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Was ist das denn? Ein Rückschritt? Der erste Moment wirft etwas Verwirrung auf: Hat man den ersten Teil doch als großartiger Overlord mit jeder Menge Macht beendet, startet man in Overlord 2 als Mini-Overlord und muss sich mit Quälgeistern von Kindern aus Nordberg herumschlagen, die zu allem Überdruss auch noch mit Schneebällen nach dem Spieler werfen. Doch böse Ambitionen hat man offensichtlich schon als Overlord-Kind: So stellt das Spiel einem ein paar Schergen, auch Minions an die Seite, die man per rechtem Analogstick durch die Gegend schicken kann, um Gegner zu plätten oder Schätze zu durchwühlen. Das ist im Prinzip schon das grobe Konzept von Overlord, ebenso wie von Overlord 2. Aber genau das ist es auch, was den Reiz dieser Spielereihe ausmacht. Denn auch, wenn man als Overlord der Hauptcharakter ist und diesen auch ganz normal über das Pad steuert, sind die Minions eben jene Helfer, an denen die ganze Arbeit hängen bleibt. Das Coole ist, dass Overlord 2 dadurch nicht nur einfacher, sondern zwischendurch auch kniffliger wird, da man als Overlord nicht an alle Stellen kommt, an die eben die Schergen laufen können. Es gibt übrigens verschiedene Typen von Schergen, die alle verschiedene Fähigkeiten und damit verschiedene Einsatzgebiete haben. So gibt es zum Beispiel Gift- oder Hitze-resistente Versionen der Mini-Terroristen.
Neuere Story, altes Spiel Vom Prinzip her ähnelt Overlord II dem ersten Teil ungemein. Man hat ähnliche Aufgaben und muss sich vor allen Dingen am Anfang mit einem recht simplen Spielprinzip begnügen. Dafür hat es die Steuerung in sich: Mal eben ein paar Buttons smashen geht mit Overlord II sicher nicht, auch wenn es zum Beispiel Befehle für das automatische Bewegen und Interagieren der Schergen gibt. Trotzdem ist Overlord 2 ein durchaus komplexes Spiel, mit dem man sich eine Weile auseinandersetzen muss, bis alles lüppt. Das Tutorial scheint ein wenig zu kurz, für Spieler, die den ersten Teil nicht gespielt haben, bleibt mit Sicherheit einiges unklar. Auch die Erklärung der Story kommt mir irgendwie zu kurz. Was geht denn hier ab? Römische Legionäre stehen vor irgendwelchen Stadttoren und ich laufe als kleiner Overlord durch die Gegend, um diese ein bisschen aufzumischen – mit den Schergen natürlich. Irgendwie gewinnen die Legionäre trotzdem, stecken den Protagonisten in einen Eisklotz und lassen diesen für ein paar Jahre darin frieren. Zum Glück bekommen diesen Eisklotz irgendwie die knuffig ekligen Schergen in die Finger und befreien den Overlord aus seinem Eisgefängnis.
World of Overlord Die Missionen gestalten sich anfangs ziemlich langweilig: Typisch rollenspielmäßig muss man von A nach B laufen, bestimmte Dinge finden oder einfach nur ein paar Gegner umnieten. Auch die Auswahl der Schergen ist am Anfang begrenzt, so stehen dem Spieler nur die Standard-Minions bereit, die eigentlich gar nicht soviel drauf haben. Doch das Blatt wendet sich schnell: Ab einem gewissen Punkt hat man sogar recht komplexe Aufgaben mit Hilfe der verschiedenen Minions zu lösen. Und genau das ist es, was Overlord ausmacht und was an diesem Spiel soviel Spaß macht. Weitere coole Punkte sind zum Beispiel das Fahren mit Vehikeln wie Schiffen oder das Bedienen von Waffen wie Katapulten. Die Entwickler haben viele kleine Details ins Spiel eingebaut, die die Motivation eine ganze Weile lang relativ weit oben halten und den Spieler an Overlord 2 fesseln können. Natürlich hat Overlord 2 wie der Vorgänger so einiges an Rollenspielelementen in sich. Verbesserungen hier, Gut oder Böse da... Doch man hat nicht nur alle Elemente des Vorgängers ins Spiel einfließen lassen, sondern auch neue Features eingebaut. Cool ist zum Beispiel, dass man sich Tiere, die in der wunderschön designten Welt herumlaufen, schnappen kann, um seine Minions darauf durch die Gegend wuseln zu lassen. Auch wenn nicht jeder Schergen-Typ auf jedem Tier reiten kann, ist das Ganze ein cooles Feature, das Spaß macht. Braune Schergen reiten zum Beispiel auf Wölfen, die Grünen stehen mehr auf Spinnen.
Schön ist auch, dass die Entwickler sowohl einen offline- als auch einen online-Multiplayer-Modus eingebaut haben: Es lässt sich sowohl kooperativ als auch gegeneinander antreten. Lange aufhalten kann man sich damit leider nicht, denn wirkliche Freude kommt nicht auf: Die Kampagne lässt sich nämlich nicht kooperativ spielen, es gibt lediglich ein paar kleinere Spiele, die nur für kurze Zeit motivieren. So zum Beispiel eine Arena, in der man kooperativ ein paar Gegner zerfleischen muss.
Hey, ist das nicht Fable 2? Wenn man Overlord 2 zum ersten mal sieht, hat besonders das frühe Nordberg eine enorme Ähnlichkeit zu den ersten Sequenzen von Fable 2. Doch im späteren Verlauf sieht man den eigenen Overlord-2-Stil, der erheblich düsterere Szenen zu bieten hat, als man anfangs denkt. Die Grafik ist durchaus detailreich und macht jede Menge Freude, auch wenn die Bildrate zwischendurch mal in den Keller geht. Außerdem ist Overlord 2 wohl eines der wenigen Spiele, das durch die deutsche Synchronisation nicht an Wortwitz und düsterem Humor verliert, danke liebe Entwickler von den Triumph Studios. Kritik gibt’s für die Kamera, die einem leider ab und zu einen Strich durch die Rechnung macht und nicht das anzeigt, was man gerade sehen möchte.
Fazit Entweder man mag es, oder eben nicht: Overlord 2 ist kein Spiel für zwischendurch, sondern eines, auf das man sich einlassen muss. Ein gar nicht so einfaches Spielprinzip, die recht komplexe Steuerung und die anfänglich eher geringe Motivation machen das Spiel zum Wackelkandidaten für Gelegenheitsspieler. Doch arbeitet man sich ein wenig ein, macht Overlord 2 richtig Laune und überrascht stellenweise sowohl mit Spielkonzepten als auch mit lustigen Sprüchen und einem filmreifen, düsteren Humor. Hinzu kommt eine detailverliebte Optik, die Lust auf mehr tolle Szenen macht. Spieler, die den ersten Teil mochten, werden mit Overlord 2 ihre helle Freude haben. Alle anderen, die gerne mal ein bisschen Macht haben möchten und nichts gegen schwierige Spiele oder böse Charaktere haben, können Overlord 2 auf jeden Fall mal anspielen.
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