Um zum Kinectlaunch auch der immer größer werdenden Fangemeinde der Sportspiele etwas bieten zu können, veröffentlicht Ubisoft MotionSports. Eine früher Vorabversion konnten wir auf der GamesCom 2010 in Köln anspielen.
MotionSports ist explizit als Multiplayerspiel gedacht. Zwar wird es einen "Celebrity-Modus" geben, in man zwischen den einzelnen Sporteinlagen zum Posieren für Magazincover aufgefordert wird, hauptsächlich kann man aber die Sportarten einzeln anwählen und mit oder gegen Freunde spielen. Bisher sichtbar waren Reiten, Skifahren, American Football, Hang Gliding, Fußball und Boxen. Anspielbar waren davon leider nur Skifahren und Boxen. Während der Ladezeiten vor jedem Match wird es per Video eine Einführung in die Bewegungen geben, die die Ladezeiten überbrücken. Dabei wird das Bild von der Kinect-Kamera direkt neben dem Modell angezeigt, sodass man nach der Ladezeit direkt ins Spiel einsteigen kann.
Beim ersten Skifahren fallen noch starke Grafikprobleme in Form von Clippingfehlern auf, die Skistöcke werden meistens in sehr merkwürdigen Posen gehalten. Es ist fraglich, ob Ubisoft sich hier nicht etwas von der genauen Erkennung abwenden sollte, um ein runderes Spielerlebnis zu bieten. Auch die Animationen wirken noch leicht hölzern. Da bis zum Release nur noch knappe drei Monate Zeit bleiben kann man sich wohl nicht sicher sein, dass hier noch alle Baustellen zufriedenstellend abgearbeitet werden können.
Nach dem Übergang zum Boxen fallen weitere Probleme mit der Grafik auf. Sie ist zwar in allen Bereichen zweckdienlich, allerdings auch nicht mehr. Auf bestem Xbox360-Niveau ist sie auf keinen Fall. Es stellt sich zwar die Frage, ob das bei einem Sportspiel, dass ausschließlich auf Kinect setzt, überhaupt notwendig ist, aber ein gewisser Standard sollte schon gewahrt bleiben.
Auch fällt beim Boxen das immer wieder zitierte Lag-Problem mit Kinect auf. Während die First-Party-Spiele diese Eigenheit wohl gut im Griff haben, spürt man bei MotionSports immer wieder eine Verzögerung von ungefähr einer halben Sekunde zwischen Schlag und Reaktion auf dem Bildschirm. Beim Skifahren ist diese Reaktionsverzögerung zwar nicht weiter störend, da es allerdings beim Boxen gerade auf schnelle Reaktionen ankommt, ist es hier doch schon störend.
Generell bedarf das Hauptfeature des Spiels, die Kinect-Unterstützung, noch einiger Fürsorge. So braucht man im Menü unnötig lange, um die Menüpunkte auszuwählen, da die Hand anscheinend nur an einer wenige Pixel großen Stelle erkannt wird. Nach einer kurzen Kalibrierung verbesserte sich die Erkennung im Menü zwar, jedoch versagt sie beim Skifahren fast vollkommen, wenn der Spieler über 1,95m groß ist. Als ich mich vor die Kamera wagte, wackelte der Avatar auf dem Bildschirm sehr unschön hoch und runter. Zwar konnte man es ins Ziel schaffen, ein entspanntes Spiel mit Freunden sieht jedoch anders aus.
Sollte man irgendwann genug von den anstrengenden Sportarten haben, werden auch entspannendere zur Verfügung stellen, sodass man auch seine persönliche Cooldown-Phase mit dem Spiel verbringen kann.
Damit MotionSports für den Release am 10. November 2010 gerüstet ist, muss noch stark an dem Titel gearbeitet werden. Gerade die Kinectunterstützung ist noch mangelhaft und frustriert mehr, als dass sie wirklich funktioniert. Wenn diese allerdings wider Erwarten noch funktionstüchtig gemacht wird, könnte sich hinter MotionSports ein interessanter Titel für die gelegentliche Privatparty in kleiner Runde verstecken. Da keine komplizierten Tastenbelegungen erlernt werden müssen, ist ein schneller Einstieg für so gut wie jeden gewährleistet.