Es fängt mit einem Intro an, welches vielleicht vor 25 Jahren aktuell
und zeitgemäß gewesen wäre. Danach sieht man, wie sich der
Hauptcharakter Link unruhig im Schlaf wälzt. Wirre Träume und eine
Stimme, die ihn als Auserwählten bezeichnet und ihn auch gleich noch
unsanft aus dem Schlaf reißt. Auserwählter? Kennen wir. Wird wohl wieder
einer sein der mal wieder zu Anfang mehr weiß als ich. Nichts neues,
passiert einem im Zelda-Universum ja ständig. Nicht so, dass ich jetzt
viel mehr erwartet hätte, ist ja mittlerweile fast wie bei Mario, getreu
dem Motto: Eine richtige Story brauchen wir nicht. Dann weiter: Ich
sehe einen seltsam aussehenden Vogel im Fenster und alsbald Personen,
die mich an die so wichtige Vogelreiterzeremonie erinnern. Ein Wort, auf
das mich in den kommenden 2 Stunden jeder Charakter nicht nur einmal
hinweist.
Gut, denke ich mir, schauen wir mal raus aus dem Zimmer in dem ich eben
erwacht bin. Ich sehe eine quietschbunte Welt in strahlendem
Sonnenschein und Charaktere, bei denen man an Zuckerwatte und Bonbons
denkt. Nein, düster und erwachsen ist was anderes, denke ich mir. In
Gedanken bin ich gerade bei Twilight Princess. Ich will nicht glauben,
was ich da sehe. Und jetzt soll ich auch noch ein
Quidditch…Pardon…Vogelreiterturnier bestreiten, nur damit ich danach ein
romantisches Date mit der kleinen blonden Zelda bekomme und ein
Wolkenritter werde? Will ich das? Dann muss ich ja noch öfter auf diesem
seltsamen Vogel fliegen. Mir wird immer schummriger…
Die folgenden 2 Spielstunden spendiere ich euch hier im
Schnelldurchlauf, da ich keine Verantwortung für einen Brechreiz
eurerseits übernehmen möchte. Eine schon fast schaurig liebenswerte
Welt, die liebsten Charaktere der Videospielgeschichte, dumpfe Hol- und
Bringdienste, dämliche Kommentare und ein noch dämlicherer Rivale, der
auf vorhersehbare Weise auch schon bald nichts mehr mit der Geschichte
zu tun haben wird. Zum krönenden Abschluss ein Flug auf einem Vogel, der
an ein Quidditchturnier aus Harry Potter erinnert. Nur war jenes
wenigstens noch einigermaßen spannend. Hier war ich an dem Punkt
angelangt, an dem ich mir ernsthaft dachte: Nintendo veräppelt mich. Das
kann doch kein Spiel zu einem 25-jährigen Jubiläum sein. Das muss eine
USK 0 Version des Spiels sein, wahrscheinlich habe ich mich vergriffen.
Eine letzte Chance noch. Einen Ruck gebe ich mir noch und bringe dieses
dämliche Turnier hinter mich. Und was soll ich sagen; im Folgenden
sollte ich für die Qual der hinter mir gelassenen Spielzeit endlich
belohnt werden. Das Spiel wird erstmals düster, ein Wirbelsturm taucht
auf und zieht die quietschbunte Zelda hinab ins Erdenreich… Die
kommenden Stunden haben mir eines der bisher besten Zeldaspiele
spendiert. Warum, solltet ihr noch bei mir sein, erfahrt ihr jetzt.
Spielwelt und Dungeons:
Zur Himmelswelt, in der ihr auch am Anfang erwacht, wurde oben schon
einiges gesagt. Hier soll noch erwähnt sein, dass es in eben jenen
Wolken hier und da ein paar fliegende Inseln gibt, auf denen ihr landen
könnt. Kleinere Nebenquests und versteckte Schätze gibt es hier und da
zu finden. Allerdings kein Vergleich zur offenen Welt aus früheren
Teilen, was dem Spielfluß allerdings sehr entgegen kommt.
Positiv überrascht wurde ich dann, als es ins Erdenreich ging, um Zelda
zu finden, dort fängt die erste richtige Quest an und man ist auf dem
Weg zum ersten Dungeon. Die Areale und Wege zu den Dungeons sind
wunderbar durchdacht, super designt und machen schon richtig Spaß. Im
ersten Dungeon angekommen wird noch eine richtige Schippe draufgelegt.
Hier fängt der Spielspaß so richtig an. Hüpfen, Rätseln, Wege finden,
wie man es kennt und noch besser. Selten habe ich mich so auf den
nächsten Dungeon gefreut wie in diesem Spiel. Es wird von einem zum
anderen noch grandioser. Vom: „Ich wusste es doch gleich“ bis zum „Ich
verzweifle gleich an dieser Stelle“ ist im späteren Verlauf alles dabei.
Bravo Nintendo. Das ist erste Sahne. Mittlerweile verzeihe ich sogar
den Einstieg.
Die Wege sind zwar gefühlt linearer als in diversen Vorgängern,
allerdings ist das hier sehr gut integriert. Optisch gibt es ab dem
ersten Dungeon nichts mehr auszusetzen. Man fühlt sich alsbald wieder
wie in einem Zeldaspiel und erfreut sich an altbekannten und neuen
Dingen.
Das absolute Highlight stellen dann die Bosskämpfe dar. Diese sind
wunderbar in Szene gesetzt und bedürfen immer einen bestimmten Taktik.
Freut euch darauf, es wird euch umhauen.
Der Soundtrack:
Hier hatten es schon einige Zeldaableger schwer mich zu überzeugen. Seit
Zelda: Ocarina of Time ist das auch kein Wunder. Aber auch hier hat
mich Skyward Sword dann überrascht. Tolle Orchestermusik, immer passend
zum jeweiligen Areal und zur Situation. Das Beste, was ich in einem
Zelda eben seit OoT zu hören bekam.
Auch altbekannte Soundelemente wie der Jingle beim Öffnen von Kisten sind dabei. Was wäre ein Zelda auch ohne sie?
Sprachausgabe gibt es keine, bis auf das übliche Gemurmel anderer
Charaktere. Einige bemängeln es, ich persönlich finde es gut. Eigentlich
will ich Link gar nicht sprechen hören.
Das Gameplay:
Hier ist anfangs etwas Eingewöhnung gefragt. Die Wii-Motion Plus
Steuerung reagiert ganz anders als noch die normale Steuerung aus
Twilight Princess. Durch die neue Technik ist präziseres Vorgehen
möglich, sogar manchmal unerlässlich. Pures Draufhauen auf Gegner führt
meist nicht mehr zum Erfolg. Das Schwert z.B. macht genau das, was ihr
mit der Wii Fernbedienung macht. Zustechen, horizontale und vertikale
Schläge, mit Kreisbewegungen z.B., könnt ihr die bekannten Augen in der
Wand verwirren. All das macht richtig Spaß und integriert einen selbst
noch besser in dieses Abenteuer. Ansonsten reagiert die Steuerung
zuverlässig und präzise, man kann so weit gehen und sagen: Eine Landung
im Abgrund ist eure Schuld, nicht die Schuld der Steuerung. Springen,
Klettern, Schlagen, Blocken: Alles geht wunderbar leicht von der Hand.
Neu hinzugekommen ist eine nenneswerte Veränderung - RPG Elemente. Ihr
habt z.B. eine Ausdaueranzeige bekommen. Diese lässt euch nur eine
gewisse Zeit rennen oder klettern. Das erfordert zum einen mehr
taktisches Vorgehen auch bei Erkundungen, zum anderen solltet ihr nun
auch Ausdauertränke bei euch haben, um im Falle eines Falles schnell
wieder Ausdauer füllen zu können. Noch mehr RPG Elemente gibt es bei den
Items. Hier kann man ein Standardschild beispielsweise in ein
verstärktes Schild aufrüsten. Hierzu sind dann bestimmte Gegenstände
nötig, die ihr finden oder bei Händlern kaufen könnt.
Items und Gimmicks:
Neben den üblichen Verdächtigen wie Schild, Schwert und Flaschen, gibt
es auch ein paar sehr schöne neue Items zu bestaunen. Da wäre zum
Beispiel eine Art ferngesteuerter Käfer. Mit diesem könnt ihr enge Gänge
erforschen, ihn vorausschicken, um neue Areale erstmal aus sicherer
Entfernung zu betrachten oder auch, um versteckte oder weit entfernte
Schalter zu betätigen. Gesteuert wird dieser per Bewegungssteuerung,
ähnlich wie der Vogel. Gegenstände wie Schilder und Schwerter könnt ihr
aufrüsten. Diese Neuerungen, welche noch lange nicht alle sind, machen
im Gesamtpaket eine Menge Spaß und eröffnen völlig neue Wege.
Fazit:
Positiv:-
Freie Spielwelt außerhalb des Erdreichs
-
Grandioser Soundtrack
-
Logische und teils fordernde Rätsel und Dungeons
-
Klasse Bosskämpfe
-
RPG Elemente
-
Geniales Käfer-Item
-
Nach Eingewöhnung klasse Steuerung
Negativ:-
Grottiges Intro
-
Lähmender, hässlicher Einstieg
-
Die übliche Hilfe-Rette-mich-Story
-
Manchmal kleinere Kameraprobleme