OverviewForza
Motorsports hat einiges an Umfang zu bieten. Um Microsofts
Rennsimulation komplett zu beenden, braucht der Spieler ca. 70 Stunden
reine Spielzeit. Und wir versprechen, dass dies die schnellsten 70
Stunden Eures Lebens sein werden. Zur Auswahl stehen 233 lizenzierte
Fahrzeuge, welche man über 31 Strecken steuern darf. Hier hätten wir
uns gerne ein paar Rennstrecken mehr gewünscht. Im Mittelpunkt stehen
Online- und Karrieremodus. Hmm – Zwei Modi im Mittelpunkt? Wie
funktioniert das? Hier haben sich die Microsoft Game Studios etwas ganz
Besonderes einfallen lassen. Alle Rennen der Karriere dürfen auch
online gegen menschliche Gegner absolviert werden. Eine Internet
Anbindung ist aber nicht zwingend erforderlich, um alle Autos im Spiel
in seine Garage zu bekommen.
Folgende Modi stehen zur Auswahl:
Arcade, Karriere, Zeitfahren und Freier Lauf. Arcade Modus bedeutet
aber nicht gleichzeitig, dass das Spiel an Realitätsnähe verliert.
Hierbei handelt es sich um einen linear aufgebauten Rennablauf, in dem
man neue Autos und Strecken als Belohnung erhält.
Um seine
Fahrzeug über die Strecke zu scheuchen, stehen 4 verschiedene
Kameraperspektiven zur Auswahl (2 Innen- und 2 Außenansichten), darüber
hinaus werden in den Spieleinstellungen 2 Lenkräder unterstützt:
Madcatz und Fanatec(
Preview).
Glückliche Online-Spieler dürfen
sich auf packende Rennen gegen bis zu 7 Gegner gleichzeitig (insgesamt
8 Fahrer), sowie rekordverdächtige 1400 Ranglisten freuen. Das Ganze
läuft Offline wie Online auf konstanten 30 Bildern pro Sekunde, wobei
der Online-Modus einer der besten ist, der unsere Redaktion je betreten
hat. Alles läuft astrein, schnell und lässt sich intuitiv bedienen. Das
oft vorkommende Verbindungs-Lag ist quasi nie vorhanden. Dazu kommen
dann noch all die feinen Online Features, die den Hobby-Rennfahrer
glücklich machen: Man kann Autos verkaufen und kaufen, „Ghosts“
hochladen, Automobilclubs(ähnlich wie Clans) beitreten/gründen uvm.
KarrieremodusDer
Karrieremodus ist das Herzstück von Forza Motorsport. Wenn man eine
neue Karriere beginnt, muss man sich zunächst für eine von drei
Regionen entscheiden. Zur Auswahl stehen hier Europa, Nord-Amerika und
Asien. Diese Entscheidung sollte man nicht unbedingt leichtfertig
fällen, denn sie wird einen wesentlichen Einfluss auf den Werdegang
Eures Rennfahrers haben. Wählt man beispielsweise Europa als
Hauptquartier aus, wird man schneller und günstiger an Fahrzeuge
ortsansässiger Hersteller wie Audi, VW, Porsche, BMW etc. kommen. Das
bedeutet aber in keiner Weise, dass asiatische und amerikanische
Fabrikate nicht in Euren Fuhrpark gelassen werden. Diese „Importe“
werden nur etwas später und teurer den Weg auf die Einkaufsliste des
Autosammlers finden. Die Auswahl der Region wirkt sich aber nicht auf
die zu absolvierenden Rennen aus. Wenn man sich erst einmal für eine
Region entschieden hat, gibt es kein Zurück mehr, d.h. ein
Regionswechsel während einer laufenden Karriere ist nicht möglich.
Ist
man sich nun einig, in welcher Region man sein Lager aufschlagen will,
kann es auch schon losgehen. Nur ohne fahrbaren Untersatz könnte das
schwer werden. Deshalb erhält der Spieler zunächst eine limitierte
Anzahl von Credits, um sich ein erstes Auto leisten zu können und evtl.
schon etwas von dem geschenkten Startkapital im Upgradehandel zu
investieren.
Nun kann es aber endlich auf der Piste zur Sache
gehen. Folgende Renntypen stehen zur Auswahl: Online-Karriere,
Abschnittrennen, Amateurrennen, Profirennen, Meisterschaftsrennen und
Endurancerennen. Die ersten 3 Renntypen dürfen sofort nach
Karrierestart vom Spieler betreten werden. Um höhere Renntypen
bestreiten zu dürfen, muss sich der Spieler zunächst in einen höheren
Level fahren. Da sind wir auch schon zu einem sehr zentralen Aspekt von
Forza Motorsport gelangt: Das Spieler-Level. Hierbei bedienten sich die
Entwickler im Rollenspiel Gerne. Um in der großen Rennfahrer-Karriere
weiter zu kommen, gilt es natürlich, Rennen zu gewinnen. Die dadurch
gewonnenen Credits dienen in erster Linie dazu, sein Fahrzeug zu tunen,
oder auf dem über 230 Autos umfassenden Automarkt neue Karossen zu
kaufen. Weil Motivation aber bekanntlich das A und O eines guten
Single-Player Erlebnisses ist, braucht man die verdienten Credits auch,
um im Level aufzusteigen. Hierin liegt ein Großteil der Motivation,
denn jeder Levelsprung wird großzügig honoriert: Neue Rennen,
Beziehungen zu Tuning Lieferanten (Rabatte), neue Fahrzeuge und
Beziehungen zu Autoherstellern winken dem siegreichen Fahrer.
Tuning / ModdingRennen
fahren allein macht nicht glücklich. Diese Erkenntnis erreichte den
Spieler spätestens bei Titeln wie Need for Speed Underground 2 oder
Midnight Club 3. Seitdem die Tuning Welle Rennspiele jeglicher Art
erfasst hat, kommt ein Racing Titel nicht mehr ohne umfangreiche
Modifikationsmöglichkeiten aus. Hier macht Forza Motorsport natürlich
keine Ausnahme. So findet sich der Spieler in der Rolle des Rennfahrers
sowie Renningenieurs zugleich wieder.
Spieler können das Äußere
ihres Boliden mit unzähligen Aufklebern und Farbschichten den
persönlichen Vorlieben anpassen. Hierzu stellt Forza Motorsport dem
kreativen Spieler eine riesige Palette von geometrischen Formen und
originalen Hersteller-Logos zur Verfügung. Aber natürlich dürfen auch
Teile der Außenhaut verändert werden. Spoiler, Schürzen,
Scheibentönungen uvm. erwarten den Spieler. Wer nun soviel Modding
Umfang wie beispielsweise in Need for Speed Underground 2 erwartet wird
leider enttäuscht. Das Forza Entwicklerteam hat eindeutig mehr wichtige
Zeit in Aspekte wie Gameplay, Fahrphysik und Online Gameplay gesteckt.
Danke hierfür!!
Das schönste Auto wird aber auch keinen
Blumentopf gewinnen, solange keine Power unter der Haube steckt. Also
ab in die Werkstatt und jede Menge Credits in Tuning investieren. Neben
dem Neuwagenkauf kann man bei Tuningteilen einen Großteil seiner
wohlverdienten Credits loswerden. Vom Motor über das Fahrwerk bis hin
zur richtigen Reifenwahl darf alles getuned und aufgebohrt werden was
nur geht und was der Geldbeutel hergibt. Bevor man irgendein
leistungssteigerndes Teil verbaut, wird dem Spieler angezeigt, ob er
dadurch evtl. in eine höhere Wagenklasse rutscht. Ein sehr hilfreiches
Feature.
KernkompetenzJeder
wünscht sich ein schnelles Rennspiel und hier macht Forza Motorsport
eine ordentliche Figur. Bei festgelegten 30 Bildern in der Sekunde,
online wie offline, bekommt der Spieler ein gutes und vor allem
stabiles Speedgefühl geboten. Besonders die Innenansichten sind an
dieser Stelle besonders zu empfehlen. Wer sein Vehikel so präzise und
schnell wie möglich um die Kurven hetzen will, kommt meiner Meinung
nach sowieso nur mit der Innenansicht zum besten Ergebnis.
Unberechenbar
und Aggressiv – Dies sind zwei Schlagwörter, die dem Forza-Spieler in
den Sinn kommen, wenn es um die künstliche Intelligenz des Spiels geht.
Ganz linear und strikt auf der Ideallinie, wie in anderen Vertretern
des Genres, läuft es hier nicht ab. Hier ist Kampf angesagt. Die Gegner
schrecken nicht davor zurück, ihre Position mit absoluter Kampflinie
und Vollkontakt zu verteidigen. OK, es ist ja auch das gute Recht des
Führenden seine Position zu verteidigen. Dieses Spielchen zieht die
künstliche Intelligenz aber auch gerne im Angriff ab. Und hierbei wären
wir bei der Aggressivität angelangt. Rempler und Schupser stehen hier
an der Tagesordnung. Manchmal ist es schon ziemlich frustrierend, wenn
einen die KI in der ersten Kurve bereits mit einem beherzten Stoß ins
Kiesbett befördert. Am Anfang war ich zunächst überrascht über die
beeindruckende Charakterstärke der künstlichen Intelligenz. Ab jetzt
wünsche ich mir solche Gegner in jedem Rennspiel.
Aber nicht
abschrecken lassen! Denn Forza Motorsport ist auch absolut Einsteiger
kompatibel. Durch eine Vielzahl von elektronischen Fahrhilfen und der
innovativen, dynamischen Ideallinie ist es selbst für blutige Anfänger
möglich von Anfang an gut über die Runden zu kommen. Vor Allem die
Ideallinie hilft Fahrern, die noch keine Streckenkenntnis besitzen,
weil sie (natürlich) wie der Name schon sagt die optimale Linie angibt,
aber darüber hinaus anzeigt wann man bremsen sollte und wann voller
Vortrieb gefragt ist. Wer sich dennoch entscheidet einige der
Hilfsmittel zu deaktivieren wird mit mehr Credits am Rennende belohnt.
Dies motiviert immer wieder zum Verbessern der eigenen Leistung.
Äussere Bedingungen hingegen werden das Fahrverhalten nie beeinflussen,
weil Wettereffekte leider gänzlich Aussen vor gelassen wurden. Gefahren
wird ausschließlich im Trockenen. Regen- oder gar Schneeeffekte wird
man in Forza Motorsport nicht vorfinden.
OptikForza
Motorsport lässt sich sehr gut anschauen, aber ein großes
Grafikfeuerwerk sollte der Spieler lieber nicht erwarten. Die gesamte
Präsentation des Spiels macht einen sehr guten und organisierten
Eindruck. Die Menüführung ist sehr gut organisiert und blitzschnell.
Dasselbe gilt auch für die Ladezeiten im Spiel.
Die In-Game Grafik
ist qualitativ sehr gut anzusiedeln, aber für die Bezeichnung
„großartig“ reicht es nicht ganz. Den Vergleich mit Genre-Primus GT4
auf der PS2 muss Forza Motorsport auch nicht scheuen, wobei ein Vorteil
nicht wirklich zu erkennen ist. Wenn man ein komplettes HDTV Equipment
sein Eigen nennen kann und GT4 auf voller 1080i HDTV-Auflösung
(1920*1080) gesehen hat, muss man den Grafik-Sieg ganz klar Grand
Turismo 4 überlassen. Forza Motorsport unterstützt hier lediglich 480p
(640*480). Dafür kommt Forza ohne das nervtötende Kantenflimmern von
Gran Turismo 4 aus.
Microsofts Verhandlungskünstlern sei Dank,
kann Forza auch mit einem erstklassigen Schadensmodell aufwahrten.
Deshalb muss der Spieler auch genau aufpassen was er tut. Den Gegner
als Notbremse zu benutzen, wie es in Project Gotham Racing 2 Gang und
Gebe ist, kann man hier getrost knicken, denn eine Beschädigung des
eigenen Wagens schlägt sich direkt und erbarmungslos auf dessen
Fahrbarkeit nieder. Überschlagen werden sich die Autos aber nie.
SoundEines
vorweg: Der Spieler sollte als erstes die mitgelieferte Musik komplett
aus dem Sortiment streichen. Das nervige, synthetische E-Gitarren
Gedudel von Junkie XL geht einem sehr schnell auf den Zeiger. Das
schöne an Microsoft Games ist, dass sie i.d.R. die komplette Feature
Palette unterstützen. So darf der Spieler seine eigenen Soundtracks im
Spiel hören. Genial hierbei: Die Musik läuft ununterbrochen: Egal ob
der Spieler gerade das Auto wechselt, durch die Menüs geht oder auf der
Rennstrecke ist. Sogar während das Spiel lädt, gibt es keine
Unterbrechung der Musik. Wirklich vorbildlich!
In-Game muss man
sich entscheiden was einem lieber ist. Entweder man hört seine
Soundtracks und/oder die erstklassigen Soundeffekte und Motorensounds,
welche in perfektem Dolby Digital 5.1 abgemischt wurden.
Liveplay… Der
Onlinesupport ist wohl der wunde Punkt des großen PS2 Konkurrenten Gran
Turismo 4. Zwar war dieser zuerst angekündigt, wurde aber dann restlos
gestrichen und auf den nächsten Teil der Serie vertagt. Forza
Motorsport kann mit der Unterstützung von Xbox Live im Onlinebereich
voll auftrumpfen. In den verschiedenen Spielmodi lässt sich mit den
getunten Karren auf allen Strecken des Spiels mit bis zu acht Leuten
meistens lagfrei um die Wette fahren. Durch die verschiedenen Klassen
und die weiteren Unterteilungen in diesen wie zum Beispiel A1-A4 lässt
sich aus nahezu jedem Auto ein konkurrenzfähiger Schlitten machen.
Trotzdem gibt es leider innerhalb dieser Unterklassen noch Differenzen;
so setzen sich oftmals bestimmte Modelle innerhalb der einzelnen Riegen
durch. Wenn man denn ein Auto gefunden hat, das mithalten kann, macht
das ganze irrsinnig viel Spaß und es kommt echtes Rennfeeling auf. Wer
damit noch nicht genug hat, bekommt noch ein Schmankerl oben drauf,
denn es gibt zusätzlich einen Online-Karrieremodus. Man sucht sich eine
Klasse aus und fährt dann mit dem eigenen Auto gegen ebenbürtige
Gegner. Der Vorteil: Man verdient Geld und steigt im Singleplayer
Level. Durch das aus Rainbow Six bekannte ELO System gibt es eine große
Anzahl an Ranglisten und auch bei der Zeitenjagd kann man Stunden
verbringen. Neben dem Clansupport, die hier Autoclubs heißen, kann man
Handel mit Autos betreiben. Etwas schade ist hierbei, dass die Autos
nur zu Festpreisen weggehen und man nicht wirklich handeln kann.
Insgesamt ist Forza wohl das beste auf Realismus ausgelegte Xbox Live
Rennspiel, auch wenn die geringe Anzahl an Strecken etwas zu wünschen
übrig lässt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.