Simulations-Nudel oder echter Arcade Gamer? Nur ne große Klappe oder auch was dahinter? Kleines Mädchen oder echter Facebreaker? Bei diesem Spiel gibt es keine Verlierer, entweder man gewinnt, oder man geht unter...
It´s a Facebreaker
Mit Facebreaker bringt EA Sports Freestyle ein neues Boxspiel auf den Markt, welches sich selbst nicht sehr ernst nimmt.
Wer hier eine realistische Simulation nach EA Sports Fight Night Vorbild erwartet, ist deutlich fehl am Platz, da Facebreaker ist ein knatsch buntes Arcade Prügelspiel mit einer Menge Humor ist.
Den Hauptspielinhalt bilden genretypisch ein freier Modus und ein Story Modus. Im Story Modus bekommt man den Hintergrund der Facebreaker nähergebracht und kämpft sich durch verschiedene Turniere gegen allerlei comicartige Phantasiefiguren zum Endfight durch, der bei erfolgreichem Bestreiten eine Auszeichnung in Form eines Gürtels sowie neue Charaktere und Arenen freischaltet.
Im freien Modus sucht man sich einen der insgesamt 12 verschiedenen Charaktere sowie einen Kampfring aus und prügelt mit Computergegnern verschiedener Schwierigkeitsgrade oder Freunden aufeinander ein, bis die Augen bluten.
Selbsterstellbare Spieler und ausgiebige Xbox Live Gefechte runden den Umfang ab.
In your Face
Hauptziel der Prügelorgie ist es, den Gegner möglichst spektakulär auseinander zu nehmen und dem Titel entsprechend die gegenüberstehende Visage neu zu gestalten. Wer dabei erfolgreich zu Werke geht, wird mit netten Zeitlupenaufnahmen der Kieferkorrektur belohnt.
Allerdings werden Durchschnittsspieler dieses Spielelement nur selten zu Gesicht bekommen, denn Facebreaker ist verdammt schwer.
Ein Tutorial gibt es nur in Form von Infotafeln über die Controllerbelegung und die ist zudem äußerst spärlich ausgefallen ist.
Per Stick steuert man den Boxer widerwillig und führt per Knopfdruck tiefe und hohe Schläge aus, oder wirft seinen Gegner durch den Ring. Zusätzlich kann man noch blocken und den Gegner verspotten, für großartige Facebreakcombos gibt es jedoch nicht viel Raum.
Dafür hat sich aber der Schwierigkeitsgrad gehörig gewaschen. Schon auf der niedrigsten Stufe agieren die Gegner so aggressiv und vor allem technisch unfair, dass nur wildes Tastenhämmern wirklich weiter hilft.
Der Computer lässt einfach keinen Raum für Combos und hämmert pausenlos und stupide drauflos. Das traurige daran: Das Spiel lässt es zu und diese Spielweise ist leider die erfolgreichste und gegen Computergegner sogar einzig erfolgreiche Methode.
Das ändert sich selbstverständlich auch mit ansteigender Schwierigkeit nicht und reduziert Facebreaker dadurch schnell zum stupiden Button Masher ohne wirklichen steuerbaren Tiefgang.
Die einzigen Momente in denen man die wenigen Combos und Spezialangriffe vernünftig testen und trainieren kann, ist mit einem äußerst geduldigen menschlichen Mitspieler, oder dem Trainingsmodus, wo man den Computergegner als willenlose Prügelpuppe benutzen kann.
Im normalen Kampfgeschehen gilt leider: Wer am schnellsten auf die Tasten schlägt gewinnt und Blocken und Taktieren verlieren. Es ist sogar teilweise so stupide, dass derjenige, der den ersten Schlag setzt mit schnellem wiederholten Drücken einer einzigen Schlagtaste den Gegner so in die Mangel nimmt, dass dieser, bis er besiegt auf dem Boden liegt, Überhauptnichts dagegen tun kann.
Oh, es glitzert…
Positiv kann Facebreaker mit der Präsentation punkten. Das gesamte Spiel ist sehr bunt und unterstreicht damit gelungen den humorvollen Grundgedanken.
Die vielen verschiedenen Arenen sehen durchweg gut aus und glänzen mit Individualität. Vom Tanzstudio bis zum Garagenhof kann man in nahezu allen erdenklichen Settings die Fäuste schwingen, ist dabei allerdings jederzeit von den quadratischen Grenzen des Boxrings beschränkt. Möglichkeiten zur Umgebungsinteraktion oder erweiterte Areale gibt es nicht.
Das Prunkstück sind schließlich die Charaktere. Alle zwölf sind sehr detailreich und individuell programmiert und karikieren bekannte Vorbilder. Ob russischer Söldnerverschnitt, Mangagirl oder Hiphop Gangster, alle sind gut gelungen und nehmen ihre Vorbilder erfolgreich auf den Arm.
Passende Musikuntermalung und solide Soundeffekte runden die durchaus gelungene Präsentation ab.
Fazit:
Facebreaker ist zwar kein unterirdisch schlechtes Spiel, leider aber auch kein sehr gutes. Die Präsentation ist zwar recht gut gelungen und der gelieferte Umfang ist für ein durchschnittliches Boxspiel auch in Ordnung. Das reißt allerdings keinesfalls Bäume aus, die stark genug wären, um die durch schlechte Spielmechanik und Steuerung verursachten Minuspunkte aufzufangen.
Wer jedoch noch ein buntes, lustiges Arcade Prügelspiel sucht, einigermaßen schnelle Finger sowie Durchhaltevermögen mit sich bringt und nicht viel spieltechnischen Tiefgang benötigt, kann einen Blick riskieren.