann man nicht alles niedermähen, was einem vor die Flinte kommt, sondern muss sich in den meisten Spielsituationen per A-Knopf Deckung suchen und sich dann aus dieser Position allen möglichen Gegnern entledigen. Etwas Ablenkung zu dem bereits aus vielen Shootern bekannten (Gears of War, Army of Two) Deckungs-Prinzip bieten da lediglich die Teilmissionen, in denen man von größerer Entfernung aus per Sniper-Gewehr seinen Widersacher wegpusten kann. Nervig ist dann allerdings, dass man oft stunden damit beschäftigt ist, die feuernden Gegner zu suchen, da diese aus der Ferne überhaupt nicht zu sehen sind, sondern sich nur im Zoom-Modus durch das Zielfernrohr der großkalibrigen Waffe zu erkennen geben.
Spoilergefahr?
Als ich das Spiel das erste Mal in die Konsole legte, hatte ich auf Grund des Titels schon ein paar Bedenken: Lohnt es sich nach dem zocken des Spiels überhaupt noch, sich den Film im Kino anzusehen? Nach den ersten Missionen waren alle Sorgen verflogen. Abgesehen von ein paar Schauplätzen und dem Titel gibt es nämlich kaum Parallelen zum neuen Bond-Streifen.
Die Missionen sind lediglich mit Minimal-Briefings miteinander verbunden und wirken lieblos aneinandergereiht. Auch wenn die extravaganten Schauplätze aus Casino Royale und Quantum of Solace vorhanden sind, übermittelt das Spiel nur sehr wenig Story und beschränkt sich auf Schießereien in Montenegro, Venedig, in einem fahrenden Zug und an vielen weiteren Orten.
Absolut störend ist, dass Quantum of Solace unglaublich linear ist. Bond ist nicht in der Lage, eine Tür zu öffnen, an der kein hackbares Schloss hängt. Alle anderen Türen bleiben entweder verschlossen oder gehen von allein auf oder zu. Hinzu kommen unzählige Script-Ereignisse, die sich schon von weitem absehen lassen. Dazu gehören beispielsweise etliche Objekte, die man mit Hilfe von nebenstehenden Gastanks dem Erdboden gleichmachen muss. Überraschend sind in Quantum of Solace nur wenige Momente. Und wenn, dann fallen diese eher negativ ins Gewicht. Oftmals kommt es vor, dass man aus seiner Deckung alles unter Kontrolle hat, dann aber auf einmal ablebt, weil sich überraschenderweise ein Gegner unbemerkt an den Protagonisten herangeschlichen hat. Hier sind Wutausbrüche vorprogrammiert.
Trotz alledem gibt es natürlich auch Lichtblicke in den rund fünf Stunden Spielzeit: Grundsätzlich ist es nämlich so, dass das Bond-Spiel zwar relativ wenig spielerischen Anspruch an den Tag legt, aber dadurch auch einen relativ großen Spaßfaktor bietet. Natürlich lässt sich 007: Quantum of Solace nicht mit einem Call of Duty, Gears of War oder Halo vergleichen, sondern bietet dem Spieler nicht viel mehr als reinrassige Action und ein sehr schnelles Gameplay. Die Waffenauswahl bietet zwar leider keine Bond-Gimmicks, mit verschiedenen Pistolen, Scharfschützengewehren, automatischen Waffen und einem Granatwerfer hat man aber eine reiche Auswahl an Schießgeräten. Hinzu kommt, dass man die Nahkampf-Zwischensequenzen mit Quick-Time-Events gespickt hat, so dass einem fast nie langweilig wird.
Kinoqualitäten?
Auch in Sachen Optik und Präsentation zeigt das Bond-Game gute und schlechte Seiten: Manche Levels strotzen vor scharfen Texturen, wunderbar modellierten Objekten und großartiger Atmosphäre, bei anderen wiederum fühlt man sich zumindest optisch an den so erfolgreichen N64-Bond-Titel erinnert. Der Daniel Craig nachempfundene Bond zeigt sich absolut von seiner Schokoladenseite, die Spielfigur ist erstklassig modelliert und sieht dem Original zum Verwechseln ähnlich.
Der wahrscheinlich beste Aspekt am ganzen Spiel sind aber definitiv die deutschen Synchronstimmen der Charaktere. Die totale Coolness vom neuen Rüpel-Blond-Bond kommt auch im Spiel großartig rüber, M versprüht denselben Charme wie in sämtlichen Filmen der Reihe.
Dazu sorgen die Bond-typischen Titelsongs für 007-Atmosphäre. Fans der Filmmusik werden sich während des ganzen Spiels pudelwohl fühlen.
Meine Namen sind Bond...
Das die Entwickler der Spieleschmiede treyarch auch Multiplayer-Modi bauen können, haben sie eindrucksvoll mit Call of Duty 3 beweisen. Technisch leistet sich auch das Bond-Spiel hier keine Blöße. Mehrere Spiel-Modi wie zum Beispiel Team-Deathmatch oder "der Mann mit dem goldenen Colt" stehen zur Auswahl, hauen aber nicht so recht vom Hocker. Für dauerhaften Online-Spaß ist "Ein Quantum Trost" mit Sicherheit nichts, für kurzes Vergnügen reichts aber allemal.
Fazit
James Bond 007: Ein Quantum Trost ist ein sehr rustikaler Shooter: Hier ist lediglich viel Ballerei von Nöten, Grips braucht man im Prinzip nicht... Wer darauf steht, findet mit dem neuen Bond-Spiel ein paar Stunden saftige, stupide Action ohne großen Anspruch. Fahrszenen sucht man vergeblich, auch die filmische Story kommt nicht so recht rüber. Immerhin kann man ein paar Szenen aus Casino Royale ansatzweise nachspielen, insbesondere mit dem neuen Film hat das Spiel aber im Allgemeinen abgesehen von den Schauplätzen und Charakteren nur wenig gemein. Ebenfalls nur Durchschnittsqualitäten hat der Multiplayer-Modus, der zwar eine Menge Modi bietet, aber leider etwas träge daherkommt. Die restliche Technik ist auch eher Mittelmaß, lediglich die deutschen Synchronsprecher sind echte Highlights im Spiel - und das nicht nur für Fans der Filme. In Sachen Optik ist das 007-Game ein Wechselbad der Gefühle, mal großartig, mal miserabel. Insgesamt lässt sich folgendes festhalten: Wer an schnörkelloser Action im allgemeinen Spaß findet und nicht grundsätzlich eine Abneigung gegen James Bond hat, wird an ein Quantum Trost ein paar Stunden Vergnügen finden. Alle anderen finden insbesondere in dieser Jahreszeit erheblich bessere Alternativen im Genre.