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Wet lässt sich spielerisch am ehesten mit Titeln wie Stranglehold oder Max Payne vergleichen. In der Rolle der toughen und heißen Auftragskillerin Rubi Malone ballert sich der Spieler durch etliche Gegnermaßen und es gilt, die Schusswechsel mittels Bullet-Time möglichst stylisch in Szene zu setzen. Natürlich hat die gute Rubi aber auch ein umfangreiches Repertoire an Moves im Gepäck, was dieses Vorhaben immens erleichtert. Denn während sie die Wände entlang läuft, Leitern herunterrutscht oder sich einfach nur in der Luft befindet, kann sie stets Gebrauch von ihren Waffen machen. Eine Art Auto-Aiming ermöglicht es, dass sie sogar zwei Gegner gleichzeitig erledigt. Der Spieler zielt also quasi mit der einen Hand, während das Spiel automatisch die anderen Hand übernimmt. Die ganzen akrobatischen Einlagen sind aber nicht nur für das Töten zu gebrauchen. In guter alter Tomb Raider-Manier muss Rubi des öfteren auch knifflige Kletterpassagen absolvieren.
Die Steuerung ist im Großen und Ganzen ganz gut, wirkt teilweise aber auch etwas hakelig. Wird das Gesicht von Rubi mit Blut befleckt, kommt ein drittes Element ins Spiel: Der so genannte Rage-Modus. Hier beschränkt sich das gesamte Farbspektrum auf rot, schwarz und weiß und die Protagonistin gerät in einen Blutrausch, in dem die Gegner noch schneller das Zeitliche segnen. Dieses Feature lässt unverkennbare Ähnlichkeiten zu Filmen wie Kill Bill aufkommen, zumal auch Rubi von einem Samuraischwert Gebrauch machen kann. Überhaupt legen die Entwickler viel Wert darauf, einen Charme zu vermitteln, wie man ihn aus Quentin Tarantino- oder Robert Rodriguez-Filmen kennt. Die Charaktere sind schräg, haben coole Sprüche auf Lager und die Story ist zwar nicht filmreif, hat aber Ähnlichkeiten zu so manchen B-Actionmovies. Dies und die temporeiche Action sorgen dafür, dass man über das eintönige und innovationslose Gameplay hinwegsehen kann. Das teilweise sehr öde Leveldesign erinnert den Spieler aber leider immer wieder daran, dass Wet spielerisch kein Offenbarung ist.
Enttäuschend ist zudem die geringe Spielzeit von fünf bis sieben Stunden (je nach Schwierigkeitsgrad). Ist das Spiel durchgespielt, wird einem nur wenig Wiederspielwert geboten. Man kann das Spiel höchstens auf einem höheren Schwierigkeitsgrad durchspielen, Achievements jagen oder sich auf die Suche nach versteckten Objekten begeben. Ein Mehrspielermodus, der dieses Problem beseitigt hätte, ist leider nicht enthalten. Besitzer der deutschen Version müssen außerdem auch einige Kürzungen in Kauf nehmen. Auf Blut wurde komplett verzichtet, ebenso wie auf Ragdoll-Effekte. Sogar Kürzungen in den Dialogen wurden vorgenommen. Das raubt dem Spiel dadurch auch so einiges an Atmosphäre.
Optisch hinterlässt Wet einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite punktet das Spiel mit einem dreckigen Grindhouse-Look und einer überhaupt sehr stylishen Aufmachung, auf der anderen Seite ist Wet, was die Texturen, Effekte und Animationen betrifft, bestenfalls durchschnittlich. Wie kann es sein, dass dieses Spiel technisch nichtmal mit dem bereits zwei Jahre alten (und keineswegs spektakulären) Stranglehold mithalten kann? Das ist mir unerklärlich, es scheint zum Teil so, als möchte der Entwickler mit dem Grindhouse-Filter über den Rest der Optik hinwegtäuschen. Beim Sound leistet Wet zum Glück eine viel bessere Arbeit. Die Dolby Digital Spur lässt es ordentlich krachen und die deutsche Synchronisation ist besser als man vermuten würde, auch wenn sie eine Spur schlechter als die englische ist. Ein echtes Highlight ist hingegen der fetzige Rockabilly-Soundtrack, der so Einiges zum Spielspaß und der Atmosphäre beiträgt.
Fazit: Leider kann Wet die hohen Erwartungen nur bedingt erfüllen. Das Spiel ist wie ein guter B-Actionmovie: Kurz, technisch durchschnittlich, frei von Innovationen, aber dafür sehr unterhaltsam, temporeich und stylisch in Szene gesetzt. Wer mit Spielen wie Max Payne oder Stranglehold seinen Spaß hatte und von Tarantino/Rodriguez-Filmen nicht abgeneigt ist, der kann bedenkenlos einen Blick riskieren.
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