|
GTA unter Palmen?
Auf den ersten Blick erinnert Just Cause stark an den berühmten Genre Vorgänger, der zuletzt in San Andreas sein Unwesen trieb. Just Cause baut ähnlich wie GTA auf eine riesige, frei begehbare Spielwelt, alle möglichen frei nutzbaren Autos, sowie eine Auswahl an Flugzeugen, Helikoptern und Booten, jede Menge Waffen, spielerische Freiheit und eine Menge Action. Insgesamt gibt es allerdings auf der mit 1024 Quadratkilometer sehr groß geratenen Insel weniger zu entdecken, als im Rockstar Titel. Obwohl man sich eigentlich sehr frei bewegen kann, ist das Spiel doch stark auf die Missionen fixiert.
Von Guerillas, Terroristen und Banditen…
Das Ziel und der Grund von Ricos Inselaufenthalt ist, dass die alte Regierung von San Esperito, die es sich vermutlich mit den Machthabern in Washington verscherzt hat, gestürzt werden soll. Nebenbei bietet sich dann für Rico noch die Möglichkeit, die örtlichen Drogenbarone gegeneinander auszuspielen und zu guter Letzt sieht er sich auch noch mit Terroristen konfrontiert. Jedenfalls hat Rodriguez die Insel kaum betreten, da bricht schon das totale Chaos aus.
Zur Unterstützung des mutigen Agenten wurden 2 CIA Kontaktpersonen abgestellt, die Rico über ihre mobile Kommandozentrale mit Informationen und Ausrüstung versorgen, sich aber wenn es brenzlig wird getrost zurückhalten und den armen James-Bond-auf-Spanisch Verschnitt die Drecksarbeit machen lassen.
Ein weiterer wichtiger Punkt für den Erfolg des Vorhabens, einen ganzen Inselstaat neu zu ordnen, ist es, die Unterstützung der stärksten Untergrundbewegung gegen die Regierung zu erlangen, die der Guerillas. Deren Vertrauen gewinnt man in kleinen Nebenmissionen, ähnlich der Gang Gebietskämpfe bei San Andreas, in denen man ihnen hilft von der Regierung kontrollierte Dörfer einzunehmen. Dadurch erhält man Einfluss, neue Stützpunkte zum Munitionsaufladen und Speichern und man schaltet vor allem Fahrzeuge frei, die man später in den Hauptmissionen als praktische Unterstützung anfordern kann.
Eintöniges Actionspektakel…
Just Cause ist kein klassischer „Antesttitel“! Wenn man mit dem Spiel liebäugelt und es mal für einen Abend ausleiht um es auszuprobieren, wird man es garantiert kaufen, da es am Anfang wirklich immens viel Spaß macht. Man wird schon in den ersten Spielminuten im wahrsten Sinne des Wortes in die Action geworfen. Nachdem ihr nach einem kurzen Flug mit eurem Gleitschirm gelandet seid, geht es nach einer hitzigen Strandschießerei in einer Auto Verfolgungsjagd weiter, in der Rico Helikopter vom Himmel holen muss, wenn ihm sein Agentenleben lieb ist. Dabei ist die Steuerung sehr simpel, die Gegner fallen förmlich vor einem in die Knie und selbst der Granateneinschlag eine Haaresbreite entfernt kann die Lebensenergie des Geheimagenten nur geringfügig verkleinern.
Dieses riesige Actionspektakel gaukelt dem gemeinen Videospieler ein großartiges Spielerlebnis vor und erst langsam, mit fortlaufender Spielzeit, schrumpft die Begeisterung, wenn man feststellt, dass man nur deshalb so unbesiegbar ist, weil die Gegner KI mehr als zu wünschen übrig lässt und sich einem die Kontrahenten geradezu vor die Flinte schmeißen - aber selbst kaum treffen.
Als nächstes stellt man fest, dass die viele Action und die Explosionen oft sehr geplant und linear verlaufen. Wenn man dann das erste Mal auf sich alleine gestellt ist und über die riesige Insel den nächsten Missionspunkt anfahren muss, stellt man leider fest, dass die Charakteranimation eigentlich leicht albern aussieht, die vielen Fahrzeuge sich teilweise nur sehr unangenehm und schwer steuern lassen und man zudem sein Ziel oft nur sehr schwer findet, da die zur Orientierung gedachte Minimap auch in der Vergrößerung noch recht unübersichtlich und ungenau ist.
Wenn man dann endlich die nächste Mission erreicht hat und die Reisestrapazen hinter sich lassen kann, denkt man sich: „ach was solls, Hauptsache die Missionen machen Spaß“. Dann bemerkt man aber nach einer Weile erneut etwas Unangenehmes, nämlich, dass die Missionen grundsätzlich immer gleich sind. Man stellt fest, dass man sich eigentlich nur durch eine Horde dummer Gegner ballert, um schließlich das Missionsziel zu erreichen, was in Form eines Gebäudes oder einer Person entweder zerstört, gerettet oder getötet werden muss.
Nachdem auch die Missionen an Faszination verlieren, schleicht sich so langsam der Verdacht ein, dass man es bei Just Cause doch eher mit einem mittelmäßigeren Titel zu tun hat.
Die schönen Seiten der Insel…
Natürlich hat das Spiel nicht nur Eintönigkeit und Langeweile zu bieten, sondern auch das eine oder andere gelungene Spielelement. Die Insel an sich zum Beispiel ist nämlich von der grafischen Qualität durchaus schön geworden und während man von der einen zur anderen Mission tuckert, kann man sich wenigstens an der reichen Botanik erfreuen, die sogar auf der guten alten Xbox noch fein aussieht.
Ein weiteres Feature was sehr gut gelungen ist, sind die Stunteinlagen. Man kann in förmlich jedem irgendwie gearteten steuerbaren Fortbewegungsmittel per Knopfdruck eine Stuntposition einnehmen von der aus man entweder vom einen zum anderen Auto springt oder einfach die Reißleine des immer mitgeführten Gleitschirms zieht und sich in die Luft katapultieren lässt. Da sind vor allem mit einem Flugzeug sehr feine Aktionen möglich.
|