Crysis war mit 3 Millionen verkaufter Einheiten nicht nur ein kommerziell sehr erfolgreiches Spiel, sondern galt bis vor einigen Monaten sogar als plattformübergreifende Grafik-Referenz. Mit Crysis 2 fand die beliebte Shooter-Reihe vergangene Woche auch endlich den Weg auf die heimischen Konsolen. Wir zeigen euch, ob auch der zweite Teil wieder Maßstäbe setzen kann.
Crysis 2 spielt im New York des Jahres 2024. Die Welt wird von Außerirdischen heimgesucht und ihr schlüpft in die Rolle des Marine-Soldaten Alcatraz. Durch Zufall gelangt er in den mächtigen Nano Suit und muss von da an gegen die Alien-Invasion ankämpfen. Die Story entspricht also einem typischen Action-Blockbuster made in Hollywood. Sie wird rasant erzählt und ist natürlich auch entsprechend actionreich gestaltet worden, leider sind bleiben die meisten Charaktere eher blass und dadurch, dass der eigene Charakter mal wieder keine Stimme verpasst bekam, wird der Eindruck ebenfalls etwas getrübt.
In meinem Test zu Killzone 3 habe ich mich kürzlich darüber beschwert, dass es dem Shooter-Genre an Innovationen mangelt. Der Großteil dieses Genres läuft immer nach dem gleichen Prinzip ab, man rennt durch unzählige Schlauchlevels, ballert einen Gegner nach dem anderen ab und macht vielleicht auch mal Gebrauch von einem (schwer) bewaffneten Fahrzeug. Bei Crysis 2 ist dies zum Glück nicht der Fall. Klar, auch hier läuft vieles Genre-typisch ab, aber durch den Nano Suit 2.0 gelingt es Crytek, die Spielmechanik wesentlich interessanter zu gestalten. Durch den besagten Anzug kann der Spieler nämlich nicht nur schneller rennen oder höher springen, sondern auch einen Tarn- und Panzerungs-Modus aktivieren. Das taktische Visier gibt dem Spieler einen Überblick über das Schlachtfeld und versorgt ihn mit Lösungsvorschlägen für den Kampfeinsatz. Im späteren Spielverlauf könnt ihr eurem Anzug zudem auch einige nette Upgrades und neue Moves verpassen. Durch diese Features bekommt der Spieler jede Menge taktischen und spielerischen Freiraum und man kann sich somit frei entscheiden, ob man nach dem Rambo-Prinzip vorgeht oder sich in Solid Snake-Manier an die Gegner heranschleicht. Egal, wie ihr euch entscheidet, die Gegner machen es euch dank einer sehr guten KI alles andere als leicht. Sie dienen hier nicht als Kanonenfutter, sondern agieren größtenteils sehr intelligent, schleichen sich von hinten an oder verwickeln euch in einen Hinterhalt. Ganz fehlerfrei ist die KI jedoch nicht, denn der Eindruck wird gelegentlich von unnötigen Aussetzern getrübt. So kann es auch vorkommen, dass ein Gegner ununterbrochen gegen eine Wand läuft oder sich mit einem Granatenwerfer selbst in die Luft jagt. Trotzdem verlangt das Spiel euch selbst auf dem einfachsten (von vier) Schwierigkeitsgraden so einiges ab. Speziell die Bosskämpfe sind richtig knackig und erfordern taktisches Vorgehen. In Zeiten, in denen man Shooter wie Homefront oder Modern Warfare in rund 4-5 Stunden beenden kann, ist Crysis 2 mit einer Spiellänge von 10 bis 12 Stunden eine mehr als willkommene Abwechslung. Zumal die Kampagne kinoreif in Szene gesetzt wurde und nahezu keine Längen besitzt, was unter anderem auch dem hervorragenden Leveldesign zu verdanken ist. Obwohl Crysis 2 eigentlich ausschließlich in New York spielt, sind die Schauplätze sehr abwechslungsreich ausgesucht worden. Ihr kämpft euch durch Hochhäuser, U-Bahn-Stationen, Parks oder auch Häfen. Es handelt sich hierbei zwar nicht um eine offene Spielwelt, aufgrund der großen Areale und teils auch alternativen Wege wird dem Spieler aber ein ähnliches Gefühl vermittelt. Außerdem wirken die Areale sehr lebendig, man kann nahezu alle möglichen Objekte aufheben bzw. technische Objekte (wie z.B. Cola Automat, Monitor oder Mikroskop) auch einschalten und die Entwickler haben Fahrzeugschlüssel und Souvenirs in den Levels versteckt, die vom Spieler gesucht werden müssen. Bedauerlich ist, dass die Zivilisten im Spiel unseren Protagonisten größtenteils völlig ignorieren, es wäre toll gewesen, wenn Crytek diese etwas mehr ins Spiel eingebunden hätte, so wäre die drohende Alieninvasion wesentlich besser rübergekommen. Im Kampf steht dem Spieler natürlich auch ein umfangreiches Waffenarsenal zur Verfügung. Egal ob Pistole, MG, Scharfschützengewehr, Schrotflinte oder auch Raketenwerfer, in Crysis 2 ist so ziemlich alles enthalten. Die Waffen können sogar aufgerüstet werden, indem man das Visier wechselt oder den Geschossen einen Schalldämpfer verpasst.
Im Gegensatz zu Spielen wie Battlefield, Homefront oder Call of Duty liegt der Schwerpunkt bei Crysis 2 eindeutig auf der sehr umfangreichen Singleplayerkampagne. Trotzdem hat es Crytek sich nicht nehmen lassen, dem Spiel einen spaßigen Mehrspieler-Modus zu verpassen. Die Qualität eines Bad Company 2 oder Modern Warfare wird hier natürlich niemals erreicht, aber für eine actionreiche Runde für zwischendurch eignet sich Crysis 2 dennoch bestens. Vor allem auch deshalb, weil die Spielmodi etwas Neues bieten und man mit steigender Stufe immer bessere Waffen und Ausrüstung freischaltet, was unglaublich motiviert. Schade ist jedoch, dass Crysis 2 lediglich Multiplayerpartien für 12 Spieler ermöglicht. Heutzutage sind schließlich 32 Spieler fast schon Standard.
Kommen wir zu dem Punkt, der euch vermutlich mit Abstand am meisten interessieren wird: Der Grafik. Im Vorfeld haben sich ja einige PC-Spieler darüber aufgeregt, dass der Titel zu sehr auf die Heimkonsolen angepasst sei und die grafische Qualität darunter leiden müsste. Dies ist aber nicht der Fall, denn Crysis 2 setzt sowohl auf den Konsolen, als auch auf dem heimischen Computer neue Maßstäbe. Speziell was die Texturen, die Schattierung und die Lichteffekte betrifft, gibt es momentan keinen hübscheren Shooter. Auch die Physik-Engine weiß zu gefallen und dank der bereits erwähnten, sehr bombastischen Inszenierung sorgt Crysis 2 für eine echte Blockbuster-Atmosphäre. Während die PC-User die grafisch beste Fassung genießen dürfen, müssen sich die Konsolenspieler mit leichten Framerateeinbrüchen und Pop-Ups abfinden. Trotzdem sieht das Spiel, vor allem für Konsolen-Verhältnisse, einfach phänomenal aus und man hat oft das Gefühl, dass man dieses Spiel auf einem Highend-Rechner spielt. Crysis 2 ist aber auch ein Genuss für die Ohren. Zum einen, weil der Soundtrack, für den sich unter anderem Hans Zimmer verantwortlich zeichnet, großartig ist und zum anderen, weil die Soundeffekte eure Anlage so richtig beanspruchen. Hier steckt ordentlich Wucht dahinter!
Fazit: Das deutsche Entwicklerstudio Crytek beschert uns mit Crysis 2 einen der besten Shooter des Jahres. Das Spiel sieht nicht nur phänomenal aus, sondern besitzt auch eine super durchdesignte Singleplayer-Kampagne, deren Länge endlich mal wieder die 10-Stunden-Marke durchbricht. Der Nano-Suit 2.0 sorgt für einen spielerischen Freiraum, der Mehrspielermodus macht ebenfalls sehr viel Spaß und die kinoreife Inszenierung gepaart mit der tollen musikalischen Begleitung runden den sehr positiven Gesamteindruck ab. Kurz gesagt: Crysis 2 ist ein Muss für Action-Fans!