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Dadurch, dass die ersten beiden Teile der Fallout-Serie schon Legendenstatus im Rollenspielgenre besitzen, war die Aufgabe, einen überzeugenden dritten Teil zu entwickeln, für Bethesda keine einfache. Wird doch jedes Spiel an seinen Vorgängern gemessen. Und so taten sich im Vorfeld viele Fragen auf: Werden der Sarkasmus in den Dialogen, sowie die grandiose postapokalyptische Stimmung wieder das Niveau der Prequels erreichen? Wird das neue V.A.T.S. Kampfsystem, welches Ego-Shooter Steuerung und Rollenspiel-Kampfsystem zusammenführt, überzeugen können? Wir haben versucht, für Euch diese Fragen zu beantworten und "Fallout 3" einem kritischen Test unterzogen.


Im dritten Teil der Serie spielt die radioaktive Verseuchung durch den im Vorgänger behandelten Atomkrieg wieder eine große Rolle und spiegelt sich in der Landschaft und der Erscheinung der NPC‘s wieder. Die Gebiete sind total verkarstet und verlassen, die Menschen von der Strahlung zum Teil so zerstört, dass manche zu zombieartigen Ghouls zerfallen. Man stelle sich „Waterworld“ in einer radioaktiv verseuchten Steinwüste vor und kommt der bedrückenden Atmosphäre,die die ungastliche Spielewelt vermittelt, ziemlich nahe. Die Menschen sind misstrauisch einander gegenüber und verschanzen sich in den wenigen oberirdischen Städten oder in mit Sicherheitsbollwerken versiegelten Bunkern, sogenannten Vaults, um sich vor gigantischen Insekten, Gangstern, Sklaventreibern und sogar Supermutanten zu schützen, die im Wasteland des Kapitol ihr Unwesen treiben. Es herrscht ein ständiger Überlebenskampf, in der harschen Realität, die der atomare Niederschlag als Kulisse für „Fallout 3“ geschaffen hat.

In einem der bereits erwähnten Bunker - Vault 101 - ist der Hauptcharakter des Spiels aufgewachsen und beginnt nach einem kurzen Intro die Suche nach seinem Vater, der eines Tages aus Vault 101 verschwindet. Diese Suche führt ihn in die Weiten der ehemaligen USA, die seit dem globalen Atomkrieg in 2077 wenig mit der Welt gemein hat, die wir kennen. Nur eins hat sich nicht geändert. Die Menschen bekriegen einander immer noch, anstatt hinsichtlich der Mutantenschar gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Zwei Gruppierungen, die "Enklave" und die "Stählerne Bruderschaft" bekämpfen einander um die Vorherrschaft im Wasteland des Kapitol. Auch in Megaton, der ersten Stadt, in die euch die Suche nach eurem Vater bringt und die um den Blindgänger einer Atombombe herum errichtet wurde, merkt ihr schnell, dass es in der Welt von "Fallout 3" Hilfe nicht umsonst gibt und die meisten Menschen nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind.

Bereits hier wird auch die unglaubliche Vielfalt an Möglichkeiten deutlich. Ihr trefft auf verschiedenste Leute, von denen einige sogar die Atombombe in der Mitte der Stadt als Heiligtum anbeten, und könnt eine Vielzahl an Nebenquests annehmen. Unter anderem habt ihr auch die Wahl, ob ihr den atomaren Blindgänger entschärft oder mit dessen Hilfe die ganze Stadt in die Luft jagt. Zwar steht man nach der anfänglichen Flucht aus Vault 101 noch ein wenig verloren in den Weiten der nuklearen Wüste da und die Hauptgeschichte gerät erst nach einer Weile so richtig in Fahrt. Doch es gibt von Beginn an unheimlich viel zu entdecken, Leute zu befragen und Fähigkeiten zu erlernen. Ihr wisst nie, welches Ergebnis ein Plausch mit einem der NPCs nach sich zieht: einen neuen Auftrag, Informationen zum Aufenthaltsort eures Vaters oder gar neue Gegenstände oder Waffen. Immer wieder locken U-Bahn-Tunnel oder verlassene Bunker erforscht und Nebenquests absolviert zu werden, und schaffen es so vom Hauptquest abzulenken, jedoch ohne dass das eigentliche Ziel dabei zu sehr in den Hintergrund gerät. Auch euer Verhalten bleibt nicht ohne Konsequenzen. Durch gute Taten erlangt ihr Karma, durch böse Taten verliert ihr Karmapunkte. Dies hat Einfluss darauf, wie die NPCs auf euch reagieren. Jemandem der stiehlt und Unschuldige ermordet, hilft man natürlich nicht so gerne, wie dem hilfsbereiten Jungen von nebenan.

Durch diese Fülle an Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielwelt wird es zur Nebensache, dass die eigentliche Story des Spiels nur 12-15 Stunden andauert. Denn es gibt so viele Dinge zu endecken, Orte zu erkunden, Entscheidungen zu treffen und Jobs zu erledigen, dass man selbst nach dem zweiten oder dritten Durchspielen noch nicht alles gesehen hat, was "Fallout 3" zu bieten hat. Fans der Spielereihe dürften sich darüber hinaus immer wieder über Anspielungen und Verweise auf die ersten beiden Teile freuen. Dabei schafft es der Titel, den Spieler so sehr in seine Welt zu ziehen, dass man sich selbst dabei erwischt, wie man Stunde um Stunde weiterspielt, und nur noch das EINE Nebenquest erledigen, nur noch diese EINE Gegend sehen, nur noch mit dieser EINEN Person sprechen will, ohne ein Ende finden zu können. So vergeht schonmal schnell ein ganzer Sonntag und man stellt fest, dass es ja langsam dunkel wird und man den ganzen Tag "Fallout 3" gespielt hat. Beängstigend!!

Doch bei all dem Lob kann man "Fallout 3" nicht als perfekt bezeichnen. Die Bedienung des Inventars ist mehr als nur umständlich. Einerseits gibt es so unglaublich riesige Auswahl an Waffen, Gegenständen, Bauteilen für Handwerker, Rüstungen und teilweise auch komplett nutzlosen Items, dass man aus dem Staunen nicht heraus kommt. Andererseits ist das Inventar so unübersichtlich und dazu die Zuweisung der Items zu einem Hotkey recht umständlich, dass man leicht den Überblick verliert und zuviel Zeit für das Ordnen des Inventars verbringen muss. Ein Pluspunkt wiederum sind die zahlreichen Händler, denen ihr euren ganzen unnützen Krempel andrehen könnt, um Ordnung in eurem Inventar herzustellen, oder euch mit Waffen, Medizin gegen die Strahlung, Stimpacks genannten Medikits, aber auch mit Drogen und noch mehr nutzlosem Plunder auszurüsten.

Es gibt von Kampfmessern, bis hin zu Massenvernichtungswaffen eine Unzahl von teilweise sehr originellenTotmachern, um sich die Maulwurfsratten, Riesenskorpione, Söldner, Plünderer, Mutanten und Ghouls vom Leib zu halten, dass man sich gar nicht alle Namen merken kann, sondern nur das Geräusch, wenn man wieder damit ein Leben ausgelöscht hat.

Das V.A.T.S., das Vault-Tec Assisted Targeting System, ist eine der großen Neuerungen des Spiels. Man sollte sich allerdings von Anfang an klar darüber sein, dass man mit "Fallout 3" keinen Shooter, sondern ein Rollenspiel vor sich hat. Auch wenn die Perspektive wie bei Third- bzw. First-Person-Shooter aussieht, werden die Treffer, wie bei Rollenspielen berechnet. Für gezielte Schüsse werden Angriffspunkte des Charakters benötigt. Spielt man "Fallout3" wie einen gewöhnlichen Shooter, feuert man lediglich aus der Hüfte. Durch Druck auf den rechten Bumper kann man aber das V.A.T.S. aktivieren, welches bewirkt, dass das Spiel pausiert, während ihr gezielt bestimmte Körperteil des Gegners im Tausch gegen Angriffspunkte aufs Korn nehmen könnt. Dabei wird je nach Entfernung des Gegners und Größe des jeweiligen Körperteils eine voraussichtliche Trefferchance angezeigt. So kann man einfacher kritische Treffer erzielen oder den Gegner durch Schüsse auf die Arme entwaffnen. In den ungeschnittenen Versionen des Spiels werden Treffer durch teilweise echt heftige Splatter-Effekte visualisiert. Spieler der deutschen Version müssen allerdings komplett auf Blut verzichten. Das Kampsystem geht nach kurzer Eingewöhnungsphase gut von der Hand und verbindet auf diese Weise rundenbasierte RPG-typische Kämpfe mit einem Shooter-Look. Heraus kommen actionreiche Kämpfe mit einem ganz eigenen Charme.

Aber was wäre ein gutes Rollenspiel ohne ein ansprechendes Charaktersystem und das ist bei "Fallout 3" über jeden Zweifel erhaben. In dreierlei Hinsicht kann der Held des Spiels aufgelevelt werden: es gibt neun Attribute, die allerdings nicht so sehr im Vordergrund stehen, wie die Fähigkeiten und Perks, die letztendlich dafür sorgen, was euer Held auf dem Kasten hat. Ob ihr euch auf Feilschen, Schlösser Knacken, Reparaturen, Waffen-Skills, wissenschaftlichen Fähigkeiten oder Redegewandtheit spezialisieren möchtet, bleibt jedem selbst überlassen und sorgt auch für einen hohen Wiederspielwert. Aber der eigentliche Clou sind die Perks, von denen ihr euch pro Levelaufstieg einen neuen aussuchen dürft. Das reicht von simplen Waffen-Boni oder Verstärkungen der gewöhnlichen Fähigkeiten oder Attribute, bis hin dazu, dass ihr durch das Anknabbern von Leichen oder den bloßen Aufenthalten im Tageslicht Lebensenergie regenerieren könnt. So kann man den Charakter sehr individuell gestalten.

Zur Grafik kann man sagen, dass sowohl die Außenareale, als auch die "Dungeons" großartig und in erster Linie sehr atmosphärisch anmuten. Die Texturen, die Lichteffekte und vor allem die phänomenale Weitsicht machen einen guten Eindruck und vermitteln das Endzeit Szenario, in dem das Spiel stattfindet, sehr stimmungsvoll. Gelegentliches Tearing bei Kamera-Drehungen in der Third-Person-Sicht stört das Gesamtbild kaum. Der Soundtrack ist dezent aber sehr atmosphärisch gewählt und die Sprachausgabe mehr als umfangreich. Vollständig lokalisiert kommt "Fallout 3" hierzulande in die Läden. Zwar offenbaren sich hier und da leichte Übersetzungsfehler und die Synchronsprecher wirken teilweise so, als würden sie nur ihren Text herunter leiern, andere hingegen sind großartig.

FAZIT

Es ist zwar nicht über jeden Zweifel erhaben, aber mit "Fallout 3" hat Bethesda einen würdigen Nachfolger für die ersten beiden Teile abgeliefert. Das anfangs von manchen argwöhnisch betrachtete Kampfsystem, sowie das Charaktersystem sind eine Wucht, die Story ist interessant, bietet unvorhergesehene Wendungen und fordert dem Spieler an manchen Stellen wichtige Entscheidungen ab und die Spielewelt war selten bei einem Spiel so atmosphärisch und passend dargestellt. Zwar ist der Hauptstrang der Story etwas kurz, aber Nebenquests und der hohe Wiederspielwert sorgen dafür, dass man nach ein paar Stunden Eingewöhnungsphase am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte, das Wasteland des Kapitols zu durchstreifen.


Bewertung
Gameplay : 91% Sound : 90% Grafik : 90% Steuerung : 88% Multiplayer : -%
Gesamt-Bewertung


Erstellt am : 06.11.2008      Autor : Marc Gillessen          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
GAME-FACTS
Publisher : Bethesda Softworks
Entwickler : Bethesda Softworks
Release : 31.10.2008

Genre : RPG
Player : 1
USK Einstufung

keine Jugendfreigabe
Homepage
fallout.bethsoft.com
Titel : Fallout 3      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 31.10.2008
Titel : Fallout 3      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 31.10.2008
Titel : Fallout 3      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 31.10.2008
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