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Vier Jahre ist es nun her, dass auf der QuakeCon der erste Rage-Trailer gezeigt wurde. Damals sorgten die gezeigten Bilder für viele offene Münder. Und auch heute dürften dem ein oder anderem noch die Augen vor lauter grafischer Schönheit herausfallen. Rage’s Story ist in der nahen Zukunft angesetzt: Ein riesiger Asteroid steuert auf die Erde zu und droht alles Leben auszulöschen. Aus Mangel an Alternativen werden lebenserhaltende Archen mit ausgewählten Bürgern tief in der Erde vergraben. Und nun erwacht man aus dem Tiefschlaf und wird ins Geschehen geworfen.


Leicht geblendet erblickt man das Wasteland und wird zunächst von Dan Hager gerettet. Er versorgt euch mit einer Pistole und man darf ein Mutantenlager auslöschen. Zwischen den Kämpfen kann man zunächst mit einem Quad, später mit verschiedenen Buggys die Örtlichkeiten erforschen - wobei es nicht viel zu entdecken gibt. Denn Rage ist nicht so offen, wie man zunächst vermutet. Eigentlich läuft es immer nach Schema F ab: man holt sich einen Auftrag bei Punkt A, tötet alles bei Punkt B, fährt zurück zu Punkt A und holt sich den nächsten Auftrag. Ein paar Sidequests gibt es zum Glück auch noch, aber es ist nie so, dass man sich vor lauter „Arbeit“ nicht retten kann. Nebenbei kann man noch an ein paar nette Minispiele wie z.B. das Five Finger Fillet, bei dem man sich möglichst nicht die Finger abschneiden sollte und ein richtig gut gelungenes Kartenspiel ausüben. Aber trotzdem ist irgendwie recht wenig los in der Pandora. Ein Openworldspiel, wie viele angenommen haben, ist Rage also definitiv nicht! Es ist eher vergleichbar mit Mario64, wo man eine Hauptwelt hat und von dort die einzelnen Regionen besucht. Die weiteren „RPG“-Elemente limitieren sich auf das Durchsuchen der Gegend und dem Zusammenbasteln diverser Objekte – leveln kann man jedenfalls nicht. Ob es die cleverste Entscheidung war, den Protagonisten das komplette Spiel lang schweigen zu lassen, darf man anzweifeln. Ok, immerhin reden die coolsten Videospielhelden wie Mr. Freeman, Mario, Link, Samus und Kirby auch nicht, aber man hat da auch mehr das Gefühl Mittelpunkt des Geschehens zu sein. Man weiß auch eigentlich gar nicht, woher die Hauptfigur die Motivation nimmt, den Leuten zu helfen!?

Gewohnt gute Shooterkost

Wenn es allerdings zur Action kommt, dann aber richtig! Denn die Shooterabschnitte machen mächtig viel Spaß. Das liegt vor allem an den teils id-klassichen Waffen wie der Shotgun und dem MG, aber auch neuen Spielzeugen wie der Armbrust und dem Wingstick (einem Drei-Klingen-Bumerang). Etwas Abwechslung wird auch durch verschiedene Munitionstypen erzeugt. Und wer genügend verschiedene Schrott-Teile gesammelt hat, kann ein Turret oder einen niedlichen Spiderbot zusammenbauen. Auch überzeugt die KI: Feinde ziehen sich zurück, wenn sie getroffen wurden, suchen Deckung und versuchen, mit euch mit Blindfeuer fernzuhalten. Es gibt auch ein paar Endbosse, die aber nicht wirklich gelungen in Szene gesetzt sind.
Das Healthsystem von Rage ist ein Hybrid aus Medikits (hier Bandagen genannt) und regenerativen Lebenspunkten. Falls man doch mal draufgehen sollte, gibt es ein überraschendes Defibrillatorminispiel, in dem man durch Quicktimeevents den Herzschlag wieder anregen muss. Dieses muss sich bei Benutzung jedoch immer erst wieder aufladen werden. Falls man dann noch mal stirbt, geht es an den letzten Checkpoint zurück.
Ziemlich lustig sind die vielen Easter-Eggs, wo sich id mehr oder weniger selbst feiern und das Mutant Bash TV, eine Art Hordemodus. Neben den Ballerabschnitten gibt es aber auch noch die Buggyrennen. Diese sind zwar ganz nett anzuschauen, machen kurzzeitig auch sogar etwas Spaß, spielen sich aber eher wie ein MarioKart. Und da die Streckenanzahl sehr zu wünschen übrig lässt, hat man den Umfang durch verschiedene Rennklassen, Zeitrennen, Checkpointraces künstlich verlängert.

PC-Wurzeln

Rage merkt man an vielen Ecken an, dass die Jungs von id noch nicht viel Erfahrung haben, was Konsolenspiele angeht. Damit ist nun nicht die Technik gemeint, viel mehr sind es längst etablierte Standards die nicht eingehalten werden. Da wären z.B die wenigen bzw. nicht vorhandenen Checkpoints. Gerade wenn man neue Abschnitte betritt, Aufträge an- oder abgibt, mit Gegenständen gehandelt hat, geht man davon aus, dass automatisch gesaved wird. Dem ist bei Rage leider nicht immer so und dann kann es mal vorkommen, dass man gut eine halbe Stunde umsonst gezockt hat, wenn man den plötzlichen Tod erleiden musste. Des Weiteren hat man das Gefühl nur eine unsichtbare Kamera mit magischen Kräften zu sein. Gerade Mirrors Edge, das kommende Battlefield 3, aber auch Titel wie Riddick und Condemned haben gezeigt wie wichtig doch eigene Füße sind. Animationen für die Hände, wie man Leitern hoch oder runter klettert, wie man Ventile schließt, oder einfach nur Türen öffnet, sucht man ebenfalls vergebens.

Grafischer Augenschmaus

Id sind schon immer bekannt dafür gewesen, die Videospielwelt vor allem technisch zu prägen und auch Rage schlägt diesen Weg erneut ein. So kommt die hauseigene id Tech 5 Engine zum Einsatz, welche mit sogenannten Megatexturen arbeitet. Wie der Name schon sagt sind hier also recht große Bilddateien auf mehrere Objekte zum Einsatz, währenddessen bei anderen Engines eine Textur einem Objekt zugewiesen ist. Der Vorteil hierbei ist, dass dadurch eine dynamischere Spielewelt erzeugt wird, wo keine Ecke einer anderen gleicht. Und das Ergebnis ist unglaublich: jeder Felsen, jeder Stein, jeder Baum, jede Kiste, selbst jeder Grashalm wurde ganz bewusst platziert. Aufgrund der hohen Detailverliebtheit hat man somit keinerlei Orientierungsprobleme und erkennt bekannte Orte sofort wieder. Gerade die imposanten Canyons lassen ein leichtes Next-Gen-Lüftchen wehen. Aber auch die Innenlevels wissen optisch zu beeindrucken, da man nicht mit Feinheiten gespart hat. In Anbetracht der Tatsache, dass das Geschehen ständig mit butterweichen 60 Bildern die Sekunde über den Bildschirm flimmert, wirken dagegen gerade andere 60fps Egoshooter wie Quake 3 Engine Relikte (Achtung Insider :> ). Bei aller Freude über die ästhetische Pracht, so kann das geschulte Auge leider auch Defizite ausmachen. Zum einem sehen die Texturen bei näherer Betrachtung hin und wieder etwas unscharf aus. Und zum anderem laden diese bei jedem Schwenk nach, wobei zugegeben werden muss, dass das nur auffällt, wenn man gezielt darauf achtet. Ebenfalls sollte erwähnt werden, dass in Rage sogenanntes Texturebaking (also durch eine High-Poly-Figur erzeugte Textur, die auf ein Low-Poly-Modell gespannt wird) massiv zu Einsatz kommt. Das ist an sich ja kein Nachteil, sondern wird ca. seit Doom 3-Zeiten eigentlich von jedem größerem Entwickler bei einzelnen Objekten angewandt. Nur bei Rage wurden quasi die kompletten (!) Level in einer extrem detailreichen Szenerie vorgerendert. Davon hat man dann eine Megatexture erzeugt und diese dann wiederum auf eine Low-Poly-Mesh zu transferieren. So beeindruckend das Ergebnis auch sein mag, aber der Nachteil hierbei ist, dass es dadurch keine dynamische Beleuchtung gibt. Soll heißen, dass die Lichtquellen nicht echt sind, es keine richtigen Schatten auszumachen sind und z.B. Explosionen die Umgebung nicht erhellen. Aber das ist nur Meckern auf sehr hohem Niveau und unter’m Strich ist der gesamtvisuelle Eindruck gewaltig.
Die wirklich extrem flüssigen Animationen wissen zu gefallen: vor allem wie sich Mutanten an Rohren entlang hangeln und über Geländer hüpfen hat man so noch nicht gesehen. Laut id sollen es pro Gegnertyp 300-400 Animationen, was einfach unglaublich ist, da keinerlei Übergänge zu erkennen sind. Und wenn man sie während der Bewegung abknallt, fliegen diese dank Ragdoll korrekt durch die Luft. Auch Mimik und Gestik der NPCs können voll und ganz überzeugen. Vor allem da diese nicht einfach wie Zombies in den Raum starren und ihren Text runterspulen, sondern immer damit beschäftigt sind, den Spieler mit Augen- und Kopfbewegungen zu verfolgen – ganz große Klasse! (Das letzte Mal als ich das Gefühl hatte, dass ich wirklich von virtuellen Mitstreitern beachtet werde, war übrigens in Half Life 2). Soundmäßig liefert man solide Arbeit ab – vor allem die Knarren haben mächtig viel Druck, so dass der Subwoofer ab und zu ein Tänzchen ausübt. Musikalisch erzeugt man auch noch etwas Spannung, hält sich diesbezüglich aber eher im Hintergrund.

Fazit

Der große Wurf ist id mit Rage nicht ganz gelungen. Man hätte die offenere Welt besser nutzen und einen Story-Spannungsbogen implementieren müssen. Die Onlinemodi beschränken sich nur auf ein paar einfache Coopmissioen und Buggyrennen - man vermisst klassische Deathmatches. Es ist auch schwierig Rage genremäßig einzuordnen: es ist kein RPG-Shootermischmasch wie Fallout 3 oder Borderlands, aber auch nicht so begrenzt wie der durchschnittliche Schlauchshooter. Dennoch machen besonders die Actionabschnitte recht viel Laune. Optisch zeigt Rage was uns nächste Generation in etwa erwartet. Jetzt steht erstmal die id Tech 5 Engine und Doom 4 kann kommen.


Bewertung
Gameplay : 80% Sound : 85% Grafik : 95% Steuerung : 90% Multiplayer : 80%
Gesamt-Bewertung


Erstellt am : 21.10.2011      Autor : Robert Schmidt          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
GAME-FACTS
Publisher : Bethesda Softworks
Entwickler : ID Soft
Release : 07.10.2011

Genre : Ego Shooter
Player : 1-16
USK Einstufung

keine Jugendfreigabe
Homepage
rage.com/
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
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Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
Titel : Rage      Publisher : Bethesda Softworks      Release : 07.10.2011
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