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Mein Name ist Niko Bellic – und ich träume vom amerikanischen Traum. Das ist vermutlich der Grund, warum ich mein altes, nicht besonders ruhmreiches Leben aus der tristen osteuropäischen Heimat ins amerikanische Paradies befördern will. Raus aus der Kriminalität, auf großem Fuß Leben, ein paar Dinge aus der Vergangenheit bereinigen und vor allen Dingen eine Menge Kohle scheffeln – ganz easy. Mein Cousin Roman hat bereits vorgesorgt: Er wartet an meinem Ziel – Liberty City – auf mich und hat bereits alles wovon man als Mann mit unseren Wurzeln träumt: Schnelle Autos, jede Menge Miezen und einen Batzen Geld...


So oder so ähnlich würde der Protagonist aus dem vierten Teil von Rockstars Grand Theft Auto Serie seine Situation vermutlich schildern und aus dem Schwärmen nicht wieder herauskommen – bis er an seinem Ziel angekommen ist: Denn hier erwartet ihn alles andere als der erhoffte Ruhm.

Cousin Roman holt Niko am Hafen in Liberty City mit einem alten klapprigen Taxi ab und sofort merkt der Spieler, dass etwas nicht stimmt: Roman ist weder reich, noch besonders erfolgreich – und noch dazu beansprucht er als Gegenleistung für seine Gastfreundschaft in einer kleinen zwei-Zimmer-Wohnung die Dienste des GTA-Spielers.
Schon sind die ersten Aufträge klar: Fahr dorthin, hole jemanden ab, bring mich dahin – typisch GTA eben. Ab dem ersten Moment fühlt sich der Spieler in die Storyline eingebettet. Man hätte zwar die Möglichkeit, die in Spielgrafik gehaltenen Zwischensequenzen zu skippen, aber während diese Laufen legt man das Pad für gewöhnlich ein paar Sekunden zur Seite und lässt sich von Rockstars Kreation berieseln. Die charismatischen Figuren, egal ob der osteuropäische rustikale kriminelle Vlad oder der jamaikanische Rastamann Little Jacob bedienen allesamt so viele Klischees, dass es ungeheuren Spaß macht, ihnen an den virtuellen Lippen zu hängen.

Freunde und Feinde

Die Kommunikation mit diesen funktioniert in den Meisten Fällen über das Handy, man wird oft angerufen, kann aber bei allen Bekanntschaften auch selbst zum Hörer greifen und Fragen ob es Arbeit gibt oder ob man auf eine Vergnügungstour gehen soll.
Schließlich bieten die sozialen Kontakte in Liberty City weitaus mehr als Jobs. Per Telefon kann man sich mit ihnen verabreden um das eigene Ansehen etwas aufzuputschen. Michelle – die erste weibliche Bekanntschaft des Spielehelden – kann man beispielsweise zum Bowlen und Trinken einladen, Cousin Niko fragt gern in obszönem Wortlaut nach, ob man Lust hat, mit in die Stripbar zu gehen – was man als guter Verwandter natürlich nicht verneinen kann ;-). Auf der Bowlingbahn, im Dartcenter oder beim Billard hat man die Gelegenheit.

Virtuelle Realität in der virtuellen Realität!?

Neben dem Handy haben die Rockstar-Designer aber auch noch weitere technische Finessen ins Spiel eingebaut: In Internet-Cafes kann man ins Internet gehen, beziehungsweise in ein mit kritischen Anspielungen gespicktes „Nachbau-Internet“. In Partnerbörsen tauschen sich Fetischisten aus und Spam wandert ab dem ersten Tag in das E-Mail-Postfach. Natürlich ist das Internet auch für etwas gut: Aufträge trudeln per E-Mail ein, man bekommt beispielsweise Bilder von Fahrzeugen zugesandt, die man für einen bestimmten Auftraggeber klauen soll.

Apropos Aufträge: Eigentlich ist in dieser Hinsicht bei GTA alles beim alten geblieben, ob das nun gut oder schlecht ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Persönlich wäre mir etwas mehr Abwechslung – besonders in den ersten Spielzügen – lieb gewesen. Fahre den dahin, hole das Schutzgeld dort ein, besorg mir dieses Auto, leg diese Person um und so weiter und so weiter. Das einzige, was sich ändert, sind die Auftraggeber. Ab und zu muss man zwar auch mal mit dem Handy ein Foto machen oder ein Rennen fahren, aber Niko Bellic ist für gewöhnlich ein Wiederholungstäter.

Back to Reality

Auch wenn GTA IV durch die enorm gelungene Optik, den Nachbau von New York City und die wahnsinnig lebendigen Charaktere enorm an Realismus hinzugewonnen hat, rudert Rockstar in Sachen Charaktergestaltung wieder etwas zurück.
Niko Bellic wird nicht zu fett, wenn er andauernd im nächsten Burger Shot einen Hamburger einschmeißt – das gibt ihm lediglich wieder etwas Lebensenergie zurück. Er muss auch nicht seinen Körper im Fitnessstudio stählen um schneller laufen zu können, sondern bleibt im Laufe des Spiels einfach er selbst. Für manche Missionen muss man zwar in einer Boutique in ein anderes Outfit schlüpfen, so komplex wie bei San Andreas ist das Ganze aber nicht. Natürlich gibt es weiterhin Waffenläden und Pay’n’Spray-Lackierstationen, um sich den Fahndungslevel vom Halse zu schaffen, für den Fall das einem das Gesetz auf den Fersen ist –was nicht so oft vorkommt wie in anderen Teilen der Spielereihe. Der Fahndungslevel wird wie immer angezeigt und auf der Minimap wird angezeigt, wie weit man sich von einem Polizeikommissar entfernen muss, um den Fahndungslevel loszuwerden.

Fahrschule

Ein wichtiger Bestandteil der GTA-Spiele ist grundsätzlich immer das Fahren mit den etlichen Vehikeln, die sich im Straßenverkehr an den Schauplätzen bewegen. Wenn man sich das erste Fahrzeug unter den Nagel reißt wird man vermutlich von der Steuerung enttäuscht sein, beim nächsten begeistert. Jedes Auto in GTA IV beschleunigt, bremst und lenkt sich anders, egal ob Motorrad oder Auto. Das macht den Schwierigkeitsgrad der Missionen teilweise sehr vom Fahrzeug abhängig, so fällt einem zum Beispiel die erste Motorradmission mehr als nur schwer. Übrigens: Wenn Niko das erste Mal bei einem Frontalunfall aus der Frontscheibe geschleudert wird und dabei Energie verliert, schaut man schon ziemlich blöd aus der Wäsche – und nicht nur der Protagonist wurde dann vom Detailreichtum des Spiels umgehauen.

Zu den Waffen!

Ebenfalls fester Bestandteil der Serie sind Feuergewichte mit Pistole, Uzi, Schrotflinte und Co. Insbesondere bei diesen hat Rockstar merklich Hand angelegt. Auch wenn die Feuergefechte teilweise immer noch sehr hektisch sind, hat der Spieler durch automatisches Zielen auf Knopfdruck und durch eine manuelle Alternative genügend Möglichkeiten um die schießwütigen Gangster ins Jenseits zu befördern.

Wie siehts denn aus?

Bereits die vorab veröffentlichten Bilder von GTA IV sahen derart gut aus, dass einem das Wasser im Mund zusammenlief. Den gleichen Effekt hat das Spiel selbst: Die Häuser, die Menschen, die Fahrzeuge, die Zeitungsständer, das Wasser, die Autobahnbrücken, die riesigen Hochhäuser, die Wasser speienden Hydranten. Es ließen sich ohne Probleme noch tausende Objekte aufzählen, die GTA zu einem der schönsten Spiele aller Zeiten machen – nicht weil jedes Objekt in Sachen Optik an Grafik-Hämmer wie Crysis ranreichen könnte, sondern weil die Gesamtheit wie aus einem Guss wirkt. Das neuste Liberty City ist so detailverliebt, dass man im Prinzip stundenlang an einer Stelle stehen und die Atmosphäre des Spiels genießen könnte – natürlich kann man auch einfach die ganze Zeit durch die Gegend fahren, es wird nie langweilig, auch wenn man mit den rund 40 Stunden Spielzeit einiges zu tun hat. All das hat natürlich auch seine Schattenseiten: Hier und da sind leider Pop-Ups zu sehen, den Spielfluss stören diese aber in keinem Falle. Diese sind auch sowieso schon wieder vergessen, sobald man nach dem ersten virtuellen Sonnenuntergang das Licht- und Schattenspiel beobachten durfte.

Wie klingts?

Um die Frage schnell zu beantworten: Grandios! Es ist beeindruckend, wie GTA den Kopf nicht nur mit einer Hülle und Fülle von bunten Farben füllt, sondern auch ordentlich etwas auf die Ohren gibt: Man kann den Mitbürgen in Liberty City beim telefonieren zuhören, sich von wütenden Passanten anschreien lassen oder sich im Auto mit dem passenden Radiosender und kernigem Motorensound einfach nur entspannen. Hier ist die Auswahl groß: Insgesamt finden sich 18 Radiosender im Spiel, die im Prinzip jeden Musikgeschmack von Rock über Pop und Techno bis hin zu Hip-Hop und Reggae abdecken. Wenn man sich allerdings auf einen Radiosender eingeschossen hat, kommt einem die Liedauswahl etwas gering vor und man hört des öfteren das Selbe – aber man kann ja nicht alles haben. Dafür sind die Radiomoderationen mal wieder allererste Sahne und zum Schießen komisch.

GTA-Online!

Ja, es gibt ihn tatsächlich: Einen waschechten Online-Modus in GTA IV – und der hat es in sich! Hat man das Handy erst mal auf Multiplayer umgestellt, geht’s quasi sofort los. Eben schnell eingestellt wo man spielen möchte – je nach Wunsch auch in der ganzen Stadt -, noch kurz Limitierungen in Sachen Polizeiaufgebot, Verkehrs- und Fußgängerdichte eingestellt und schon ist man drin, im Liberty City der Online-Welt. Hierbei hat man im Prinzip alles, was man offline auch haben möchte: Vehikel zu Land, zu Wasser und in der Luft! Hinzu kommt, dass es mehrere Abwechslungsreiche Modi gibt, unter anderem Polizei gegen Gangster, Rennen und Deathmatch. Die Technik macht dem Spieler zum Glück auch keinen Strich durch die Rechnung: GTA IV läuft auch online so flüssig, wie man es sich von manchen Spielen mit kleinen Levels wünschen würde. Eins Plus mit Sternchen für den Online-Modus!

Fazit: Wo soll ich anfangen? GTA IV hat so viel Gutes, dass es im Prinzip DAS Videospiel des 21. Jahrhunderts ist. Eine solch detaillierte und große Spielwelt hat es bisher auf noch keinem System gegeben. Hier stimmt einfach alles: Die Optik ist grandios, der Sound fesselt einen auf die Couch und die Story beweist, dass Spiele immer näher an Filme heranrücken. Wenn GTA IV ein Film wäre, hätte es mehrere Oscars verdient. Der Online-Modus bereitet dem Spieler eine Mordsgaudi, die Spielzeit ist mehr als ausreichend. Einziger Wehmutstropfen: Etwas mehr Abwechslung bei den Missionen hätte auch dem altbewährten GTA-Prinzip nicht geschadet. Trotzdem: Wer GTA noch nicht hat, verpasst so einiges.


Bewertung
Gameplay : 95% Sound : 97% Grafik : 98% Steuerung : 95% Multiplayer : 98%
Gesamt-Bewertung


Erstellt am : 17.06.2008      Autor : Ansgar Babukce          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
GAME-FACTS
Publisher : Take2
Entwickler : Rockstar
Release : 29.04.2008

Genre : Action
Player : 1
USK Einstufung

keine Jugendfreigabe
Homepage
GTA IV
Titel : GTA IV      Publisher : Take2      Release : 29.04.2008
Titel : GTA IV      Publisher : Take2      Release : 29.04.2008
Titel : GTA IV      Publisher : Take2      Release : 29.04.2008
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