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Story
Allzu viel Story-Einbettung bekommt man zu Beginn von Dark Souls nicht
geboten. Zunächst einmal erstellt ihr einen Charakter und wählt eine von
zehn Klassen – zur Verfügung stehen beispielsweise Ritter, Pyromane und
Bettler, die sich, ganz RPG-typisch, hinsichtlich ihrer Attribute und
Ausrüstung unterscheiden (wobei der Bettler gerade durch Abwesenheit
einer solchen hervorsticht). Weiterhin entscheidet ihr euch für eine
sogenannte „Gabe“, einen Gegenstand, der euch das ganze Spiel über
begleitet. Ich habe den Generalschlüssel gewählt, mit dem sich in
Verliesen sämtliche Türen öffnen und so zusätzliche Items (und Gegner)
finden lassen – wie praktisch!
Mit dieser mageren Ausrüstung startet ihr ins Abenteuer, welches mit
einem atmosphärischen aber vagen Video eingeleitet wird. Es berichtet
von einer tristen, harten Welt, regiert von Drachen und anderen
Ungetümen, welchen sich eines Tages aus dem Feuer auferstandene,
heroische Krieger entgegenstellten und die Drachen niederrangen. Der
Beginn des Zeitalters des Feuers, in dem Menschen auf Erden wandelten.
Doch das Feuer erlosch über die Jahre, bis nur noch eine Glut
zurückblieb und zunehmend Finsternis herrschte, in der einst Lebende als
nun untote Hüllen umherwandeln.
Eine dieser Hüllen seid ihr und so startet ihr als Untoter in einem
dunklen Verlies. Auf euren ersten Metern erhaltet ihr eine knappe
Einführung in die Steuerung, die verschiedenen Angriffsmöglichkeiten mit
eurer Waffe, die Abwehr mit dem Schild, Ausweichschritte und -sprünge.
Ihr erledigt erste, noch recht problemlose Gegner, bis ihr einen Hof
betretet, in dem niemand Geringeres als der haushohe Asyl-Dämon auf euch
wartet. Dieser zermalmt euch, sucht ihr nicht schnell genug das Weite,
innerhalb von Sekunden. Blöd nur, dass ihr ihm trotz erfolgreicher
Flucht schon wenig später erneut gegenüber steht, dieses Mal zum Glück
mit einem brauchbaren Schwert ausgestattet und bereit zum Angriff. Der
Asyl-Dämon lässt erahnen, mit welchen Ausmaßen in puncto Schwierigkeit
und Gegner-Dimensionen ihr es in Dark Souls zu tun bekommt – und das
nach gerade einmal 10 Minuten. Habt ihr den Klotz besiegt, macht ihr
euch auf ins Land Lordran, der eigentlichen Spielwelt. Diese ist als
Open-World gestaltet – wo es lang geht, müsst ihr selbst herausfinden,
Grenzen sind euch allein durch euren Forscherdrang und die Gegner auf
dem Weg gesetzt. Ihr findet schnell, und auf die harte Tour, heraus,
welche Pfade ihr schon mit niedrigem Level beschreiten könnt und welche
ihr zu einem späteren Zeitpunkt im Spiel noch einmal aufsuchen solltet.
Eine lineare Story und Quests im herkömmlichen Sinne gibt es in Dark
Souls nicht – jedoch löst ihr durch bestimmte Handlungen Veränderungen
in der Welt aus, erhaltet durch wichtige Items Zugang zu unbekannten
Arealen oder trefft neue, mysteriöse Charaktere, die euch relevante
Hinweise geben. Allzu viel soll hier nicht verraten werden und auch ich
selbst habe noch längst nicht alle Orte erkunden können – mich
persönlich hat der Forscherdrang bisher jedoch noch in keinster Weise
verlassen.
Gameplay
Also...auf ins Getümmel. Eure einzige Zuflucht auf der Reise sind die
Leuchtfeuer, an denen ihr wieder zu Kräften kommen, aufleveln und eure
Heiltränke erneuern könnt. Einziger Haken – nehmt ihr diesen Service in
Anspruch, erstehen automatisch alle zuvor erlegten Gegner wieder auf. Es
gilt also jederzeit abzuwägen, ob ihr zwischenzeitlich zum Leuchtfeuer
zurückkehren und so die bisher gesammelten Seelen, die Universal-Währung
in Dark Souls, in wertvolle Level-Ups umwandeln oder den Weg noch ein
Stück weiter beschreiten wollt. Sterbt ihr, bleiben die bis dahin
gesammelten Seelen am Ort eures Todes zurück und ihr könnt sie beim
nächsten Versuch wieder einsammeln – sterbt ihr dabei erneut, sind sie
für immer verloren. Ein unglaublich cleveres Spielkonzept, das euch
durchgehend bei der Stange und euren Adrenalin-Level oben hält.
Der Tod, darauf habe ich mich schnell eingestellt, ist mein ständiger
Begleiter. Das Konzept des Sterbens ist in Dark Souls ein gänzlich
anderes als in anderen Spielen. Ihr begebt euch in einen ständigen
Trial-and-Error-Prozess und durchlauft einzelne Stellen immer und immer
wieder – analysiert die Gegner, die sich euch in den Weg stellen,
beobachtet ihre Bewegungen, versucht den richtigen Zeitpunkt zu
erkennen, um eure eigene Deckung zu öffnen und den entscheidenden
Schwerthieb auszuteilen. Das klappt beim ersten Mal nicht, beim zweiten
auch nicht, manchmal gelingt es beim dritten, nicht selten auch landet
ihr jenseits der 10 Versuche. Der Tod wird zur Normalität und steht euch
als Lehrmeister zur Seite. Das wirklich Bemerkenswerte dabei ist, dass
die Tode euch nicht frustrieren. Da sie aus eurer eigenen Unfähigkeit
oder eurem Übermut resultieren, seid ihr selbst für euer Ableben
verantwortlich und motiviert, es beim nächsten Versuch besser und
bedachter anzugehen. Belohnt werdet ihr letztlich durch das unglaublich
befriedigende Gefühl, einen fast übermächtigen Gegner nach unzähligen
Toden schließlich doch noch in die Knie gezwungen zu haben.
Das Kampfsystem ist dabei sehr ausgewogen, leicht zu lernen und schwer
zu meistern. Je nach Waffentyp stehen euch verschiedene Angriffe zur
Verfügung, von leichten über schwere hin zu Sprungangriffen. Je nach
Veranlagung zusätzlich Zauber oder Pfeil und Bogen. Mutige machen zudem
vom Konter Gebrauch, der perfektes Timing erfordert und schweren Schaden
beim Gegner anrichtet, jedoch zugleich eure Deckung öffnet. Das
Schwierige am Kampfsystem, und so sollte es auch sein, sind die zähen
und cleveren Gegner. Nicht nur einmal bin ich durch Gegner gestorben,
die ich schon zig Mal zuvor erledigt habe – aus reiner Sorglosigkeit.
Eine unbedachte, voreilige Bewegung und selbst die vermeintlich
harmlosesten Gegner können euch schmerzhafte Schäden zufügen.
Unachtsamkeit wird sofort bestraft. Die Gegner unterscheiden sich
deutlich hinsichtlich ihrer Kampftaktik und jeder Gegner-Typ gilt genau
wie das entsprechende Kampfareal, dessen Gegenbenheiten ihr euch zunütze
machen könnt, analysiert zu werden. Während einige Gegner euch mit
massiven Rüstungen und riesigen Schwertern quasi überrennen, verschanzen
andere sich hinter ihren Schilden und es liegt an euch, sie zu einer
Unachtsamkeit zu zwingen. Wiederum andere fügen euch mit ihren Angriffen
zunehmend Vergiftungen hinzu oder verfluchen euch und von den Bossen
will ich hier gar nicht erst anfangen. Fakt ist: Der Kampf ist das
Herzstück von Dark Souls und er wird nie langweilig.
Technik, Design & Sound
Mal ganz abseits des Gameplays hat Dark Souls bei mir vor allem mit
seiner finsteren Welt und der packenden Atmosphäre gepunktet. Dark Souls
ist unglaublich imposant und schon auf euren ersten Metern bekommt ihr
Anblicke serviert, die euch immer wieder für einen Moment ruhen und
Landschaft und Architektur genießen lassen. Die Gegner, insbesondere
Bosse, sind sehr schön designed und inszeniert, auch wenn es manchmal
ein wenig an Detailreichtum mangelt. Auch Clipping-Fehler und hölzerne
Animationen fallen ins Auge. Beeindruckend hingegen ist das Ausmaß
Lordrans, welches unzählige Wege, Höhlen, Burgen etc. zur Erkundung
bereitstellt und mindestens ebenso viele Gefahren. Dabei werdet ihr zu
keiner Zeit von Ladezeiten oder Levelübergängen gestört. Die Musik ist
rar und spielt zumeist unauffällig im Hintergrund, ist dabei jedoch
jederzeit der Atmosphäre dienlich. Ein großer technischer Makel von Dark
Souls, und der fällt leider immer mal wieder ins Auge, ist die zum Teil
deutlich einbrechende Framerate. Gerade bei größeren Gegnermassen geht
die Bildrate deutlich in die Knie, was durchaus störend sein kann. Davon
abgesehen ist Dark Souls grafisch ein Augenschmaus, der vielleicht
nicht den ganz großen Technik-Königen dieser Generation das Wasser
reichen kann und im Detail durchaus Schwächen aufweist, doch mit einem
stimmigen Gesamtpaket überzeugt.
Multiplayer
Auch was den Multiplayer-Part betrifft, bewegt sich Dark Souls abseits
der heutzutage üblichen Normen. Statt in einem Koop-Modus begegnet ihr
anderen Mitspielern zumeist indirekt in Form von vagen Tipps und
Hinweisen, die diese für euch hinterlassen. Sie weisen euch so etwa auf
einen besonders gefährlichen Gegner um die nächste Ecke oder ein
verstecktes Item hin. Berührt ihr einen Blutfleck, so könnt ihr das
Ableben eines virtuellen Mitstreiters beobachten und so verhindern, in
dieselbe Falle zu tappen. An bestimmten Stellen könnt ihr andere
Mitspieler zuhilfe rufen, damit sie euch bei der Bekämpfung eines
Bossgegners unterstützen. Ist euch weniger harmonisch zumute, könnt ihr
in andere Spielwelten eindringen und andere Spieler niederringen,
wodurch ihr Menschlichkeit, ein wertvolles Item, erntet. Doch ungesühnt
bleibt eine solche Tat meist nicht...
Negatives
Was man Dark Souls neben der teils etwas enttäuschenden Technik
ankreiden könnte, das ist, wer hätt's gedacht, natürlich der
Schwierigkeitsgrad. Dass das Spiel schwer ist, dürfte man dem Test
entnommen haben, ist aber okay und gewollt. Jedoch gibt es gelegentlich
auch Stellen im Spiel, an denen ihr von einem Gegner aus dem Hinterhalt
niedergestreckt werdet oder in eine Falle tappt, die ihr gar nicht habt
kommen sehen können. Diese Tode, auf die ihr, im Gegensatz zu den zig
anderen, keinen Einfluss habt, können durchaus frusten, erhöhen
andererseits aber die Spannung und unterstreichen die Gnadenlosigkeit
der Welt, in der ihr euch bewegt.
Fazit
Dark Souls ist die Anti-These zur aktuellen Entwicklung von
Videospielen. Wo andere Spiele immer mehr Hilfe bieten, euch mit Tipps
überschütten und euer Versagen zur Frustreduzierung möglichst
unwahrscheinlich machen, tut Dark Souls das genaue Gegenteil und lässt
euch von einem Tod zum nächsten wandern. Sicher kein Spiel für
jedermann, nicht nur wegen des Schwierigkeitsgrades, sondern auch wegen
des Spielkonzepts, das vielleicht nicht bei jedem für Motivation sorgt.
Doch zweifelsohne ist Dark Souls ein außergewöhnliches Spiel, das euch
mit seiner mysteriösen, unnahbaren und tödlichen Welt unzählige Stunden
an den Bildschirm fesseln kann – vorausgesetzt, ihr seid bereit zu
sterben.
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