Von Drogen, Krieg und letzten Helden…
Haze ist ein klassischer, linearer Shooter der zuerst exklusiv für die
Playstation 3 erscheint und anderen Genre Klassikern wie Halo Paroli
bieten soll. Der Spieler schlüpft in die Haut des jungen Sergeant Shane
Carpenter und schießt sich mit diesem in gewohnter Ego-Perspektive
durch ca. 15 bis 20 Stunden Videospielunterhaltung. Anfangs hält man
hierbei noch als überzeugter Soldat der Mantel Corporation die Treue
und metzelt mithilfe des sogenannten Nektars, einer Droge, die die
Soldaten stimuliert, zerstreute Rebellentruppen und Freiheitskämpfer
nieder. Genau in dem Moment jedoch, wo der gemeine Spieler langsam zu
fragen beginnt, ob das wirklich alles ist, erfährt das Spiel eine
interessante Wendung der Story, welche den jungen Sergeant dazu bringt,
sich aus den Fesseln des Großkonzerns und der berauschenden Droge
loszureißen und von nun an für die Rebellen in den Krieg zu ziehen und
so nach der Spielideologie nun doch auf den rechten Weg eines wahren
Helden zurückfindet.
Der Nektar bringt die Süße…
Auf den ersten Blick wirkt Haze wie ein ganz gewöhnlicher Shooter. Man
bekommt zwei Waffen, etwas Munition und ein paar Granaten in die Hand
gedrückt und wird mit ein paar verbündeten Soldaten auf Säuberungstour
in den gegnerverseuchten Dschungel geschickt. Früh allerdings bemerkt
man die ungewöhnliche Nektar-Anzeige auf dem Bildschirm, die zuerst wie
ein schwacher Schutzschild aussieht, sich dann aber als zentrale
Innovation dieses Spieles entpuppt und dem Spielerlebnis in Haze eine
Menge Tiefgang beschert. Zuerst noch als Soldat benutzt man die Droge
als stimulierendes Mittel, das die Zielfähigkeit maßgeblich verbessert
und die Umgebung vergleichbar mit der Wärmebildkamera von Splintercell
bunt aufleuchten lässt, wodurch es einfacher ist, die Gegner im
unübersichtlichen Kampfgetümmel des anfangs im Urwald spielenden Haze
zu erkennen und Freund von Feind zu unterscheiden. Zudem heilt man sich
unter Drogeneinfluss schneller und bekommt eine Art
Gefahrenfrühwarnsystem spendiert. Das Problem an der Droge ist
allerdings, dass ihre Wirkung sehr schnell nachlässt und die
Nektarleiste immer wieder manuell mit speziellen Kits, die man wie
Munition findet und sammelt, nachgefüllt werden muss. Hierbei ist zu
beachten, dass man sich keine Überdosis verabreicht und die Anzeige
nicht überlaufen lässt, weil der Soldat sonst die Kontrolle verliert,
nicht mehr steuerbar ist und wild um sich schießt.
In dem Moment, wo man dann die Seite wechselt, hält das Spiel mit dem
daraus resultierenden Nektarverlust einen weiteren Kniff parat. Mit dem
Beginn des Rebellendaseins, wird der Mantel-Kampfanzug abgelegt und die
Spielfigur wird mit einem Mal um einiges agiler. Es ist nun möglich
sich schneller zu bewegen und einige neue Moves, wie Seitwärtssprünge
zu vollführen oder sich für eine Weile totzustellen, um gegnerischem
Feuer auszuweichen, oder dessen Verursachern aus dem Weg zu gehen. Das
ist allerdings auch bitter nötig, da man von nun an ohne Nektar
Einfluss deutlich verwundbarer ist und auf die liebgewonnenen
kampfunterstützenden Mittel der Droge verzichten muss. Sehr interessant
gemacht ist auch der Effekt, dass man von nun an die Welt aus einem
ungeschönten unstimulierten Blick wahrnimmt und erstmals Blut und
Brutalitäten deutlich unterstrichen werden, wodurch das Spiel, das
keine Jugendfreigabe bekommen hat, trotzdem nie übermäßig blutrünstig
wird. Der Nektar schließlich spielt aber weiterhin eine Rolle und auch
als Rebel sammelt man ihn weiter ein, um ihn als mächtige Waffe gegen
die Corporation zu verwenden. An eine gut platzierte Granate gebastelt
führt die freigesetzte Nektarüberdosis dazu, dass sich die Gegner
selbst über den Haufen schießen, während man sich gemütlich
zurücklehnt, Munition spart und das Schauspiel genießt.
Was sonst noch wichtig ist…
Haze ist ein abwechslungsreicher Shooter mit vielen verschiedenen
Schauplätzen, neben dem Nektar noch einer Menge weiteren Waffen und
auch der ein oder anderen Fahrzeugmission. Hierbei ist die
Fahrzeugsteuerung etwas ungenau und kann zu Frustsituationen führen.
Die allgemeine Shootersteuerung ist aufgrund leichter Überladung des
Controllers anfangs nicht ganz einfach zu erlernen, lässt sich aber
nach gewisser Einarbeitungszeit gut spielen. Während des ganzen Spiels
hat man sowohl auf der Seite der Rebellen, als auch bei den Soldaten
der Corporation immer wieder einige KI gesteuerte Mitstreiter dabei,
die allerdings weder die Story groß beeinflussen, noch wirkliche
Schützenhilfe geben. Diese ist allerdings auch nicht von Nöten, da die
Gegner KI die der Mitstreiter nicht wirklich übersteigt, wodurch das
gesamte Spiel nicht besonders schwierig und gut durchzuspielen ist. Das
große Manko des Spieles schließlich ist bedauernswerterweise die
Grafik. Auch wenn hier mit Abwechslung geglänzt wird, ist diese
qualitativ gesehen den Möglichkeiten der Playstation 3 nicht würdig.
Explosionen und Lichteffekte wirken aufgesetzt, die nektarbeeinflusste
Sichtveränderung zu unrealistisch übertrieben und die größte
Enttäuschung sind die wirklich schlechten unscharfen Texturen. Des
Weiteren glänzt zumindest die deutsche Version mit einer schlechten
Synchronisation und Sprachausgabe der Charaktere, die den noch relativ
gelungenen Charaktermodellen das Leben rauben. Der allgemeine Sound ist
in Ordnung und sorgt mithilfe richtig einsetzender Musikuntermalung für
eine durchaus überzeugende Kampfatmosphäre, wenn man die hauseigenen
Grafikansprüche herunterschraubt.
Multiplayer
Ein klarer Pluspunkt von Haze ist der Multiplayermodus. Neben den
üblichen Online Varianten wie Deathmatch oder Teamdeathmatch und
Teamangriff mit bis zu 16 Spielern, wo man zwischen den Rebellen oder
den Mantel Troopern wählen kann, bietet das Spiel nämlich noch einen
gut gelungenen Koop-Modus, in dem man offline oder online zu 2. im
Splitscreen und online sogar mit bis zu 4 Spielern die Kampagne
durchspielen kann. Ein weiterer besonderer Split Screen 2vs2
Missionsmodus trägt dazu bei, dass sich Haze zumindest online sehen
lassen kann und hier der Egoshooter Konkurrenz ebenbürtig ist und dem
ein oder anderen Titel sogar etwas vorraus hat. Der einzige Wermutstropfen ist die leicht unausgeglichene Teambalance,
da die Rebellen im direkten Vergleich doch etwas stärker als ihre
Mantel Kontrahenten sind.
Fazit:
Steuerung, Sound, KI und Story reißen keine Bäume aus, werden aber
durch die erfrischenden Nektarfeatures und den plötzlichen
Seitenwechsel des Spielers aufgefangen. Leider versaut die
unverhältnismäßig schlechte Grafik, die schließlich gerade bei Shootern
ein entscheidendes Kriterium ist, jedoch die Wertung so sehr, dass es
für Haze nicht zum absoluten Burner reicht und Spiele wie Halo,
Bioshock oder the Darkness weiterhin das Genre beherrschen. Das
bedeutet allerdings keineswegs, dass Haze ein schlechtes Spiel ist. Ein
solider Shooter mit nektarbedingter Daseinsberechtigung ist es allemal.
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