Wer genug von Krieg, Schwert und Kanone hat, kann sich nun endlich wieder ganz auf seinen grünen Daumen konzentrieren. Mit Viva Pinata: Chaos im Paradies bringt Rare den Nachfolger zum erfolgreichen Garten- Aufbauspiel auf den Markt. Doch kann der 2. Teil den ersten übertrumpfen und mit neuen Elementen glänzen, oder ist es doch nur ein liebloser Abklatsch eines bewährten Spielprinzips?
Knuffig, Bunt, Erfolgreich
Auch im neuen Viva Pinata ist das Spielprinzip das gleiche geblieben. Man findet sich als mittelloser Kleingärtner auf einem relativ trostlosen Stück Acker wieder und soll das Ganze nun in eine blühende Oase verwandeln.
Anfangs lediglich mit Spaten und Gießkanne bewaffnet, macht man sich nun ans Werk und beginnt den Boden umzugraben und ein paar kümmerliche Pflänzchen zu bewässern.
Bekanntlich ist aller Anfang schwer, doch wer ein bisschen Geduld hat, wird bald mit den ersten Pinatas belohnt. Diese kleinen Lebewesen, die man sich, wenn man den Vorgänger nicht kennt, am besten als verniedlichte Eigeninterpretationen der Tierwelt vorstellen kann, bilden den Hauptinhalt des Spiels.
Ziel ist es, wie bereits im ersten Teil, den Garten möglichst Pinatafreundlich zu gestalten und so viele der über hundert verschiedenen Monster wie möglich anzulocken und zum bleiben zu bringen.
Während man am Anfang nur in der Lage ist ein paar wurmähnliche Kreaturen in den Garten zu ziehen, ergeben sich mit der Zeit und dem entsprechenden Erfolg immer neue Möglichkeiten und logische Entwicklungsgänge. Denn wenn man schließlich Würmer hat, bleiben die Vögel nicht lang fern und wenn man dafür als Belohnung Karottensamen bekommt, lassen sich auch die Nager nicht lange bitten. Jedes Pinata hat gewisse Voraussetzungen zum Betreten des Gartens und zum Bleiben. Wenn beide erfüllt sind, ist der Garten schließlich um ein Monster reicher und lockt die nächsten an, oder schaltet neue Gegenstände zur Gartenerweiterung frei.
Bei guten Gärtnern entwickelt sich mit der Zeit eine Eigendynamik, die nur noch schwer zu überblicken ist. Deshalb ist gute Planung Gold wert. Wer von Anfang an solide arbeitet, wird am Schluss im wahrsten Sinne des Wortes eine erfolgreiche Ernte einfahren.
Natürlich ist aber auch in einem solchen Garten nicht alles eitel Sonnenschein. Mit den guten Pinatas werden auch ungebetene Gäste folgen. Gefräßige Schnecken und Käfer sowie Füchse und andere raubtierähnliche Pinatas werden in den Garten strömen und Jagt auf Flora und Fauna machen.
Kurzfristig kann man den Viechern noch mit einem gezielten Schaufelschlag zu Leibe rücken, langfristig jedoch hilft erneut nur ein gut durchdachter Garten mit guter Züchtung. Diese ist ein weiteres Feature von Viva Pinata. Mit steigendem Erfolg steigt auch die Gartengröße und macht somit Platz für Pinata Zuchtvorrichtungen, in denen zwei Pinatas der selben Sorte, wenn entsprechende Paarungsvoraussetzungen ähnlich der Bleibevoraussetzugen geschaffen sind, Nachwuchs zeugen und somit das letzte Entscheidende Spielelement zur Entwicklung des Gartens schaffen.
Der Nachwuchs ist einerseits elementar um entsprechende Pinataverluste durch Nahrungsfunktionen für fleischfressende Pinatas und die genannten Parasiten aufzufangen und andererseits, um mit erfolgreicher Züchtung Gewinne in harter Währung zu erzielen und somit neues Kapital für die Erweiterung des Gartens zu besorgen. Diese Einnahmequelle wird mit der Zeit immer wichtiger, da alle Gegenstände Geld kosten, welches nachher nichtmehr alleine mit den Belohnungen für erfolgreiches Gartenmanagement aufzufangen ist.
Bekannt solide, doch was ist neu?
Der neue Teil des Pinata Abenteuers ist genau wie sein Vorgänger ein gelungenes Spiel geworden. Neben dem äußerst motivierenden Gameplay und der charakteristischen Knuddeloptik braucht sich das Spiel auch an Umfang nicht zu verstecken.
Dem Spielverlauf ist praktisch kein Ende gesetzt und mit etlichen Gegenständen und zahllosen Pinatas ist eigentlich immer etwas zu tun. Zusätzlich kann man sich noch per Xbox Live austauschen und sich gegenseitig die Gärten zeigen, die sich aufgrund der Vielfalt zu nie komplett ähnlich sein werden. Sogar Gesellschaftszocker kommen noch auf ihre Kosten, da man online und offline im Koop Modus einen Gartenaufbau mit bis zu 4 Leuten starten kann.
Man kann also letztendlich sagen, dass Rare auch mit dem neuen Viva Pinata ein guter Titel gelungen ist. Fans und Käufer des Vorgängers allerdings werden sich fragen, was sich eigentlich geändert hat und diese Frage muss man leider mit einem traurigen ,,Nicht Viel´´ beantworten.
Die Grafik und das Spielprinzip gleichen dem Vorgänger bis ins Detail und auch die meisten Pinatas waren im ersten Teil schon mit von der Partie. Sogar die auftretenden Charaktere, die euch die Pinata Logik näher bringen und euch belohnen oder Gegenstände verkaufen, sind die Selben geblieben.
Ein in Aufgaben unterteiltes Tutorial, der ein oder andere neue Gegenstand und relativ lieblos gestaltete Parallelareale, in denen man ein paar neue exotische Pinatas einfangen kann, rechtfertigen den erneuten Kauf eines fast identischen Spiels zum vollen Preis in keinster Weise.
Allen Spielern, an denen der erste Teil jedoch vorbeigegangen ist und die sich nicht sofort vor dem äußerst kindlichen Look verschließen, können durchaus einen Blick auf eines der wenigen wirklich gelungenen Aufbauspiele für die Konsole riskieren.
Bewertung
Gameplay : 85%
Sound : 84%
Grafik : 83%
Steuerung : 88%
Multiplayer : 82%
Gesamt-Bewertung
Kommentar des Redakteurs
Ich finde es recht traurig, dass man mit dem zweiten Teil von Viva Pinata nach meiner Meinung ein mit dem Vorgänger fast identisches Spiel auf den Markt gebracht hat. Für die Neuerungen des Nachfolgers hätte es auch ein Xbox Live Zusatzinhalt getan, sodass ein gelungenes Spielprinzip von einer eigentlich soliden Spieleschmiede unnötig kommerziell ausgelutscht wird. Trotzdem aber bleiben beide Titel, mögen sie auch noch so identisch sein, gute Spiele, die wohl besonders bei der weiblichen Gamerschaft großen Anklang finden dürften.