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Geschichte
D-Day, 6. Juni 1944. In der Gestalt
von Sergeant Matt Baker, einem Fallschirmjäger des 502. Regimentes der
101. Luftlandedivision - United States Army, springt ihr hinter
feindlichen Linien über der Normandie ab. Eure zentrale Aufgabe ist es, als
Spähtrupp Informationen über feindliche Stützpunkte zu sammeln und sie
ans Hauptquartier zu melden. Des Weiteren sollt ihr Feinde an
strategischen Punkten im Inland ausschalten, um so den von der
Wasserseite aus einfallenden Kollegen ein schnelles Einrücken ins
Landesinnere zu ermöglichen.
Wir schreiben sechs Stunden vor der großen Invasion an der atlantischen
Küste Frankreichs. Im Flugzeug einer Douglas C-47 herrscht schon sehr
andächtige Stimmung. Man kann die Anspannung der Waffenbrüder förmlich
spüren. Hinter euch übergibt sich gerade ein Kollege, kurz bevor die
ersten Kugeln der deutschen Flugabwehr im Rumpf des Lufttransporters
einschlagen. Scheisse … noch nicht auf dem Boden und schon ist der
Erste in meiner Truppe tot. „Los raus hier“ schreit einer … und schnell
befindet ihr euch am Fallschirm hängend zu Boden schwebend. Auf dem Weg
nach unten bekommt ihr einen ersten Überblick auf das gespenstisch
anmutende Geschehen, welches euch in Kürze erwarten wird.
Touch Down … ihr seid unten … nichts
gebrochen – alles heile … ja
Gott sei gepriesen!!! Check – Ausrüstung ... Mist meine Waffe ist weg …
aber Hilfe naht schon in Form eines Soldaten deines Battalions. Er
drückt dir eine Pistole in die Hand und fordert dich auf, ihm zu
folgen.
Das sind die ersten Eindrücke, mit denen euch dieses Game in die
Geschichte einbindet. Im Verlauf der ersten Minuten werdet ihr nun
lernen, wie ihr euch und eure Truppe die nächsten acht Tage am Leben
haltet. Wie heißt es so schön? Man wächst mit der Aufgabe, die einem
gestellt wird. Es gibt immer verschiedene Wege, eine Mission zu
bewältigen, derer man noch 18 vor der Brust hat. Viele Wege, aber nur
wenige, die zum Erfolg führen. Im Verlauf der ersten Missionen
wird die durch den Notabsprung verstreute Fox Company erst einmal nach
und nach wieder zusammen geführt. Dabei ist auffallend, dass man jedem
Mitglied der Company ein individuelles Aussehen sowie eine eigene
Persönlichkeit zugeordnet hat. Man kann merken, dass die Jungs eurer
Kompanie noch ziemlich grün hinter den Ohren sind und den Ernst der
Situation noch nicht ganz geblickt haben. So ergeben sich anfänglich
ganz witzige Dialoge, in denen man sich über herbeigeführte
Beschädigungen eines Gartentores und der damit verbundenen
Wiederherstellungskosten streitet. Überhaupt sind die Dialoge, die in
den Zwischensequenzen eingespielt werden, sehr lebendig und humorvoll.
Die deutsche Synchronisation wurde gekonnt umgesetzt.
Am Anfang des Games neigt man dazu, einen großen Teil der
Aufgabenstellung selber zu bewältigen. Der Erfolg wird sich aber
spätestens nach der zweiten Mission nicht mehr einstellen. Man ist schlicht
und ergreifend auf seine Männer angewiesen. Aber wenn der Dirigent
fehlt, dann wird aus der Ouvertüre ein Martyrium. Ihr seid kein
Einzelkämpfer. Ihr seid Sergeant und müsst eure kleine Truppe
befehligen. Der Leitwolf, der auf sein Rudel Acht gibt und der sagt, wo
es lang geht. Im wahrsten Sinne des Wortes delegiert ihr eure Männer
dorthin, wo sie die Schlacht zu euren Gunsten beeinflussen können.
Der Militärhistoriker Colonel John Antal (30 Jahre Dienst, zuletzt
bei der US Army Tank School), der maßgeblich die Entwicklung dieses WW2
Epos beeinflusste, hat es ganz einfach mit den vier militärischen F´s auf
den Punkt gebracht.
- FIND - Gegner ausfindig machen
- FIX - Gegner mittels Sperrfeuer festsetzen
- FLANK - Gegner über die Flanke angreifen
- FINISH - Gegner außer Gefecht setzen
Das ist simple Militärstrategie, die auch heute noch Bestand hat.
Folgt ihr diesem Leitspruch, so ist der Grundstock für euer Überleben und das eurer Truppe gelegt.
Zur Durchführung dieser Befehle hat euch Gearbox ein sehr
durchdachtes Steuerungssystem spendiert. Durch Ziehen des linken
Schalters könnt ihr einen sogenannten Kommandoring platzieren und so
euer Angriffs- oder Sperrfeuerteam in der richtigen Stellung in
Position bringen. Damit ihr als Kommandierender immer den Überblick
habt, besteht die Möglichkeit, jederzeit das Geschehen zu pausieren und
aus der Vogelperspektive (Situational Awareness View) zu analysieren.
Ihr bekommt dabei eure bzw. die Position eurer Teammitglieder und alle
feindlichen Stellungen angezeigt, die ihr nach und nach begutachten
könnt. Es ist sogar möglich, die Situation aus verschiedenen
Entfernungen und Blickwinkeln zu betrachten. Aus dieser luftigen
Ansicht heraus kann man so schnell die ideale Vorgehensweise festlegen.
Wie oberhalb schon kurz angerissen, ist es immer dieselbe
Grundstrategie, die ihr verfolgen solltet. Habt ihr den Gegner erspäht,
dann bringt als ersten Schritt euer Feuerteam in Position, das den
Feind mit ordentlichen Salven am Boden bzw. in der Deckung hält.
Kenntlich gemacht wird das im Spiel mit der sogenannten
Sperrfeueranzeige, einem rot gefüllten Kreissymbol über den Köpfen
eures Gegners. Ist das Rote aus dem Kreis verdrängt, so wagt es kein
Gegner, auch nur den Kopf zu heben, denn er hat Angst, ein Kügelchen
genau zwischen die Augen zu bekommen. Gegner, die in der Deckung
verharren, sind quasi blind und bekommen dann in der Regel auch nicht
mit, was um sie herum passiert. Das ist der Moment, in dem ihr euer
Angriffsteam seitlich, also in der Flanke des Feindes, in Stellung
bringt und dann selbigem schnell den Garaus macht. Ihr selber greift
natürlich mit ins Geschehen ein und versucht, euer Team ebenfalls durch
den Einsatz der Waffe vor Schlimmeren zu bewahren. Dazu empfiehlt es
sich aber nicht, an vorderster Front zu kämpfen, sondern eher aus dem
Hintergrund gezielt zu agieren. Schließlich müsst ihr Herr der Lage
bleiben, um schnell auf plötzlich eintretende Veränderungen der Situation
reagieren zu können.
Hilfe, der Feind wehrt sich ja... Nicht nur ihr
reagiert auf dem Schlachtfeld selbstständig, sondern auch eure Mannen
und Widersacher. Ob das allerdings immer intelligent ist, lassen wir mal
dahin gestellt. Gearbox hat den Teilnehmern auf beiden Seiten
jedenfalls Leben eingehaucht und so agieren beide Seiten auch ohne euer
Zutun. Kümmert ihr euch gerade mal nicht um einen Kumpanen, bleibt der
in der Regel (d.h. nicht immer) nicht mitten im Kugelhagel stehen,
sondern sucht selbstständig Deckung und erwidert sogar das Feuer ohne
Befehl. Okay, diese Mindestanforderung sollte man an aktuelle Games schon
stellen können. Das Verhalten des Feindes ist teilweise sehr
eigenwillig. Haben sie euch erspäht, dann eröffnen sie auch direkt das
Feuer und gehen ebenfalls in Deckung. Allerdings haben die schon
mal Probleme, Prioritäten zu setzen. Steht man neben ihnen, feuern sie
trotzdem weiter in die Richtung, aus der der Beschuss kommt, anstatt
sich der von der Seite drohenden Gefahr zu widmen. Es nimmt schon mal
mehrere Sekunden in Anspruch, bis sie euch wahrnehmen. Auf der anderen
Seite kann es aber auch vorkommen, dass der Feind die selbe Taktik
anwendet, um euch in die Zange zu nehmen. Es ist fast wie im wahren
Leben, wo die Intelligenz öfters auch mal mit der gröberen Kelle
verteilt wurde, aber die Dummen sterben hier schneller...
Apropos sterben. Ihr werdet euer Team
keinesfalls schadlos durch den
Krieg führen. Dafür ist der Schwierigkeitsgrad in der Einstellung
Mittel bereits deftig. Bei diesem in Storyline geführten Spiel
erwartet man dann eigentlich, dass die Teamkameraden, die während der
Missionen fallen, auch im weiteren Spielverlauf nicht mehr zur
Verfügung stehen. Weit gefehlt! Spätestens in der nächsten Mission
kämpfen diese wieder tapfer an eurer Seite. Man kann unterschiedlicher
Meinung sein, ob das nun so sein sollte. Jedenfalls ist das fernab der
Realität, die dieser Taktik-Shooter eigentlich vermitteln will.
Is it real? Im Gegensatz dazu wird beim Rest des
Games REALISMUS groß geschrieben. Gearbox hat den Weg, den ihr in den acht
Tagen dieser historischen Entscheidungsschlacht verfolgt,
originalgetreu nachgebildet. Die Charaktere im Spiel sind zwar fiktiv,
aber repräsentativ für die Soldaten, die an dieser Aktion teilgenommen
haben. So hat diese Division wirklich bestanden und die Schlachten sind
anhand von Originalunterlagen und Berichten nachempfunden worden. Die
Flora der Landschaft mit weiten Feldern, die Architektur der Gebäude in
den ländlichen Orten, sogar die oftmals maroden Gehöfte mit ihren
Stallungen entsprechen dem Original von vor 60 Jahren. Um die Stimmung
originalgetreu wiederzugeben, hat man sogar die Wettersituation der
Region zu diesem Zeitpunkt berücksichtigt. Neben der Infrastruktur hat
man sich auch um authentische Waffen gekümmert. So hat man das gesamte
Arsenal vom Panzer über Sturmgewehr bis hin zur Handfeuerwaffe
augenscheinlich original nachgebildet.
Die Grafik ist daher sehr detailverliebt und abwechslungsreich. Sicherlich
gibt es Spielgrafiken mit Bump- und Shadereffekten, die noch besser
aussehen, jedoch ist es fraglich, ob diese hier auch zur Geltung kämen.
Insgesamt ist der Grafikstil sehr realistisch getroffen und als gut
gelungen zu bezeichnen.
Untermalt wird dieses gesamte Szenario durch authentische
Hintergrundgeräusche, die passend zur Situation ertönen. Alle Waffen
klingen genauso, wie sie einst über das Land der Normandie
hinweghallten. Das Gefecht kommt sehr sounddynamisch über die Dolby
Digital Anlage und der Subwoofer meldet gerade einen Einschlag knapp
neben mir. Eigentlich kann es gar nicht anders gewesen sein ...
pfeifende Kugeln, dumpf klingende Einschläge der Artillerie und das
Schreien, Kreischen und Wimmern verletzter Kameraden oder Feinde in den
Ohren. Gekrönt wird das ganze noch durch den orchestralen Soundtrack der
Prager Philharmonie, die dem Ganzen einen Touch Inszenierung von
Filmmusik aus Hollywood aufdrückt.
1,2,3 durchzählen bitte!!! Im
Unterschied zu
anderen WW2 Shootern wurde der taktische Aspekt auch im
Multiplayermodus beibehalten. So könnt ihr zwar nur mit zwei bis vier
Spielern
im Systemlink/Splitscreen oder via XBOX LIVE agieren, aber trotzdem
wird es auf den zehn verschiedenen Multiplayerschlachtfeldern nicht
langweilig. Genau wie im Singleplayermodus befehligt ihr natürlich eure
Truppe. Dabei kann der Einzelne sechs KI-Kameraden (Angriff und
Sperrfeuerteam) in die Schlacht führen, oder man teilt sich das Team
mit
einem Freund und führt jeweils nur ein Team mit drei Mannen. Es ist
also
nicht das übliche Deathmatch/Teamdeathmatch oder Flaggenspiel, welches
hier über die Flimmerkiste läuft. Man hat in jeder Map eine Mission zu
erfüllen, die dein Pendant, der fleischgewordene Online-Feind,
natürlich zu verhindern versucht. Diese Art des Onlinegaming ist leider
bisher
auf der XBOX noch nicht zum Einsatz gekommen. Es zeigt, dass offenbar
auch mal etwas Innovation Einzug halten kann in das mittlerweile
oftmals triste Onlinegefecht.
Fazit
Es gibt eine neue Referenz in der WW2 Taktikshooterwelt und die heißt „Brother in Arms: Road to Hill 30“.
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