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Dem geneigten Spieler fällt jedoch sicherlich gleich auf, dass die Worte
„Tomb Raider“ im Titel fehlen. Dies ist kein Zufall, hat das Spiel doch
bis auf die wohlgeformte Protagonistin und das antike Dschungelsetting
nicht viel mit den Vollpreistiteln der Tomb Raider Serie gemeinsam.
Der deutlichste Unterschied zu Tomb Raider ist die Kameraperspektive,
die mit Titeln wie Diablo und Baldur’s Gate (Xbox) vergleichbar ist und
euch die Spielfiguren mit fest vorgegebener Kameraposition durch die
insgesamt 10 Levels führen lässt.
Der für den Spieler interessanteste Aspekt bei diesem Arcade-Titel ist
die Tatsache, dass Frau Croft nicht mehr alleine durch die antiken
Grabstätten klettern, rennen und schießen muss. Zumindest dann, wenn
sich ein menschlicher Mitspieler finden lässt, mit dem sich die gesamte
Story mehr oder weniger unabhängig vom Einzelspielermodus kooperativ
durchspielen lässt.
Durch diesen Ansatz bietet das Spiel zwei komplett verschiedene
Herausforderungen für den Spieler, wobei der eigentliche Schwerpunkt
klar auf den kooperativen Modus gelegt wurde.
Der schwächste, oder eigentlich einzig schwache, Punkt zuerst:
Die Handlung ist belanglos und wird ebenso unspektakulär in Form von
pseudoanimierten Bildern und einer Stimme aus dem Off erklärt. Es dreht
sich alles um ein antikes Artefakt, durch dessen „Entweihung“ ein
uralter, böser Schamane mit übernatürlichen Fähigkeiten wiedererweckt
wird, den es aufzuhalten gilt.
Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, und für Euch den am 28.09.
zusätzlich kostenlos erscheinenden Online-CoOp-Modus bereits jetzt schon
offline durchgespielt (lokaler CoOp-Modus, bereits jetzt schon im Spiel
enthalten).
Hierbei übernimmt ein Spieler die Rolle der Lara Croft, der zweite
Spieler steuert den bis dato in Stein gefangenen Aztekenkrieger Totec an
ihrer Seite.
Kernelement ist die gemeinsame Lösung von Umgebungs- und
Schalterrätseln, wobei die Raffinesse der Lösungswege in der Kombination
der unterschiedlichen Fähigkeiten der beiden Figuren liegt.
Während Lara von Anfang an schwer bewaffnet und mit einem Kletterseil
mit Enterhaken ausgerüstet ist, trägt Totec zumindest vorläufig nur
seinen Speer und ein Schutzschild mit sich herum.
Lara kann als pistolenschwingende Lassolady ihr Kletterseil an
vorhandenen Fixpunkten oder der anderen Spielfigur festmachen, um
beispielsweise über einen tödlichen Abgrund zu schwingen, an einer Wand
entlang zu rennen oder den Mitspieler zu einem schwer zugänglichen Item
herabzulassen, ist der mit Schutzschild und Speer ausgerüstete Totec in
der Lage, seinen Speer als Kletterhilfe für Lara in eine Wand zu werfen
oder der vollbusigen Britin mit seinem Schild im Asterix Stil als
mobiles Podest zu dienen.
So kann es sein, dass beispielsweise in einer Rätselpassage, in der zwei
Hebel gleichzeitig betätigt werden müssen, zunächst eine hohe Wand für
Lara mit Speeren als Leiterersatz zum ersten Schalter gespickt werden
muss, damit sie dann von oben wiederrum ihr Seil als Kletterhilfe für
Totec, dessen Speere sein eigenes Gewicht nicht tragen, herab lässt.
Oben angekommen wirft Lara Ihr Seil zu einem nun sichtbaren Fixpunkt und
Totec kann die geschaffene Verbindung nach einem kurzen Drahtseilakt
überqueren und auf der anderen Seite den dort befindlichen zweiten
Schalter betätigen.
Klingt kompliziert, ist es auch. Denn das Niveau der Rätsel steigt mit
fortschreitendem Spielverlauf stetig an und bietet gerade in späteren
Levels die eine oder andere Kopfnuss. Eben solche werden gerade im
lokalen CoOp gerne auch zwischen den Spielern verteilt, wenn ein sauber
ausgearbeiteter Plan aufgrund von Koordinations- und
Timingschwierigkeiten (natürlich immer die des Mitspielers!) zum zehnten
Mal in Folge scheitert.
Im Singleplayer-Modus, in dem der Spieler nur Lara steuert und auf sich
allein gestellt ist, ist das Leveldesign grundsätzlich mit dem
CoOp-Modus identisch, doch erfordern die Rätsel komplett andere
Lösungsansätze. Hierbei hilft es, dass Lara in diesem Modus über alle
Fähigkeiten und nutzbare Items beider Charaktere – bis auf den
Schutzschild – verfügt.
Zum Glück sind die Speicher- und Rücksetzpunkte in dem Spiel fair verteilt, so dass selten Frust aufkommt.
Dennoch hat das Ableben der Spieler Konsequenzen. Denn in jedem Level
gibt es viele Verschiedene Aufgaben zu meistern, für die es bei Erfolg
lohnenswerte Boni für die Spielcharaktere gibt, die beispielsweise die
Lebensenergie dauerhaft erhöhen oder den Munitionsvorrat aufstocken.
Einige dieser Boni sind vom Erreichen bestimmter Punktezahlen abhängig.
Und jedes Ableben kostet wieder einige der mühsam verdienten Punkte.
Aber auch ohne die Punktejagd gibt es noch einiges zu tun, denn die
Levels sind vollgestopft mit mehr oder weniger gut versteckten Items,
die es zu sammeln gilt. Dies ist zwar komplett optional, verleiht aber
diverse Boni und erleichtert so das Spiel.
Insgesamt haben wir für das Spiel gemeinsam circa fünf Stunden benötigt
(die gleiche Zeit kann man für den Singleplay-Modus einplanen), ohne
jedoch alle Items vollständig in jedem Level zu sammeln. Das muss
anscheinend auch irgendwie noch weitaus schneller gehen, da es im Spiel
für jedes Level einen Zeiterfolg gibt, dessen Erreichung gerade für die
Coregamerfraktion für einen hohen Wiederspielwert sorgen dürfte. Denn
das Spiel macht einfach Spaß.
Auch aus technischer Sicht erlaubt sich der Titel keine Blöße.
Für ein Arcade-Game ist die Grafik durchweg gelungen, die Soundkulisse
ist in jeder Situation stimmig und das Leveldesign ist trotz relativ
linearer Ausrichtung abwechslungs- und detailreich ausgearbeitet.
Die Steuerung reagiert präzise und direkt, nur das Waffenhandling ist
für ungeübte Spieler anfänglich sehr gewöhnungsbedürftig. Gerade durch
das hohe Spieltempo und die Vielzahl an Gegnern werden selbst kleinere
Steuerungsfehler oftmals mit dem Tod (gerne auch des Mitspielers)
bestraft.
Das Spiel kostet auf dem Arcade-Marktplatz 1.200 MS Points, was circa 15
€ entspricht. Für diesen Preis bekommt man schon im Singleplayer-Modus
gut zwei Gigabyte voller Spielspaß, der durch den mehr als gelungenen
CoOp-Modus als nahezu eigenständiges Spiel weiter aufgewertet wird.
Wenn in Kürze der Online-CoOp-Modus kostenlos als Update nachgereicht
wird, wird das Spiel selbst für Spieler ohne reale Freunde und / oder
mit nur einem Controller zum absoluten Pflichtkauf.
Weil wir anhand der verbleibenden Erinnerungen vermuten, dass das Spiel
auch nüchtern durchaus Spaß macht, geben wir für das Gesamtpaket aus
Preis, Gamedesign und Spielspaß 9 von 10 versehentlich mit Minen
gesprengte CoOp-Partner.
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