Ende der 80er Jahre sorgten vier, durch einen Unfall mit radioaktiven
Chemikalien mutierten, Schildkröten dafür, dass Pizza zeitweise zur
Lieblingsspeise deutscher Kinder wurde. Der Boom um die
Zeichentrickserie, die den Alltag der Ninja-Turtles Leonardo,
Michelangelo, Raphael und Donatello erzählte, war Anlass für eine
Vielzahl von Videospielen auf allen erdenklichen Konsolen und Formaten,
sowie drei abendfüllende Spielfilme mit den Reptilien in der
Hauptrolle. Dann wurde es lange Zeit still um die Bewohner des New
Yorker Abwassersystems rund um ihren Sensei Splinter. Doch im April
sollen Fans der Hero Turtles für ihr jahrelanges Warten entschädigt
werden, denn der vierte Turtles-Spielfilm kommt in die Kinos. Und
natürlich darf auch das Spiel zum Film nicht fehlen. Somit steht dem von vielen langerwarteten Videospiel-Comeback der Turtles nichts im Weg.....zumindest war es so geplant.
|
Megastarke Hero-Turtles?
Bereits kurz nachdem man die Spiele-DVD in seine Xbox 360 eingelegt hat, macht sich mit einem Schlag Ernüchterung breit und man wundert sich spontan beim ersten Blick auf das Full-HD-Panel, dass Playstation 2-Spiele jetzt auch auf der Xbox 360 laufen. Denn was Ubisoft mit TMNT grafisch bietet, ist alles außer Next-Gen-Niveau. Die Levels sind detailarm inszeniert, die Charaktere, sowohl Turtles als auch Gegner, lieblos animiert und die Technik schlichtweg veraltet. Soundmäßig kann der Titel auch keine Bäume ausreißen und beschränkt sich darauf, jeden Sprung mit Super-Mario-ähnlichen Geräuschen zu untermalen und gelegentliche Lebensweisheiten von Master Splinter, sowie den ein oder anderen lässigen Spruch des Helden, den Ihr gerade steuert, beizumischen.
Das Gameplay orientiert sich stark an Ubisofts Prince of Persia Reihe, ohne je auch nur annähernd den Abwechslungsreichtum und die Klasse jener Spiele erreichen zu können. Man springt, klettert, hangelt und kriecht in einem Mix aus Jump’n’Run und Hack’n’Slay von einem Kampfschauplatz zum nächsten. Dennoch verbeitet TMNT einen ganz eigenen Charme, dem sich Turtles-Fans wohl nur schwer entziehen werden können. Zwar sind die Levels einfach gestrickt, hätten die Bosskämpfe spektakulärer inszeniert werden können und ist das Angriffsrepertoire der vier Kröten, das sich auf einen Tritt und einen Move mit der jeweiligen Waffe beschränkt, relativ überschaubar. Auch ein erneutes Wiederaufeinandertreffen mit Bebop, Rocksteady und Shredder bleibt Turtle-Fans der ersten Stunde leider versagt. Aber dennoch ist ein wichtiges Kriterium erfüllt, das ein Spiel mit sich bringen muss. Es macht Spaß!
Cowabunga!
Leveldesign und Action, die das Spiel zu bieten hat, sind ordentlich gelungen und es macht einfach Laune, die Levels zu erkunden, die vier individuellen Spezialfähigkeiten der Ninja-Schildkröten kennen zulernen und sich mit den neuen Teamattacken vertraut zu machen. Waschechte Liebhaber der grünen Kult-Ikonen werden nicht in der Lage sein, das Pad aus der Hand zu legen, bis der Endboss, der die Turtles am Ende von Level 16 erwartet, besiegt ist, weil TMNT ein wirklich kurzweiliges Spiel ist. Wobei die Betonung auf „kurz“ liegen muss! Denn nach fünf Stunden hat man den Storymodus hinter sich gebracht und weitere fünfzehn Minuten später 1000 Punkte Gamerscore erreicht, nachdem man das erste Level ohne Schaden einzustecken im Herausforderungsmodus gemeistert hat. Spätestens hier wird deutlich, dass sich der Titel in erster Linie an Kinder richtet, da neben dem Schwierigkeitsgrad auch die Erzählweise der Story sehr kindgerecht ist und für Erwachsene befremdlich sein mag. Zwar könnte man nach Erreichen des vollen Gamerscores bei TMNT noch die restlichen Levels erneut in diesem neuen Spielmodus absolvieren, um sich für die dadurch erworbenen Münzen, unspektakuläre Extras frei zu schalten. Allerdings werden sich dazu erwartungsgemäß die wenigsten motivieren können, da das anfangs sehr spaßige Spielkonzept schon beim ersten Durchspielen mit der Zeit eintönig wird, zumal es weder möglich ist, die Missionen im Koop-Modus zu absolvieren, von dem nicht vorhandenen Multiplayer-Modus mal ganz abgesehen.
|