Fakt ist wohl, dass am Anfang keiner so recht an den Erfolg dieser Art der Steuerung glauben wollte, doch nach den Verkaufszahlen, die Nintendo bis heute vorweisen kann, mussten wohl beide Mitbewerber einräumen, den Markt falsch bewertet zu haben.
Während Microsoft in ein paar Wochen erstmal die Casual Gamer mit ihrer neuen Bewegungssteuerung Kinect infiltrieren möchte, geht Sony die Zielgruppen auf jeden Fall breitgefächerter an. Ob einer der beiden Angreifer Nintendo jedoch gefährlich werden kann, bleibt abzuwarten.
Widmen wir uns nun der neuen Steuerung aus dem Hause Sony, welche ab nächster Woche unter dem Label „PlayStation Move“ in den Regalen auf die Liebhaber der Bewegung vor dem TV warten wird. Es ist ja nicht so, dass die PlayStation-Gruppe nicht schon mit Bewegungssteuerung gearbeitet hätte. Erste Versuche den Gamer ohne Controller auskommen zu lassen, gab es durchaus ja schon vor dem Erscheinen der Wii.
Hardware & Technik
Auf der PlayStation 2 durfte man sich schon unter dem Label EyeToy mit Minispielchen ohne Controller amüsieren. Dabei kam schon damals eine Kamera zum Einsatz, die auch heute in verbesserter, hochauflösender Form mit Move wieder Verwendung findet. Die Probleme mit einer Steuerung die nur auf einer Bilderfassung beruhen, sind meistens in den Eigenheiten der Umgebung zu suchen. Für EyeToy beispielsweise konnte es meistens gar nicht hell genug sein, damit die Erfassung der Extremitäten eines Spielers funktionierte. Ein Umstand, den man bei PlayStation Move ausräumen musste. Außerdem wird bei Move die Bewegung im Raum erfasst, dieses konnte EyeToy natürlich gar nicht leisten.
Basierend auf der Erfahrung, die man bereits mit EyeToy gesammelt hatte, ging man nun an die Entwicklung dieser neuen Steuerung. Um die korrekte Positionserfassung im Raum zu gewährleisten, musste Sony mit einer konkreten Bezugsgröße arbeiten, die wir nun als bunte Kugel am Move-Motion-Controller sehen. Die Kugelform erweise sich auch als einzige zulässige Form, mit der man zu solchen präzisen Ergebnissen kam. In Kombination mit den gyroskopischen Sensoren, die zum einem die Dynamik einer Bewegung, zum anderen die relative Positionierung (Lage des Controllers) erfassen, ergibt sich nun ein sehr genaues virtuelles Abbild des Controllers im freien Raum.
Aufgrund des farbliches Kontrastes ist die neue PlayStation Kamera nun bei fast allen Bedingungen in der Lage den Controller präzise zu erfassen. Einzig bei starker direkter Sonneneinstrahlung kann es schon mal zu Beeinträchtigungen kommen.
Ansonsten erwies sich der Move-Motion Controller in jeder Situation als ein schnelles und sehr genaues Steuerungselement. Ergänzt wird dieser Controller durch den Move-Navigation-Controller, der quasi den linken Teil des PlayStation Controllers in einer handgerechten Form abbildet. Das Schöne dabei ist, dass die Controller ohne ein störendes Kabel zwischen den Einheiten auskommen. Weiterhin lobenswert ist die Integration von hochwertigen Akkus, die einen langen Spielspaß garantieren.
Obwohl die Kamera deutlich hochwertiger ist als noch beim EyeToy-Vorgänger, müssen auch hier die Lichtverhältnisse sehr gut sein, um ein rauschfreies Abbild seiner selbst auf den Bildschirm zu zaubern. Eine dunkle Umgebung stört zwar nie die Steuerung des Move-Motion Controllers, doch in Spielen wie „Start the Party“ oder „EyePet Move Edition“, in denen man selbst ein Teil des Bildes wird, sollte das Bild auch gestochen scharf wiedergegeben werden. Leider ist das nur bei guter Beleuchtung der Fall. Die Kamera könnte hier ruhig etwas lichtstärker sein.
Komplettiert wird das Duo nun mit einer passenden Ladestation. Man kann jede Hardware einzeln erwerben, doch wer noch keine Kamera sein Eigen nennt, sollte das PlayStation Move Starter Paket zum Erwerb in Betracht ziehen, weil die Kombination aus Kamera, Move-Motion-Controller und Move Starter Disk eine günstigere Basis zum Einzelerwerb der Komponenten bildet.
Wirklich preiswert wird der Spaß allerdings nicht. Ich rate im Moment dazu, eher einen zweiten Move-Motion Controller zu kaufen, bevor ihr Geld in den Move-Navigationscontroller investiert. Die Spiele im Start Line-Up unterstützen den Navigations Controller im Moment eh nicht. Außerdem kann man anstatt des Navigations Controller auch alternativ den normalen PlayStation Controller benutzen.
Trotzdem ist natürlich früher oder später der Einsatz des Navigations Controllers dem des normalen PlayStation Controller vorzuziehen. Allein, weil dieser handlicher und leichter ist.
Hier mal eine Auflistung der Hardware und Spiele, die in nächster Zeit erscheinen:
Titel
| Entwickler | Genre
| Release | USK | Preis in €
|
| PlayStation®Move-Motion-Controller | Sony PlayStation | Hardware | 15.09.2010 | o.A. | 40,95 |
| PlayStation®Move-Navigationscontroller | Sony PlayStation | Hardware | 15.09.2010 | o.A. | 30,95 |
| PlayStation®Move-Starter-Paket | Sony PlayStation | Hardware | 15.09.2010 | o.A. | 64,95 |
| PlayStation®Move-Ladestation | Sony PlayStation | Hardware | 15.09.2010 | o.A. | 30,95 |
| Start the Party! | London Studio | Party | 15.09.2010 | o.A. | 40,95 |
| Kung Fu Rider | Japan Studio | Action | 15.09.2010 | ab 12
| 40,95 |
| EyePet: Move Edition | London Studio | Family | 15.09.2010 | o.A. | 30,95 |
| Sports Champions | Zindagi Games | Sport | 15.09.2010 | ab 6
| 40,95 |
| PlayStation®Move-Pistolenaufsatz | Sony PlayStation | Hardware | Oktober 2010
| o.A. | 15,95 |
| Heavy Rain: Move Edition | Quantic Dream | Adventure
| Oktober 2010 | ab 16
| 40,95 |
| The Shoot | Cohort Studios | Arcade | Oktober 2010 | ab 12
| 40,95 |
Kommen wir nun zur Software, die die Hardware verkaufen soll. Obwohl Sony mehrere Hardcore Games in der Entwicklung hat, geht es zum Move Launch doch eher "casual" zu. Wie auf der Move Starter Disk zu erkennen ist, will Sony dem Kunden die Steuerung wohl eher mit Sport, Geschicklichkeits- und Party-Games zugänglich machen. Ein Konzept, das auch Nintendo bisher konsequent verfolgt hat.
Doch Sony will mehr. In Kürze werden auch Hardcore Games wie Killzone 3 und das neuste Socom Abenteuer dieser Steuerung Rechnung tragen. Einige Spiele wie z.B. Heavy Rain oder EyePet erhalten einen Patch, um die neue Steuerung zu adaptieren.
Doch widmen wir uns den Line-Up Titeln, die Ihr im übrigen alle auf der Move Starter Disc kostenlos antesten könnt.
Frei nach dem Motto, das was Nintendo kann, können wir auch, nur noch besser ... beginnt man sein Line-Up erst mal mit einem Sport-Spiel zu bestücken.
In „Sports Champions“ wird euer Talent in Frisbee Golf, Schwertkampf, Bogenschießen, Volleyball, Boccia oder Tischtennis unter Beweis gestellt. Die Sportarten können oftmals mit 2 Move-Motions-Controllern gleichzeitig gespielt werden. So hält man beispielsweise beim Schwertkampf in der anderen Hand das Schild, welches zur Abwehr von Gegenattacken genau positioniert werden kann.
Die angebotenen Sportarten sind teilweise ganz schön knifflig und werden von Stufe zu Stufe deutlich schwieriger. Die Steuerung mittels Move-Motion-Contoller ist eigentlich intuitiv. Der Spieler braucht im Prinzip immer nur 2 Tasten. Den Move Button auf der Oberseite des Controllers oder die T-Taste, ein fast abzugartiger Schalter auf der Unterseite des Controllers. Die Präzision, mit der eure Bewegung erfasst wird, ist verblüffend. Da legt Sony die Messlatte auf jeden Fall ein ganz schönes Stück höher als Nintendo es zurzeit vermag. Selbst im direkten Vergleich mit der Wii Motion Plus Erweiterung liegt Sony dort deutlich vor BigN. Eine kleine Verzögerung bei der Umsetzung der Signale ist zwar erkennbar, stört den Spielablauf allerdings nicht.
Festzuhalten ist, dass die teilweise nicht alltäglichen Sportarten durch die Bank gut funktionieren und vor allem direkt Spaß machen. Endlich ist mit Move auch die Motionsteuerung im HD Universum mit zeitgemäßer Grafik und einem guten Handling gelandet.
Ein weiteres Game, welches zum Launch erhältlich sein wird, nennt sich "Kung Fu Rider". Eigentlich mag ich Spiele, die sich selbst nicht so ernst nehmen, doch bei diesem frage ich mich wirklich, in welchem kranken Hirn das wohl entstanden ist. Ich würde mal sagen das ist ein Spiel, welches den japanischen Humor durchaus befriedigt. Das wesentliche Spielprinzip basiert auf einem Parcours, in dem man mit seiner Spielfigur mehr oder weniger natürliche Hindernisse überwinden muss. In der Story hat sich ein Pärchen mit den falschen Leute, sprich einer Mafia-Organisation, angelegt. Nun wollen sie flüchten und jeder tut das auf seine Weise. Warum eure Spielfigur dabei ausgerechnet einen Bürostuhl benutzt, erschließt sich mir nicht ganz, aber so ist es nun mal. Ihr solltet also euren Probanden auf besagtem Stuhl durch die Strassen der Stadt abwärts dirigieren. Dabei müsst ihr mit dem Move Motion Controller bestimmte Bewegungen ausführen oder die besagten 2 Tasten betätigen. Eigentlich ganz witzig gemacht, aber ob dieses Spiel im Hinblick auf Move entwickelt wurde, kann ich nicht sagen. Ok, es ist nur mit dem Move Controller bedienbar, doch hätte es meiner Meinung nach auch ein exotisches Downloadspiel im PSN Store sein können.
Als Move Vollpreistitel für knapp über 40€ ist es nur Leuten zu empfehlen, die ein wirkliches Faible für ausgefallene Spielideen verspüren.
Für die Freunde der gepflegten Albernheit mit Gruppendynamik hat Sony eine Reihe kleiner, für Move entwickelter Partyspielchen im Machwerk namens „Start The Party“ zusammengefasst. Ihr könnt so mit 3 Freunden gegeneinander (aber nacheinander) antreten, um kleine reaktionsorientierte Aufgaben auf Zeit zu absolvieren. Dabei müsst ihr beispielsweise Geister mit eurer Taschenlampe abschießen, auf Zeit geometrische Formen ausmalen oder Küken mittels eines Ventilators in ihr Nest befördern. In der Gruppe wird das auf jeden Fall sehr spaßig, doch alleine ist es nach einmaligem Durchspielen dann eher langweilig. In Anbetracht des Preises sollte jeder für sich selbst entscheiden, ob es ihm den Spaß wert ist.
Über die ebenfalls erscheinende EyePet Move Edition brauchen wir nicht viel zu sagen, außer vielleicht, dass sich das Spiel mit Move Controller besser kontrollieren lässt.
Am Schluss unserer kleinen PlayStation Move Übersicht möchte ich das Augenmerk noch auf ein echtes kommendes Highlight lenken. Auf der PS Move Starter Disc befindet sich noch eine Demo zu einem Spiel mit echtem Hitpotenzial.
„Tumble“ heißt dieses Spiel, bei dem ihr quasi Bauklötze staunen werdet. Jeder hat wohl in seiner Kindheit mit selbigen bereits Erfahrungen gesammelt. In Tumble sollt ihr an diese Erfahrungen anknüpfen. Im Wesentlichen geht es darum mit verschiedenen Bauklötzen Türme zu erbauen, die eine bestimmte Höhe überschreiten müssen oder auch schon mal um bestimmte Hindernisse herum konstruiert werden müssen. Dabei gilt es auch bestimmte Eigenschaften der verschiedenen Werkstoffe wie Glas, Holz, Styropor oder Metall zu beachten. Alle Werkstoffe verhalten sich physikalisch korrekt. Wenn ihr also einen Turm in der falschen Reihenfolge aufbaut, wird er sehr instabil und bei der kleinsten Erschütterung zusammenbrechen. Auch werden die geometrischen Formen der Bauklötze nur bedingt gut stapelbar sein.
Das Spielprinzip ist so simpel wie auch kompliziert. Ich könnte mir vorstellen, dass im weiteren Verlauf Aufgaben bewältigt werden müssen, die uns wie zum Beispiel in Portal lange beschäftigen werden. Alleine für dieses Spiel ist Move gemacht ... ich kann es kaum erwarten den kompletten Titel durchzuspielen.
Fazit:
Ist Move nun der große Wurf oder nicht? Move macht viele Dinge richtig. Es ist sehr präzise und zugleich sehr kompatibel, um es auf alle möglichen Arten von Spielen zu adaptieren. Alleine mit dem Move Starter Paket wird man schon viel Freude haben können.
Den einzigen Must Have Titel in der Serie sehe ich zunächst bei dem Sportspiel. Ein zweiter Move Motion Controller ist wünschenwert, aber nicht unbeding von Nöten. Selbiges gilt im Moment auch noch für den Navigationscontroller, der in Ermangelung dafür angepasster Spiele noch nicht notwendig ist.