Eines vorweg: Man hat es tatsächlich geschafft, die verworrenen
Storybände der Vorgänger zu einem zumindest einigermaßen plausiblen
Ende zu führen und dass selbst Fans der Serie mit der einen oder
anderen Wende überraschen dürfte. Was man vielleicht einschränkend
bemerken sollte, ist, dass man ohne Vorkenntnisse bezüglich der Story
der Vorgänger wohl kaum irgendwelche Zusammenhänge erkennen wird und
dem Geschehen wohl nicht ganz folgen können wird. Doch selbst dann
bleibt immer noch die sehr effektvolle, cineastische Inszenierung des
Titels. Und auch beim vierten Teil ist Solid Snake geistiger Vater,
Hideo Kojima, seinem Ruf gerecht geworden und bietet ein Spiel, das in
punkto aufwendiger Zwischensequenzen den Vergleich mit vielen Filmen
nicht scheuen muss.

Und storytechnisch knüpft der vierte Teil beinahe nahtlos an die
Handlung des Vorgängers „Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty“ an. Zur
Erklärung: Nachdem die Metal Gear Solid-Reihe ursprünglich als Trilogie
geplant war, ging man nach dem im Jahre 2008 stattfindenden zweiten
Teil mit „Metal Gear Solid 3: Snake Eater“ zeitlich ins Jahr 1964
zurück, um etwas Licht in die Geschichte um Solid und Liquid Snakes
genetischem Vater Big Boss zu bringen. Somit ist das zeitlich im Jahre
2014 angesiedelte „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ wieder
eine echte Fortsetzung und bringt die Geschichte um den
Stealth-Agenten-Legende Solid Snake zu einem Ende. Ohne zu viel über
die Story verraten zu wollen, sei soviel gesagt, dass der rapide
Alterungsprozess Solid Snakes, der in den sechs Jahren, die seit den
Geschehnissen auf Shadow Moses vergangen sind, zu beobachten gewesen
ist, einen der vielen Storyfäden darstellt. Dabei hat sich die Welt, in
der Snake zurecht kommen muss, sichtlich verändert. Genauso, wie die
Art, Krieg zu führen. Private Militärorganisationen steuern Kriege für
wirtschaftliche Interessen, bei denen politische Interessen vollkommen
in den Hintergrund gerückt sind. Im Fokus des Interesses steht das
finanzielle hinter dem Töten. Soldaten sind durch Nanotechnologie
weltweit auffindbar und miteinander vernetzt. Auch die Waffen sind
personalisiert und nur von dem jeweiligen Besitzer verwendbar.
Neuartige Waffensysteme und Kampfroboter bestimmen das Kampfgeschehen,
die Forschung ist zum Sklaven der Kriegswirtschaft degradiert worden
und ein Menschenleben ist kaum einen Pfifferling wert. Das einzige, was
zählt ist Kampfkraft und der finanzielle Gewinn, er daraus resultiert.
Natürlich erwarten Kenner der Metal Gear Solid-Spiele ebenso
actiongeladene Endgegnerkämpfe, sowie einige Wiedersehen mit alten
Bekannten aus vorangegangenen Titeln. Zwischendurch wendet sich die
Geschichte aber immer wieder auch ernsten Themen wie Genmanipulation,
Waffenhandel, Kriegstraumata oder Korruption in der Politik zu. Wie man
es von Hideo Kojima nicht anders gewohnt ist, droht die Story vor
überraschenden Wenden, der teilweise schon zu übertriebenen
Inszenierung und dem Heldenpathos, der Filme wie „Top Gun“ blass
aussehen lässt, aus dem Ruder zu laufen. Aber dennoch schafft man es
das Ganze im Verlaufe des vierten Teils zu einem Handlungsstrang zu
bündeln. Und wer die Spiele der Metal Gear Solid-Serie mag, wird auch
den vierten Teil und dessen Erzählweise mögen.
Doch genug zur Story, von der wir eigentlich gar nicht reden dürfen,
wenn wir die Leserschar nicht spoilern möchten. Sprechen wir über das
Spielerlebnis an sich. Denn anders als der Trend es in den Spielen der
letzten Zeit vorgegeben hat, entschied man sich bei Konami dazu,
Zwischensequenzen zu zelebrieren, anstatt zu vermeiden. Stellenweise
verbringt man fast eine Stunde vor dem Fernseher, ohne die Spielfigur
zu steuern und lässt sich von der Handlung berieseln, bzw. faszinieren.
Wobei die Filmsequenzen zwischen den Spielabschnitten den Namen
Zwischensequenz gar nicht verdient haben. Denn sie sind mehr als das.
In kinoreifer Machart wird die Story erzählt, Spannung aufgebaut und
Hintergrundinformationen zum Spielgeschehen geliefert. Dabei wirkt das
Ganze serientypisch, jedoch ist der Schritt in die nächste
Konsolengeneration deutlich sichtbar.

Grafisch ist der Titel nämlich über jeden Zweifel erhaben. Die in
Echtzeit berechneten Filmsequenzen lassen dem Betrachter mitunter das
Blut in den Adern gefrieren und sind so spektakulär, dramatisch und
emotional inszeniert, dass so mancher Hollywood-Film dagegen alt
aussehen dürfte. Auch der Umstand, dass manche Szenen ein bisschen
kitschig anmuten, untersteichen diesen bereits erwähnten Filmcharakter
des Spiels. Doch auch in den Abschnitten, in denen der Spieler die
Steuerung von Snake übernimmt, weiß die Optik des Spiels zu überzeugen.
Auch wenn das Gesamtergebnis noch nicht als ganz perfekt bezeichnet
werden kann, verwöhnen opulente Grafikeffekte wie Sandböen, nächtliches
Schneegestöber oder Lichtreflexionen auf einer nassen Straße das Auge
der Spieler. Zwar wirken manche Texturen, die in den weitläufigen
Levels Verwendung finden, etwas matschig aus und darüber hinaus ist
minimales Kantenflimmern zu beklagen, den großartigen visuellen
Gesamteindruck trüben diese Erscheinungen aber kaum. Neben den
detailreichen Charakterdarstellungen und -animationen besticht „Metal
Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ in erster Linie durch die wunderbar
atmosphärisch gestalteten Schauplätze, die je nach Umgebung durch
spezifische Details zum Leben erweckt werden. Während in den vom Krieg
verwüsteten Ruinen Ratten um eure Füße herum wuseln, sind in den
ländlichen Gegenden Südamerikas Meerschweinchen zuhause und stören so
manches mal euer „Solid Eye“, ein neues Feature, das Snake von Otacon
erhält.
Generell wurde das Inventar, in dem Snake seine überlebenswichtigen
Objekte organisieren kann, überarbeitet. Und was wäre ein neuer „Metal
Gear Solid“-Titel ohne ein paar neue technische Spielereien, die das
Agentenleben erleichtern? Die beiden nützlichsten neuen Gadgets sind
dabei zweifellos Snake’s Sichtverstärkung, das „Solid Eye“, sowie der
kleine Roboter „Mk. II“. Während das „Solid Eye“ bei der Feinderkennung
hilft und sowohl als Fernglas, als auch als Nachtsichtgerät verwendet
werden kann, ist der „Mk. II“ ein ferngesteuerter Roboter, der mit
Tarnkappe ausgestattet sehr hilfreich ist, um die Umgebung zu
infiltrieren und Feinde mit Elektroschocks auszuschalten. Auch die
Steuerung wurde etwas benutzerfreundlicher gestaltet und überarbeitet.
Doch dabei ist man den Wurzeln der Serie treu geblieben. Die
Tastenbelegung ist weitgehend beibehalten und um bestimmte Aktionen
erweitert worden. Beispielsweise kann man nun erstmals geduckt gehen,
was eigentlich längst überfällig gewesen ist. Überrascht man einen
Gegner mit gezogener Waffe von hinten, kann man ihn überdies ausrauben
oder mit dem elektrisch geladenen Messer lautlos außer Gefecht setzen.

Das Gameplay ist abwechslungsreich gestaltet und lässt dem Spieler
meist die Wahl, wie er am liebsten vorgehen möchte. Bis auf wenige
Passagen ist es fast immer möglich sowohl mit der Holzhammer-Methode,
als auch unbemerkt und in aller Heimlichkeit zum Erfolg zu kommen. Die
Shooter-Passagen gehen dabei deutlich einfacher von der Hand als bei
den Vorgängern. In jedem Fall ist das Spiel actionreicher gestaltet,
ohne wie ein reiner Shooter zu wirken. Denn auch wenn die schier
unbegrenzt vorhandene Munition und die riesige Anzahl neuer Waffen, die
im Verlaufe des Spiels euer Arsenal verstärken, wirklich zu
orgiastischen Feuergefechten verführt, ist zuweilen bedachtes Vorgehen
und schleicherisches Geschick von Vorteil. Die Mischung im Gameplay
stimmt einfach, zumal an bestimmten Stellen sogar Adventure-Elemente
mit kleinen Rätseln das Spielgeschehen auflockern. Die KI eurer Gegner
ist recht unterschiedlich zu bewerten. Während man manchmal von ihnen
erblickt und daraufhin attackiert und in Bilderbuchmanier flankiert
werdet, bemerken sie an anderen Stellen nicht, wenn einer ihrer
Kollegen wenige Meter von ihnen entfernt das Zeitliche segnet. Als
Kritikpunkt wäre anzumerken, dass die Steuerung für Genre-Neulinge
etwas überladen und arg umfangreich erscheinen mag und eine recht lange
Einspielzeit erfordert.
Das umständliche Tarnsystem aus dem Vorgänger ist dem neuen
„OctoCam“-Anzug gewichen, der sich farblich und strukturell dem
Hintergrund anpasst, wie man es von Kraken kennt. Ein weiteres
wichtiges Gameplay-Element ist der Verstand Snakes. Je besser die
Verstandsanzeige gefüllt ist, desto ruhiger ist Snakes Hand und desto
geschmeidiger seine Aktionen und Bewegungen. Durch Stresssituationen
oder gewisse Schlüsselsituationen, die Snake im Verlaufe der Handlung
immer wieder durchleben muss, sinkt diese Anzeige. Durch erfolgreiche
Aktionen und Ausruhen in gut getarntem Zustand steigt sie. Dadurch
bekommt das Ganze zusätzliche Spieltiefe und im Zusammenspiel
miteinander vermitteln die verschiedenen Gameplay-Elemente ein tolles
„Metal Gear Solid“-typisches aber dennoch einzigartiges Spielgefühl.
Auch durch die Einführung des Waffenhändlers Drebin, der euch Waffen,
Upgrades und Munition verkauft, steigt der Wiederspielwert des Titels
enorm. Denn die heiß begehrte Spielwährung, die sogenannten
Drebin-Points, bekommt ihr nur durch eingesammelte Waffen besiegter
Gegner und eine gute Missionsbewertung am Ende eines jeden Aktes, von
denen es fünf an der Zahl gibt. Mit ergatterten Punkten könnt ihr die
ID-Sperre eingesammelter Waffen knacken lassen, neue Totmacher kaufen
oder vorhandene Waffen nach Herzenslust aufrüsten. Dabei hat man freie
Wahl, ob man es lieber mit Schalldämpfer und Laservisier versucht oder
es mit unter den Lauf geschraubtem Granatwerfer so richtig krachen
lässt.
Apropos „krachen“: wie es nicht anders zu erwarten war, gibt es auch im
vierten Teil der „Metal Gear Solid“-Reihe ordentlich was auf die Ohren.
Erneut glänzt die englische Synchronisation durch exzellente Sprecher
und auch die deutschen Untertitel sind in Ordnung, auch wenn manchmal
ein paar holprige Übersetzungen zu belächeln sind. Die eigens für das
Spiel komponierte Musikuntermalung befindet sich wie gewohnt auf
höchstem Niveau, und auch der glasklare 5.1-Sound, sowie die
effektvolle Geräuschkulisse sorgen dafür, dass „Metal Gear Solid 4:
Guns of the Patriots“ die akkustische Referenz auf der Playstation 3
ist.

Ach ja...einen Multiplayer-Modus gibt es ja auch noch. Genau, wie die
Einzelspieler-Kampagne sieht dieser wirklich schön aus und im Prinzip
geht es darum, Ego-Shooter ähnliche Spielvarianten mit bis zu 24
Spielern gegeneinander zu spielen und dabei die in der Kampagne
erlernten Fertigkeiten online mit denen anderer zu messen. Uns hat das
Ganze allerdings nicht wirklich überzeugen können. Eine umständliche
Anmeldung, die recht komplizierte Menüführung, gelegentliche
Verbindungsprobleme und zahlreiche Bugs trüben den Spielspaß doch sehr.
Auch der Umstand, dass es lediglich fünf Mehrspieler-Karten gibt. An
dieser Stelle sollte Konami dringend nachbessern, denn das Potential
von „Metal Gear Online“ ist offensichtlich.
FAZIT: Lange hat man auf einen absoluten „Must have“-Titel für die
Playstation 3 gewartet. Nun ist er da. Mit „Metal Gear Solid 4: Guns of
the Patriots“ präsentiert Konami ein audiovisuelles Spielerlebnis, das
sich gewaschen hat. Zwar merkt man dem Titel an, dass er klar an die
Fans der Serie gerichtet ist, und deshalb „Metal Gear“-Neulingen der
Einstieg wohl etwas schwerer fallen dürfte. Dennoch sollte man dieses
großartige Spiel einmal gesehen und erlebt haben. Sicherlich ist der
vierte Teil der Reihe kein Titel, den man mal ein Stündchen spielt, man
sollte sich die Zeit dafür nehmen, um dieses Kunstwerk zu erleben. Und
auch wenn mit Sicherheit nicht alles perfekt ist, sowohl in grafischer,
als auch in spielerischer Sicht, das Gesamtpaket sichert dem letzten
Auftritt Solid Snakes einen Platz in der absoluten Oberklasse. Auch
wenn der Titel nur in 665p Auflösung läuft. Jeder, der nicht zu sehr
mit Pixel zählen beschäftigt ist, sollte sich davon überzeugen, dass
„Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ grandios aussieht und sich
genauso spielt.