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Faszination 2. Weltkrieg

Warum ziehen uns diese historischen Geschehnisse nach über 60 Jahren immer noch in ihren Bann? Was ist so faszinierend an Tod und Verderben vieler zumeist auch noch unschuldiger Menschen? Ist es die Sensationsgier, die man auch bei Unfällen am Straßenrand in den Augen der gaffenden Horde beobachten kann? Oder ist es einfach nur die pure unbefriedigte Neugier, die ein jeder in sich trägt, der sich fragt, wie das damals wohl wirklich war? Wie mögen sich Land, Leute und Soldaten beider Seiten wohl gefühlt haben? Kann man dieses Szenario heute überhaupt noch jemandem nahe bringen? Unsere Generation mag zwar auch in den letzten Jahren immer mit Kriegsschauplätzen im nahen Osten oder auf dem Balkan via Satellit konfrontiert worden sein, aber wirklich dabei war kaum einer und mal ehrlich gesprochen, sind die meisten auch froh darüber. Ich denke, dass dieses Machwerk aus dem Hause Gearbox viele an das vergangene Geschehen näher heranführen wird als es ein Buch oder ein Film jemals getan hat. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich nachher sagen „Ich war dabei!“.


Geschichte
D-Day, 6. Juni 1944. In der Gestalt von Sergeant Matt Baker, einem Fallschirmjäger des 502. Regimentes der 101. Luftlandedivision - United States Army, springt ihr hinter feindlichen Linien über der Normandie ab. Eure zentrale Aufgabe ist es, als Spähtrupp Informationen über feindliche Stützpunkte zu sammeln und sie ans Hauptquartier zu melden. Des Weiteren sollt ihr Feinde an strategischen Punkten im Inland ausschalten, um so den von der Wasserseite aus einfallenden Kollegen ein schnelles Einrücken ins Landesinnere zu ermöglichen.

Wir schreiben sechs Stunden vor der großen Invasion an der atlantischen Küste Frankreichs. Im Flugzeug einer Douglas C-47 herrscht schon sehr andächtige Stimmung. Man kann die Anspannung der Waffenbrüder förmlich spüren. Hinter euch übergibt sich gerade ein Kollege, kurz bevor die ersten Kugeln der deutschen Flugabwehr im Rumpf des Lufttransporters einschlagen. Scheisse … noch nicht auf dem Boden und schon ist der Erste in meiner Truppe tot. „Los raus hier“ schreit einer … und schnell befindet ihr euch am Fallschirm hängend zu Boden schwebend. Auf dem Weg nach unten bekommt ihr einen ersten Überblick auf das gespenstisch anmutende Geschehen, welches euch in Kürze erwarten wird.

Touch Down … ihr seid unten … nichts gebrochen – alles heile … ja Gott sei gepriesen!!! Check – Ausrüstung ... Mist meine Waffe ist weg … aber Hilfe naht schon in Form eines Soldaten deines Battalions. Er drückt dir eine Pistole in die Hand und fordert dich auf, ihm zu folgen.

Das sind die ersten Eindrücke, mit denen euch dieses Game in die Geschichte einbindet. Im Verlauf der ersten Minuten werdet ihr nun lernen, wie ihr euch und eure Truppe die nächsten acht Tage am Leben haltet. Wie heißt es so schön? Man wächst mit der Aufgabe, die einem gestellt wird. Es gibt immer verschiedene Wege, eine Mission zu bewältigen, derer man noch 18 vor der Brust hat. Viele Wege, aber nur wenige, die zum Erfolg führen.
Im Verlauf der ersten Missionen wird die durch den Notabsprung verstreute Fox Company erst einmal nach und nach wieder zusammen geführt. Dabei ist auffallend, dass man jedem Mitglied der Company ein individuelles Aussehen sowie eine eigene Persönlichkeit zugeordnet hat. Man kann merken, dass die Jungs eurer Kompanie noch ziemlich grün hinter den Ohren sind und den Ernst der Situation noch nicht ganz geblickt haben. So ergeben sich anfänglich ganz witzige Dialoge, in denen man sich über herbeigeführte Beschädigungen eines Gartentores und der damit verbundenen Wiederherstellungskosten streitet. Überhaupt sind die Dialoge, die in den Zwischensequenzen eingespielt werden, sehr lebendig und humorvoll. Die deutsche Synchronisation wurde gekonnt umgesetzt.

Am Anfang des Games neigt man dazu, einen großen Teil der Aufgabenstellung selber zu bewältigen. Der Erfolg wird sich aber spätestens nach der zweiten Mission nicht mehr einstellen. Man ist schlicht und ergreifend auf seine Männer angewiesen. Aber wenn der Dirigent fehlt, dann wird aus der Ouvertüre ein Martyrium. Ihr seid kein Einzelkämpfer. Ihr seid Sergeant und müsst eure kleine Truppe befehligen. Der Leitwolf, der auf sein Rudel Acht gibt und der sagt, wo es lang geht. Im wahrsten Sinne des Wortes delegiert ihr eure Männer dorthin, wo sie die Schlacht zu euren Gunsten beeinflussen können.

Der Militärhistoriker Colonel John Antal (30 Jahre Dienst, zuletzt bei der US Army Tank School), der maßgeblich die Entwicklung dieses WW2 Epos beeinflusste, hat es ganz einfach mit den vier militärischen F´s auf den Punkt gebracht.

  • FIND - Gegner ausfindig machen
  • FIX - Gegner mittels Sperrfeuer festsetzen
  • FLANK - Gegner über die Flanke angreifen
  • FINISH - Gegner außer Gefecht setzen

Das ist simple Militärstrategie, die auch heute noch Bestand hat. Folgt ihr diesem Leitspruch, so ist der Grundstock für euer Überleben und das eurer Truppe gelegt.

Zur Durchführung dieser Befehle hat euch Gearbox ein sehr durchdachtes Steuerungssystem spendiert. Durch Ziehen des linken Schalters könnt ihr einen sogenannten Kommandoring platzieren und so euer Angriffs- oder Sperrfeuerteam in der richtigen Stellung in Position bringen. Damit ihr als Kommandierender immer den Überblick habt, besteht die Möglichkeit, jederzeit das Geschehen zu pausieren und aus der Vogelperspektive (Situational Awareness View) zu analysieren. Ihr bekommt dabei eure bzw. die Position eurer Teammitglieder und alle feindlichen Stellungen angezeigt, die ihr nach und nach begutachten könnt. Es ist sogar möglich, die Situation aus verschiedenen Entfernungen und Blickwinkeln zu betrachten. Aus dieser luftigen Ansicht heraus kann man so schnell die ideale Vorgehensweise festlegen.

Wie oberhalb schon kurz angerissen, ist es immer dieselbe Grundstrategie, die ihr verfolgen solltet. Habt ihr den Gegner erspäht, dann bringt als ersten Schritt euer Feuerteam in Position, das den Feind mit ordentlichen Salven am Boden bzw. in der Deckung hält. Kenntlich gemacht wird das im Spiel mit der sogenannten Sperrfeueranzeige, einem rot gefüllten Kreissymbol über den Köpfen eures Gegners. Ist das Rote aus dem Kreis verdrängt, so wagt es kein Gegner, auch nur den Kopf zu heben, denn er hat Angst, ein Kügelchen genau zwischen die Augen zu bekommen. Gegner, die in der Deckung verharren, sind quasi blind und bekommen dann in der Regel auch nicht mit, was um sie herum passiert. Das ist der Moment, in dem ihr euer Angriffsteam seitlich, also in der Flanke des Feindes, in Stellung bringt und dann selbigem schnell den Garaus macht. Ihr selber greift natürlich mit ins Geschehen ein und versucht, euer Team ebenfalls durch den Einsatz der Waffe vor Schlimmeren zu bewahren. Dazu empfiehlt es sich aber nicht, an vorderster Front zu kämpfen, sondern eher aus dem Hintergrund gezielt zu agieren. Schließlich müsst ihr Herr der Lage bleiben, um schnell auf plötzlich eintretende Veränderungen der Situation reagieren zu können.

Hilfe, der Feind wehrt sich ja...
Nicht nur ihr reagiert auf dem Schlachtfeld selbstständig, sondern auch eure Mannen und Widersacher. Ob das allerdings immer intelligent ist, lassen wir mal dahin gestellt. Gearbox hat den Teilnehmern auf beiden Seiten jedenfalls Leben eingehaucht und so agieren beide Seiten auch ohne euer Zutun. Kümmert ihr euch gerade mal nicht um einen Kumpanen, bleibt der in der Regel (d.h. nicht immer) nicht mitten im Kugelhagel stehen, sondern sucht selbstständig Deckung und erwidert sogar das Feuer ohne Befehl. Okay, diese Mindestanforderung sollte man an aktuelle Games schon stellen können. Das Verhalten des Feindes ist teilweise sehr eigenwillig. Haben sie euch erspäht, dann eröffnen sie auch direkt das Feuer und gehen ebenfalls in Deckung. Allerdings haben die schon mal Probleme, Prioritäten zu setzen. Steht man neben ihnen, feuern sie trotzdem weiter in die Richtung, aus der der Beschuss kommt, anstatt sich der von der Seite drohenden Gefahr zu widmen. Es nimmt schon mal mehrere Sekunden in Anspruch, bis sie euch wahrnehmen. Auf der anderen Seite kann es aber auch vorkommen, dass der Feind die selbe Taktik anwendet, um euch in die Zange zu nehmen. Es ist fast wie im wahren Leben, wo die Intelligenz öfters auch mal mit der gröberen Kelle verteilt wurde, aber die Dummen sterben hier schneller...

Apropos sterben. Ihr werdet euer Team keinesfalls schadlos durch den Krieg führen. Dafür ist der Schwierigkeitsgrad in der Einstellung Mittel bereits deftig. Bei diesem in Storyline geführten Spiel erwartet man dann eigentlich, dass die Teamkameraden, die während der Missionen fallen, auch im weiteren Spielverlauf nicht mehr zur Verfügung stehen. Weit gefehlt! Spätestens in der nächsten Mission kämpfen diese wieder tapfer an eurer Seite. Man kann unterschiedlicher Meinung sein, ob das nun so sein sollte. Jedenfalls ist das fernab der Realität, die dieser Taktik-Shooter eigentlich vermitteln will.

Is it real?
Im Gegensatz dazu wird beim Rest des Games REALISMUS groß geschrieben. Gearbox hat den Weg, den ihr in den acht Tagen dieser historischen Entscheidungsschlacht verfolgt, originalgetreu nachgebildet. Die Charaktere im Spiel sind zwar fiktiv, aber repräsentativ für die Soldaten, die an dieser Aktion teilgenommen haben. So hat diese Division wirklich bestanden und die Schlachten sind anhand von Originalunterlagen und Berichten nachempfunden worden. Die Flora der Landschaft mit weiten Feldern, die Architektur der Gebäude in den ländlichen Orten, sogar die oftmals maroden Gehöfte mit ihren Stallungen entsprechen dem Original von vor 60 Jahren. Um die Stimmung originalgetreu wiederzugeben, hat man sogar die Wettersituation der Region zu diesem Zeitpunkt berücksichtigt. Neben der Infrastruktur hat man sich auch um authentische Waffen gekümmert. So hat man das gesamte Arsenal vom Panzer über Sturmgewehr bis hin zur Handfeuerwaffe augenscheinlich original nachgebildet.

Die Grafik ist daher sehr detailverliebt und abwechslungsreich. Sicherlich gibt es Spielgrafiken mit Bump- und Shadereffekten, die noch besser aussehen, jedoch ist es fraglich, ob diese hier auch zur Geltung kämen. Insgesamt ist der Grafikstil sehr realistisch getroffen und als gut gelungen zu bezeichnen.

Untermalt wird dieses gesamte Szenario durch authentische Hintergrundgeräusche, die passend zur Situation ertönen. Alle Waffen klingen genauso, wie sie einst über das Land der Normandie hinweghallten. Das Gefecht kommt sehr sounddynamisch über die Dolby Digital Anlage und der Subwoofer meldet gerade einen Einschlag knapp neben mir. Eigentlich kann es gar nicht anders gewesen sein ... pfeifende Kugeln, dumpf klingende Einschläge der Artillerie und das Schreien, Kreischen und Wimmern verletzter Kameraden oder Feinde in den Ohren. Gekrönt wird das ganze noch durch den orchestralen Soundtrack der Prager Philharmonie, die dem Ganzen einen Touch Inszenierung von Filmmusik aus Hollywood aufdrückt.

1,2,3 durchzählen bitte!!!
Im Unterschied zu anderen WW2 Shootern wurde der taktische Aspekt auch im Multiplayermodus beibehalten. So könnt ihr zwar nur mit zwei bis vier Spielern im Systemlink/Splitscreen oder via XBOX LIVE agieren, aber trotzdem wird es auf den zehn verschiedenen Multiplayerschlachtfeldern nicht langweilig. Genau wie im Singleplayermodus befehligt ihr natürlich eure Truppe. Dabei kann der Einzelne sechs KI-Kameraden (Angriff und Sperrfeuerteam) in die Schlacht führen, oder man teilt sich das Team mit einem Freund und führt jeweils nur ein Team mit drei Mannen. Es ist also nicht das übliche Deathmatch/Teamdeathmatch oder Flaggenspiel, welches hier über die Flimmerkiste läuft. Man hat in jeder Map eine Mission zu erfüllen, die dein Pendant, der fleischgewordene Online-Feind, natürlich zu verhindern versucht. Diese Art des Onlinegaming ist leider bisher auf der XBOX noch nicht zum Einsatz gekommen. Es zeigt, dass offenbar auch mal etwas Innovation Einzug halten kann in das mittlerweile oftmals triste Onlinegefecht.

Fazit
Es gibt eine neue Referenz in der WW2 Taktikshooterwelt und die heißt „Brother in Arms: Road to Hill 30“.


 Facts
Publisher : UbisoftUSK : 18
Entwickler : gearbox softwareRelease-Date : 17.03.2005
Global Sound/Bild Steuerung XBOX-Live
Offline Players1-2
Systemlink1-4
Xbox ExklusivNein
THX SoundNein
Dolby 5.1Ja
TV-Format16:9
Lenkrad-
Arcade Stick-
Light Gun-
Online Multiplayer1-4
Content DownloadsNein
  


Bewertung
Gameplay : 90% Sound : 92% Grafik : 85% Steuerung : 85% Multiplayer : folgt in Kürze%
Gesamt-Bewertung


Kommentar des Redakteurs
Alles in allem zusammengefasst hat Ubisoft mit Gearbox und diesem Titel einen echten Glücksgriff gelandet. Der Titel macht wirklich Spaß und hebt sich deutlich aus dem Einerlei der WW2 Shooter ab.
Erstellt am : 08.04.2005      Autor : Oliver Hennig          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
PACKSHOT
         
         
         
         
         
         
         
         
         
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