Seien wir mal ehrlich, jeder von uns war (oder ist) Fan von einem oder
gar mehreren Superhelden. Und wollten wir nicht alle immer ein Spiel
haben, in dem wir sie gegeneinander antreten lassen und ihre Kräfte
messen lassen können?
Marvel Nemesis: Rise of the Imperfects will uns diesen Traum erfüllen, doch ob dieses Unterfangen auch gelingen mag?
Das irgendetwas nicht ganz stimmig ist sieht man schon wenn man die
Verpackung öffnet und feststellt, das die dem Spiel beiliegende
Werbebroschüre des Publishers dicker ist als die Anleitung zum Spiel.
In „Marvel Nemisis: Rise of the Imperfects“ hat der wahnsinnige
Wissenschaftler Niles van Roekel das Verlangen den perfekten Krieger
mit übermenschlichen Fähigkeiten zu erschaffen.
Im Zuge seiner wissenschaftlichen Experimente sorgt er dafür, das die
Erde von Aliens angegriffen wird und nun der Grund gegeben ist um
unsere Helden in die Schlacht ziehen zu lassen.
Das Spiel bietet 18 verschiedene wählbare Charaktere, darunter so
berühmte Namen wie Wolverine, Iron Man, Magneto, Die Fackel oder gar
Venom. Zu den spielbaren Charakteren zählen aber auch die von van
Roekel geschaffenen Imperfects. Leider stehen zu Beginn des Spiels
nicht alle Charaktere sofort zur Verfügung und so muss man sie sich
erst im Storymodus freispielen. Will man sich gleich von Anfang an mit
ein paar Freunden spannende Duelle liefern, kann man daher nur auf eine
Hand voll Helden zurückgreifen, darunter Spider Man, The Wink oder Das
Ding.
Doch gerade der Storymodus ist einer der Knackpunkte des Spiels und nur
allzu häufig fragt man sich, warum er überhaupt da ist. In lieblos
designten Missionen kämpft man sich durch immer gleich anstürmende
Gegnerhorden, muss eine gewisse Anzahl von ihnen vernichten oder für
eine bestimmte Zeit überleben. Hat man jeweils drei Missionen
geschafft, gelangt man zu einem Bossfight. Wenn man diesen besteht, hat
man einen neuen Charakter freigeschaltet.
Doch dank der unsausgewogenen Kräfteverhältnisse der einzelnen
Charaktere können diese sich entweder als hart zu knackende Nuss
erweisen oder werden mal eben "im Vorbeigehen" erledigt. Die Story wird
zwar nett erzählt und sowohl von schönen Videos als auch in Spielgrafik
gehaltenen Zwischensequenzen flankiert, doch im Grunde besteht die
einzige Daseinsberechtigung des Storymodus darin neue Charaktere zu
erhalten.
Grafik
Die Modelle der Charaktere sind alle grandios in Szene gesetzt und sind
fantastisch animiert. So müssen Superhelden in einem Videospiel
aussehen. Leider war´s das auch schon. Im Gegensatz zu den Charakteren
sind die Arenen fast immer identisch aufgebaut, wirken farblich
trostlos zusammengeschustert und protzen vor Polygonarmut. Dabei
entsprechen die eingesetzten Effekte wie Explosionen und zerspringendes
Glas sogar dem gängigen Standard heutiger Titel für die Xbox.
Schade!
Steuerung
Kommen wir nun zu einem weiteren Punkt, der das Spiel nicht
notwendigerweise verschlimmbessert. Während man am Anfang mit „Das
Ding“ eine Brücke in Schutt und Asche legt, freut man sich noch
darüber, dass es dem Hersteller gelungen ist die Steuerung genauso so
träge wirken zu lassen wie man es bei einem mehreren hundert Kilo
schweres Ungetüm erwarten würde. Doch wenn sich in der nächsten Mission
Wolverine genauso schwerfällig und schwammig durch die Areale steuern
lässt, kommen erste Zweifel auf, ob dies tatsächlich ein Feature sein
soll.
In der Tat geht die Steuerung so schwerfällig von der Hand, dass man
gegen schnellere Charaktere kaum eine Chance hat. Auch bleibt die Frage
offen, warum man einen Knopf drücken muss, damit der Reck wieder
aufstehen kann, sobald er am Boden liegt. Das kostet in den hektischen
Kämpfen nur unnötig Zeit und Nerven. Die Ruhe sollte man auch behalten,
wenn einen die Bosse mit ungeahnten Spezialmanövern aufs Kreuz legen
und man nur noch kopfschüttelnd mit offenem Mund da sitzt.
Flux ein Blick ins Handbuch, gepeitscht vom energischen Gedanken "das
will ich auch" die Liste der Spezialattacken durchblättert. Doch das
Einzige was uns das Handbuch anbietet ist der Rat, doch mal etwas
herumzuprobieren. Na Super - Danke.
Multiplayer
Wie alle Prügelspiele lebt auch „Marvel Nemesis: Rise of the
Imperfects“ davon, lebenden Mitspielern eins auf die Mütze zu geben.
Hat man sich durch den Storymodus geackert und alle Kämpfer
freigespielt, könnte das sogar Spaß machen.
Wären da nicht die schon angesprochenen Balanceprobleme, die sich
leider hier ebenfalls fortsetzen. Ein einstellbares Handicap, was in
diesem Genre eigentlich üblich ist, sucht man ebenfalls vergebens. Das
Martyrium setzt sich leider auch im Xbox-Live Modus fort, der auch,
sofern man ein Spiel gefunden hat, unter den selben Balanceproblemen
der Helden leidet. Positiv ist allerdings das er flüssig läuft und ohne
Lags daherkommt.
Sound
Das Spiel wird von passend dramatischer Musik untermalt und die
Geräusche für Schläge und Explosionen sind auf dem gängigen Niveau.
Auch die deutschern Sprecher sind gut gewählt, wenn auch die
Sprachsamples eine gewisse Vielfalt missen lassen.
Fazit
Wie leider zu oft bei Lizenzspielen muss man auch hier sagen: Außen Hui
innen Pfui. Marvel Nemesis: Rise of the Imperfects bietet einige der
schönsten Kämpfermodelle dieser Zeit, wird wunderschön präsentiert,
bietet unter anderem
(vertonte) freispielbare Comics, sowie Videos und hat einen
gigantischen Superheldenbonus. Dennoch krankt es an dem, was Spielern
am wichtigsten ist:
Spielbarkeit. Natürlich macht es trotz den angesprochenen Probleme
durchaus Spaß ein, zwei Spiele gegen Freunde auszutragen, doch dann
verliert man wegen der Steuerung und der Unausgewogenheit schnell die
Lust.
Facts
Publisher :
EA
USK :
12
Entwickler :
EA
Release-Date :
12.10.2005
Global
Sound/Bild
Steuerung
XBOX-Live
Offline Players
1-2
Systemlink
-
Xbox Exklusiv
Nein
THX Sound
-
Dolby 5.1
Ja
TV-Format
4:3
Lenkrad
-
Arcade Stick
-
Light Gun
-
Online Multiplayer
Ja
Content Downloads
Nein
Bewertung
Gameplay : 69%
Sound : 75%
Grafik : 80%
Steuerung : 65%
Multiplayer : 71%
Gesamt-Bewertung
Kommentar des Redakteurs
Warum bemerkt in der Testabteilung niemand diese Mängel? Alles in allem
hat man den Eindruck, dass der Entwickler zu wenig Zeit gehabt hat,
denn anders kann man es sich nicht erklären, warum einerseits so schön
präsentiert wird und auf der anderen Seite das Gameplay völlig
vernachlässigt wird. Bleibt nur zu hoffen, dass das Spiel eine
Fortsetzung bekommt und alle angesprochenen Dinge beseitigt werden.