|
Im dritten Teil der Serie spielt die radioaktive Verseuchung durch den
im Vorgänger behandelten Atomkrieg wieder eine große Rolle und spiegelt
sich in der Landschaft und der Erscheinung der NPC‘s wieder. Die
Gebiete sind total verkarstet und verlassen, die Menschen von der
Strahlung zum Teil so zerstört, dass manche zu zombieartigen Ghouls
zerfallen. Man stelle sich „Waterworld“ in einer radioaktiv verseuchten
Steinwüste vor und kommt der bedrückenden Atmosphäre,die die
ungastliche Spielewelt vermittelt, ziemlich nahe. Die Menschen sind
misstrauisch einander gegenüber und verschanzen sich in den wenigen
oberirdischen Städten oder in mit Sicherheitsbollwerken versiegelten
Bunkern, sogenannten Vaults, um sich vor gigantischen Insekten,
Gangstern, Sklaventreibern und sogar Supermutanten zu schützen, die im
Wasteland des Kapitol ihr Unwesen treiben. Es herrscht ein ständiger
Überlebenskampf, in der harschen Realität, die der atomare Niederschlag
als Kulisse für „Fallout 3“ geschaffen hat.
In einem der bereits erwähnten Bunker - Vault 101 - ist der
Hauptcharakter des Spiels aufgewachsen und beginnt nach einem kurzen
Intro die Suche nach seinem Vater, der eines Tages aus Vault 101
verschwindet. Diese Suche führt ihn in die Weiten der ehemaligen USA,
die seit dem globalen Atomkrieg in 2077 wenig mit der Welt gemein hat,
die wir kennen. Nur eins hat sich nicht geändert. Die Menschen
bekriegen einander immer noch, anstatt hinsichtlich der Mutantenschar
gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Zwei Gruppierungen, die "Enklave"
und die "Stählerne Bruderschaft" bekämpfen einander um die
Vorherrschaft im Wasteland des Kapitol. Auch in Megaton, der ersten
Stadt, in die euch die Suche nach eurem Vater bringt und die um den
Blindgänger einer Atombombe herum errichtet wurde, merkt ihr schnell,
dass es in der Welt von "Fallout 3" Hilfe nicht umsonst gibt und die
meisten Menschen nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind.
Bereits hier wird auch die unglaubliche Vielfalt an Möglichkeiten
deutlich. Ihr trefft auf verschiedenste Leute, von denen einige sogar
die Atombombe in der Mitte der Stadt als Heiligtum anbeten, und könnt
eine Vielzahl an Nebenquests annehmen. Unter anderem habt ihr auch die
Wahl, ob ihr den atomaren Blindgänger entschärft oder mit dessen Hilfe
die ganze Stadt in die Luft jagt. Zwar steht man nach der anfänglichen
Flucht aus Vault 101 noch ein wenig verloren in den Weiten der
nuklearen Wüste da und die Hauptgeschichte gerät erst nach einer Weile
so richtig in Fahrt. Doch es gibt von Beginn an unheimlich viel zu
entdecken, Leute zu befragen und Fähigkeiten zu erlernen. Ihr wisst
nie, welches Ergebnis ein Plausch mit einem der NPCs nach sich zieht:
einen neuen Auftrag, Informationen zum Aufenthaltsort eures Vaters oder
gar neue Gegenstände oder Waffen. Immer wieder locken U-Bahn-Tunnel
oder verlassene Bunker erforscht und Nebenquests absolviert zu werden,
und schaffen es so vom Hauptquest abzulenken, jedoch ohne dass das
eigentliche Ziel dabei zu sehr in den Hintergrund gerät. Auch euer
Verhalten bleibt nicht ohne Konsequenzen. Durch gute Taten erlangt ihr
Karma, durch böse Taten verliert ihr Karmapunkte. Dies hat Einfluss
darauf, wie die NPCs auf euch reagieren. Jemandem der stiehlt und
Unschuldige ermordet, hilft man natürlich nicht so gerne, wie dem
hilfsbereiten Jungen von nebenan.
Durch diese Fülle an Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielwelt wird
es zur Nebensache, dass die eigentliche Story des Spiels nur 12-15
Stunden andauert. Denn es gibt so viele Dinge zu endecken, Orte zu
erkunden, Entscheidungen zu treffen und Jobs zu erledigen, dass man
selbst nach dem zweiten oder dritten Durchspielen noch nicht alles
gesehen hat, was "Fallout 3" zu bieten hat. Fans der Spielereihe
dürften sich darüber hinaus immer wieder über Anspielungen und Verweise
auf die ersten beiden Teile freuen. Dabei schafft es der Titel, den
Spieler so sehr in seine Welt zu ziehen, dass man sich selbst dabei
erwischt, wie man Stunde um Stunde weiterspielt, und nur noch das EINE
Nebenquest erledigen, nur noch diese EINE Gegend sehen, nur noch mit
dieser EINEN Person sprechen will, ohne ein Ende finden zu können. So
vergeht schonmal schnell ein ganzer Sonntag und man stellt fest, dass
es ja langsam dunkel wird und man den ganzen Tag "Fallout 3" gespielt
hat. Beängstigend!!
Doch bei all dem Lob kann man "Fallout 3" nicht als perfekt bezeichnen.
Die Bedienung des Inventars ist mehr als nur umständlich. Einerseits
gibt es so unglaublich riesige Auswahl an Waffen, Gegenständen,
Bauteilen für Handwerker, Rüstungen und teilweise auch komplett
nutzlosen Items, dass man aus dem Staunen nicht heraus kommt.
Andererseits ist das Inventar so unübersichtlich und dazu die Zuweisung
der Items zu einem Hotkey recht umständlich, dass man leicht den
Überblick verliert und zuviel Zeit für das Ordnen des Inventars
verbringen muss. Ein Pluspunkt wiederum sind die zahlreichen Händler,
denen ihr euren ganzen unnützen Krempel andrehen könnt, um Ordnung in
eurem Inventar herzustellen, oder euch mit Waffen, Medizin gegen die
Strahlung, Stimpacks genannten Medikits, aber auch mit Drogen und noch
mehr nutzlosem Plunder auszurüsten.
Es gibt von Kampfmessern, bis hin zu Massenvernichtungswaffen eine
Unzahl von teilweise sehr originellenTotmachern, um sich die
Maulwurfsratten, Riesenskorpione, Söldner, Plünderer, Mutanten und
Ghouls vom Leib zu halten, dass man sich gar nicht alle Namen merken
kann, sondern nur das Geräusch, wenn man wieder damit ein Leben
ausgelöscht hat.
Das V.A.T.S., das Vault-Tec Assisted Targeting System, ist eine der
großen Neuerungen des Spiels. Man sollte sich allerdings von Anfang an
klar darüber sein, dass man mit "Fallout 3" keinen Shooter, sondern ein
Rollenspiel vor sich hat. Auch wenn die Perspektive wie bei Third- bzw.
First-Person-Shooter aussieht, werden die Treffer, wie bei
Rollenspielen berechnet. Für gezielte Schüsse werden Angriffspunkte des
Charakters benötigt. Spielt man "Fallout3" wie einen gewöhnlichen
Shooter, feuert man lediglich aus der Hüfte. Durch Druck auf den
rechten Bumper kann man aber das V.A.T.S. aktivieren, welches bewirkt,
dass das Spiel pausiert, während ihr gezielt bestimmte Körperteil des
Gegners im Tausch gegen Angriffspunkte aufs Korn nehmen könnt. Dabei
wird je nach Entfernung des Gegners und Größe des jeweiligen
Körperteils eine voraussichtliche Trefferchance angezeigt. So kann man
einfacher kritische Treffer erzielen oder den Gegner durch Schüsse auf
die Arme entwaffnen. In den ungeschnittenen Versionen des Spiels werden
Treffer durch teilweise echt heftige Splatter-Effekte visualisiert.
Spieler der deutschen Version müssen allerdings komplett auf Blut
verzichten. Das Kampsystem geht nach kurzer Eingewöhnungsphase gut von
der Hand und verbindet auf diese Weise rundenbasierte RPG-typische
Kämpfe mit einem Shooter-Look. Heraus kommen actionreiche Kämpfe mit
einem ganz eigenen Charme.
Aber was wäre ein gutes Rollenspiel ohne ein ansprechendes
Charaktersystem und das ist bei "Fallout 3" über jeden Zweifel erhaben.
In dreierlei Hinsicht kann der Held des Spiels aufgelevelt werden: es
gibt neun Attribute, die allerdings nicht so sehr im Vordergrund
stehen, wie die Fähigkeiten und Perks, die letztendlich dafür sorgen,
was euer Held auf dem Kasten hat. Ob ihr euch auf Feilschen, Schlösser
Knacken, Reparaturen, Waffen-Skills, wissenschaftlichen Fähigkeiten
oder Redegewandtheit spezialisieren möchtet, bleibt jedem selbst
überlassen und sorgt auch für einen hohen Wiederspielwert. Aber der
eigentliche Clou sind die Perks, von denen ihr euch pro Levelaufstieg
einen neuen aussuchen dürft. Das reicht von simplen Waffen-Boni oder
Verstärkungen der gewöhnlichen Fähigkeiten oder Attribute, bis hin
dazu, dass ihr durch das Anknabbern von Leichen oder den bloßen
Aufenthalten im Tageslicht Lebensenergie regenerieren könnt. So kann
man den Charakter sehr individuell gestalten.
Zur Grafik kann man sagen, dass sowohl die Außenareale, als auch die
"Dungeons" großartig und in erster Linie sehr atmosphärisch anmuten.
Die Texturen, die Lichteffekte und vor allem die phänomenale Weitsicht
machen einen guten Eindruck und vermitteln das Endzeit Szenario, in dem
das Spiel stattfindet, sehr stimmungsvoll. Gelegentliches Tearing bei
Kamera-Drehungen in der Third-Person-Sicht stört das Gesamtbild kaum.
Der Soundtrack ist dezent aber sehr atmosphärisch gewählt und die
Sprachausgabe mehr als umfangreich. Vollständig lokalisiert kommt
"Fallout 3" hierzulande in die Läden. Zwar offenbaren sich hier und da
leichte Übersetzungsfehler und die Synchronsprecher wirken teilweise
so, als würden sie nur ihren Text herunter leiern, andere hingegen sind
großartig.
FAZIT
Es ist zwar nicht über jeden Zweifel erhaben, aber mit "Fallout 3" hat
Bethesda einen würdigen Nachfolger für die ersten beiden Teile
abgeliefert. Das anfangs von manchen argwöhnisch betrachtete
Kampfsystem, sowie das Charaktersystem sind eine Wucht, die Story ist
interessant, bietet unvorhergesehene Wendungen und fordert dem Spieler
an manchen Stellen wichtige Entscheidungen ab und die Spielewelt war
selten bei einem Spiel so atmosphärisch und passend dargestellt. Zwar
ist der Hauptstrang der Story etwas kurz, aber Nebenquests und der hohe
Wiederspielwert sorgen dafür, dass man nach ein paar Stunden
Eingewöhnungsphase am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte, das
Wasteland des Kapitols zu durchstreifen.
|