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Story
Zehn Jahre liegen die Geschehnisse um Jack, Andrew Ryan, Little Sisters,
Big Daddys und all die anderen verlorenen Seelen zurück, die in den
Straßen von Rapture ihr Unwesen trieben, immer auf der Suche nach Adam,
Hoffnung und Niedergang der neuen Welt. Zehn Jahre, in denen jedoch
keineswegs Stillstand herrschte, denn alle jene, die überlebten, haben
sich die Stadt erneut zu eigen gemacht. Aber nicht alle Gesichter sind
neu, trefft ihr doch schon zu Beginn auf alte Bekannte – die Big Daddys,
die dieses Mal nicht nur Feind, sondern auch Alter Ego darstellen. In
Bioshock 2 übernehmt ihr, wie bereits am Ende des ersten Teils, die
Kontrolle über einen der stählernen Kolosse, was jedoch eher inhaltliche
als spielerische Neuerungen mit sich bringt.
Andrew Ryan ist Geschichte, auch wenn er euch trotzdem regelmäßig in
verschiedenen Manifestationen in den düsteren Gängen Raptures über den
Weg läuft. Statttdessen stellt sich euch nun Sofia Lamb, ursprünglich
Mitstreiterin und spätere Konkurrentin Ryans, in den Weg. Sie ist für
das Verschwinden zahlreicher Little Sisters verantwortlich und wie es
der Zufall so will, ist bzw. war ihre Tochter Eleanor die Begleiterin
eures Big Daddys, bis Lamb diese wieder an sich riss. Dies ist für euch
umso dramatischer, da ihr, „Subject Delta“, der erste Prototyp einer
Serie von Big Daddys seid, die in physischer Verbindung zu ihren kleinen
Begleiterinnen stehen und eine Trennung von dieser langfristig tödliche
Folgen für euch hat. Es gilt also, unter anderem, Eleanor wieder aus
den Klauen ihrer vermeintlichen Mutter zu erretten. Bis dahin ist es
natürlich ein weiter Weg, der allerlei Zwischenstationen bereithält.
Unterstützung erhaltet ihr dabei unter anderem von Tenebaum, die ehemals
selbst ein Teil der Machenschaften von Rapture war und als dieser an
der Rekrutierung der kleinen Adam-Sammlerinnen mitgewirkt hat und dies
nun gutzumachen gedenkt, indem sie die Little Sisters aus den Tiefen des
Meeres befreit. Klingt spannend - ist es auch. Und die Story von
Bioshock 2 birgt noch mehr Überraschungen, von denen wir hier gar nicht
allzu viel preisgeben möchten. Fakt ist, dass die Geschichte wie schon
bei Teil 1 zu den großen Stärken des Titels gehört und den Spieler bei
der Stange zu halten vermag.
Es gibt zahlreiche Bezüge zu den Geschehnissen aus Teil 1, Hintergründe
zur Entstehung Raptures und Einzelschicksale, die sich euch in Form der
in der Stadt verteilten Kassettenrekorder eröffnen. Sie erfüllen Rapture
mit Leben und lassen den Spieler emotional in die Welt eintauchen. Auch
die philosophischen Aspekte kommen, wie aus dem ersten Teil bekannt,
nicht zu kurz und gerade die Diskussion der idealistischen Schwerpunkte
von Lamb und Ryan verleiht der Story das gewisse Extra an Tiefe.
Gameplay
Nach dem Spieleinstieg sticht zuerst das neue Spielzeug an eurer Seite
ins Auge, mit dem ihr die Lebenssäfte aus den Adam-süchtigen Splicern
kitzeln dürft. Der Spiralbohrer des Big Daddys ist eine durchaus
brauchbare Erweiterung im Waffensortiment und kann gerade im Nahkampf
ordentlich Schaden anrichten. Eure grundlegende Aufgabe als Big Daddy
ist, wie aus Teil 1 bekannt, das Beschützen der verstörend-niedlichen
Little Sisters, die mit ihren furcheinflössenden Spritzen durch Rapture
streifen, um all jenen, die das Zeitliche gesegnet haben, das Adam aus
den Adern zu saugen. Trefft ihr auf ein anderes Daddy-Sister-Gespann, so
gilt es, den unliebsamen Konkurrenten möglichst effektiv aus dem Weg zu
räumen, um sich seiner nützlichen Begleiterin anzunehmen. Dabei seid
ihr einmal mehr vor die Wahl gestellt, ob ihr die jungen Damen retten
und beschützen oder aber „ernten“, also allen Lebens berauben wollt, um
so die Adam-Ausbeute zu maximieren. Diese könnt ihr dann wiederum in
neue Plasmide und andere Upgrades investieren. Ob ihr guter oder böser
Daddy sein wollt, bleibt dabei vollends euch überlassen. Neu ist, dass
ihr eure Little Sister nun auch auf der Suche nach dem Adam begleitet
und sie vor angreifenden Widersachern beschützen müsst, während sie die
Droge aus den Adern der Leichen filtert. Diese Situationen bedürfen
einer guten Vorbereitung in Form von Fallen, Geschützen und
Umgebungsinteraktionen, beispielsweise Pfützen (Elektroschocks) oder
Ölflecken (Feuerwände). Leider zieht sich dieses Prozedere durch das
gesamte Spiel, sodass es irgendwann zur Routine wird. Ein wenig mehr
Abwechslung bezüglich der Aufgaben wäre wünschenswert gewesen. Neben den
Big Daddys bekommt ihr es mit vielen weiteren Bösewichten zu tun, die
durch Rapture kreuchen und fleuchen, wobei die Varianz der Gegnertypen
sich in Grenzen hält. Neben der altbekannten Splicern sticht vor allem
die Big Sister heraus, quasi das weibliche Pendant des Big Daddys, deren
Auftauchen jedes Mal Gefahr bedeutet und in einem intensiven Zweikampf
mündet.
Welch Glück, dass ihr das passende Handwerkszeug dabei habt, um euch
dieses Abschaums anzunehmen. Da sind zum einen die zahlreichen
Schusswaffen, wie Maschinengewehr, Nietenpistole, Harpune etc., und zum
anderen altbekannte Plasmide wie Electrobolt und Telekinese, aber auch
neue Möglichkeiten, das wertvolle Eve zu verbrauchen. So reiht sich
beispielsweise ein neues Plasmid in die Auswahl ein, welches euch
erlaubt, euren Körper zu verlassen und als Geist die Umgebung zu
erkunden. Durch je drei Upgrademöglichkeiten und Munitionstypen wird das
Arsenal gar noch potenziert und so bietet eure Ausrüstung zahlreiche
Optionen, den Feinden möglichst effektiv und nach persönlichem Belieben
zu Leibe zu rücken. Als optimal dürfte sich der Einsatz aller Optionen
erweisen, also die Kombination von Schusswaffen, Plasmiden und den
hackbaren Geschützen, Sicherheitskameras etc. Die Möglichkeiten sind
zahlreich und laden zum Experimentieren ein.
Wer nach Herausforderungen dürstet, sollte übrigens direkt die höchste
Schwierigkeitsstufe wählen, denn auf der mittleren Stufe haben die
Splicer euch nicht allzu viel entgegenzusetzen, sofern ihr mit Bedacht
spielt und eure Angriffs- und Verteidigungstaktiken ausgereift sind.
Nehmt ihr euch Zeit, alle Geheimnisse zu ergründen, werdet ihr je nach
Schwierigkeitsgrad und Erfahrung rund 10 bis 15 Stunden beschäftigt
sein. Nicht übel für einen Ego-Shooter.
Lobend sei noch erwähnt, dass der Hack-Mechanismus überarbeitet wurde
und im Vergleich zum Vorgänger deutlich zugänglicher ist. Ebenfalls
wieder integriert ist die Möglichkeit, Gegnertypen zu erforschen, um so
ihre Schwachstellen bloßzulegen und Schadensboni einzuheimsen. Dies
erfolgt nun jedoch nicht mehr umständlich über einen Fotoapparat,
sondern per Videokamera, die die Kämpfe mit euren Feinden aufzeichnet.
Ebenfalls eine feine, wenn auch kleine Verbesserung.
Technik
Bioshock war anno 2007 ein absoluter Augenschmaus und wurde schnell zu
einem der technischen Referenztitel der aktuellen Konsolengeneration.
Drei Jahre später vermag Bioshock 2 an diesen Erfolg nicht ganz
anzuknüpfen, weiß dies aber gut zu vertuschen. Wer genau hinsieht,
entdeckt die ein oder andere unschöne Textur und hat mit gelegentlichen,
aber minimalen Rucklern zu kämpfen. In Anbetracht der enormen
atmosphärischen Dichte und des schönen Gesamtpakets sind diese jedoch zu
verschmerzen und fallen nicht weiter ins Gewicht. Zu imposant sind die
stimmigen Kulissen, in denen es an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt,
auch wenn die Ähnlichkeiten zum Vorgänger doch recht deutlich ausfallen
und man sich gelegentlich nach ein wenig mehr Abwechslung sehnt.
Gänzlich indiskutabel ist die Qualität des Sounds. Die deutsche
Synchronisation ist stimmig, die Musikuntermalung so bezaubernd wie
furcheinflößend und wenn beim Streifzug durch die düstere
Unterwasser-Kulisse die Splicer ihre Ankunft durch schräge
Gesangseinlagen und schaurige Drohungen ankündigen, ist man mittendrin
in der düsteren Welt, deren Bewohner tief am Meeresgrund ihr Unwesen
treiben.
Multiplayer
Achja... und dann ist da noch der Multiplayer, ohne den ein Spiel in den
Augen vieler Entwickler heutzutage nicht mehr auszukommen scheint. So
wurde auch Bioshock 2 ein solcher spendiert, entwickelt in den Studios
von Digital Extremes. Auf den ersten Blick wirkt dieses Unterfangen auch
gar nicht so übel. Hat man sich für einen der sechs Charaktere
entschieden, findet man sich nach einem kurzen Prolog in seinem eigenen
Apartment wieder, in welchem es den Protagonisten mit Plasmiden,
Schusswaffen und einem netten Outfit auszurüsten gilt. Anschließend
macht der Spieler sich auf ins Gefecht, wobei für diese die üblichen
Verdächtigen in Form von Deathmatch, Team-Deathmatch, Capture the Flag,
King of the Hill etc. zur Auswahl stehen. Natürlich wurde das Ganze ein
wenig ans Bioshock-Setting angepasst. So rettet man statt der Flagge die
Little Sisters und in regelmäßigen Abständen taucht ein Big
Daddy-Kostüm auf der Map auf, welches einen der Spieler kurzzeitig zu
einem übermächtigen Gegner mutieren lässt. Die für Kills und andere
erledigte Objectives erhaltenen Punkte lassen den Spieler aufleveln,
wodurch neue Waffen, Plasmide, Outfits usw. freigeschaltet werden.
Scheint, als habe man sich deutlich an aktuellen Multiplayer-Hits wie
Call of Duty oder Battlefield orientiert. Leider gibt es da ein großes
Manko, denn qualitativ kann der Multiplayer von Bioshock 2 den Genannten
nicht ansatzweise das Wasser reichen. Die Matches laufen allesamt recht
chaotisch und unübersichtlich ab und leiden zudem unter gelegentlichen
leichten bis mittelschweren Ruckeleinlagen. Wahre Begeisterung will zu
keiner Zeit so recht aufkommen und das Aufleveln allein kann die
Langzeitmotivation nicht hochhalten. So ist der Multiplayer-Modus von
Bioshock 2 zwar kein wirklicher Reinfall geworden, man würde ihn jedoch
auch nicht sonderlich vermissen, wenn es ihn nie gegeben hätte.
Natürlich wird niemand gezwungen, ihn zu spielen, doch trübt er leider
ein wenig den Gesamteindruck des Kunstwerks Bioshock 2. Als hätte man
der Mona Lisa einen Schnurrbart verpasst. „Weil halt alle einen tragen.“
Man ist fast geneigt sich zu fragen, wie gut das Spiel hätte werden
können, wenn man die Ressourcen für den Multiplayer in das Hauptspiel
investiert hätte.
Fazit
Man mag Bioshock 2 vorwerfen, dass es das Rad nicht neu erfindet, aber
wer hätte das nach dem grandiosen ersten Teil auch ernsthaft erwarten
können? Stattdessen greift es die Stärken des Vorgängers auf und
bereichert sie um einige kleinere, aber doch spannende Details, wie die
neuen Plasmide, neue taktische Herangehensweisen und eine Story, die
selten langweilt. Wer sich vom AddOn-Beigeschmack, den man Bioshock 2
attestieren muss, nicht abschrecken lässt, der sollte ohne jegliches
Zögern zugreifen und sich auf die Geheimnisse einlassen, die in den
Tiefen von Rapture verborgen liegen, denn trotz verpasster Chancen und
allen Mangels an tiefgreifenden Innovationen ist Bioshock 2 ein Shooter
geworden, der zwar nicht ganz an die Brillanz des Vorgängers
heranreicht, aber noch immer weit über dem Durchschnitt liegt und mich
über viele Stunden in seinen Bann ziehen konnte. Also zwängt euch in
den Neoprenanzug und taucht ein!
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