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Fast 3 Jahre sind vergangen, seit sich erstmals Raptures nasskalte Tore öffneten und dem Spieler Einblick boten in das, was Andrew Ryan, Idealist und Visionär, als Utopie geplant hatte...und im Chaos endete. Bioshock war ohne Frage ein außergewöhnliches Erlebnis, ein stimmiges Gesamtkunstwerk und zugleich ein Shooter, der in puncto Atmosphäre und Storytelling neue Maßstäbe setzen und völlig zurecht Wertungen jenseits der 90%-Marke einfahren konnte. Eine hohe Messlatte also, an der 2K Marins Bioshock 2 sich nun versuchen musste. Mit diesem Review möchten wir der Frage nachgehen, ob der zweite Abstecher nach Rapture nur ein lauwarmer Aufguss ist oder den Spieler erneut in die tiefen Weiten menschlicher Abgründe eintauchen lässt.


Story
Zehn Jahre liegen die Geschehnisse um Jack, Andrew Ryan, Little Sisters, Big Daddys und all die anderen verlorenen Seelen zurück, die in den Straßen von Rapture ihr Unwesen trieben, immer auf der Suche nach Adam, Hoffnung und Niedergang der neuen Welt. Zehn Jahre, in denen jedoch keineswegs Stillstand herrschte, denn alle jene, die überlebten, haben sich die Stadt erneut zu eigen gemacht. Aber nicht alle Gesichter sind neu, trefft ihr doch schon zu Beginn auf alte Bekannte – die Big Daddys, die dieses Mal nicht nur Feind, sondern auch Alter Ego darstellen. In Bioshock 2 übernehmt ihr, wie bereits am Ende des ersten Teils, die Kontrolle über einen der stählernen Kolosse, was jedoch eher inhaltliche als spielerische Neuerungen mit sich bringt.

Andrew Ryan ist Geschichte, auch wenn er euch trotzdem regelmäßig in verschiedenen Manifestationen in den düsteren Gängen Raptures über den Weg läuft. Statttdessen stellt sich euch nun Sofia Lamb, ursprünglich Mitstreiterin und spätere Konkurrentin Ryans, in den Weg. Sie ist für das Verschwinden zahlreicher Little Sisters verantwortlich und wie es der Zufall so will, ist bzw. war ihre Tochter Eleanor die Begleiterin eures Big Daddys, bis Lamb diese wieder an sich riss. Dies ist für euch umso dramatischer, da ihr, „Subject Delta“, der erste Prototyp einer Serie von Big Daddys seid, die in physischer Verbindung zu ihren kleinen Begleiterinnen stehen und eine Trennung von dieser langfristig tödliche Folgen für euch hat. Es gilt also, unter anderem, Eleanor wieder aus den Klauen ihrer vermeintlichen Mutter zu erretten. Bis dahin ist es natürlich ein weiter Weg, der allerlei Zwischenstationen bereithält. Unterstützung erhaltet ihr dabei unter anderem von Tenebaum, die ehemals selbst ein Teil der Machenschaften von Rapture war und als dieser an der Rekrutierung der kleinen Adam-Sammlerinnen mitgewirkt hat und dies nun gutzumachen gedenkt, indem sie die Little Sisters aus den Tiefen des Meeres befreit. Klingt spannend - ist es auch. Und die Story von Bioshock 2 birgt noch mehr Überraschungen, von denen wir hier gar nicht allzu viel preisgeben möchten. Fakt ist, dass die Geschichte wie schon bei Teil 1 zu den großen Stärken des Titels gehört und den Spieler bei der Stange zu halten vermag.

Es gibt zahlreiche Bezüge zu den Geschehnissen aus Teil 1, Hintergründe zur Entstehung Raptures und Einzelschicksale, die sich euch in Form der in der Stadt verteilten Kassettenrekorder eröffnen. Sie erfüllen Rapture mit Leben und lassen den Spieler emotional in die Welt eintauchen. Auch die philosophischen Aspekte kommen, wie aus dem ersten Teil bekannt, nicht zu kurz und gerade die Diskussion der idealistischen Schwerpunkte von Lamb und Ryan verleiht der Story das gewisse Extra an Tiefe.


Gameplay
Nach dem Spieleinstieg sticht zuerst das neue Spielzeug an eurer Seite ins Auge, mit dem ihr die Lebenssäfte aus den Adam-süchtigen Splicern kitzeln dürft. Der Spiralbohrer des Big Daddys ist eine durchaus brauchbare Erweiterung im Waffensortiment und kann gerade im Nahkampf ordentlich Schaden anrichten. Eure grundlegende Aufgabe als Big Daddy ist, wie aus Teil 1 bekannt, das Beschützen der verstörend-niedlichen Little Sisters, die mit ihren furcheinflössenden Spritzen durch Rapture streifen, um all jenen, die das Zeitliche gesegnet haben, das Adam aus den Adern zu saugen. Trefft ihr auf ein anderes Daddy-Sister-Gespann, so gilt es, den unliebsamen Konkurrenten möglichst effektiv aus dem Weg zu räumen, um sich seiner nützlichen Begleiterin anzunehmen. Dabei seid ihr einmal mehr vor die Wahl gestellt, ob ihr die jungen Damen retten und beschützen oder aber „ernten“, also allen Lebens berauben wollt, um so die Adam-Ausbeute zu maximieren. Diese könnt ihr dann wiederum in neue Plasmide und andere Upgrades investieren. Ob ihr guter oder böser Daddy sein wollt, bleibt dabei vollends euch überlassen. Neu ist, dass ihr eure Little Sister nun auch auf der Suche nach dem Adam begleitet und sie vor angreifenden Widersachern beschützen müsst, während sie die Droge aus den Adern der Leichen filtert. Diese Situationen bedürfen einer guten Vorbereitung in Form von Fallen, Geschützen und Umgebungsinteraktionen, beispielsweise Pfützen (Elektroschocks) oder Ölflecken (Feuerwände). Leider zieht sich dieses Prozedere durch das gesamte Spiel, sodass es irgendwann zur Routine wird. Ein wenig mehr Abwechslung bezüglich der Aufgaben wäre wünschenswert gewesen. Neben den Big Daddys bekommt ihr es mit vielen weiteren Bösewichten zu tun, die durch Rapture kreuchen und fleuchen, wobei die Varianz der Gegnertypen sich in Grenzen hält. Neben der altbekannten Splicern sticht vor allem die Big Sister heraus, quasi das weibliche Pendant des Big Daddys, deren Auftauchen jedes Mal Gefahr bedeutet und in einem intensiven Zweikampf mündet.

Welch Glück, dass ihr das passende Handwerkszeug dabei habt, um euch dieses Abschaums anzunehmen. Da sind zum einen die zahlreichen Schusswaffen, wie Maschinengewehr, Nietenpistole, Harpune etc., und zum anderen altbekannte Plasmide wie Electrobolt und Telekinese, aber auch neue Möglichkeiten, das wertvolle Eve zu verbrauchen. So reiht sich beispielsweise ein neues Plasmid in die Auswahl ein, welches euch erlaubt, euren Körper zu verlassen und als Geist die Umgebung zu erkunden. Durch je drei Upgrademöglichkeiten und Munitionstypen wird das Arsenal gar noch potenziert und so bietet eure Ausrüstung zahlreiche Optionen, den Feinden möglichst effektiv und nach persönlichem Belieben zu Leibe zu rücken. Als optimal dürfte sich der Einsatz aller Optionen erweisen, also die Kombination von Schusswaffen, Plasmiden und den hackbaren Geschützen, Sicherheitskameras etc. Die Möglichkeiten sind zahlreich und laden zum Experimentieren ein.

Wer nach Herausforderungen dürstet, sollte übrigens direkt die höchste Schwierigkeitsstufe wählen, denn auf der mittleren Stufe haben die Splicer euch nicht allzu viel entgegenzusetzen, sofern ihr mit Bedacht spielt und eure Angriffs- und Verteidigungstaktiken ausgereift sind. Nehmt ihr euch Zeit, alle Geheimnisse zu ergründen, werdet ihr je nach Schwierigkeitsgrad und Erfahrung rund 10 bis 15 Stunden beschäftigt sein. Nicht übel für einen Ego-Shooter.

Lobend sei noch erwähnt, dass der Hack-Mechanismus überarbeitet wurde und im Vergleich zum Vorgänger deutlich zugänglicher ist. Ebenfalls wieder integriert ist die Möglichkeit, Gegnertypen zu erforschen, um so ihre Schwachstellen bloßzulegen und Schadensboni einzuheimsen. Dies erfolgt nun jedoch nicht mehr umständlich über einen Fotoapparat, sondern per Videokamera, die die Kämpfe mit euren Feinden aufzeichnet. Ebenfalls eine feine, wenn auch kleine Verbesserung.

Technik
Bioshock war anno 2007 ein absoluter Augenschmaus und wurde schnell zu einem der technischen Referenztitel der aktuellen Konsolengeneration. Drei Jahre später vermag Bioshock 2 an diesen Erfolg nicht ganz anzuknüpfen, weiß dies aber gut zu vertuschen. Wer genau hinsieht, entdeckt die ein oder andere unschöne Textur und hat mit gelegentlichen, aber minimalen Rucklern zu kämpfen. In Anbetracht der enormen atmosphärischen Dichte und des schönen Gesamtpakets sind diese jedoch zu verschmerzen und fallen nicht weiter ins Gewicht. Zu imposant sind die stimmigen Kulissen, in denen es an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt, auch wenn die Ähnlichkeiten zum Vorgänger doch recht deutlich ausfallen und man sich gelegentlich nach ein wenig mehr Abwechslung sehnt. Gänzlich indiskutabel ist die Qualität des Sounds. Die deutsche Synchronisation ist stimmig, die Musikuntermalung so bezaubernd wie furcheinflößend und wenn beim Streifzug durch die düstere Unterwasser-Kulisse die Splicer ihre Ankunft durch schräge Gesangseinlagen und schaurige Drohungen ankündigen, ist man mittendrin in der düsteren Welt, deren Bewohner tief am Meeresgrund ihr Unwesen treiben.

Multiplayer
Achja... und dann ist da noch der Multiplayer, ohne den ein Spiel in den Augen vieler Entwickler heutzutage nicht mehr auszukommen scheint. So wurde auch Bioshock 2 ein solcher spendiert, entwickelt in den Studios von Digital Extremes. Auf den ersten Blick wirkt dieses Unterfangen auch gar nicht so übel. Hat man sich für einen der sechs Charaktere entschieden, findet man sich nach einem kurzen Prolog in seinem eigenen Apartment wieder, in welchem es den Protagonisten mit Plasmiden, Schusswaffen und einem netten Outfit auszurüsten gilt. Anschließend macht der Spieler sich auf ins Gefecht, wobei für diese die üblichen Verdächtigen in Form von Deathmatch, Team-Deathmatch, Capture the Flag, King of the Hill etc. zur Auswahl stehen. Natürlich wurde das Ganze ein wenig ans Bioshock-Setting angepasst. So rettet man statt der Flagge die Little Sisters und in regelmäßigen Abständen taucht ein Big Daddy-Kostüm auf der Map auf, welches einen der Spieler kurzzeitig zu einem übermächtigen Gegner mutieren lässt. Die für Kills und andere erledigte Objectives erhaltenen Punkte lassen den Spieler aufleveln, wodurch neue Waffen, Plasmide, Outfits usw. freigeschaltet werden. Scheint, als habe man sich deutlich an aktuellen Multiplayer-Hits wie Call of Duty oder Battlefield orientiert. Leider gibt es da ein großes Manko, denn qualitativ kann der Multiplayer von Bioshock 2 den Genannten nicht ansatzweise das Wasser reichen. Die Matches laufen allesamt recht chaotisch und unübersichtlich ab und leiden zudem unter gelegentlichen leichten bis mittelschweren Ruckeleinlagen. Wahre Begeisterung will zu keiner Zeit so recht aufkommen und das Aufleveln allein kann die Langzeitmotivation nicht hochhalten. So ist der Multiplayer-Modus von Bioshock 2 zwar kein wirklicher Reinfall geworden, man würde ihn jedoch auch nicht sonderlich vermissen, wenn es ihn nie gegeben hätte. Natürlich wird niemand gezwungen, ihn zu spielen, doch trübt er leider ein wenig den Gesamteindruck des Kunstwerks Bioshock 2. Als hätte man der Mona Lisa einen Schnurrbart verpasst. „Weil halt alle einen tragen.“ Man ist fast geneigt sich zu fragen, wie gut das Spiel hätte werden können, wenn man die Ressourcen für den Multiplayer in das Hauptspiel investiert hätte.

Fazit
Man mag Bioshock 2 vorwerfen, dass es das Rad nicht neu erfindet, aber wer hätte das nach dem grandiosen ersten Teil auch ernsthaft erwarten können? Stattdessen greift es die Stärken des Vorgängers auf und bereichert sie um einige kleinere, aber doch spannende Details, wie die neuen Plasmide, neue taktische Herangehensweisen und eine Story, die selten langweilt. Wer sich vom AddOn-Beigeschmack, den man Bioshock 2 attestieren muss, nicht abschrecken lässt, der sollte ohne jegliches Zögern zugreifen und sich auf die Geheimnisse einlassen, die in den Tiefen von Rapture verborgen liegen, denn trotz verpasster Chancen und allen Mangels an tiefgreifenden Innovationen ist Bioshock 2 ein Shooter geworden, der zwar nicht ganz an die Brillanz des Vorgängers heranreicht, aber noch immer weit über dem Durchschnitt liegt und mich über viele Stunden in seinen Bann ziehen konnte. Also zwängt euch in den Neoprenanzug und taucht ein!


Bewertung
Gameplay : 92% Sound : 93% Grafik : 90% Steuerung : 90% Multiplayer : 80%
Gesamt-Bewertung


Erstellt am : 25.03.2010      Autor : Michael Papendick          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
GAME-FACTS
Publisher : 2K Games
Entwickler : 2K Games
Release : 12.02.2010

Genre : Ego Shooter
Player : 1
USK Einstufung

keine Jugendfreigabe
Homepage
Bioshock Website
Titel : Bioshock 2      Publisher : 2K Games      Release : 12.02.2010
Titel : Bioshock 2      Publisher : 2K Games      Release : 12.02.2010
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