In diesem Jahr wurden sie Rennspielserien aus dem Hause EA einer kompletten Umarbeitung unterzogen. Denn nachdem in diesem Jahr bereits die Need For Speed-Reihe recht einschneidende Veränderungen erfahren hat, wird sich für Fans der Arcade-Racers der Criterion Entwickler auch mit „Burnout Paradise“ einiges ändern. Anstatt auf festgelegten Strecken, kann man nun eine ganze Stadt frei befahren.Keine schlechte Aussichten, aber ob der erste „echte“ Nextgen-Auftritt der Burnout-Reihe insgesamt gelungen ist, haben wir für euch in diesem Review genauer untersucht.
Wer die Vorgänger kannte, weiß natürlich, was die Burnout-Spiele
auszeichnet und gleichzeitig von anderen Spielen unterscheidet. In
erster Linie sind das adrenalintreibende Rennen bei atemberaubender
Geschwindigkeit, die allerdings nicht immer darauf ausgelegt sind, das
Ziel als Erster zu erreichen. Denn in Burnout dreht sich fast alles um
spektakuläre Crashs. Und glücklicherweise hat sich trotz der vielen
Veränderungen dahingehend nichts geändert. Noch immer ist es in den
meisten Events fester Bestandteil, Takedowns zu sammeln, indem man die
Gegner einfach aus dem Verkehr räumt. Doch diesmal sind die Schauplätze
keine abgesteckten Kurse, wie es noch bei den Vorgängern der Fall war.
Wie der Spieletitel schon vermuten lässt, ist die Metropole Paradise
City der Ort, an dem ihr Rennen fahrt, Konkurrenten abfertigt oder
deren Straßen ihr einfach nur auf der Suche nach Stuntmöglichenkeiten
mit Freunden unsicher macht. Und die Stadt inklusive ländlichem Umland
bringt es auf ein Straßennetz von stattlichen 250 Meilen, sowie eine
diesmal wirklich beachtliche Anzahl an Sprungschanzen und den wohl
bekannten Abkürzungen, ohne die man im späteren Verlauf des Spiels
keine Chance hat, die Rennen erfolgreich zu absolvieren...denn bei
Burnout Paradise zählt nur der erste Platz.
Doch zu Beginn des Spiels startet ihr auf dem Schrottplatz mit einem
Wagen, der augenscheinlich schon bessere Tage gesehen hat und die
nervtötende Frauenstimme von „DJ Atomica“ erklärt euch einige
Grundsätzlichkeiten, das Interface und händigt euch den D-Klasse
Führerschein aus, für den ihr ein Foto aufnehmen könnt, sofern ihr eine
Xbox Live Vision Cam angeschlossen habt. Im Anschluss daran geht es
auch schon direkt los und ihr könnt frei in der Stadt herum fahren.
Über die ganze Stadt verteilt gibt es Reparaturwerkstätten,
Lackierereien, sowie Tankstellen, um die Boostleiste komplett zu
füllen. An Ampeln, die es erfahrungsgemäß an beinahe jeder Kreuzung
gibt, könnt ihr durch gleichzeitiges Drücken von LT und RT Rennen und
Events starten. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Abkürzungen zu
erkunden, Sprungschanzen und zu zerstörende Werbetafen ausfindig zu
machen, sowie Bestzeiten für jede größere Straße zu erzielen.
Um endlich PS-stärkere Wagen fahren zu können, müsst ihr eine bestimmte
Anzahl an Rennen erfolgreich absolvieren, um die nächsthöhere
Fahrzeugklasse freizuschalten. Doch ganz so einfach wie bisher, ist es
diesmal nicht, ein neues Fahrzeug in den Fuhrpark aufzunehmen. Denn
erst, wenn ihr ein neues Modell, das ihr im Stadtverkehr herumfahren
seht, von der Strecke gerammt habt, wandert dieser Wagen auf einen der
fünf Schrottplätze, die gleichmäßig in Paradise City verteilt sind und
wo ihr euch dann endlich hinter das Steuer der betreffenden Autos
setzen könnt. Die 75 Fahrzeuge sind dabei in drei Boost-Kategorien
unterteilt - Crash, Stunt und Tempo - und verfügen über unterschiedlich
ausgeprägte Eigenschaften in den Bereichen Beschleunigung,
Endgeschwindigkeit und Stabilität. Trotz der recht überschaubaren
Anzahl an Fahreigenschaftskategorien steuern sich die Boliden zum Teil
sehr unterschiedlich voneinander. Dadurch erweisen sich bestimmte
Fahrzeuge als besonders geeignet für spezielle Spielmodi.
Diese bieten ein abwechslungsreiches Angebot serientypischer, aber
teilweise auch neuer Rennmodi. In den Rennen geht es darum,
schnellstmöglich von einem Punkt der Karte zum anderen zu kommen. Dabei
ist die Strecke nicht festgelegt, sondern lediglich Start und Ziel, so
dass sich der Spieler die kürzeste Route selbst suchen muss. Wenn man
die anfänglichen Übersichtsprobleme, die die Mini-Map am rechten
unteren Bildrand mit sich bringt, überwunden hat, klappt das ganz gut
in Kombination mit den ungefähren Richtungsempfehlungen des
Navigationssystems, das glücklicherweise selbst in der größten
Schrottkarre „verbaut“ ist. Dennoch hätte man dem Spieler vielleicht
etwas mehr optische Hilfestellungen im Form von Pfeilen geben sollen,
da man leicht mal falsch abbiegt und dann das Rennen von vorne starten
muss und dazu frustrierenderweise zum Start zurück fahren muss. Die
Möglichkeit, euer Fahrzeug zu einem bestimmten Punkt auf der Karte zu
teleportieren, besteht nämlich nicht. Doch glücklicherweise ist die KI
der Gegner nicht allzu ausgeprägt und abgesehen davon, dass die
computergesteuerten Konkurrenten meist den Idealweg zum Ziel
einschlagen, ziemlich leicht in Form von Takedowns zu bezwingen.
Eine willkommene Abwechslung zu den Rennen und den „Burning Route“
Events, bei denen ihr eine bestimmte Strecke nur gegen die Uhr fahrt
und euch einen Weg durch den Verkehr bahnen müsst, bieten die
Stunt-Events. Hier muss innerhalb eines bestimmten Zeitlimits, durch
Drifts, waghalsige Sprünge oder Burnouts und mithilfe von
Multiplikatoren eine vorgegebene Punktzahl überboten werden.
Im altbekannten „Road Rage“ Modus muss in bester Burnout-Manier eine
bestimmte Anzahl an Fahrzeugen durch Takedowns „aus dem Verkehr gezogen
werden“.
„Marked Man“ heißt der neue Spielmodus, in dem ihr von gegnerischen
Fahrzeugen gejagt werdet, die versuchen euer Fahrzeug zu zerstören.
Nach vier Totalschäden ist die Challenge allerdings gescheitert,
weshalb es wichtig ist regelmäßig in Tankstellen den Boost aufzufüllen
und nach Reparaturwerkstätten Ausschau zu halten, wenn der Wagen zu
stark beschädigt ist.
Der „Showdown“ Modus hat den Crash-Modus der Vorgänger abgelöst, spielt
sich etwas anders, stellt den Spieler aber letztendlich vor dieselbe
Aufgabe: möglichst viel Verwüstung mit möglichst vielen
Unfallbeteiligten anzuzetteln. Wie Burnout-Veteranen mit Sicherheit
wissen dürften, eignen sich große Kreuzungen dafür am besten.
Doch auch, wenn der Einzelspieler-Modus nicht gerade schwach auf der
Brust ist, liegt die größte Stärke des Titels wohl im
Online-Multiplayer-Modus. In Paradise City könnt ihr dann, vergleichbar
mit „Test Drive Unlimited“, mit Leuten aus eurer Freundesliste durch
eine Online-Welt fahren, anderen Fahrern begegnen, spontane Rennen
austragen, mit bis zu 8 Spielern gleichzeitig insgesamt 250
Online-Challenges absolvieren, oder knallharte Takedown-Rivalitäten
austragen. Die Möglichkeiten, die das Spiel bietet, sind wirklich
beachtlich. Als nettes Gimmick am Rande haben die Entwickler das
Feature eingebaut, dass im Falle eines Takedowns, der Unterlegene von
seiner Xbox Live Vision Kamera fotografiert wird und der andere sich an
dessen Ärger erfreuen kann. Ein Takedown bewirkt, dass es zu einer
Rivalität zwischen den beiden involvierten Fahren kommt, so dass fortan
die Takedowns untereinander abgeglichen werden und das Spiel errechnet,
wer in puncto Abschüssen gerade vorne liegt. Auch Zusatzinhalte über
den Xbox Live Marktplatz sind geplant. So werden demnächst kostenlos
neue Inseln zum Download verfügbar sein.
Auch technisch macht das Spiele einen guten Eindruck. Zwar gibt es
weder Wetterinflüsse noch unterschiedliche Tageszeiten in Paradise
City, doch dafür läuft das Spiel flüssig in 1080p, ohne dass
nennenswerte Ruckler zu beklagen wären. Der Grafikstil ist wirklich
schön anzuschauen und die Stadt abwechslungsreich gestaltet. Doch da es
abgesehen vom Straßenverkehr weder Fußgänger, Tiere oder Flugzeuge
gibt, die im Hintergrund durch das Geschehen fliegen, wirkt das Ganze
ein wenig steril und wenig lebendig. Die Schadensmodelle der nicht
lizenzierten Fahrzeuge dagegen sind hervorragend in Szene gesetzt und
je nach Crash lässt es einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren,
weil die Unfälle erschreckend echt aussehen und Knautschzonen, sowie
umherfliegende Karosserieteile sind hervorragend gelungen.
Soundtechnisch macht „Burnout Paradise“ auch beinahe alles richtig. Der
Soundtrack, der von Rocksongs dominiert wird, passt zu dem Spiel und
weist eine tolle Tracklist auf. Der Fahrzeugsound und die
Umgebungsgeräusche sind stimmig, wenn auch nicht überragend. Einzig die
Sprüche der Kommentatorin „DJ Atomica“ nerven bereits nach kürzester
Zeit.
FAZIT: Auch der neueste Teil der Burnout Serie macht vieles richtig,
ist jedoch nicht fehlerfrei. Grafisch, spielerisch, soundtechnisch, als
auch bezüglich der Abwechslung im Gameplay ist „Burnout Paradise“ ein
richtig gutes Spiel, das besonders online viele Stunden Spaß bereiten
kann. Zwar ist man den Anfängen der Serie treu geblieben, indem Crashs,
Takedowns und spektakuläre Flug- und Fahrmanöver nach wie vor im Fokus
des Geschehens stehen, doch hat man dennoch Neuerungen hinzugefügt und
technisch die Serie in die Next Generation befördert. Alles in allem
der bis dato beste Arcade-Racer auf der Xbox 360.