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"Es brodelt auf der Halbinsel"

Sie sind ein professioneller Söldner und werden bald in einer Gegend abgesetzt, in der Chaos herrscht. Das wissen Sie, weil Leute wie Sie nur gerufen werden, wenn die Angelegenheit wirklich haarig wird. Diese Aufgabe wird Ihr Schicksal sein... entweder Sie gehen unter... oder Sie sind ein gemachter Mann. Der Konflikt begann vor nicht allzu langer Zeit...“

So bringt man es euch in der einleitenden Sequenz des Handbuches zum Spiel bei. Es ist also wieder Zeit, einen Helden ins Gefecht zu schicken. Den Schlüssel aller Probleme in Form einer "OneManShow"... und ich dachte, Rambo wäre in Rente.


Die Story des Spiels ist eigentlich recht simpel. Als Söldner habt ihr es euch zur Aufgabe gemacht, das nordkoreanische Militärregime zu Fall zu bringen. Schließlich winkt dabei ein recht ordentliches Kopfgeld in Höhe von 100 Millionen $, welches auf den General „Choi Song“ ausgesetzt wurde. Offenbar hat sich dieser machthungrige Diktator zu einer Ernst zu nehmenden Bedrohung entwickelt, da man vermutet, dass er im Besitz von Nuklearwaffen ist. Kein leichtes Unterfangen in einem Land, welches durch weitere Parteien wie die Alliierten, Chinesen, die russische Mafia oder die südkoreanischen Union weitgehend infiltriert wird. Alle Parteien sind natürlich nur auf die Wahrung ihrer Interessen bedacht. Es gehört also viel Taktik und Feingefühl dazu, die verschiedenen Mächte geschickt für eure Zwecke einzusetzen. So agiert ihr im Allgemeinen zwischen den Fronten und kooperiert mit jedem, der euch eurem Ziel ein wenig näher bringt. Aber selbst mit der Hilfe der vermeintlichen Kontrahenten wird es sehr schwierig, dieses Schwerverbrechers habhaft zu werden.

Auf in den Kampf
Zum Auftakt des destruktiven Geschehens dürft ihr euch für einen der Hauptdarsteller entscheiden. Zur Auswahl stehen der amerikanische Elitekämpfer Chris Jacobs, die britische Expertin für Stealthaufgaben Jennifer Mui und der schwedische Sprengstoffspezialist Mattias Nilson. Jeden dieser Charaktere solltet ihr situationsgebunden zum Einsatz bringen. Habt ihr euch für einen der Protagonisten entschieden, seid ihr auch schon mitten im Geschehen.

Zu Beginn des Szenarios befindet ihr euch in einem Flugzeug über Nordkorea, kurz bevor man euch samt dazugehörigem Vehikel aus voller Fahrt kurz über dem Boden abwerfen will. Ihr habt gerade noch Zeit, euch mit dem Wichtigsten zur Selbsterhaltung auszurüsten, da öffnet sich auch schon die Ladeklappe und ihr werdet mit samt eures Fahrzeuges derbe auf den Boden des Schlachtfeldes abgesetzt. Da ihr nun noch nicht wisst, was ihr tun sollt, werdet ihr im Verlaufe eines kleinen Tutorials auf die Fährte eurer ersten Mission gesetzt. Dem zu Folge solltet ihr euch erst mal direkt zum Hauptquartier der Alliierten begeben, um dort euren ersten Auftrag in Empfang zu nehmen. Auf dem Weg dorthin werdet ihr sehr schnell merken, dass es alles andere als eine gemütliche Spazierfahrt wird, denn genügend nordkoreanische Einheiten wollen euch direkt ans Leder, sobald sie euch erspäht haben.

Es liegt also ein langer und harter Weg vor euch, bis euer Konto den entsprechenden Saldo aufweisen könnte, um euch einen vergnüglichen Ruhestand zu sichern. Euer Ziel ist es, neben dem General noch 52 weitere Mitglieder des Song-Regimes zu ergreifen - tot oder lebendig. Dazu sei euch jedes Mittel recht, welches Erfolg versprechend ist. In den nun folgenden über 50 Missionen solltet ihr immer im Auge halten, mit wem ihr gerade laboriert und wen die daraus resultierenden Ereignisse stören könnten. So ist es im Verlaufe des Geschehens durchaus möglich, Partnerschaften zu festigen, aber auch Feindschaften zu schüren. Ihr müsst ein entsprechendes Feeling dafür entwickeln, mit wem es gerade von Vorteil ist, in dieser Situation zusammen zu arbeiten. Aber seid auf der Hut, denn euer Handeln nimmt Einfluss auf den nicht linearen Verlauf des Geschehens. Tritt man einer der Parteien zu heftig auf die Füße, so hat man sich neben den Nordkoreanern eine weitere Front geschaffen, die einem im Ernstfall zum Verhängnis werden kann.

Entdecke die unendlichen Möglichkeiten
Einer der wichtigsten Aspekte dieses Games ist mit Sicherheit das freie Spielprinzip. Wie auch schon in der GTA-Reihe von Rockstar seid ihr voll und ganz frei in eurem Tun und Handeln. Es ist eure Entscheidung, wo ihr hingeht, welchen Auftrag ihr wann oder wie erfüllt. Die Möglichkeiten sind da fast unendlich. Begebt euch einfach mal auftragstunabhängig auf Erkundungstour und versucht, dieses schier unendliche Land zu verinnerlichen. Es ist bei euren zukünftigen Aufträgen mit Sicherheit vorteilhaft, über genügend Ortskenntnis zu verfügen. Aber verzettelt euch nicht, sondern versucht auch einmal, angenommenen Missionen zügig zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Ähnlich wie bei GTA seid ihr auch vollkommen frei in der Wahl eurer Fahrzeuge. Es gibt eigentlich nichts Einfacheres als sich ein passende Vehikel, welche im Spiel großzügig verteilt wurden, anzueignen - wenn auch nicht autorisiert. Notfalls eben mit Gewalt. Dabei spielt es keine Rolle, um welche Art von Vehikel es sich hierbei handelt. Ihr seid eben ein geborenes Allroundtalent und zum Führen eines Fahrzeuges zu Wasser, auf dem Boden oder in der Luft prädestiniert. Sollte es doch einmal vorkommen, dass ein passendes Gefährt momentan nicht zu eurer direkten Verfügbarkeit steht, kommt ein weiteres wichtiges Spielzeug zum Einsatz. Mit eurem PDA könnt ihr euch kurzerhand (Bonität vorausgesetzt) das Wunschvehikel oder auch andere kleine Nettigkeiten direkt zu euren Füßen bestellen. Da solche Eskapaden nicht ganz preiswert sind, solltet ihr bemüht sein, den ein oder anderen lukrativen Nebenjob auf der Straße mitzunehmen. In einem weiteren Menüpunkt eures technischen kleinen Helferleins wird euch die derzeitige Gesinnung der Kriegsparteien und deren Verhältnis zu Euch in Form von „freundlich, unfreundlich, feindlich“ angezeigt. So seid ihr immer auf dem Laufenden und seht, wie sich die Erledigungen der einzelnen Missionen direkt auf euer Umfeld auswirken. Ist die Laune eines Partners mal im Keller, so scheut euch nicht, mal ein paar Dollar zu zücken, um durch ein wenig Korruption wichtige Kontakte ein wenig zu forcieren. „Wer gut schmiert, der gut fährt!“ – dieser Leitspruch könnte auch aus diesem Game stammen.

Physics ...
Was „Merceneranies“ deutlich von GTA abhebt, ist eigentlich im Einsatz der von Pandenemic genutzten Havoc Physic Engine begründet. Analog der erstmals in „Red Faction“ eingesetzten Geo Mod Technologie seid ihr in der Lage, auf das Antlitz der Landschaft nachhaltig Einfluss zu nehmen. Was das heißt, findet ihr sehr schnell heraus, wenn ihr mal wieder mit der Panzerfaust den Gegner verfehlt und statt dessen mal eben ein Gebäude eingeäschert habt. Nun seid ihr hier ja nicht primär in Sachen Landschaftsgestaltung unterwegs oder um sich der architektonischen Verfehlungen anderer Länder anzunehmen. Dennoch bestimmt dieser Aspekt schon massiv das Spielgeschehen und gehört eher in die Kategorie "Nicht zur Nachahmung empfohlen". Das Prädikat "pädagogisch besonders wertvoll" wird der Publisher Lukas Arts damit nicht einheimsen können, aber die beabsichtigte Steigerung des Spaßfaktors, wenn man alles in Schutt und Asche legen kann, ist dabei voll erreicht worden.

Ein Blick unter die Motorhaube
Die Grafik kann sich sehen lassen. Die Texturen wirken zwar teilweise ein wenig verwaschen; entschädigt wird der Spieler jedoch sofort durch die Größe der Spielwelt verbunden mit der enormen Weitsicht. Im Gegensatz zu anderen Games dieser Art gibt es in "Mercenaries" während der Durchquerungen keine lästigen Ladezeiten. Einzig und allein beim Betreten der Gebäude (Hauptquartiere) wird nachgeladen. Die Charaktermodelle der Protagonisten und der NPG sind anständig tapeziert und sehr lebendig animiert. Gleiches gilt auch für Inventar und Fahrzeuge aller Art. Die Steuerung ist gut durchdacht und intuitiv zu erlernen. Mir persönlich hätte es allerdings besser gefallen, wenn die Fahrzeuge per Schultertaste zu beschleunigen wären und nicht wie hier mit der A-Taste – aber das ist sicherlich Geschmackssache. Die Explosions- und Partikeleffekte sind bombastisch inszeniert und stets schön anzusehen. So stürzen ganze Hochhäuser mit eindrucksvollen Effekten - Rauch, Feuer, herumfliegende Teile - in sich zusammen. So wie sich insgesamt die ganze Spielwelt äußerst dynamisch verhält, scheint hier alles in Bewegung zu sein und ein eigenes Leben entwickelt zu haben. Truppenbewegungen sowie Kämpfe zwischen den Kriegsparteien geschehen während des gesamten Spiels selbstständig mit einer hohen Eigendynamik. Und wenn ich gerade noch gedacht habe: "Was für eine cooler Effekt" oder "Welch geile Explosion" - dann wurde dieses kurze Zeit später immer noch übertroffen.

Der Sound tönt vollendet in Dolby-Digital Qualität aus meinen Lautsprechern und lässt mich mitten im Geschehen stehen. Der Soundtrack ist sehr orchestral und passt stimmungsvoll in das Ambiente dieses Kriegszenarios. Die deutsche Sprachausgabe ist überragend gut gelungen. Hier befindet man sich wirklich direkt - zumindest virtuell - auf dem "Spielplatz der Zerstörung".


Auf diesem Spielplatz für Erwachsene ist alles erlaubt!
Das Spiel hat von der USK keine Jugendfreigabe bekommen, was wahrscheinlich auf die durchaus diskussionswürdige Ideologie zurückzuführen ist. Die Gewaltdarstellung selbst ist lediglich wenig blutig und unspektakulär (Pixel-Leichen verschwinden beispielsweise sofort) und allemal physikalisch übertrieben. Mancher Pixel-Gegner wird hier virtuell dem schnöden Mammon (Sold) geopfert, was wahrlich politisch nicht unbedingt korrekt ist, aber auf jeden Fall Spaß macht - und das schätzungsweise über einen respektablen Zeitrahmen von 40 Stunden hinweg!

Fazit
In der direkten Gegenüberstellung zu den Mitbewerbern in diesem Genre fehlt es dem Spiel etwas an Komplexität und Story. Ich vergleiche hierbei natürlich mit der GTA-Reihe, welche insbesondere durch den Einsatz von abgedrehten Mini-Games den besonderen Spielspaß erzeugen. Bei "Mercenaries" wurde das freie Spielprinzip aber ebenfalls hervorragend umgesetzt. Somit handelt es sich hierbei um ein rundum gelungenes Spiel, das sich Spieler und Fans des Genres nicht entgehen lassen sollten.

So muss ein Game aussehen, dann klappt's auch mit der Wertung!
 Facts
Publisher : Lucas ArtsUSK : 18
Entwickler : PandemicRelease-Date : 17.02.2005
Global Sound/Bild Steuerung XBOX-Live
Offline Players1
SystemlinkNein
Xbox ExklusivNein
THX SoundNein
Dolby 5.1Ja
TV-Format16:9
Lenkrad-
Arcade Stick-
Light Gun-
Online MultiplayerNein
Content DownloadsNein
  


Bewertung
Gameplay : 82% Sound : 95% Grafik : 86% Steuerung : 82% Multiplayer : %
Gesamt-Bewertung


Kommentar des Redakteurs

Mit „Mercenaries – Playground of Destruction“ ist wirklich einmal wieder ein Top-Titel für die X-Box erschienen. Noch mehr Spaß bei diesem Spiel könnte nur noch ein Mehrspieler-Modus bringen... dieser fehlt leider... Schade!


Erstellt am : 04.04.2005      Autor : Michael Harms          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
PACKSHOT
         
         
         
         
         
         
         
         
         
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