Eins vorweg – die vom Entwicklerstudio angekündigten tiefgreifenden Veränderungen der Colin-McRae-Reihe sind an vielen Stellen augenscheinlich. Sofort nach Einlegen der Disc fällt das komplett neu und futuristisch designte Menü auf, dass grafisch eine echte Augenweide ist und mit Ratschlägen eines Kommentators sprachlich hinterlegt ist. Eine weitere tolle Idee ist die Einblendung einer Vielfalt persönlicher Statistiken zur Verkürzung der Ladebildschirme, die wirklich einen Preis verdient hätte. Darüber hinaus beschränkt sich das Angebot an Offroad-Events nicht mehr nur auf die klassischen Rallye-Etappen, sondern beinhaltet andere Modi, wie Langstreckenevents, Cross Country, Hill Climb und Rally-Raid. Zuvor muss man sich allerdings für eines der 50 lizenzierten Fahrzeuge entscheiden, die in 180 Varianten verfügbar sind. Obwohl man aus lizenz-technischen Gründen auf Original-Rallyeautos der aktuellen Saison verzichten muss, kann man aus einem Pool namhafter Rallyewagen wählen und zudem erstmals in der Colin-McRae-Geschichte Events mit Buggies, Renn-LKWs, Pick Ups und diverser Prototypen absolvieren.
Diese müssen allerdings, genauso wie die verschiedene Strecken, zuvor im aufwendig gestalteten Karrieremodus nach und nach frei geschaltet werden. In Einzel- und Etappenrennen, sowie kleinen Ausscheidungswettkämpfen muss man sein Können bei Herausforderungen in 8 verschiedenen Ländern und auf 20 verschiedenen Streckenbelägen mit je eigenen Fahrbahneigenschaften unter Beweis stellen. Auch die unterschiedlichen Fahreigenschaften der verschiedene Fahrzeugklassen sorgen für Abwechslung, genau wie die Vielfalt unterschiedlicher Anforderungen, die das Spiel an den Fahrer stellt. Als vorbildlich kann die Fahrphysik bezeichnet werden, die DIRT durch einen perfekten Spagat zwischen Realismus und Spielbarkeit auszeichnet. Ob Anfänger oder Profi, das breite Spektrum an wählbaren Schwierigkeitsgraden bietet für jeden Fähigkeitsbereich die passende Einstellungsmöglichkeit, so dass sich auch Genre-Neulingen ein schneller Einstieg gewährt wird. Trotzdem ist DIRT kein einfaches Rennspiel. Denn die punktgenaue Beherrschung der Fahrzeuge setzt schon etwas Übung voraus, in erster Linie, wenn man das Spiel mit dem Force Feedback Lenkrad von Microsoft steuert. In erster Linie erfordert es eine gute Konzentration und Fingerspitzengefühl, um Spitzenzeiten zu erzielen, bietet aber eine höllische Genugtuung, da es sich beinahe so anfühlt, als sei man die Rallyestrecke selbst gefahren.
Die Grafik von DIRT ist nahezu einwandfrei und bietet ein paar nette HDRR-Effekte, Fahnen aufgewirbelten Staubs und ordentliche Fahrzeugmodelle, auch wenn das Spiel technisch keine neuen Standards setzt. Leichte Slowdowns müssen zwar in Kauf genommen werden, allerdings tut das der Spielbarkeit keinen Abbruch. Des weiteren sind eine Vielzahl von Kameraperspektiven inklusive Cockpit-Ansicht verfügbar. Letztere vermittelt ein tolles Geschwindigkeitsgefühl und macht einen sehr authentischen Eindruck. Neben dem detaillierten Schadensmodell, das sich sogar negativ auf die Fahreigenschaften auswirkt, machen auch die zum Teil sehr ansehnlichen Texturen im Streckendesign grafisch einiges her. Doch nicht nur optisch, auch akustisch macht DIRT einen guten Eindruck. Der wuchtige, sehr basslastige Motorensound und die effektvollen Umgebungsgeräusche und die Ansagen des Beifahrers sorgen für echtes Rallye-Feeling. Bezüglich der Menümusik kann man einmal mehr nüchtern feststellen, dass es sie gibt. Aber musikalische Highlights sucht man hier vergebens.
Natürlich bietet DIRT ebenfalls die Möglichkeit, die im Solo-Modus Events aus dem Einzelspieler-Modus auch gegen seine Freunde über Xbox Live zu spielen. Leider war dies mit dem vorliegenden Testmuster nicht möglich und so bezieht sich die Einschätzung lediglich auf den Singleplayer des Spiels.
Fazit
Die Jungs von Codemasters haben nicht zu viel versprochen und sich die Kritik am Vorgänger offensichtlich zu Herzen genommen. Und so kommt mit DIRT am 15. Juni nicht nur ein Rallye-Spiel, sondern die Offroad-Referenz auf der Xbox360. Zwar auch aufgrund mangelnder Konkurrenz, aber dennoch hat der neueste Teil der Colin-McRae-Reihe in Sachen Grafik, Sound und Gameplay einiges zu bieten und bereichert das bisher doch etwas dünne Angebot an guten Rennspielen für Microsofts NextGen-Konsole um einen weiteren Top-Titel. Mehr Abwechslung, ein komplettes Facelift der Menüstruktur, ein motivierender Schwierigkeitsgrad und die facettenreichen Einstellungsmöglichkeiten der Force Feedback Lenkrads machen DIRT zu einem Must-have-Titel für jeden, der Offroad-Spielen auch nur irgendetwas abgewinnen kann.
Ersteindruck: Super