Falls ihr vorhabt, euch Ghost Recon 2 zuzulegen, warnt am besten eure Eltern
und Freunde. Wenn sie einmal unerwartet in euer Zockerparadies eintreten
und ihr mit Zuckungen im Gesicht und Schüttelbewegungen der Gliedmaßen vor eurem heimischen Fernseher hockt,
brauchen sie nicht gleich den Notarzt rufen. Ihr habt keinen
epileptischen Anfall, sondern zockt lediglich Tom Clancy's Ghost Recon 2
und versucht verzweifelt, die Missionen abzuschließen und dabei eurer Wut freien
Lauf zu lassen. Maßlose Übertreibung? RICHTIG! Aber dieses
Spiel hat es wirklich in sich.
Warum Ghost Recon 2 trotz der Gefahr für
Umwelt, Leib und Leben nicht in eurer Spielesammlung fehlen sollte, lest ihr
hier.
Handlungsablauf und Spielaufbau
Ghost Recon 2 basiert
zwar nicht auf einem Roman von Tom Clancy, aber Spiele, die unter dem Namen des
amerikanischen Starautors erscheinen, erweisen sich in der Regel als
Kassenschlager. In Ghost Recon 2 übernehmt ihr die Rolle von Captain Scott Mitchell und befreit mit
Hilfe eurer „Ghosts“, einer amerikanischen Spezialeinheit, das Nordkorea der
nahen Zukunft von einem rücksichtslosen General, der durch einen Militärputsch
an die Macht gekommen ist.
Das Spiel selbst wird in Rückblicken erzählt.
Vor jeder Mission gibt es Sequenzen in Form von TV Nachrichten. In diesen Spots
wird sowohl durch Soldaten, als auch durch Nachrichtensprecher von euren heroischen
Taten berichtet, die ihr dann in der folgenden Mission erst einmal selbst
vollbringen müsst.
Vor jeder Mission müsst ihr eure Ausrüstung wählen. Ihr
habt im gesamten Spiel mehr als zehn authentische Waffen mit zukunftsweisender Technik
zur Verfügung, mit denen ihr euren Gegnern kräftig einheizen könnt.
Gebt Rambos keine Chance!
Das Spiel bietet zwar viel Action, aber ohne taktisches Vorgehen seid
ihr schneller tot als euch lieb ist. Anfangs ist es sehr schwer, die
Situation richtig einzuschätzen, vor allem, wenn man keine militärische
Grundausbildung genossen hat oder sich erstmalig auf das Genre der
Taktik Shooter einlässt. Man muss sich erst einmal an das gut zu
durchdenkende Vorgehen gewöhnen, um nicht immer in den sicheren Tod zu
rennen. Das kann durchaus sehr frustrierend sein und erfordert sehr
viel Geduld und Einarbeitungszeit. Ihr könnt zwar nach Rambo-Manie im
Alleingang probieren, die Gegner auszuschalten, jedoch ist man besser
beraten, seine Teammitglieder einzubeziehen. Action-Gamer, die erst
schießen und dann denken, werden hier nicht viel Freude haben. Bei
diesem Spiel ist man als Neuling mit der Taktik "speichern - 5 Schritte
laufen - Gegner töten - speichern" sehr gut bedient. Denn speichern
kann man, so oft man möchte. Zudem sind die Ladezeiten sehr kurz und
man befindet sich sofort wieder im Kampfgetümmel. Ohne diese
Möglichkeit könnte man dieses Spiel aber auch nur Profis empfehlen.
Helden im Einsatz
Die 15 Missionen, die den Kern
des Spiels bilden, sind sehr abwechslungsreich und an Atmosphäre kaum zu
übertreffen. Wenn ihr ein Gebäude erobert, Helikopter vom Himmel holt oder
den kompletten Tower des Flughafens zerstört, habt ihr das Gefühl, mitten auf dem
Schlachtfeld zu sein. Ein anderes Mal jagt ihr eine Brücke in die Luft,
kämpft euch durch Dörfer und flüchtet dann mit einem Hubschrauber. Aber ihr
müsst auch feindliche Konvois ausschalten, verbündete Soldaten unterstützen oder
Abwehrschlachten überstehen. Nachtmissionen dürfen natürlich auch nicht
fehlen. Zudem gibt es in den verschiedenen Missionen einige
Überraschungsmomente wie anrückende Verstärkungslaster oder Hubschrauber, die
Soldaten absetzen und euch selbst auch in die Mangel nehmen. Dadurch ist
Langzeitmotivation garantiert.
Nach jeder erfolgreich abgeschlossenen
Mission gibt es eine Bewertung, in der ihr Punkte gutgeschrieben bekommt. Diese
könnt ihr dann dazu nutzen, Bonusmaterial freizuschalten (beispielsweise
Hintergrundinformationen in Form von Videos).
Nachdem man die Kampagne durchgespielt hat, kann man nun die einzelnen
Missionen erneut und in unterschiedlichen Modi anwählen. Beispielsweise
muss man alle gegnerischen Einheiten töten oder ungesehen
(Stealth-Einlagen) seine Aufträge erledigen. Zudem wird man wahlweise
als Einzelkämpfer in die Schlacht geschickt oder man muss seine
Stellung vor den anrückenden Feinden halten.
Doch auch der Multiplayermodus kann euch viele Stunden an die Konsole
fesseln. Neben den Offline-Modi Splitscreen und Link-Spiel wird euch
vor allem die XBox Live-Fähigkeit viele Gefechtsstunden bereiten. In
den über 15 Modi wird euch einiges geboten. Es gibt diverse Koop-,
Solo- und Zugvarianten, in denen ihr euer taktisches Geschick vor XBox
Zockern der ganzen Welt unter Beweis stellen könnt.
Technik vom Feinsten
Die Grafik mit ihren tollen
Explosions- und Wassereffekten, dem ständig wechselnden Witterungsbedingungen,
sowie den detailliert designten Charaktermodellen, die sich zu dem auch noch
natürlich bewegen, holt einiges aus eurer XBox heraus. Auch der Schattenwurf und
die authentisch wirkenden Fahrzeuge stehen dem in nichts nach.
Der Sound
gehört ebenfalls in die Kategorie der Oberklasse. Die sehr gut angepasste Dolby
Digital Unterstützung macht aus eurem Zockerheim einen wahren Kriegsschauplatz.
Die Waffen hören sich authentisch an, die Explosionen hauen ordentlich rein und
man hört überall gegnerische Einheiten schreien. Einzig der für meinen Geschmack
etwas zu rockige Sound im Hauptmenü trübt den positiven Gesamteindruck
etwas.
Dynamisches Kampfsystem und blinder Gehorsam
Die
Bedienung des Spiels ist zwar komplex ausgefallen, jedoch einfach zu erlernen.
Die Befehle sind sehr gut auf die verschiedenen Buttons verteilt
worden und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit beherrscht man das
actionorientierte, dynamische Befehlssystem blind.
Auch an die
Sprachbefehlunterstützung des XBox Live Communicators wurde gedacht. Jedoch
müssen die Befehle wieder einmal in englisch gegeben werden, denn Deutsch haben
eure Ghosts immer noch nicht drauf.
Die KI ist recht gut
implementiert worden. Die Gegner verteilen sich auf dem offenen Feld sehr
strategisch und suchen Deckung vor eurem Beschuss. Zudem formieren sie sich oft
und warten nur darauf, dass ihr unvorsichtig werdet. Wer zu schnell mal aus
der Deckung kommt, wird dann auch in Sekundenschnelle ins Nirvana zu
befördert. Die KI eurer Mitstreiter ist ebenfalls recht ordentlich. Jedoch
rennen sie auch oft in den sicheren Tod, wenn man ihnen den Befehl „Vorrücken“
erteilt. So ist das halt mit dem blinden Gehorsam – man sollte auch da nicht zu
spät selbstständig die Deckung suchen. Tja - selbst schuld...
Fazit
Man kann dieses Spiel ganz einfach beschreiben: Schwierig, teilweise frustrierend, aber extrem fesselnd. Es packt einen der
unbedingte Ehrgeiz, es schaffen zu wollen, denn nach einer gelungenen Mission fühlt man
sich dann wahrlich wie ein echter Held. Und so darf man sich auch fühlen, denn
Ghost Recon 2 ist wirklich schwer. Selbst „friendly fire“ oder der Verlust
verbündeter Soldaten führt zum sofortigen Missionsende. Wer sich jedoch
darauf einlässt, erhält einen Taktik Shooter der Extraklasse, der euch Dank
seines riesigen Umfanges viele Stunden in seinen Bann ziehen wird.
Facts
Publisher :
Ubisoft
USK :
16
Entwickler :
Ubisoft
Release-Date :
20.11.2004
Global
Sound/Bild
Steuerung
XBOX-Live
Offline Players
1-4
Systemlink
2-16
Xbox Exklusiv
Nein
THX Sound
-
Dolby 5.1
Ja
TV-Format
-
Lenkrad
-
Arcade Stick
-
Light Gun
-
Online Multiplayer
Ja
Content Downloads
Ja
Bewertung
Gameplay : 88%
Sound : 91%
Grafik : 88%
Steuerung : 90%
Multiplayer : 90%
Gesamt-Bewertung
Kommentar des Redakteurs
Ghost Recon 2 Online Multiplayer Part Nachdem uns die Vorgänger die Zeit seit den Anfängen von Xbox Live in Europa versüßt haben, ist nun der zweite Teil von Ghost Recon angetreten, um einen ehrenvollen Platz in den Herzen der Multiplayer-Spieler zu erobern. Ob diese Mission erfolgreich abgeschlossen wurde, sehen wir im Verlauf dieses Beitrages.
Überaus positiv hervorzuheben sind bei Ghost Recon 2 die fantastische Grafik, die große Anzahl an weitläufigen Maps, sowie die verschiedenen Multiplayer-Modi (Koop, Belagerung, Überleben, Besatzung, Hamburger Hill, Suchen & Retten, Scharfschütze, etc.). Das ergibt vielfältige Wahlmöglichkeiten und führt meistens zu überaus spannenden und dynamischen Feuergefechten, die auch spürbare Auswirkungen auf den Adrenalinspiegel haben.
Wie sieht es aber mit der Online-Spielbarkeit aus? Die meisten Multiplyer-Modi kann man - wie immer einen uploadkräftigen Host vorausgesetzt - mit bis zu 16 Mann spielen. Die typischen Lags halten sich hierbei in Grenzen, vor allem wenn die Ghosts alle von einem Kontinent rekrutiert werden. Etwas aus der Reihe tanzt hier aber der sogenannte Bullet Lag, den wohl jeder selbst nachvollziehen kann, indem er einmal ein paar Meter vor sich auf den Boden schießt.
Als aktiver Clanspieler könnte ich allerdings diejenigen an die Wand stellen, die den so beliebten Belagerungsmodus (engl. Siege) verhunzt haben. Dass die Absetzpunkte der Angreifer ständig variieren und somit auch eine Chancengleichheit im Wettkampf torpedieren, wird nicht unbedingt jeden Onlinespieler stören. Dass man aber in manchen Maps (Bunker, Bahnhof, Schlacht, etc.) dank einiger dilettantisch gesetzter, viel zu naher Absetzpunkte oft noch während der Waffenauswahl unter Sperrfeuer gerät, ist unentschuldbar - insbesondere, wenn man bedenkt, dass in unkritischeren Modi wie „Zug: Überleben“ die Absetzpunkte, wie von den Vorgängern gewohnt, möglichst weit entfernte Punkte der Map sind.
Getrübt wird das Bild leider auch durch einige Bugs. Allen voran steht der allgegenwärtige “Restart Your Xbox“-Bug, der mittlerweile sogar einen Spitznamen bekommen hat: “Red X of Death“. Ferner gibt es einige Probleme beim Betreten (und Verlassen) von Servern, so dass manch einer viel Zeit mit der Server-Suche verbringt, bevor er überhaupt den ersten Schuss abgeben kann. Dass die Statistiken nicht unbedingt nachvollziehbar agieren und leicht „verbogen“ werden können, erkennt jeder, der sich die Top 100 Daten angeschaut hat. Die ständig an den Anfang springende Freundesliste scheint wohl eher ein allgemeines Xbox Live Problem zu sein, da viele verschiedene Titel dieses wunderbare “Feature“ bieten.
UBISOFT hat jetzt aber offiziell verlautbaren lassen, dass sie an einem Auto-Update arbeiten. Daher können wir die Hoffnung hegen, dass zumindest einige der bekannten Bugs ausgemerzt werden.
Was fällt einem sonst noch beim Ghost Recon 2 Multiplayer Part auf? Im Vergleich zu den Vorgängern wurden einige Kleinigkeiten „verschlimmbessert“. Man sieht beispielsweise im Multiplayer Part nicht mehr, wer gerade spricht. Man bekommt nicht mehr am Bildschirm im Klartext dargestellt, wenn einer im Kampf das Zeitliche segnet, dem Server beitritt oder ihn verlässt (letzteres soll ebenfalls per Auto-Update korrigiert werden). Den Taktik-Fans wird auffallen, dass man die Sensoren - Gott sein Ihnen gnädig - zu Grabe getragen hat und dass die Map-Karte nicht mehr die vom Team lokalisierten Gegner anzeigt. Der berühmt-berüchtigte weiße Knopf beim Sprechen wurde auch eliminiert, was dazu führt dass man des öfteren mit Geräuschen konfrontiert wird, von denen man eigentlich nie etwas wissen wollte.
Die vielen fehlenden Xbox Live 3.0 Features, sowie die nicht funktionierenden Voice Messages sind kosmetischer Natur und nicht unbedingt Spielspass hemmend, genauso wie die wahrlich im Delirium entwickelte Menüstruktur.
Abschließend kann man sagen, dass der Multiplayer Part von Ghost Recon 2 sehr viel Spaß machen kann - vor allem, wenn man Anschluss zu einer einigermaßen taktisch vorgehenden Gruppe findet. Ghost Recon 2 hätte sogar der Taktikshooter-Überflieger überhaupt im Onlinebereich werden können, wenn die Entwickler etwas mehr Sorgfalt in manche Multiplayer-Modi (vgl. Belagerung!) gesteckt, sowie die ärgerlichen Bugs vermieden hätten.