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   Lange hatten Fans Solid Snakes auf eine Fortsetzung der Abenteuer des Stealth-
   Pioniers warten müssen. Seit dem 12. Juni ist es soweit und mit „Metal Gear Solid 4:
   Guns of the Patriots“ ist der lang erwartete vierte Teil der Metal Gear-Reihe in den
   Händlerregalen, der die Geschichte um Solid Snake zu einem Ende führen soll. Ob und
   wie dem Team von Kojima Productions dieses Kunststück gelungen ist, soll dieses 
   Review klären.


Eines vorweg: Man hat es tatsächlich geschafft, die verworrenen Storybände der Vorgänger zu einem zumindest einigermaßen plausiblen Ende zu führen und dass selbst Fans der Serie mit der einen oder anderen Wende überraschen dürfte. Was man vielleicht einschränkend bemerken sollte, ist, dass man ohne Vorkenntnisse bezüglich der Story der Vorgänger wohl kaum irgendwelche Zusammenhänge erkennen wird und dem Geschehen wohl nicht ganz folgen können wird. Doch selbst dann bleibt immer noch die sehr effektvolle, cineastische Inszenierung des Titels. Und auch beim vierten Teil ist Solid Snake geistiger Vater, Hideo Kojima, seinem Ruf gerecht geworden und bietet ein Spiel, das in punkto aufwendiger Zwischensequenzen den Vergleich mit vielen Filmen nicht scheuen muss.



Und storytechnisch knüpft der vierte Teil beinahe nahtlos an die Handlung des Vorgängers „Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty“ an. Zur Erklärung: Nachdem die Metal Gear Solid-Reihe ursprünglich als Trilogie geplant war, ging man nach dem im Jahre 2008 stattfindenden zweiten Teil mit „Metal Gear Solid 3: Snake Eater“ zeitlich ins Jahr 1964 zurück, um etwas Licht in die Geschichte um Solid und Liquid Snakes genetischem Vater Big Boss zu bringen. Somit ist das zeitlich im Jahre 2014 angesiedelte „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ wieder eine echte Fortsetzung und bringt die Geschichte um den Stealth-Agenten-Legende Solid Snake zu einem Ende. Ohne zu viel über die Story verraten zu wollen, sei soviel gesagt, dass der rapide Alterungsprozess Solid Snakes, der in den sechs Jahren, die seit den Geschehnissen auf Shadow Moses vergangen sind, zu beobachten gewesen ist, einen der vielen Storyfäden darstellt. Dabei hat sich die Welt, in der Snake zurecht kommen muss, sichtlich verändert. Genauso, wie die Art, Krieg zu führen. Private Militärorganisationen steuern Kriege für wirtschaftliche Interessen, bei denen politische Interessen vollkommen in den Hintergrund gerückt sind. Im Fokus des Interesses steht das finanzielle hinter dem Töten. Soldaten sind durch Nanotechnologie weltweit auffindbar und miteinander vernetzt. Auch die Waffen sind personalisiert und nur von dem jeweiligen Besitzer verwendbar. Neuartige Waffensysteme und Kampfroboter bestimmen das Kampfgeschehen, die Forschung ist zum Sklaven der Kriegswirtschaft degradiert worden und ein Menschenleben ist kaum einen Pfifferling wert. Das einzige, was zählt ist Kampfkraft und der finanzielle Gewinn, er daraus resultiert.

Natürlich erwarten Kenner der Metal Gear Solid-Spiele ebenso actiongeladene Endgegnerkämpfe, sowie einige Wiedersehen mit alten Bekannten aus vorangegangenen Titeln. Zwischendurch wendet sich die Geschichte aber immer wieder auch ernsten Themen wie Genmanipulation, Waffenhandel, Kriegstraumata oder Korruption in der Politik zu. Wie man es von Hideo Kojima nicht anders gewohnt ist, droht die Story vor überraschenden Wenden, der teilweise schon zu übertriebenen Inszenierung und dem Heldenpathos, der Filme wie „Top Gun“ blass aussehen lässt, aus dem Ruder zu laufen. Aber dennoch schafft man es das Ganze im Verlaufe des vierten Teils zu einem Handlungsstrang zu bündeln. Und wer die Spiele der Metal Gear Solid-Serie mag, wird auch den vierten Teil und dessen Erzählweise mögen.

Doch genug zur Story, von der wir eigentlich gar nicht reden dürfen, wenn wir die Leserschar nicht spoilern möchten. Sprechen wir über das Spielerlebnis an sich. Denn anders als der Trend es in den Spielen der letzten Zeit vorgegeben hat, entschied man sich bei Konami dazu, Zwischensequenzen zu zelebrieren, anstatt zu vermeiden. Stellenweise verbringt man fast eine Stunde vor dem Fernseher, ohne die Spielfigur zu steuern und lässt sich von der Handlung berieseln, bzw. faszinieren. Wobei die Filmsequenzen zwischen den Spielabschnitten den Namen Zwischensequenz gar nicht verdient haben. Denn sie sind mehr als das. In kinoreifer Machart wird die Story erzählt, Spannung aufgebaut und Hintergrundinformationen zum Spielgeschehen geliefert. Dabei wirkt das Ganze serientypisch, jedoch ist der Schritt in die nächste Konsolengeneration deutlich sichtbar.



Grafisch ist der Titel nämlich über jeden Zweifel erhaben. Die in Echtzeit berechneten Filmsequenzen lassen dem Betrachter mitunter das Blut in den Adern gefrieren und sind so spektakulär, dramatisch und emotional inszeniert, dass so mancher Hollywood-Film dagegen alt aussehen dürfte. Auch der Umstand, dass manche Szenen ein bisschen kitschig anmuten, untersteichen diesen bereits erwähnten Filmcharakter des Spiels. Doch auch in den Abschnitten, in denen der Spieler die Steuerung von Snake übernimmt, weiß die Optik des Spiels zu überzeugen. Auch wenn das Gesamtergebnis noch nicht als ganz perfekt bezeichnet werden kann, verwöhnen opulente Grafikeffekte wie Sandböen, nächtliches Schneegestöber oder Lichtreflexionen auf einer nassen Straße das Auge der Spieler. Zwar wirken manche Texturen, die in den weitläufigen Levels Verwendung finden, etwas matschig aus und darüber hinaus ist minimales Kantenflimmern zu beklagen, den großartigen visuellen Gesamteindruck trüben diese Erscheinungen aber kaum. Neben den detailreichen Charakterdarstellungen und -animationen besticht „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ in erster Linie durch die wunderbar atmosphärisch gestalteten Schauplätze, die je nach Umgebung durch spezifische Details zum Leben erweckt werden. Während in den vom Krieg verwüsteten Ruinen Ratten um eure Füße herum wuseln, sind in den ländlichen Gegenden Südamerikas Meerschweinchen zuhause und stören so manches mal euer „Solid Eye“, ein neues Feature, das Snake von Otacon erhält.

Generell wurde das Inventar, in dem Snake seine überlebenswichtigen Objekte organisieren kann, überarbeitet. Und was wäre ein neuer „Metal Gear Solid“-Titel ohne ein paar neue technische Spielereien, die das Agentenleben erleichtern? Die beiden nützlichsten neuen Gadgets sind dabei zweifellos Snake’s Sichtverstärkung, das „Solid Eye“, sowie der kleine Roboter „Mk. II“. Während das „Solid Eye“ bei der Feinderkennung hilft und sowohl als Fernglas, als auch als Nachtsichtgerät verwendet werden kann, ist der „Mk. II“ ein ferngesteuerter Roboter, der mit Tarnkappe ausgestattet sehr hilfreich ist, um die Umgebung zu infiltrieren und Feinde mit Elektroschocks auszuschalten. Auch die Steuerung wurde etwas benutzerfreundlicher gestaltet und überarbeitet. Doch dabei ist man den Wurzeln der Serie treu geblieben. Die Tastenbelegung ist weitgehend beibehalten und um bestimmte Aktionen erweitert worden. Beispielsweise kann man nun erstmals geduckt gehen, was eigentlich längst überfällig gewesen ist. Überrascht man einen Gegner mit gezogener Waffe von hinten, kann man ihn überdies ausrauben oder mit dem elektrisch geladenen Messer lautlos außer Gefecht setzen.



Das Gameplay ist abwechslungsreich gestaltet und lässt dem Spieler meist die Wahl, wie er am liebsten vorgehen möchte. Bis auf wenige Passagen ist es fast immer möglich sowohl mit der Holzhammer-Methode, als auch unbemerkt und in aller Heimlichkeit zum Erfolg zu kommen. Die Shooter-Passagen gehen dabei deutlich einfacher von der Hand als bei den Vorgängern. In jedem Fall ist das Spiel actionreicher gestaltet, ohne wie ein reiner Shooter zu wirken. Denn auch wenn die schier unbegrenzt vorhandene Munition und die riesige Anzahl neuer Waffen, die im Verlaufe des Spiels euer Arsenal verstärken, wirklich zu orgiastischen Feuergefechten verführt, ist zuweilen bedachtes Vorgehen und schleicherisches Geschick von Vorteil. Die Mischung im Gameplay stimmt einfach, zumal an bestimmten Stellen sogar Adventure-Elemente mit kleinen Rätseln das Spielgeschehen auflockern. Die KI eurer Gegner ist recht unterschiedlich zu bewerten. Während man manchmal von ihnen erblickt und daraufhin attackiert und in Bilderbuchmanier flankiert werdet, bemerken sie an anderen Stellen nicht, wenn einer ihrer Kollegen wenige Meter von ihnen entfernt das Zeitliche segnet. Als Kritikpunkt wäre anzumerken, dass die Steuerung für Genre-Neulinge etwas überladen und arg umfangreich erscheinen mag und eine recht lange Einspielzeit erfordert.

Das umständliche Tarnsystem aus dem Vorgänger ist dem neuen „OctoCam“-Anzug gewichen, der sich farblich und strukturell dem Hintergrund anpasst, wie man es von Kraken kennt. Ein weiteres wichtiges Gameplay-Element ist der Verstand Snakes. Je besser die Verstandsanzeige gefüllt ist, desto ruhiger ist Snakes Hand und desto geschmeidiger seine Aktionen und Bewegungen. Durch Stresssituationen oder gewisse Schlüsselsituationen, die Snake im Verlaufe der Handlung immer wieder durchleben muss, sinkt diese Anzeige. Durch erfolgreiche Aktionen und Ausruhen in gut getarntem Zustand steigt sie. Dadurch bekommt das Ganze zusätzliche Spieltiefe und im Zusammenspiel miteinander vermitteln die verschiedenen Gameplay-Elemente ein tolles „Metal Gear Solid“-typisches aber dennoch einzigartiges Spielgefühl. Auch durch die Einführung des Waffenhändlers Drebin, der euch Waffen, Upgrades und Munition verkauft, steigt der Wiederspielwert des Titels enorm. Denn die heiß begehrte Spielwährung, die sogenannten Drebin-Points, bekommt ihr nur durch eingesammelte Waffen besiegter Gegner und eine gute Missionsbewertung am Ende eines jeden Aktes, von denen es fünf an der Zahl gibt. Mit ergatterten Punkten könnt ihr die ID-Sperre eingesammelter Waffen knacken lassen, neue Totmacher kaufen oder vorhandene Waffen nach Herzenslust aufrüsten. Dabei hat man freie Wahl, ob man es lieber mit Schalldämpfer und Laservisier versucht oder es mit unter den Lauf geschraubtem Granatwerfer so richtig krachen lässt.

Apropos „krachen“: wie es nicht anders zu erwarten war, gibt es auch im vierten Teil der „Metal Gear Solid“-Reihe ordentlich was auf die Ohren. Erneut glänzt die englische Synchronisation durch exzellente Sprecher und auch die deutschen Untertitel sind in Ordnung, auch wenn manchmal ein paar holprige Übersetzungen zu belächeln sind. Die eigens für das Spiel komponierte Musikuntermalung befindet sich wie gewohnt auf höchstem Niveau, und auch der glasklare 5.1-Sound, sowie die effektvolle Geräuschkulisse sorgen dafür, dass „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ die akkustische Referenz auf der Playstation 3 ist.



Ach ja...einen Multiplayer-Modus gibt es ja auch noch. Genau, wie die Einzelspieler-Kampagne sieht dieser wirklich schön aus und im Prinzip geht es darum, Ego-Shooter ähnliche Spielvarianten mit bis zu 24 Spielern gegeneinander zu spielen und dabei die in der Kampagne erlernten Fertigkeiten online mit denen anderer zu messen. Uns hat das Ganze allerdings nicht wirklich überzeugen können. Eine umständliche Anmeldung, die recht komplizierte Menüführung, gelegentliche Verbindungsprobleme und zahlreiche Bugs trüben den Spielspaß doch sehr. Auch der Umstand, dass es lediglich fünf Mehrspieler-Karten gibt. An dieser Stelle sollte Konami dringend nachbessern, denn das Potential von „Metal Gear Online“ ist offensichtlich.


FAZIT: Lange hat man auf einen absoluten „Must have“-Titel für die Playstation 3 gewartet. Nun ist er da. Mit „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ präsentiert Konami ein audiovisuelles Spielerlebnis, das sich gewaschen hat. Zwar merkt man dem Titel an, dass er klar an die Fans der Serie gerichtet ist, und deshalb „Metal Gear“-Neulingen der Einstieg wohl etwas schwerer fallen dürfte. Dennoch sollte man dieses großartige Spiel einmal gesehen und erlebt haben. Sicherlich ist der vierte Teil der Reihe kein Titel, den man mal ein Stündchen spielt, man sollte sich die Zeit dafür nehmen, um dieses Kunstwerk zu erleben. Und auch wenn mit Sicherheit nicht alles perfekt ist, sowohl in grafischer, als auch in spielerischer Sicht, das Gesamtpaket sichert dem letzten Auftritt Solid Snakes einen Platz in der absoluten Oberklasse. Auch wenn der Titel nur in 665p Auflösung läuft. Jeder, der nicht zu sehr mit Pixel zählen beschäftigt ist, sollte sich davon überzeugen, dass „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ grandios aussieht und sich genauso spielt.



Bewertung
Gameplay : 97% Sound : 97% Grafik : 94% Steuerung : 89% Multiplayer : 85%
Gesamt-Bewertung


Erstellt am : 18.06.2008      Autor : Marc Gillessen          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
GAME-FACTS
Publisher : Konami
Entwickler : KONAMI
Release : 12.06.2008

Genre : Action Adventure
Player : 1
USK Einstufung

keine Jugendfreigabe
Homepage
MGS4
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
Titel : Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots      Publisher : Konami      Release : 12.06.2008
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