|
„Banjo-Kazooie: Schraube locker“ knüpft storytechnisch an die beiden
ersten Teile an und spielt acht Jahre nach „Banjo-Tooie“. Noch immer
streiten sich Banjo und die böse Hexe Gruntilda darum, wer der wahre
Besitzer von Spiral Mountain, der Heimat von Banjo und Kazooie ist. Der
selbsternannte Lord of Games (genannt LoG) möchte aber nun diesen
Streit schlichten, indem er alle Beteiligten nach Showdown Town
einlädt, wo er einen offiziellen Wettstreit veranstaltet. Banjo und
seine treue Gefährtin müssen nun knifflige Aufgaben in den vom LoG
erstellten Welten absolvieren, während Gruntilda die Helden daran
hindern soll. Damit dieses Terrain irgendwann mal zur Ruhe kommt, soll
der Gewinner dieses Wettbewerbs am Ende zum rechtmäßigen Besitzer von
Sprial Mountain ernannt werden.
Zu Beginn des Spiels findet man sich in Showdown Town wieder, welches
man als eine Art Zentralwelt bezeichnen könnte. Von hier aus begibt
sich das Duo in einzelnen Arenen, kleinere Nebenwelten, in denen denn
unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen sind. Allerdings wird der
Großteil von „Schraube locker“ nicht mehr zu Fuß absolviert. Während
die alten Banjo-Teile vor allem für ihr erstklassiges Jump‘n‘Run
Gameplay bekannt waren, versuchen die Entwickler im neuesten Teil etwas
vollkommen Neues. Das Duo ist nämlich seiner allseits beliebten
Fähigkeiten beraubt worden und muss dieses Defizit durch den Gebrauch
der unterschiedlichsten Transportmittel ausgleichen.
Der Clou an der Sache ist, dass sich der Spieler die Fahrzeuge für
Land, Wasser und Luft aus hunderten Teilen selber bauen kann. Klingt
kompliziert, ist es vielleicht auch. Das Handling des eigentlichen
Konstruktionsvorgangs ist relativ simpel, aber die Tücke steckt zumeist
im Detail. Die Eigenkompositionen verhalten sich nämlich physikalisch
korrekt, d.h. wenn der Spieler den Schwerpunkt der Fahrzeuge nicht
genau austariert, werden die Fahrzeuge unsteuerbar. Damit der Spieler
nicht vor unlösbare Aufgaben gestellt wird, erwirbt man im Laufe der
Zeit immer mehr Konstruktionspläne, in den die verschiedenen
Fahrzeugmodelle schon vorkonfiguriert sind. Es ist doch wesentlich
überschaubarer Fahrzeuge zu modifizieren, als sie komplett selber zu
entwerfen, was allerdings auch möglich ist. Neben den
Konstruktionsplänen, erhält man ebenfalls im Verlauf des Spieles immer
mehr Fahrzeugteile zum Pimpen des eigenen Fuhrparks. Zu diesem Zweck
sind überall in den Welten Kisten verteilt, die man dann in Mumobs
Garage einlagern muss. Das Ganze hat etwas von einem virtuellen
Legobaukasten, bei dem der Kreativität keine Grenzen gesetzt werden.
Da die unzähligen Aufträge in den sehr unterschiedlichen Arenen
meistens sehr speziell sind, wird einem auch öfters das passende
Fahrzeug zur Lösung der Aufgabe gestellt. So muss man beispielsweise in
der ersten Arena mittels eines Transportfahrzeugs eine tickende Bombe
unter Zeitdruck zum Spezialisten zur Entschärfung bringen. Auch stehen
des Öfteren kleine Rennparcours auf der Tagesordnung, die ihr mittels
eines schnelleren Fahrzeuges zu bewältigen habt. Meistens sind die
Aufgaben zeitlich limitiert. Je schneller man den Auftrag erledigt,
desto eher bekommt man eine angemessene Belohnung dafür. Doch ganz
schadlos kommt man zumeist nicht durch die Welten. Während der Aufgaben
stören euch immer wieder kleine rollende Bots und demontieren euch das
Gefährt unter dem Hinter weg. Am besten weicht man ihnen aus oder macht
sie einfach platt in dem man sie wegrammt.
Erfüllte Aufgaben werden meistens mit einem Puzzleteil dem Jiggi
belohnt. Durch das Sammeln dieser Jiggi´s erhält man nach und nach
Zugang zu den neuen Spielwelten. Überall in den 6 Welten sind auch die bekannten goldenen Musiknoten
verteilt. Diese Noten stellen die Währung in Showdown Town da. Neben
speziellen Fahrzeugteilen und Konstruktionsplänen, kann der Spieler
damit Informationen kaufen, die Dorfpolizei bestechen und im GYM die
Konstitution von Banjo ausbauen.
Der Schwierigkeitsgrad von „Nuts & Bolts“ ist zwar gut zu
bewältigen, doch aufgrund der Umstellungen im Gameplay werden sich vor
allem Fans der Serie zu Beginn etwas schwerer tun. Nach einer gewissen
Eingewöhnungsphase erledigen sich die Startschwierigkeiten aber von
selbst und die sehr präzise einfache Steuerung trägt ihren Teil dazu
bei. Manchmal hingegen, insbesondere in schmalen Kletterpassagen
reagiert die Steuerung etwas zu sensibel.
Neben dem umfangreichen Singleplayer Erlebnis, kann man sich auch noch
mit bis zu 8 Spielern in 27 verschiedenen Multiplayer-Leveln vergnügen.
Leider waren zum Zeitpunkt der Testung noch nicht genügend Mitspieler
online um eine verlässliche Aussage über den Fun Faktor zu geben. Die
Aufgaben klingen allerdings schon spaßig. Wir werden diese Lücke in der
nächsten Woche zu schließen versuchen.
In technischer Hinsicht kann man an dieser Stelle nur ein großes Lob an
die Entwickler von Rare aussprechen. Der Übergang aus N64 Zeiten in die
Over-Next-Gen ist ihnen nämlich absolut gelungen. Das Spiel erstrahlt
in einer unglaublich farbenfrohen, fantasievollen, innovativen und
lebendigen Neuauflaget. Die unterschiedlichen Welten bieten nicht nur
jede Menge Freiraum, sondern sind zudem auch sehr abwechslungsreich
gestaltet. Die tollen Animationen und die große Detailvielfalt runden
das Ganze dann noch mal ab. Der Soundtrack schmiegt sich ebenfalls
harmonierend in die Spielwelt ein. Witzig sind auch die Teaser, die die
jeweiligen Arenen mit samt ihrer Charaktere vorstellen. Fans von US
Serien wie Dallas, Falcon Crest & Denver Clan werden ihre Freude an
dieser Persiflage haben. Zum Glück wurde auch wieder auf eine richtige
Synchronisation verzichtet, denn die Pseudo-Sprachausgabe passt einfach
unglaublich gut zu der kindgerechten Knuddeloptik.
Fazit:
Auch wenn die Fans der Serie eigentlich ein anderes Spiel erwartet
haben, dürften sie eigentlich nicht enttäuscht werden. Rare bringt mit
Bajo & Kazooie: Schraube locker ein weiteres abwechslungsreiches
Game in die übernächste Generation. Es mag zu großen Teilen anders
sein, doch deswegen ist es noch lange nicht schlechter. Rare hat
versucht das Konzept auf eine neue Stufe zu heben, ist aber in
Augenhöhe zu den Vorgängern stehen geblieben. Der neue Teil wird die
Videospielgeschichte zwar nicht revolutionieren, doch er wird nicht nur
eingefleischte Rare Fans zu begeistern wissen. Wir finden den Übergang
in die gegenwärtige Konsolengeneration sehr gelungen, wenn auch gleich
die Erwartungshaltung aller Banjo Fans bestimmt nicht erfüllt wird.
Aller Änderungen zum Trotz ist das Flair der Vorgänger wieder
eingefangen worden und auch der Spielspaß wird sich bei den meisten
nach der Adaption ans neue Gameplay rasch wieder einstellen.
|