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Leicht geblendet erblickt man das Wasteland und wird zunächst von Dan
Hager gerettet. Er versorgt euch mit einer Pistole und man darf ein
Mutantenlager auslöschen. Zwischen den Kämpfen kann man zunächst mit
einem Quad, später mit verschiedenen Buggys die Örtlichkeiten erforschen
- wobei es nicht viel zu entdecken gibt. Denn Rage ist nicht so offen,
wie man zunächst vermutet. Eigentlich läuft es immer nach Schema F ab:
man holt sich einen Auftrag bei Punkt A, tötet alles bei Punkt B, fährt
zurück zu Punkt A und holt sich den nächsten Auftrag. Ein paar
Sidequests gibt es zum Glück auch noch, aber es ist nie so, dass man
sich vor lauter „Arbeit“ nicht retten kann. Nebenbei kann man noch an
ein paar nette Minispiele wie z.B. das Five Finger Fillet, bei dem man
sich möglichst nicht die Finger abschneiden sollte und ein richtig gut
gelungenes Kartenspiel ausüben. Aber trotzdem ist irgendwie recht wenig
los in der Pandora. Ein Openworldspiel, wie viele angenommen haben, ist
Rage also definitiv nicht! Es ist eher vergleichbar mit Mario64, wo man
eine Hauptwelt hat und von dort die einzelnen Regionen besucht. Die
weiteren „RPG“-Elemente limitieren sich auf das Durchsuchen der Gegend
und dem Zusammenbasteln diverser Objekte – leveln kann man jedenfalls
nicht. Ob es die cleverste Entscheidung war, den Protagonisten das
komplette Spiel lang schweigen zu lassen, darf man anzweifeln. Ok,
immerhin reden die coolsten Videospielhelden wie Mr. Freeman, Mario,
Link, Samus und Kirby auch nicht, aber man hat da auch mehr das Gefühl
Mittelpunkt des Geschehens zu sein. Man weiß auch eigentlich gar nicht,
woher die Hauptfigur die Motivation nimmt, den Leuten zu helfen!?
Gewohnt gute Shooterkost
Wenn es allerdings zur Action kommt, dann aber richtig! Denn die
Shooterabschnitte machen mächtig viel Spaß. Das liegt vor allem an den
teils id-klassichen Waffen wie der Shotgun und dem MG, aber auch neuen
Spielzeugen wie der Armbrust und dem Wingstick (einem
Drei-Klingen-Bumerang). Etwas Abwechslung wird auch durch verschiedene
Munitionstypen erzeugt. Und wer genügend verschiedene Schrott-Teile
gesammelt hat, kann ein Turret oder einen niedlichen Spiderbot
zusammenbauen. Auch überzeugt die KI: Feinde ziehen sich zurück, wenn
sie getroffen wurden, suchen Deckung und versuchen, mit euch mit
Blindfeuer fernzuhalten. Es gibt auch ein paar Endbosse, die aber nicht
wirklich gelungen in Szene gesetzt sind.
Das Healthsystem von Rage ist ein Hybrid aus Medikits (hier Bandagen
genannt) und regenerativen Lebenspunkten. Falls man doch mal draufgehen
sollte, gibt es ein überraschendes Defibrillatorminispiel, in dem man
durch Quicktimeevents den Herzschlag wieder anregen muss. Dieses muss
sich bei Benutzung jedoch immer erst wieder aufladen werden. Falls man
dann noch mal stirbt, geht es an den letzten Checkpoint zurück.
Ziemlich lustig sind die vielen Easter-Eggs, wo sich id mehr oder
weniger selbst feiern und das Mutant Bash TV, eine Art Hordemodus. Neben den Ballerabschnitten gibt es aber auch noch die Buggyrennen.
Diese sind zwar ganz nett anzuschauen, machen kurzzeitig auch sogar
etwas Spaß, spielen sich aber eher wie ein MarioKart. Und da die
Streckenanzahl sehr zu wünschen übrig lässt, hat man den Umfang durch
verschiedene Rennklassen, Zeitrennen, Checkpointraces künstlich
verlängert.
PC-Wurzeln
Rage merkt man an vielen Ecken an, dass die Jungs von id noch nicht viel
Erfahrung haben, was Konsolenspiele angeht. Damit ist nun nicht die
Technik gemeint, viel mehr sind es längst etablierte Standards die nicht
eingehalten werden. Da wären z.B die wenigen bzw. nicht vorhandenen
Checkpoints. Gerade wenn man neue Abschnitte betritt, Aufträge an- oder
abgibt, mit Gegenständen gehandelt hat, geht man davon aus, dass
automatisch gesaved wird. Dem ist bei Rage leider nicht immer so und
dann kann es mal vorkommen, dass man gut eine halbe Stunde umsonst
gezockt hat, wenn man den plötzlichen Tod erleiden musste. Des Weiteren
hat man das Gefühl nur eine unsichtbare Kamera mit magischen Kräften zu
sein. Gerade Mirrors Edge, das kommende Battlefield 3, aber auch Titel
wie Riddick und Condemned haben gezeigt wie wichtig doch eigene Füße
sind. Animationen für die Hände, wie man Leitern hoch oder runter
klettert, wie man Ventile schließt, oder einfach nur Türen öffnet, sucht
man ebenfalls vergebens.
Grafischer Augenschmaus
Id sind schon immer bekannt dafür gewesen, die Videospielwelt vor allem
technisch zu prägen und auch Rage schlägt diesen Weg erneut ein. So
kommt die hauseigene id Tech 5 Engine zum Einsatz, welche mit
sogenannten Megatexturen arbeitet. Wie der Name schon sagt sind hier
also recht große Bilddateien auf mehrere Objekte zum Einsatz,
währenddessen bei anderen Engines eine Textur einem Objekt zugewiesen
ist. Der Vorteil hierbei ist, dass dadurch eine dynamischere Spielewelt
erzeugt wird, wo keine Ecke einer anderen gleicht. Und das Ergebnis ist
unglaublich: jeder Felsen, jeder Stein, jeder Baum, jede Kiste, selbst
jeder Grashalm wurde ganz bewusst platziert. Aufgrund der hohen
Detailverliebtheit hat man somit keinerlei Orientierungsprobleme und
erkennt bekannte Orte sofort wieder. Gerade die imposanten Canyons
lassen ein leichtes Next-Gen-Lüftchen wehen. Aber auch die Innenlevels
wissen optisch zu beeindrucken, da man nicht mit Feinheiten gespart hat.
In Anbetracht der Tatsache, dass das Geschehen ständig mit
butterweichen 60 Bildern die Sekunde über den Bildschirm flimmert,
wirken dagegen gerade andere 60fps Egoshooter wie Quake 3 Engine Relikte
(Achtung Insider :> ). Bei aller Freude über die ästhetische
Pracht, so kann das geschulte Auge leider auch Defizite ausmachen. Zum
einem sehen die Texturen bei näherer Betrachtung hin und wieder etwas
unscharf aus. Und zum anderem laden diese bei jedem Schwenk nach, wobei
zugegeben werden muss, dass das nur auffällt, wenn man gezielt darauf
achtet. Ebenfalls sollte erwähnt werden, dass in Rage sogenanntes
Texturebaking (also durch eine High-Poly-Figur erzeugte Textur, die auf
ein Low-Poly-Modell gespannt wird) massiv zu Einsatz kommt. Das ist an
sich ja kein Nachteil, sondern wird ca. seit Doom 3-Zeiten eigentlich
von jedem größerem Entwickler bei einzelnen Objekten angewandt. Nur bei
Rage wurden quasi die kompletten (!) Level in einer extrem
detailreichen Szenerie vorgerendert. Davon hat man dann eine Megatexture
erzeugt und diese dann wiederum auf eine Low-Poly-Mesh zu
transferieren. So beeindruckend das Ergebnis auch sein mag, aber der
Nachteil hierbei ist, dass es dadurch keine dynamische Beleuchtung gibt.
Soll heißen, dass die Lichtquellen nicht echt sind, es keine richtigen
Schatten auszumachen sind und z.B. Explosionen die Umgebung nicht
erhellen. Aber das ist nur Meckern auf sehr hohem Niveau und unter’m
Strich ist der gesamtvisuelle Eindruck gewaltig.
Die wirklich extrem flüssigen Animationen wissen zu gefallen: vor allem
wie sich Mutanten an Rohren entlang hangeln und über Geländer hüpfen hat
man so noch nicht gesehen. Laut id sollen es pro Gegnertyp 300-400
Animationen, was einfach unglaublich ist, da keinerlei Übergänge zu
erkennen sind. Und wenn man sie während der Bewegung abknallt, fliegen
diese dank Ragdoll korrekt durch die Luft. Auch Mimik und Gestik der
NPCs können voll und ganz überzeugen. Vor allem da diese nicht einfach
wie Zombies in den Raum starren und ihren Text runterspulen, sondern
immer damit beschäftigt sind, den Spieler mit Augen- und Kopfbewegungen
zu verfolgen – ganz große Klasse! (Das letzte Mal als ich das Gefühl
hatte, dass ich wirklich von virtuellen Mitstreitern beachtet werde, war
übrigens in Half Life 2). Soundmäßig liefert man solide Arbeit ab – vor
allem die Knarren haben mächtig viel Druck, so dass der Subwoofer ab
und zu ein Tänzchen ausübt. Musikalisch erzeugt man auch noch etwas
Spannung, hält sich diesbezüglich aber eher im Hintergrund.
Fazit
Der große Wurf ist id mit Rage nicht ganz gelungen. Man hätte die
offenere Welt besser nutzen und einen Story-Spannungsbogen
implementieren müssen. Die Onlinemodi beschränken sich nur auf ein paar einfache Coopmissioen und Buggyrennen - man vermisst klassische Deathmatches. Es ist auch schwierig Rage genremäßig einzuordnen: es ist kein RPG-Shootermischmasch wie Fallout 3 oder Borderlands,
aber auch nicht so begrenzt wie der durchschnittliche Schlauchshooter.
Dennoch machen besonders die Actionabschnitte recht viel Laune. Optisch
zeigt Rage was uns nächste Generation in etwa erwartet. Jetzt steht
erstmal die id Tech 5 Engine und Doom 4 kann kommen.
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