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Einleitung Eigentlich haben wir es doch alle schon immer gewusst: Das brutalste, das gemeinste, das tödlichste Tier auf Erden ist ein.... Eichhörnchen. Ein rotes noch dazu. Man kann dieses Tier sogar personifizieren und ihm einen Namen geben. Und wer dieses Videospiel beendet hat, wird diesen Namen nur noch ehrfürchtig und im direkten Vergleich mit Grössen wie Neo, Terminator und dem Paten nennen. Halo´s Masterchief ist gegen ihn ein komplettes Weichei. Das Eichhörnchen heisst....
Conker Ein Name, ein Eichhörnchen, ein Ziel: Das Bett Sturzbetrunken macht sich Conker aus der Kneipe auf den Weg nach Hause. Der Alkohol lässt ihm die Füsse taumelig werden und den Magen rebellieren: Conker übergibt sich gepflegt und zwar direkt auf die nebenstehende Person. Es ist dunkel und es regnet in Strömen. Die Strassenschilder kommen Conker zwar bekannt vor aber so richtig lesen kann er sie nicht. Egal, er torkelt in eine ihm scheinbar vertraute Richtung und erleidet kurz darauf den so berühmten Filmriss: Er wacht auf und hat keine Ahnung wo er ist. Hilflos und vom Suff-Kater gepeinigt trifft er auf ....
Birdy Ein Name, eine Vogelscheuche, ein Zustand: Betrunken Birdy (sprich "Bördi"nicht "Berti"!) hat eine Mission: Er verwaltet die kontextsensitiven B-Plätze. An mit B ausgewiesenen Plätzen ist Conker in der Lage, per B-Button-Klick Special-Features auszuüben. Kontextsensitiv natürlich. Dicke Brummer sind im Weg? Drück auf B und erledige sie mit einer Steinschleuder. Zuviel getrunken und die Füsse finden nicht den Weg? Drück auf B und trinke eine aufgelöste Alka-Seltzer. Zuviel Druck auf der Blase und keine Toilette in Sicht? Drück auf B und .... nun ja.. *hüstel* .... ...kommen wir jetzt lieber zur Story, die anderen Charaktere könnt ihr im Spiel selbst kennenlernen.
Story... da war doch was... Ein besoffenes Eichhörnchen möchte seinen Rausch ausschlafen und verläuft sich auf dem Heimweg. Auf der Suche nach seinem Zuhause gerät er in fellsträubende Situationen und greift nebenbei eine Menge Kohle ab. Das alles passiert an einem einzigen Tag. Tja... das war es irgendwie auch schon. Bitte jetzt nicht abwinken und auf Substanzlosigkeit verweisen, weil es einem alltäglich vorkommt. Conker erlebt an diesem einzigen Tag mehr Action als ein normaler Video-Spiel-Superheld in einem ganzen Jahr. Und mal ganz ehrlich: Eine komplizierte Story brauchen wir doch nicht wirklich. Es gibt Action, Action, grosse Brüste, massenhaft Obszönitäten, Gags, Action und .. ach ja, Action. Wer, zum Teufel, braucht da noch ne anspruchsvolle Story???
Beeindruckend Man startet mit einem kleinen Trainingslevel und danach geht es auch schon ab in die bunte und augenscheinlich heile Welt. Bienen summen, Blumen blühen, die Sonne strahlt. Der erste Eindruck ist friedlich und harmlos, man kann sich entspannt zurücklehnen. Nur leider hält dieser Eindruck mal gerade 5 Minuten an.
Im Verlauf des Spiels trifft man auf eine furzende Maus, die man zum Zerplatzen bringen muss; reitet einen Stier, um mit dessen Hörnern von Durchfall geplagte Kühe aufzuschlitzen und stopft einem riesigem Haufen Sche**e (sorry, eine andere Bezeichnung gibt es dafür definitiv nicht) Klopapier ins Maul, um ihn dann mittels einer riesigen Klospülung zu versenken. Dies mal nur als wirklich kleine Auswahl an Situationen, in denen Conker seinen Mann im Eichhörnchen-Fell stehen muss.
Der zweite Eindruck gestaltet sich somit als sehr fordernd. Fordernd deshalb, weil im Gehirn des Spielers ständig die Alarm-Glocken des Guten Geschmacks klingeln, die das Gesehene und Gehörte mit der eigenen (hoffentlich guten) Erziehung abgleichen: "Darf das sein?""Also, nein, das ist ja unmöglich!""Wie kann man das nur so darstellen?"
Noch ein kleiner Nachschlag zum Thema "vulgär" gefällig? Der Begriff Arschbombe sollte jedem Freibad-Fan ein Begriff sein. Bei Conker wird er in völlig neue Dimensionen der Wortwörtlichkeit gehoben. Um nicht zuviel Spielspass vorwegzunehmen, hier nur eine Funktionsbeschreibung. In der Simulation eines Flug-Bombers und in Ehrung aller Vögel, die einem schon mal auf den Kopf geschissen haben: Aus der Sicht des Darm-Endes in Rosetten-Form wirft man das braune Verdauungs-Endprodukt auf die Opfer ab. Schöne Schei**e... aber echt.
Mittlerweile ist der Spielverlauf fortgeschritten und somit kommen wir zum dritten Eindruck, der ein sehr düster-makabres Bild vermittelt. Die Szenarien sind jetzt eindeutig von morbider Gewalt geprägt. Ein Kriegsschauplatz (eine Anlehnung an die Landung der Alliierten in der Normandie) ist geradezu erschreckend realistisch dargestellt. Auch Eichhörnchen können sterben. Sogar brutal sterben. Die Darstellung der Todes-Szenarien enthalten dabei keine Prise Humor mehr. Grausamkeit und Niedlichkeit sind ein interessantes Paradoxon. Dieses Paradoxon ist es auch, welches der Brutalität (die im gesamten Spiel eher mehr als weniger ausgeübt wird) die Ernsthaftigkeit nimmt. Klar, ein Eichhörnchen im Comic-Look, welches auf dem Schlachtfeld seinen eigenen Arm aufsammelt, das kann nicht wirklich und ernsthaft schrecklich aussehen. Also: Lachen oder betroffen mitleiden, vielleicht auch beides - das ist einem jeden selbst überlassen. Die Entscheidung ist tatsächlich nicht immer einfach.
Grafik, Sound und Gameplay Conker - Live and Reloaded ist ein Remake, daher ist ein Direktvergleich zum Vorgänger aus dem Jahre 2001 angebracht. Auf dem Nintendo64 war das Game seinerzeit in den USA ein grosser Erfolg. Für Europa gab es eine einheitliche PAL-Version (frz./engl./dt.) in leider begrenzter Stückzahl und mit nur englischer Sprachausgabe. Die Limitierung in Kombination mit grosser Beliebtheit macht sich auch noch 4 Jahre nach Erscheinen bemerkbar: Die N64 Pal-Version wird bei Ebay für locker 60 Euro verkauft.
Was hat also die Xbox-Version, das die Nintendo-Version nicht hat?
Bessere Optik Conker war schon auf auf dem N64 eines der optisch besten Games, Microsoft führt die figürliche und leveldesign-technische Darstellung nahezu in die Perfektion. Conkers Fell (Fur) ist somit die haarige Angelegenheit, wonach sie im Titel des Singleplayers benannt wurde: Ein Bad Hair Day ist im englischen die Umschreibung für einen wirklich katastrophalen Tag. Conker hat also ein flauschiges Fell, die Bienenkönigin ein müdes Make-Up und die Geldbündel viel mehr verdorbenen Charakter. Die Ausarbeitung der Figuren ist wirklich hervorragend gelungen.
Das Leveldesign ist nicht mehr so quietschbunt, dafür sehr detailreich gestaltet. Die Levels im Tageslicht erscheinen dabei optisch besser als die dunkleren bei Nacht. Erwähnenswert sind die Lade-Pausen, währenddessen immer derselbe Lade-Bildschirm angezeigt wird. OK, der Vergleich zum N64 hinkt, dort war das Spiel als ROM ohne nennenswerte Pausen aus einem Guss spielbar. Wenn man jetzt allerdings schnell durch ne Tür gehen will und dann doch lieber zurück und dann womöglich gleich den nächsten Level erreicht, dann kommen 3 Ladebildschirme innerhalb weniger Sekunden auf einen zu.
Besserer Sound Allerdings nur, wenn man die Möglichkeit hat, Dolby Digital wiederzugeben, ansonsten tut sich da nicht viel. Die Original-Stimmen (sind weiterhin englisch, aber es gibt eine deutsche Textausgabe) und der Original-Soundtrack wurden fast 1:1 übernommen. Es gibt einige dezente Änderungen, die fallen aber nur eingefleischten Conker-Fans der ersten Stunde auf. Beispielsweise wird der Soundtrack innerhalb der Disco nicht in einer Endlos-Schleife wiedergegeben, sondern nach einmaligem Durchspielen ein anderes Stück intoniert. Conker hat einen der besten Soundtracks überhaupt. Man lebt und fühlt mit der Musik. Lustig und fröhlich, düster und bedrohlich ... alles ist drin. Die Arie des Great Mighty Poo (Sloprano) ist Kult und der Techno-Trance-Beat aus dem Rock Solid kann in jeder Tanzhölle weltweit aufgelegt werden.
Besseres Gameplay Nein, das stimmt nicht. Insgesamt ist das Gameplay nicht relevant geändert worden, geschweige denn verbessert. Es gibt zwar ein erhöhtes Gegneraufkommen aber im Ganzen wurde der Schwierigkeitsgrad gesenkt. Beispiel Sonnenblume: Musste man vorher 3 geglückte Sprünge machen um an das Geld zu kommen, braucht man jetzt nur einen einzigen.
Was leider negativ auffällt, ist die Beschneidung von Conkers Pausen-Animationen: Wenn man ihn eine kurze Zeit nicht bewegt, fängt er mit Kaspereien an um die Zeit totzuschlagen. Die Jojo-Kunst beherrschte er auf dem N64 einfach besser und eine leergetrunkene Dose bekommt der Zuschauer auch nicht mehr auf die Mattscheibe getreten. Aber das Allerschlimmste!! und jeder Conker Fan wird da entrüstet mitprotestieren - das Allerschlimmste ist: Conker tanzt nicht mehr die Schlangenbewegung in der Disco. Nebenbei sind auch noch ein paar Laser- und Lichteffekte weniger vorhanden. Die Disco-Szene ist eine der stärksten im gesamten Game, da ist es nicht nachzuvollziehen, warum derart besondere Details rausgenommen wurden.
Die Steuerung war schon beim Vorgänger top, das ist sie jetzt auch, aber die Kamera ist nicht immer optimal. Statt mit einem Analogstick dreidimensional zu lenken und die Kamera über Buttons nachzujustieren, macht man das jetzt mit linkem Stick (laufen und Springen) und rechtem Stick (Kamera-Sicht). Die Xbox-Version hat einen Battle-Modus, der schon auf den Live-Modus vorbereitet: Mit gezogener Waffe kann man Conker nur nach vorne richten, da ist man auf den rechten Stick angewiesen, um die Zielausrichtung hinzubekommen. Die Steuerung ist somit etwas geändert aber nach Eingewöhnung praktikabel. Als kompliziert und komplex kann man sie sowieso nicht bezeichnen, da X und Y nicht einmal belegt sind.
XBox Live Genug zum Singleplayer, Rare hat ja nicht nur an dessen Umsetzung gearbeitet, sondern ein Hauptaugenmerk auf Xbox Live gelegt. Zur Zeit gibt es ein paar wirklich gute Live-Shooter, davon sollen beispielsweise Halo2, Timesplitters und Unreal Championship 2 genannt werden. An diesen Games muss sich heutzutage jeder neue Live-Kandidat dieses Genres messen.
Die Menüführung ist gelungen und übersichtlich. Man kann seinen Freunden sowohl sprachlich als auch schriftlich Nachrichten senden. Bis zu 16 Spieler haben auf einem Server Platz, den man entweder öffentlich oder als privat ausschreiben kann. Es stehen 8 Maps in einem altem Krieg oder futuristischem Krieg - Design zur Verfügung. Das ist im Vergleich zu den o.a. Games eher wenig. Für den Spieler gibt es sechs Kampfklassen mit spezifischen Fähigkeiten, die man sogar mitten im Kampfgeschehen wechseln kann. Sniper gesucht aber man läuft mit der Bazooka rum? Kein Problem, einfach über das Pausemenü den Typ wechseln und über den Spawn-Punkt neu hereinkommen. Waffen, Kleidung und Ausrüstung richten sich nach dem Zeitpunkt des jeweiligen Krieges und sind somit meist doppelt vorhanden. Zu den Kampfklassen gehören auch die Mobilen Einheiten, das sind Boden- und Luftfahrzeuge, die rabiate Action garantieren.
Es gibt zwei Parteien, die Tediz und das Oberkommando der Eichhörnchen (OKE). In der Lobby wählt die gewünschte Partei und Kampfklasse aus und kann sich die Mission per Y-Button erklären lassen. Der Eintritt in ein bestehendes Spiel ist jederzeit möglich. Die Spiel-Modi sind objektorientiert gehalten und versprechen somit mehr Abwechslung und Teamplay als ein simpler Deathmatch-Modus. (Eingefleischte DM-Fans seien aber beruhigt: Jede Map lässt sich auch im klassischen DM und TDM-Modus spielen.) Ein Beispiel ist die Map Tod am Strand. Gegen die Zeit muss das Team Barrikaden einreissen und die Festung erobern. Das Gegnerteam hält natürlich dagegen. Ist die Festung innerhalb der vorgegebenen Zeit erobert, werden die Teamseiten gewechselt das andere Team muss die neue Zeit schlagen um zu gewinnen.
Das Leveldesign ist vielfältig und detailreich, die Animation der Charaktere individuell und überzeugend. Man vergisst sogar recht schnell, dass man nur Kuschelbären und Eichhörnchen in die Schlacht führt. Insgesamt ist das Live-Gameplay sehr komplex. Mal eben ins Getümmel springen, die Waffe ziehen und wild rumballern ist nicht. Um den vollen Spielgenuss zu bekommen, muss man einiges an Zeit investieren um die Kampfklassen, Waffen und Fahrzeuge mittels der Steuerung in den Griff zu bekommen. Live und offline gibt keine First-Person-Sicht, man kann das Game also nicht als "echten" Ego-Shooter bezeichnen. Die Third-Person-Sicht ist allerdings überzeugend gelöst und bietet in jedem Fall den Vorteil der besseren Übersicht.
Nach dem Bestehen einer Schlacht bekommt man Erfahrungspunkte zugeteilt, die den eigenen Charakter aufleveln und in seinen Fähigkeiten verbessern. Je besser man war, desto mehr Punkte. Über die Statistik kann man verfolgen, welche Ränge und Medaillen zugeteilt werden. Leider hat dieses Feature auch einen negativen Aspekt: So braucht man sich nur mit einem Partner verabreden um sich gegenseitig geduldig hochzuleveln.
Neben Xbox Live gibt es noch weitere Möglichkeiten den Multiplayer auszuleben: Mittels Systemlink, zu zweit via Splitscreen oder doch lieber allein gegen einen Haufen (Dumm)Bots.
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