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Wayne interessierts?
Doch fangen wir ganz von vorne an. Wer Capcom-Titel kennt, der weiß, dass die Verantwortlichen nicht bloß lieblos zusammengeschusterte Levels in sinnloser Aneinanderreihung bieten, sondern vielmehr eine fesselnde Story mit vielschichtigen Charakteren und etlichen Story-Twists präsentieren, die durch cineastische Sequenzen zusammengefügt sind. Das sollte natürlich auch in Lost Planet der Fall sein.
Die Menschheit hat wieder einmal Stress mit ihrem Heimatplaneten. Ob globale Erderwärmung oder nicht: er wird unbewohnbar und so machen sich die verbliebenen Menschen auf die Suche nach einem neuen Planeten. Dieser ähnelt dem blauen Himmelskörper in vielen Teilen und ist für einige Zeit eine gute Alternative.
Doch eines mehr oder minder schönen Tages bricht das Chaos über die Menschen herein. Gigantische Insekten namens Akriden verdunkeln den Horizont. Was die Bevölkerung nicht ahnt ist, dass eigentlich die Flug- und Krabbeltiere die ursprünglichen Bewohner des Planeten waren. Also kommt, was kommen muss: In einer großen Auseinandersetzung verlieren die Menschen die Vorherrschaft und müssen sich in die entlegendsten Gebiete zurückziehen. Kurioserweise sind die Akriden jedoch nicht darauf aus, die Flüchtlinge auszuradieren. Stattdessen absorbieren die Akriden die Energie des Planeten und sorgen so für eine riesige Eiswüste. Um diesen lebensfeindlichen Bedingungen ein Ende zu bereiten, planen die Menschen den ultimativen Angriff auf die Akriden. Dazu bedienen sie sich zahlreicher Waffen und Mechs, mit denen sie ihren Gegnern ein für alle Mal den Garaus machen wollen. Inmitten dieser finalen Auseinandersetzung gelangt nun euer Alter Ego Wayne.
Dieser verliert in einem Akriden-Angriff - der gleichzeitig ein Minitutorial darstellt - den größten Teil seines Gedächtnisses und auch seinen Vater. Doch dank eines kleinen Teams wird er aus der Gefahrenzone gerettet. Eure Aufgabe ist es nun, einerseits die Akriden zurückzuschlagen. Andererseits müsst ihr das Puzzle in Waynes Kopf wieder zu einem ganzen Bild zusammenfügen. Doch da draußen lauern nicht nur die Aliens. Auch Schneepiraten sind hinter euch her.
Da ein Leben auf dem Eisplaneten nicht möglich ist, verfügen alle Menschen über Vital Suits. Diese regulieren die Körpertemperatur. Um zu funktionieren, müssen sie jedoch permanent mit Energie nachgeladen werden. Diese erhaltet ihr, wenn ihr Gegner ausgelöscht habt. An diversen Stellen könnt ihr außerdem Stationen aktivieren, mit denen euer Anzug gleich mit rund Tausend Energieeinheiten aufgestockt wird. Ist die Energie des Anzugs auf Null gesunken, geht es an eure Lebensenergie. Leider zieht nicht nur die Witterung Wärme aus eurem Anzug. Auch Treffer eurer Widersacher führen dazu, dass es in eurem Vital Suit merklich kälter wird. Vor allem bei großen Gegnern, ist daher äußerste Vorsicht geboten.
Das sind Argumente
Da die Aliens, wie bereits erwähnt, an Größe und Stärke euch oftmals überlegen sind, bedarf es zahlreicher Waffen. Das Repertoire ist recht umfangreich. MGs, Shotguns, Granaten, und vieles mehr stehen euch zur Verfügung. Die Waffen liegen in der Gegend verstreut. Manches Mal müssen sie auch erst aus dem Schnee herausgegraben werden.
Dabei steuert ihr euren Helden in der Third-Person Perspektive, sodass er euch die "kalte Schulter" zeigt. Über den linken Trigger werft ihr euren Gegnern normale, Klebe- oder aber auch Plasma-Granaten entgegen, der rechte Trigger wird für eine eurer beiden Primärwaffen benutzt. Um höhere Bereiche zu erreichen, benutzt ihr einen Haken, der sich an diverse Stellen mit dem X-Button werfen lässt.
Da bei den meist in großen Gruppen auftretenden Feinden Deckung oberstes Gebot ist, müsst ihr Schutz hinter Kisten, Felsen oder Ruinen suchen. Auch wenn dies nicht so schick aussieht, wie bei Epics Zahnrad-Spiel, klappt es doch meistens recht gut.
Vermisst werden jedoch die Möglichkeit zu Sprinten, um lange Schneeabschnitte flott zu absolvieren, aber auch die Fenixsche Ausweichrolle sucht ihr vergebens, was bei einigen rasanten Akriden-Angriffen bitter nötig gewesen wäre. Statt dessen könnt ihr euch mit LB und RB um jeweils 90° drehen. Wer es braucht.
Ebenfalls suboptimal sind Waynes Taumel-, Flug- und Wackeleinlagen. Diese legt er ein, sollte er getroffen werden oder aber wenn irgend etwas wuchtiges in seiner Nähe einschlägt. Das Problem dabei ist, dass der Protagonist während dieser Sekunden nicht schießen kann, was bei den oftmals großen Gegnerhorden sehr wichtig ist. Auch sind solche Explosionen und Beben nicht selten. Im Gegenteil: Beim Bosskampf mit einem Nevec-Mech am Ende von Mission 3, werdet ihr permanent mit Raketen und anderen schweren Waffen beharkt und taumelt so von einer Ecke zur anderen ohne jedoch Schaden anrichten zu können. Nach kurzer Zeit fangen diese Einlagen an zu nerven.
STIMMUNG!
Wer von euch außerhalb von Deutschland lebt, oder eine Importversion des hierzulande indizierten Konkurrenz-Shooters ergattern konnte, der wird beim Stichwort Atmosphäre feuchte Augen bekommen. Denn neben einer Bombastgrafik, war es vor allem die Atmosphäre, die den Titel so einzigartig machte. Ähnlich Lost Planet. Bereits das stimmungsvolle Intro beweist, dass Capcom es wieder einmal versteht, den Spieler an den Bildschirm zu fesseln. Wenn dann nach wenigen Minuten mit dem Green Eye einer der gigantischen Gegner auf der Mattscheibe erscheint, sorgt dies für das nötige Gänsehaut-Feeling. Aber auch innerhalb der einzelnen, großen Level kann Lost Planet überzeugen. Ein Beispiel: Ihr sollt eine Thermal-Energiequelle finden. In der Ferne schwirren einige Akriden an Felswänden umher.
Ihr schnappt euch einen Mech, den ihr mittels Y-Button kurzerhand in ein Fahrzeug transformieren könnt, um so über die Eisfläche zu jagen. Plötzlich ein gewaltiger Knall. Der Controller erzittert und ihr werdet aus eurem Vehikel katapultiert. Just in diesem Moment reißt ihr den Kopf herum, um in das Maul eines kolossalen Obermotzes zu starren.
Doch ist ein Kampf gegen den gewaltigen Akriden schwer und nicht notwendig. Ihn zu besiegen kostet viel Zeit, bringt aber 50 Gamerscore. Doch Vorsicht: Einmal besiegt braucht es nur ein paar Sekunden und ein neuer Wurm macht euch das Leben schwer. Vielmehr solltet ihr schnurstracks auf eine Ruine zu rennen, in welcher der eben beschriebene fiese Nevec-Mech wartet. Luft holen könnt ihr woanders. Bei Lost Planet steht Daueraction mit zahlreichen Adrenalinkicks im Vordergrund.
Zwei Punkte könnten dem bisherigen Genre-König von Epic gefährlich werden: Zum einen bietet Lost Planet deutlich mehr Abwechslung, als der indizierte Shooter. Zum anderen ist der Spielverlauf weniger stringent als beim Spitzenreiter. Doch unterm Strich dürfte es auch hier verschiedene Geschmäcker geben. Auch Lost Planet muss Kritik vertragen: Warum um alles in der Welt gibt es kaum Speicherpunkte, sodass ein Ausschalten der Xbox 360 bedeutet, dass man den Level neu starten muss? Warum konnte Capcom kein Quicksave und Quickload einbauen? Selbst auf leichtem Niveau dürften Einsteiger vor allem bei den großen Boss-Gegnern heillos überfordert sein, während Schneepiraten zum Beispiel dank dummer KI auf "Leicht" zum langweiligen Abballern einladen. Ein wenig mehr Entgegenkommen hätte ebenso wie ein ausgeglichener Schwierigkeitsgrad sicherlich nicht geschadet. Ein weiteres Manko ist die Tatsache, dass Lost Planet über keine ordentliche Sniper-Funktion verfügt, wie sie in jeden Shooter gehört. Das Zoomen mit dem Digikreuz ist umständlich.
Schön, aber nicht für jeden gleich
Dass die Xbox 360 für HDTV konzipiert wurde, macht sich bei Lost Planet wieder einmal deutlich bemerkbar. Denn wer über einen Röhrenfernseher verfügt, muss bei der Grafik deutliche Einbußen hinnehmen.
Zwar sehen die phänomenalen Explosionen, die wohl zu den besten gehören, die man auf einer Konsole je gesehen hat, auch auf einem normalen Gerät sehr gut aus; und auch die Zwischensequenzen und Figuren, können überzeugen. Allerdings wirken so manche Texturen eher unscharf. Einen Sprung macht die Grafik, wenn ihr einen HD-Fernseher euer Eigen nennt. Dann bekommt ihr Grafik vom Feinsten geboten. Leider kommt die Engine mit ihren Möglichkeiten nicht an den Epic-Shooter heran, kann allerdings wunderschön das menschenunwürdige Schneetreiben darstellen. Wenn es einmal aufhört zu schneien, bietet euch Lost Planet eine gute Weitsicht und etliche Details.
Die einzelnen Missionen kommen dabei nicht ohne extra Ladezeiten aus. So passiert es leider, dass ihr eben noch auf dem Dach eines Zuges in einen dunklen Tunnel läuft und nach einer kurzen Ladepause auf einmal in eben jenen, hinter einer verschlossenen Tür und somit in einem neuen Levelabschnitt, steht.
Rock n Roll und Party!
Natürlich besitzt Lost Planet auch nicht nur einen Solopart. Auch Multiplayer-Puristen, können sich freuen. Wahlweise könnt ihr die Story kooperativ absolvieren und mit bis zu 16 Spielern online gegeneinander antreten. Es gibt Ranglistenspiele und benutzerdefinierte Spiele. Standard eben. Bei unseren Test-Sessions gab es zwar den einen oder anderen Slowdown, doch weitestgehend verliefen die Online-Partien problemfrei. Da Lost Planet zum Testzeitpunkt noch nicht erhältlich war, konnten wir nur grob und vorallem nur zu zweit den Mehrspieler-Part testen. Einen ausführlichen Multiplayer-Test liefern wir euch kurz nach Release des Spieles. Schließlich will und vorallem muss Lost Planet hier überzeugen.
Der Multiplayer Part von Lost Planet ist eine absolute Bombe! Grafisch gesehen mussten keine Abstriche gegenüber dem Singleplayer Modus gemacht werden und sobald ihr einem Spiel beigetreten seid, läuft das rasante Spielgeschehen zu jederzeit flüssig ab. Bei 16 Spielern gleichzeitig kann es aber oft zu Verwirrungen kommen und an ein ordentliches Teamplay ist in Ranglistenspielen oder anderen Matches nur mit 7 weiteren Freunden zu denken. Trotz allem konnte uns der Multiplayer Part von Lost Planet stundenlang fesseln. Falls ihr auf der Suche nach einem einfachen Online-Shooter seid, bei dem es mehr um spaßige Action geht, als um gnadenloses taktisches teambasiertes Gameplay, der wird mit Lost Planet sicher seine explosive Freude haben.
Im Xbox-Live Modus könnt ihr euch entweder in Ranglisten Spielen oder ungewerteten Spielen gegen den Rest der Welt beweisen, nach Mitspielern suchen, euren Online-Charakter auswählen oder den Stimmverzerrer nutzen. Nach der Spielsuche werden euch die verschiedensten offenen Spiele mit Hostnamen angezeigt. Kaum habt ihr eine Lobby betreten, füllt sich diese innerhalb von wenigen Sekunden bereits auf das Maximum von 16 Mitspielern und einer actionreichen Online-Schlacht steht nichts mehr im Wege. Zu den Spielmodi gehören:
Team Eliminierung, Eliminierung, Station besetzen und Flüchtling. Im Flüchtling-Modus müsst ihr den anderen Spielern entkommen und bis zum Ende überleben. Die restlichen Spielmodi sind die klassischen Deathmatch-, Team-Deathmatch- und Eroberungspielmodi.
Als Host könnt ihr bestimmen wie viele Teams aus den Teilnehmern erstellt werden sollen, welche Waffe zum Start bereit gestellt wird, wie hoch die Kampfpunktzahl ist und aus 8 verschiedenen Maps eure Lieblingskarte auswählen.
Der treibende Sound passt sich wunderbar ins Spielgeschehen ein. Wer über eine entsprechende Dolby 5.1 Anlage verfügt, kann seinen Subwoofer nach allen Regeln der Kunst belasten. Fans englischer Sprachausgaben werden sich freuen: Lost Planet verfügt ausschließlich über deutsche Untertitel und Menüs. Auf eine vollständige Synchronisation wurde verzichtet. Dies ist auch gut, denn wie viele Spiele wurden durch eine miserable Lokalisierung verhunzt? Die Originalsprecher machen ihre Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes hörenswert.
Fazit
Was macht ein gutes Spiel aus? Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten. Der Eine benötigt fulminante Grafiken. Dem Anderen ist eine einfache und zugängliche Steuerung wichtig. Ein Dritter möchte eine äußerst dichte Atmosphäre oder einen exzellenten Multiplayer. Bis auf kleinere Abzüge kann Lost Planet dies alles in gutem Maße bieten. Auch wenn der Titel grafisch vielleicht nicht ganz an Epics Shooter heranreichen kann, zeigt er doch, was auf der Xbox 360 alles möglich ist. Selten haben wir so ein bescheidenes Wetter in solch einer faszinierenden Präsentation gesehen. Auch die Akriden und die Schneelandschaften wissen zu überzeugen.
Abgerundet wird das alles durch einen guten Multiplayer, der dank Xbox Live Anbindung lange für viel Spielspaß sorgen wird, auch wenn er etwas magerer ausgefallen ist, als möglich gewesen wäre. Einsteiger dürften leider einige Male überfordert sein, da sich das Spiel auch im niedrigsten Schwierigkeitsgrad recht fordernd spielt.
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