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Von Geld, Gewalt und Rechten…
Robert Ludums´s das Bourne Komplott ist ein lineares Actionspiel, in dem man die Handlung des ersten Teils der Bourne Reihe nachspielt. Dem aufmerksamen Spieler und Fan der Reihe wird allerdings relativ früh im Spiel ein recht entscheidendes Manko auffallen. Denn der Held der sich im Spiel als Jason Bourne vorstellt ist nicht der aus den Filmen bekannte Matt Damon, sondern ein Charakter mit völlig neutralem Gesicht. Nun könnte man doch meinen, dass ein Spiel auf den Next Gen Konsolen mittlerweile in der Lage sein sollte, gewisse reelle Personen grafisch wiedererkennbar darzustellen. Das kann das Spiel auch, es durfte nur lediglich nicht. Nach offiziellem Kommentar verweigerte Damon die Benutzung seines Gesichtes für die seiner Meinung nach zu brutale Spielidee des Bourne Komplotts. Ob es hier wirklich um das Spielprinzip, oder wie so oft um harte Währung ging, sei dahingestellt, da das Spiel schließlich in großen Teilen nur das virtuell nachempfindbar macht, was Damon selbst vor der Kamera produziert hat.
Jedenfalls waren die Entwickler durch diese Entscheidung zum Umdenken gezwungen und deklarierten ihr Spiel kurzerhand vom Spiel zum Film zum Spiel zum Buch um, da der Film nach der Vorlage eines Romans von Robert Ludum gedreht wurde. Dieser Veränderung Rechnung getragen steuert man nun also den möchtegern Jason Bourne nicht nur durch die Geschehnisse, die der Film zeigt, sondern auch noch durch einige Dinge die dazwischen passieren und durch die Erinnerung des Helden an vergangene Mordaufträge. Trotzdem orientieren sich alle weiteren Figuren und die wichtigsten Zwischensequenzen stark an der Filmvorlage und auch die Art wie die Story erzählt wird macht es schwer die ganze Geschichte nachzuvollziehen, wenn man den Film nicht kennt.
Mein Name ist Bourne, Jason Bourne!
Ob die Gleichung der Initialen mit denen eines anderen bekannten Top Agenten vom Autor beabsichtigt ist, sei dahingestellt. Das Spiel jedenfalls orientiert stark an vorangegangenen mehr oder weniger erfolgreichen Actionfilm-Verwurstungen. Bourne steuert sich aus einer eher unübersichtlichen und recht starren Schulter Perspektive. Die Tastaturbelegung ist anfangs recht gewöhnungsbedürftig, lässt sich allerdings nachher kontrollieren. Die Grundaufgaben in den Levels beschränken sich auf zwei Disziplinen, Schießen und Prügeln. Wirkliche Rätsel sucht man vergebens, allerdings wird das Geschehen durch die spielbare Autoverfolgungsjagt durch Paris aufgelockert, die jedoch in ihrer Rennspielqualität erwartungsgemäß nicht wirklich überzeugen kann und dafür dann auch eigentlich schon wieder einen Tick zu lang ausgefallen ist. So kann aus Abwechslung ``Abnervung`` werden.
Alle anderen Missionen verlaufen folgendermaßen: Der Held wird in einem geschlossenen, linearen Areal abgesetzt und bekommt eine Aufgabe. Diese beschränkt sich Agententypisch auf das Anzapfen von Computern, das Besorgen von Akten oder die immer wieder beliebte Verbreitung von Tod und Zerstörung. Man läuft das Level ab und trifft zwangsläufig auf die vorgegebenen Missionsziele, sowie den ein oder anderen Gegner, der sich auf dem Weg dahin vor die Flinte wagt. In kleineren Gassen und Wegabzweigungen findet man Zusatzgoodies zum Sammeln, mit denen echte Bourne Fans Zusatzinhalte wie Bilder und kleine Videos etc. freischalten können. Wenn man nun auf Gegner trifft kann man diese entweder mit den dem Agenten zur Verfügung stehenden Waffen bearbeiten, oder sich im Nahkampf mit ihnen einlassen. Der Einsatz von Waffengewalt funktioniert wie ein klassischer Shooter. Man zielt und schießt manuell bis das Magazin leer ist. Das Wichtigste dabei ist allerdings immer vorher in bester Ghost Recon Manier in Deckung zu gehen, da die oft zahlenmäßig überlegenen Gegner recht zielgenau zurückfeuern und die Lebensenergie des Agenten sehr begrenzt ist. Dafür lädt sich diese aber hinter sicherem Deckungsschutz oder in kampflosen Momenten immer wieder schnell und vollständig auf. Nach Eliminierung der Gegner sorgen Munitionskisten oder die Waffen der Kontrahenten für bleihaltigen Nachschub, der sich von Pistolen über Schrotflinten bis hin zu großen Maschinengewehren in akzeptabler Vielfalt präsentiert.
Sollte die Munition jedoch trotzdem einmal aufgebraucht sein, lässt J. B. ebenfalls sehr glaubhaft die Fäuste sprechen. Im Nahkampf stehen zwei Buttons für Schlagkombinationen zur Verfügung und mit einem wird geblockt. Die verschiedenen Prügelvarianten lassen sich zwar an einer Hand abzählen und werden schnell langweilig, Abwechslung jedoch bringen die sogenannten Takedowns hinein. Mit jeder erfolgreichen Aktion, ob Schuss oder Schlag sammelt man Adrenalin, welches ab einer bestimmten Menge genutzt werden kann, um besonders starke Schläge oder sehr genaue Schüsse auszuführen. Diese Takedowns sind gerändert, bringen aber durch die automatische Einbindung der Umgebung eine gewisse Abwechslung, besonders für die Prügeleinlagen. Je nachdem wo man sich gerade befindet wird dem Gegner entweder ``nur`` der Arm gebrochen, oder auch mal mit einer angrenzenden Tischkante oder einem Geländer der Schädel gespalten. Genannte Takedowns sowie alle Actionsequenzen, die nicht mit Prügeln oder Schießen zu bewältigen sind, werden als spielbare Ränderszenen dargestellt. Hier ist Reaktionsgeschwindigkeit gefragt, da zur erfolgreichen Vollführung schnelle zufällige Tastenbetätigungen gefordert sind. Wer nicht schnell genug den angezeigten Knopf drückt landet auch mit einem geränderten Sprung schnell im Graben oder kriegt von den Endgegnern so gehörig auf die Mappe, dass auch hier ganz schnell die Mission gescheitert ist. Besagte lauern immer am Ende der Levels als Schlussherausforderung. Mit deutlich mehr Lebensenergie und Schlaghärte als normale Gegner ausgestattet, müssen diese im Nahkampf mit einigen spektakulären Takedowns ausgeschaltet werden.
Wenn man von der unübersichtlichen Kamera absieht und sich daran gewöhnt, dass jeder Gegner, dem man zu nahe kommt unausweichlich im Nahkampf bezwungen werden muss, was bei mehreren bewaffneten Gegnern schnell ungemütlich werden kann, da die anderen Kontrahenten während der Prügelei fröhlich weiterballern, lässt sich das Spiel größtenteils flüssig und akzeptabel spielen und auch die KI ist durchaus nicht die Dümmste. Viel Abwechslung und Innovation wird allerdings nicht geboten und Features wie zerstörbare Umgebung werden nur mit dem ein oder anderen zerschießbaren Teller oder Fernseher angeschnitten, vermögen aber den Spielverlauf nicht wirklich zu beeinflussen. Wer sich trotz des linearen Levelverlaufs doch mal verfranzt greift auf den bourneeigenen Agentensinn zurück und lässt sich während einer kleinen Slowmotionphase Türen, Waffen und Gegner auf der Karte anzeigen. Rätsel beschränken sich auf das Knacken von Schlössern via Zerstörung eines Sicherheitskastens oder per Dietrich in Form eines sehr kleinen und schon fast stupiden Minispiels. Der Gewaltgrad ist trotz einer verweigerten Jugendfreigabe moderat und kommt in Deutschland mit etwas weniger Blut und ohne Knochenknackgeräusche auf dem Markt. Das Spiel ist zu keiner Zeit übermäßig brutal oder blutrünstig.
Mit Waffen muss man schießen können…
Die Inszenierung des Actionspektakels ist, wie eigentlich alles andere auch, befriedigend ausgefallen. Vor allem die geränderten Szenen sowie die Zwischensequenzen sehen ganz nett aus und sorgen dafür, dass das Ganze nicht zu linear wirkt.
Für die Grafik wurde sich der aktuellen Unreal Engine bedient, weshalb das Spiel stellenweise wirklich nicht schlecht aussieht. Im Großen und Ganzen aber sorgen einige verwaschene Texturen, wenig Abwechslung und seltene Lichtspiele oder Effekte für einen durchschnittlichen Eindruck. Hier wäre mehr möglich gewesen, da es den Entwicklern nicht gelungen ist die volle grafische Power der benutzten Engine umzusetzen. Auch der Sound sticht wie sooft nicht groß hervor und unterstreicht mit seinem gewöhnlichen Actionmusikgedudel sowie den standart Explosionseffekten und Waffengeräuschen den mittelmäßigen Eindruck des Spiels. Immerhin gibt es eine deutsche Sprachausgabe, die dem neutralen Bourne die originale Synchronstimme des echten Bourne aus den Filmen spendiert.
Fazit:
Das Bourne Komplott ist ein durchschnittliches Actionspiel, was nichts völlig falsch macht, aber auch nichts richtig gut. Vor allem an der Grafik, aber auch am gesamten Spiel hätte man mit Leichtigkeit noch einiges hochschrauben und verbessern können. So reicht es leider nur zu einem durchschnittlichen Titel, der wohl nur echten Bourne Fans zu empfehlen ist, denen die fehlende Visage von Matt Damon egal ist und die sich durch Goodie-Sammeln und mehrfaches Durchspielen auf den drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden über den nicht vorhandenen Multiplayermodus und die recht kurze Spieldauer hinwegtrösten.
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