Seit Jahren gibt es den Wettstreit zwischen Konami's PES-Reihe und der
FIFA-Serie aus dem Hause EA um die Krone im Fußballspielgenre. Nach
einem recht verkorksten Auftritt im letzten bemerkte man bei Konami,
dass man sich der Kritikpunkte bezüglich "PES 2008" bewusst sei und
kündigte an, dass man diese Fehler ausmerzen werde und die Champions
League Lizenz im kommenden Teil bekommen habe. Hört sich nach guten
Aussichten für das diesjährige Sequel der PES-Reihe an. Wir haben die
Xbox 360 Version getestet und können euch nun sagen, wie sehr sich das
Entwicklerteam die Kritik am Vorgänger zu Herzen genommen hat.
Nachdem EA ein paar Wochen vor dem Release von "PES 2009" mit "FIFA 09"
ein wirklich starkes Spiel ablieferte, war klar, dass sich der Titel
mit dem Konkurrenten von EA werde messen müssen. Doch direkt nach
Einlegen der Disk macht sich Ernüchterung breit. Zwar hat man das Menü
einem Facelift unterzogen, aber man wird immer noch von derselben
drögen Menümusik beschallt, die zwar etwas eingängiger ist, als noch
bei den Vorgängern, aber teilweise den Namen Musik nicht verdient. Also
ab ins Optionsmenü, die "Musik" ausschalten. Pro Evo Fans kennen das
schon und wundern sich schon gar nicht mehr darüber, dass Konami
scheinbar gar keinen Gedanken daran verschwendet, mal über eine
vernünftige musikalische Untermalung der Menüs nachzudenken.
Doch da man das Spiel sicherlich nicht wegen der Menümusik kauft, wird
sich nicht lange im Menü aufgehalten, sondern direkt der "UEFA
Champions League" Modus ausgewählt, der in diesem Jahr erstmals bei Pro
Evolution Soccer dabei ist. Aber wenn man nach dem FC Bayern München
oder Werder Bremen sucht, wird man direkt enttäuscht. Denn die sind
nicht mit von der Partie, obwohl sie sich dieses Jahr für die Champions
League qualifiziert haben. Scheinbar berechtigt die Lizenz nicht dazu,
die Champions League Teams zu verwenden, sondern lediglich den Modus an
sich zu spielen, beziehungsweise die Champions League-Hymne von Tony
Britten vorab zu hören. Zwar ist der Einmarsch der Spieler nett in
Szene gesetzt und stimmungsvoll inszeniert, aber alleine die Tatsache,
dass man nur eine beschränkte Auswahl an lizenzierten Champions
League-Mannschaften zur Auswahl hat, lässt keine richtige Atmosphäre
aufkommen. Natürlich könnte man als Rechtfertigung anführen, dass die
PES-Reihe immer schon weniger lizenzierte Teams hatte, als der
Konkurrent, der sich mit der FIFA-Lizenz schmückt. Natürlich hat man
bei Konami nie gesagt, dass es den FC Bayern München und Werder Bremen
im Aufgebot habe, aber mit der Champions League Lizenz zu werben, keine
Liste der lizenzierten Mannschaften zu veröffentlichen und dann noch
weniger Lizenz-Teams als im Vorgänger anzubieten grenzt schon an
gezielte Desinformation. Will man mit Arsenal London gegen Athletico
Madrid spielen möchte liest sich das so: North London gegen Mad Rojo /
Blanco. Beide Teams spielen wohlgemerkt in der Königsklasse, mit dessen
Lizenz man wirbt. Als Kunde erwartet man da doch etwas anderes.
Aber auch die Kader der lizenzierten Mannschaften, zu denen unter
anderem der FC Liverpool und Manchester United hinzugekommen sind, sind
nicht mal annähernd so aktuell wie bei dem Wochen zuvor erschienenen
"FIFA 09". So spielt Robinho immer noch bei Real Madrid, Dimitar
Berbatov ist noch beim Tottenham-Abklatsch North East London zu finden
und Shevchenko wird man vergeblich beim AC Milan suchen. Und auch die
Nationalmannschaftskader sind nicht aktuell. Während EA im neuesten
FIFA-Teil Updates bezüglich Transfers und sogar der momentanen Form des
Spielers anbietet, schaffen es die Macher von "PES 2009" nicht einmal
die Kader der wenigen Lizenz-Teams zum Verkaufsstart auf einem
aktuellen Stand anzubieten. Spieler der PC-und PS3-Version profitieren
von der aktiven PES-Community, die erfahrungsgemäß in einigen Wochen
Patches überarbeiteter Aufstellungen und Teams anbieten wird. Aber das
entschuldigt nicht die schludrige Arbeit der Entwickler, zumal Xbox 360
Spieler abgesehen von einem seitens Konami angekündigten Update in die
Röhre schauen. So wird das nix, Konami!
Um ein paar mehr Spielmodi mehr anbieten zu können, hat man in diesem
Jahr neben "Champions League", "Meisterliga" und diversen Pokalen einen
Spielmodus integriert, der im Vorjahr lediglich Spielern der
japanischen Version vorbehalten war. "Werde zur Legende" ist der Name
und das erklärte Ziel des Modus und man pocht bei Konami darauf, dass
der "Be a Pro"-Modus von EA nach dem eigenen "Werde zur Legende"-Modus
existiert habe. Komisch ist nur, dass er es nicht in die internationale
Version des Spiels geschafft hat, wenn man davon so überzeugt gewesen
ist. Nun darf man sich auch nicht beschweren, dass nun viele Spieler
denken, Konami habe von EA abgekupfert. Mal abgesehen von dieser
Lapalie kann man die Umsetzung des Modus, bei dem ihr einen eigenen
Spieler erstellen und diesen zur Fußballlegende machen müsst, nicht
gerade als gelungen bezeichnen.
Die zahlreichen Übersetzungs- und Schreibfehler der Spieltexte kann man
noch verschmerzen, aber wie lieblos das Ganze inszeniert wird, ist
wirklich traurig, wenn man zum Vergleich das Pendant aus dem Hause EA
gespielt hat. Nach dem ersten Spiel, in dem ihr als siebzehnjähriges
Talent von Teams aus der von euch zuvor gewählten Liga beobachtet
wurdet, flattern die ersten Angebote ein. Habt ihr einen Profivertrag
bei einem Club unterzeichnet, geht die Plackerei auch schon los. In
Trainingsspielen, in denen ihr mit der zweiten Garde eures Teams gegen
die Stamm-Elf antreten müsst, gilt es sich für die Startaufstellung zu
empfehlen. Aber das Wertungssystem, beziehungsweise das
Beurteilungsvermögen des Trainers ist mir ehrlich gesagt bis jetzt
schleierhaft. Trotz durchschnittlich einem Tor pro Spiel, zahlreichen
Torvorlagen und geschundenen Elfmetern hat es sage und schreibe zehn
Spielagen auf dem Trainingsplatz ohne irgendwelche Kulisse gedauert,
bis man meinen Spieler das erste mal in den Kader berufen wurde. Aber
damit nicht genug Langeweile. Da man als Ergänzungsspieler ja
erfahrungsgemäß erst in der zweiten Hälfte eingewechselt wird, darf man
sofort nach Berufung in den Kader feststellen, dass man bis zur 70.
Minute zuschauen darf, wie zwei KI-Teams gegeneinander spielen und die
einzige Möglichkeit irgendwie einzugreifen darin besteht, das Geschehen
in normaler, anderthalbfacher oder doppelter Geschwindigkeit
abzuspulen. Auch als etabliertes Teammitglied wird man oft Opfer
scheinbar willkürlicher Trainerentscheidungen. Trotz drei Toren und
zwei Torvorlagen in zwei Spielen und zweimaliger Kür zum "Man of the
Match", findet man sich in der nächsten Partie auf der Ersatzbank
wieder oder wird nach fünfzig Minuten ausgewechselt, um wieder einem
KI-spiel zuschauen zu dürfen. Das kann ja wohl nicht euer Ernst sein,
liebes Entwicklerteam. Auch die Kameraperspektive wirkt undynamisch und
ist teilweise auch ziemlich unübersichtlich. So macht der eigentlich
ganz nette Modus, in dem ihr euren Fussballer sogar per Xbox Live
Vision Kamera oder PS3-Eye mit eurem eigenen Gesicht auflaufen lassen
könnt, einfach keinen Spaß.
Die Steuerung und das Fußball-Spielen an sich sind hingegen mal wieder
eine Wucht. Das Spieltempo wurde im Vergleich zum Vorgänger merklich
verlangsamt, ohne dabei an Dynamik zu verlieren. Auch die KI der
Torhüter, sowie die Freistöße aus dem Halbfeld wurden verbessert. Zwar
kommt es teilweise immer noch zu kapitalen Aussetzern der Keeper,
Mitspieler und verstärkt des Schiedsrichters, aber dieser
Blackout-Faktor, der eine gewisse Zufallskomponente hinzufügt, wie es
sie auch im echten Profifussball gibt. Argerlich ist es trotzdem, wenn
man in der Nachspielzeit den Ausgleich kassiert, nachdem der mit dem
X-Knopf herbei gerufene KI-Abwehrspieler den gegnerischen Stürmer im
Strafraum einfach von hinten umgetreten hat und so einen Elfmeter
verursacht hat. Auch die unglaubliche Vielfalt an verschiedenen
Spielzügen, Torschüssen und Aktionsmöglichkeiten ist wieder einmal
genial. Kein Angriff und kein Tor gleicht dem anderen.
Die Steuerung
von Dribbling-Tricks, wie dem FlipFlap und dem Marseille Roulette hat
sich ein wenig geändert, der rechte Stick ist nur noch für manuelle
Pässe da. Auch die Ballphysik und das Zweikampfverhalten sind leicht
verfeinert worden.Anstatt konzeptionelle Änderungen nimmt man seit
Jahren lediglich Feintunig vor und fährt damit gut. Nach wie vor ist
"PES 2009" die Referenz in Sachen Gameplay. Grafisch hat sich wenig
geändert. Obwohl die Zwischensequenzen bei Einwürfen, Fouls und
Torjubel nett inszeniert sind und die Gesichter der Spieler teils echt
gut aussehen, hat FIFA in Sachen Präsentation deutlich die Nase vorn.
Sehr vielfältige Bewegungsanimationen haben Konami's Computerkicker
auch diesmal wieder zu bieten, aber die Spielermodelle sehen bei der
Konkurrenz einfach besser aus und wirken schöner animiert. Besonders
bei schnellen Richtungswechsel werden diese leichten Schwächen von "PES
2009" deutlich. Eine positive Nachricht gibt es noch zu vermelden: die
Wiederholungen ruckeln nicht mehr.
Leider ist auch die Soundkulisse von Konami's aktuellem Fussballspiel
nicht gerade gelungen. Abgesehen von der bereits erwähnten, bis auf
wenige Ausnahmen grauenhaften Menümusik, wirken die Fangesänge
schwachbrüstig und man kann oft gar nicht erkennen, was da gerufen
wird. Das Ballgeräusch wirkt, als sei der Ball zu hart aufgepumpt. Aber
der größte Witz ist der Kommentar. Waren Hansi und Rolf schon bei den
Vorgängern Geschmackssache, geben sie diesmal fast nur Schwachsin von
sich. Während die Wiederholung eures Schusses gezeigt wird, den der
Keeper mit einer Glanzparade zur Ecke gelenkt hat, faseln die beiden
etwas von einem strammen Linksschuss, und dass der Keeper einen
nervösen Eindruck mache. Bei einem groben Foul äußern sich die beiden
entrüstet, dass eine solche Aktion ja mit Fußball nichts mehr zu tun
habe, um dann die gelbe Karte als zu hart zu bezeichnen. Das ist
einfach zu wenig für einen Titel aus der aktuellen Konsolengeneration.
Den Online-Modus hat man etwas überarbeitet. Die Partien laufen jetzt
flüssiger als noch beim Vorgänger, wenn auch nicht einwandfrei. Aber
alles in allem sind die Reaktionszeiten zu lang, um ungestörten
Spielgenuss garantieren zu können. Die Menüstruktur ist solide, aber
bietet ein bisschen zu geringe Einstellungsmöglichkeiten. Man kann zum
Beispiel bei der Spielersuche keine Spieler ausschließen, die eine
schlechte Internetverbindung haben. Endlich kann man auch wieder online
zu zweit gegeneinander antreten. Den Legenden-Modus gibt es auch online
und man kann mit den selbst erstellten Spielern gegeneinander spielen
und in einem Team eine bestimmte Position spielen, sowohl gegen, als
auch im Zusammenspiel mit anderen "Legenden". Für Spieler der
PS3-Version hat man darüber hinaus eine kleine Hürde in Form der
Konami-ID, die zur Teilnahme an Online-Spielen erforderlich ist,
eingebaut. Anstatt in bester Konsolenmanier einfach die Spieledisc
einzulegen und loszuspielen, muss man sich erst neu registrieren, falls
man noch keine Konami-ID hat. Noch eine blöde Idee, die dem Spielspaß
nicht gerade förderlich ist.
Fazit: Insgesamt hat man mit "PES 2009" zwar einige Fehler der
Vorjahresversion ausmerzen können, aber dafür eine ganze Reihe von
Kritikpunkten offengelassen, beziehungsweise neue geschaffen. Im
direkten Vergleich mit dem diesjährigen FIFA-Teil zieht "PES 2009" klar
den Kürzeren. Multiplayer, der Legenden-Modus, Umfang, Lizenzen, Grafik
und Soundkulisse sind bei dem Konkurrenzprodukt aus dem Hause EA
einfach besser und enteilt Konami in diesen Aspekten mit großen
Schritten von Teil zu Teil mehr. In punkto Gameplay hat "PES 2009"
immer noch die Nase vorn, allerdings holt die FIFA-Serie in dieser
Hinsicht zunehmend auf. Wem Lizenzen, Umfang und die audiovisuelle
Präsentation nicht so wichtig sind, kann bedenkenlos zugreifen und
bekommt Fußball par excellence. Alle anderen sollten sich besser
überlegen, 60 Euro für ein Spiel auszugeben, bei dem man sich nach
genauer Betrachtung stellenweise den Eindruck bekommt, dass die
Entwickler teilweise ihren Job nicht gemacht haben.
Bewertung
Gameplay : 76%
Sound : 66%
Grafik : 82%
Steuerung : 88%
Multiplayer : 74%
Gesamt-Bewertung
Kommentar des Redakteurs
Ganz, ganz schwache Vorstellung, Mister Seabass. Selbst mich als
eingefleischten PES-Fan konnte dieser Teil nicht überzeugen.
Übersetzungsfehler, die nicht mal annähernd aktuellen Kader der
Lizenz-Teams, für die man ja teures Geld bezahlt hat, sowie die
eklatanten Schwächen in "Werde zur Legende"- und im Online-Modus
hinterlassen den Eindruck, dass man sich einfach keine Mühe gegeben
hat. Die Liebe zum Detail, die gute Spiele auszeichnen, habe ich bei
"PES2009" vergeblich gesucht. Fehler, wohin das Auge reicht. Und als
Krönung das Fehlen der deutschen Champions League-Teilnehmer, obwohl
man mit der Champions League wirbt, ist in meinen Augen einfach
Kundenverarsche. Obwohl ich PES immer der FIFA-Reihe vorgezogen habe,
entdecke ich im neuesten FIFA-Teil mehr Herzblut der Entwickler, als
bei meiner bisherigen Lieblingsspielereihe und das finde ich schade.
Vielleicht sollte man bei Konami mal die Taktik überdenken und ein paar
überfällige Änderungen vornehmen, anstatt sich auf den Lorbeeren
vergangener Teile auszuruhen.