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Was kann das gute Stück?
Wie bereits die beiden Vorgänger ist TopSpin 3 vom Umfang her eine
absolute Granate. Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Spielmodi,
den einfachen Schaukampf, den Turniermodus und den Karrieremodus. Um diese mit Leben zu füllen stehen über 20 echte Tennisspieler und
Plätze zur Verfügung, darunter Roger Federer, Maria Sharapova und sogar
Boris Becker, sowie bis auf Wimbledon alle offiziellen Grand Slam
Courts und noch einige weitere Masters und Major Turniere. Im
Schaukampfmodus hat man die freie Qual der Wahl und kann sich einzelne
Spiele nach Wunsch zusammenstellen. Möglich sind alle Varianten von
Spielerkombinationen im Einzel-, Doppel-, Herren-, Damen- oder
Gemischtmatch auf allen zur Verfügung stehenden Plätzen und Belägen mit
allen möglichen Punktregeln, die es im Tennis gibt und noch einer
TopSpin eigenen Tiebreak Variante. Sogar Tageszeit und Wetter sind
einstellbar.
Im Turniermodus wählt man ähnlich wie bei den Schaukämpfen Spieler und
Regeln aus und spielt dann eine der vorgegeben Herausforderungen je
nach Größe von der Runde der letzten 16 bis hin zum Finale durch und
speichert das Ganze falls nötig zwischen den Matches ab. Das Prachtstück des Spieles schließlich aber ist der Karrieremodus.
Hier durchlebt man den amerikanischen Traum in Rekordgeschwindigkeit
und aus Sicht eines kleinen Tennis Amateurs, der sich zur kommenden
Grand Slam Legende entwickelt. Natürlich ist es nicht irgendein
Amateur, sondern der eigens erstellte. Im Karrieremodus kann man sich
aus dutzenden Frisuren, Nasen und Körperbauten den eigenen
Wunschspieler zusammenbasteln, wobei der Phantasie keine Grenzen
gesetzt sind und vom eigenen Alter Ego bis zur Tennis Karikatur alles
möglich ist.
Mit dem erstellten Tennishelden arbeitet man sich dann durch unzählige
Matches, gewinnt Attribut- und Gegenstandspunkte, mit denen entweder
neue Tennisausrüstung von namenhaften Markenherstellern oder
Fähigkeitsverbesserungen gekauft werden und spielt sich vom Amateur
über die Junioren Tour bis in die Profi Rangliste. Nachdem man das
Maximum an Verbesserungspunkten auf die verschiedenen Attribute wie
Volley, Vorhand, Kraft etc. verteilt hat und mit dem Zögling die Nummer
eins der Welt ist, kann man zum Abschluss noch aus zwei
Herausforderungen wählen, um den Status einer Legende zu erreichen.
Entweder man gewinnt alle Grand Slam Turniere, oder bezwingt die
anderen Tennislegenden. Damit schließlich hat der neue Held dann
ausgelernt und ist bereit im Xbox Live oder bei Offline Schaukämpfen
gegen Freunde Angst und Schrecken auf den Plätzen der virtuellen Welt
zu verbreiten.
Alles in Allem ist der Karrieremodus sehr gut gelungen. Gerade die
vielen Möglichkeiten und die Kompatibilität mit den anderen Spielmodi
gewährleisten grandiose Langzeitmotivation. Einzig der knackige
Schwierigkeitsgrad beim Erreichen einer neuen Liga, wo die Gegner
anfangs von den Attributpunkten deutlich über den eigenen stehen
bereitet etwas Bauchschmerzen.
Wie sieht und hört es sich an?
Die Präsentation von TopSpin 3 ist gewaltig. Für ein Sportspiel ist die
Grafik auf einem sehr hohen Niveau. Die Spieler sowie die Plätze und
Stadien sind allesamt äußerst detailiert dargestellt und die
Animationen wirken noch realistischer als bei den Vorgängern. Die
Tennisbekleidung flattert und schwingt realistisch mit den Bewegungen
mit und entwickelt im Matchverlauf deutlich sichtbare, immer extremer
werdende Dreck- und Schweißflecken. Bei genauem Hinsehen und dem
entsprechenden Fernseher kann man sogar die Schweißperlen im Gesicht
herunterlaufen sehen. Entsprechend in Szene gesetzt wird das Ganze
schließlich noch durch die häufigen Zwischensequenzen vor und nach den
Ballwechseln, wo sich die Spieler authentisch den Schweiß abwischen
oder die Muskeln lockern. Die einzigen kleinen Kritikpunkte sind die
häufige Wiederholung der wenigen verschiedenen Zwischensequenzen und
der immer gleiche Schweißverlauf auf der Kleidung. Etwas mehr
Abwechslung hätte der Glaubwürdigkeit dieser Grafikfeatures nicht
geschadet.
Auch der Sound weiß zu glänzen und besticht mit realistischen
Tennisgeräuschen und einer dichten Atmosphäre. Wenn der Ball
realistisch klingend auf die verschiedenen Beläge aufschlägt, die
Spieler beim Aufschlag stöhnen oder vereinzelte Aufschreie im Publikum
die Stille bei entscheidenden Ballwechseln zerreißen, fühlt man sich
wie mitten auf dem Court. Lediglich die Jubel- und Beifallgeräusche
hätten etwas besser abgemischt werden können.
Und wie spielt es sich?
An der Spielmechanik von TopSpin 3 scheiden sich die Geister. Es ist
definitiv die größte Veränderung zu den Vorgängern aber in vielen Augen
nicht die Beste. Fakt ist, dass das Spiel mit der neuen Steuerung
realistischer aber auch deutlich komplexer und schwieriger geworden
ist. Die Hauptveränderungen sind, dass man den Spieler nun immer
möglichst optimal zum Ball bewegen muss, da die automatische zum Ball
Bewegung im Schlag auf ein Minimum verringert wurde und von nun an der
Schlag in dem Moment ausgeführt wird, wo der Finger den Knopf wieder
verlässt. Die Zeiten wo man gemütlich gedrückt hat, bis der Ball wieder
auf der anderen Seite des Feldes war sind vorbei und somit verlangt das
neue TopSpin ein hohes Maß an Bewegung und Timing. Wer falsch läuft
oder zu lange zum Schlag ausholt verpasst den Ball gnadenlos.
Gerade
für alte TopSpin Veteranen ist die neue Steuerung am Anfang sehr
frustrierend, da man mit dem alten Gefühl keinen Ball mehr trifft. Wer
sich allerdings reinbeißt und etwas Übungsehrgeiz an den Tag legt
gewöhnt sich nach einiger Zeit an die neue Steuerung und will diese
auch nicht mehr hergeben. Eine weitere Neuerung ist der Abbau jeglicher
Hilfen wie Skalen oder Anzeigen ob ein Risikoschlag zu hart, ein Stop
zu schwach oder ein Aufschlag zu lang ist. Die Controllerbelegung ist
zwar bis auf kleine Veränderungen gleich geblieben, aber der Abbau der
diversen Hilfen führt trotzdem zu einem komplett neuen Spielerlebnis,
das viel mehr Gefühl benötigt, aber deutlich mehr Realismus bietet.
Zusätzlich wurde das Ganze noch durch eine Verstärkung der Unterschiede
bei den Ballgeschwindigkeiten auf den verschiedenen Belägen und einer
eingeführten Erschöpfungsanzeige gesteigert, sodass automatisch mehr
Bälle im Netz oder im Aus landen, ohne dass man unbedingt einen riesen
Fehler gemacht hat. Ist die Erschöpfungsanzeige nach einem langen
Ballwechsel im roten Bereich, werden die eigenen Schläge spürbar
unkontrollierbarer und der Spieler langsamer.
Kurzum ist die neue Steuerung besonders anfangs sehr schwer und
benötigt intensive Eingewöhnungszeit, bietet aber unter dem Strich ein
deutlich höheres Maß an Realismus und Präzision. Außerdem bieten ein
ausführliches Tutorial und 5 Schwierigkeitsgrade bestmöglichen Support,
der es auch jedem Gelegenheitszocker ermöglicht mittelfristig
erfolgreich ins Spiel zu kommen.
Multiplayer:
Auch im Mehrspielermodus läuft TopSpin 3 online wie offline zu
Höchstform auf. Die Variantenreichen Schaukämpfe mit bis zu 4 Spielern
offline sind echte Spaßgranaten und auch der Online Modus funktioniert
sehr gut. Es lässt sich eigentlich immer ein Gegner für ein schnelles
Spiel finden und das Online Ranglistensystem, in dem man sich mit
seinem Karrieremodus-Zögling mit den Kreationen anderer Spieler messen
kann ist ebenfalls gut gelungen und einfach zu bedienen.
Fazit:
TopSpin 3 sieht sehr gut aus, hört sich ordentlich an, bietet Lizenzen
und Langzeitmotivation ohne Ende und ist gerade im Multiplayer ein
Brett unter den Sportspielen. Sicherlich ist die Steuerung schwer und
gewöhnungsbedürftig, aber zu keiner Zeit unsauber oder unspielbar
aufgrund von technischen Mängeln. Wer die Vorgänger mochte kommt
sowieso nicht drum herum und auch alle anderen Freunde des weißen
Sports können, ein bisschen Ehrgeiz vorausgesetzt, bedenkenlos
zugreifen. Alle potenziellen Nörgler und Arcadegamer ohne Geduld
greifen lieber zu Mario Tennis.
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